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Mähschäden an Straßenbäumen


TASPO BAUMZEITUNG - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 24.08.2018

Stammschäden sind ein großes Problem von Stadt- und Straßenbäumen. In Dresden wurde erstmalig der genaue Umfang solcher Schäden durch Mäharbeiten im Stadtgebiet erfasst und bewertet.


Artikelbild für den Artikel "Mähschäden an Straßenbäumen" aus der Ausgabe 4/2018 von TASPO BAUMZEITUNG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO BAUMZEITUNG, Ausgabe 4/2018

Abb. 1: Es wurden nur Straßenbäume untersucht, die auf Rasen stockten, welcher baumnah manuell mit einer Motorsense gemäht wurde.


Die Lebenserwartung von Straßenbäumen beträgt aufgrund der Stressfaktoren und Standortprobleme nur ein Viertel des potenziell erreichbaren Alters (Roloff 2013). Unter anderem haben die durch Mähwerkzeuge verursachten Schäden des Stamm - fußes einen Einfluss auf die Verkehrssicherheit der Bäume. ...

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... Diese Verletzungen standen im Mittelpunkt einer Untersuchung an Dresdner Stadtbäumen. Hauptziel war dabei die Ermittlung eines prozentualen Anteils der durch Mäharbeiten geschädigten Bäume am Gesamtstichprobenumfang. Dieser Prozentsatz sollte separat erhoben werden für kontrollierte Bäume im Kerngebiet der Stadt und für die an peripheren Verbindungsstraßen stockenden Gehölze. Das im Vorfeld der Untersuchung entwickelte Aufnahmeformular enthält neben Angaben zum Ausmaß der Stammverletzungen (Breite, Höhe, Tiefe, freiliegendes Holz u. a.) auch Merkmale der geschädigten Bäume: Baumnummer und -art, Alter, Rindenbeschaffenheit, Stammfußdurchmesser.

Der Begriff des Mähschadens

Weiterhin galt es, den Begriff des Mähschadens für die zu erfassenden Verletzungen des Stammfußes konkret zu definieren. Aufgrund der Gerätebeschaffenheit der verwendeten Mähtechnik wurde festgelegt, dass nur horizontal verlaufende Schäden genauer betrachtet werden. Zudem sollte die Relation von Breite zu Höhe der Verletzungen mindestens ein Verhältnis von drei zu eins aufweisen. Die so definierten Mähschäden zeigten also einen waagerechten Liniencharakter. Wie in den Abbildungen 3 und 4 zu sehen, konnten bei der Zerstörung des Gewebes sowohl geradlinige als auch zerklüftete Schnittkantenverläufe beobachtet werden.

Es wurden ausschließlich Straßenbäume untersucht, die auf Rasen stockten, welcher baumnah manuell mittels einer Motorsense gemäht wurde (Abb. 1).

Datenumfang der Standorte

Insgesamt wurden für die Untersuchung 4.599 Straßenbäume an 64 Verkehrswegen kontrolliert. Die betrachteten Gehölze umfassten dabei 39 verschiedene Baumarten. An 232 Bäumen wurde ein Mähschaden festgestellt. Die Verteilung auf das Kernstadtgebiet beziehungsweise den Peripheriebereich Dresdens zeigt Tabelle 1.

Innerhalb des Kernstadtgebietes Dresdens machen die Gattungen Tilia, Acer, Quercus und Aesculus rund 70 % der untersuchten Bäume aus (Abb. 2). In dem restlichen Viertel der Datenmenge finden sich 15 Baumgattungen wieder. Ähnlich verhält es sich bei den Gattungen des Peripheriegebietes. Die vier Gattungen mit den meisten beprobten Bäumen belegen zusammen 80 % des Datenumfangs.

Im Vergleich zum Kernstadtgebiet zeigen sich besonders starke Unterschiede bei den Gattungen Tilia, Sorbus und Prunus. Während Bäume der Gattung Tilia im Kerngebiet mit 24 % den größten Anteil aus - machen, nehmen sie mit nur zwei Prozent in den Peripheriebereichen eine eher untergeordnete Rolle ein. Dagegen fällt der Prozentsatz der Gattungen Sorbus und Prunus an den kontrollierten Ortsverbindungsstraßen wesentlich größer aus als an kernstädtischen Straßen. Weiterhin geht aus dem Vergleich hervor, dass einige Gattungen wie beispielsweise Malus nur an einem der beiden Standorte untersucht wurden.

Die Unterschiede in der Anzahl der detektierten Baumarten beider Standorte lassen sich dadurch erklären, dass an den Ortsverbindungsstraßen historisch begründet mehrheitlich bekannte Gattungen wie Acer und Aesculus in Kombination mit Obstbäumen verwendet werden, während im Kernstadtgebiet auch Exoten wie der Schnurbaum (Styphnolobium japonicum) und eine Vielzahl an Hybridformen zum Einsatz kommen.

Die Häufigkeitsverteilungen der im Aufnahmebogen mit Hilfe von Nominaldaten erfassten Merkmale zeigten eine weitgehende Übereinstimmung zwischen kernund randstädtisch durchgeführten Messungen. So konnten weder bei der Wundtiefe, dem Alter des Mähschadens, bei der Rindenbeschaffenheit geschädigter Bäume noch dem sichtbaren Vorhandensein einer Überwallungsreaktion signifikante Unterschiede zwischen den beiden Standorten nachgewiesen werden.

Ergebnisse anders als erwartet

Im Vorfeld der Untersuchung wurde vermutet, dass der Anteil der Mähschäden am Gesamtstichprobenumfang für das Kernstadtgebiet größer ausfallen wird als für den Peripheriebereich. Zur Klärung des Sachverhaltes wurden an beiden Standorten für alle untersuchten Baumarten die Anzahl kontrollierter und geschädigter Bäume zusammengefasst. Mit Hilfe der Gesamtsumme untersuchter Straßenbäume für die jeweiligen Stadtbereiche konnte der prozen- tuale Anteil jeder Baumart ermittelt werden. Es stellte sich entgegen der Vermutung heraus, dass der Anteil mit Mähschäden versehener Bäume für das Kerngebiet 4,5 % beträgt, während er mit 7,3 % an den peripheren Ortsverbindungswegen deutlich größer ausfällt. Möglicherweise kann dies damit begründet werden, dass die Straßen, von denen eine erhöhte Schadensanzahl bekannt war, bei der deutlich kleineren Menge an kontrollierten Straßen des Peripheriebereiches mehr ins Gewicht fallen als bei den Straßen des Kernstadtgebietes.

Abb. 2: Prozentuale Verteilung der Gattungen untersuchter Straßenbäume des Kernstadtgebietes (links) und des Peripheriebereiches (rechts)


Heterogene Verteilung zwischen den Baumarten

Im Kernstadtgebiet wurden 3.690 Straßenbäume kontrolliert, die sich jedoch unterschiedlich stark auf die 34 Baumarten verteilen. Dies lässt sich durch den zu untersuchenden Standort erklären. Denn nach der Straßenbaumliste von GALK (2017) sind nicht alle Baumarten aufgrund ihrer spezifischen Standortsanforderungen und Habitusausprägung gleich gut als Straßenbaum geeignet. So finden Baumarten wie der Spitzahorn (Acer platanoides) und die Holländische Linde (Tilia x hollandica) in einer größeren Stückzahl Verwendung als beispielsweise Baumarten mit Fruchtfall wie die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) oder Obstbäume. Daher variiert die Anzahl kontrollierter Exemplare zwischen 3 und 469 Bäumen pro Baumart.

Mit 469 Exemplaren wurden am häufigsten Bäume der Holländischen Linde (Tilia x hollandica) untersucht. Mit 12,7 % stellen sie folgerichtig auch den größten prozentualen Anteil am Gesamtstichprobenumfang für das Kernstadtgebiet. Die 18 aufgenommenen Schäden verfehlen nur knapp den Höchstwert an geschädigten Bäumen einer Baumart (Tab. 2). Hier liegt der Bergahorn (Acer pseudoplatanus) mit 19 Schäden noch vor der Holländischen Linde (Tilia x hollandica). Neben dieser Lindenart weist nur noch der Spitzahorn (Acer platanoides) einen zweistelligen Prozentsatz am Stichprobenumfang dieses Standortes auf. Es wurden jedoch auch Baumarten wie die Sumpfeiche (Quercus palustris) untersucht, bei denen aber keine Mähschäden protokolliert werden konnten.

Abb.3: Mähschaden mit zerklüftetem Schnittkantenverlauf an Roteiche (Quercus rubra)


Abb.4: Geradliniger Schnittkantenverlauf an Bergahorn (Acer pseudoplatanus).


Abb.5: Stammschutzmanschette aus flexiblem Kunststoff an Schwedischer Mehlbeere (Sorbus intermedia).


Fotos: Gretzschel

Für die Schäden an den randstädtischen Ortsverbindungsstraßen lässt sich ein ähnliches Bild zeichnen. Auch hier ist die Verteilung der 909 untersuchten Straßenbäume auf die 19 erfassten Baumarten sehr heterogen. So wurde von der Amerikanischen Gleditschie (Gleditsia triacanthos) lediglich ein Baum untersucht. Bei der Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) waren es hingegen 184 Bäume. Dementsprechend hoch fällt mit 20,2 % auch ihr Anteil am Gesamtstichproben umfang für diesen Standort aus. Mit 15 Stück weist die Schwedische Mehlbeere (Sorbus intermedia) die meisten geschädigten Bäume auf, gefolgt vom Spitzahorn (Acer platanoides) mit 10 Straßenbäumen mit Mähschaden (Tab. 2).

Betrachtet man Baumarten, die sowohl im Kernstadtgebiet als auch im Stadtrandbereich kontrolliert worden sind, und vergleicht deren Werte für beide Standorte miteinander, zeigt sich, dass es sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede gibt. So liegt der Anteil von geschädigten Bäumen bei der Schwedischen Mehlbeere (Sorbus intermedia) für beide Standorte bei 15 %, bei einer nahezu gleich großen Anzahl untersuchter Exemplare. Deutliche Unterschiede bei dem prozentualen Anteil mit Schäden versehener Bäume in Bezug auf die Anzahl untersuchter Exemplare lassen sich hingegen bei Winterlinde (Tilia cordata), Stieleiche (Quercus robur) und Spitzahorn (Acer platanoides) ablesen. Bei der Winterlinde beträgt die Differenz 14 Prozentpunkte zwischen den kernstädtischen Bäumen (4 %) und ihren im Stadtrandbereich stehenden Artgenossen (18 %).

Gattung Acer deutlich vorn

Wird die Anzahl geschädigter Bäume einer Gattung in Relation zu der Gesamtsumme an Mähschäden eines Standortes gesetzt (Tab. 2), wird ersichtlich, dass kernstädtisch jeweils rund 19 % der 166 Schäden auf die Gattungen Acer und Tilia entfallen. Innerhalb der Ahorne wurden mit über 11 % die meisten Verletzungen durch manuelle Mähgeräte an Bergahorn (Acer pseudoplatanus) festgestellt. Bei den Linden weist die Holländische Linde (Tilia x hollandica) mit 10,8 % den größten Prozentsatz auf. Hinter diesen beiden Gattungen folgen Quercus und Sorbus mit einem Anteil von 13 beziehungweise 9 Prozentpunkten an der Gesamtsumme der Schäden. Mit knapp 60 % decken diese vier Baumgattungen somit über die Hälfte aller im Kernstadt gebiet aufgenommenen Mähschäden ab.

Bei den im Dresdner Stadtrandbereich aufgenommenen Mähschäden zeigt sich ein noch heterogeneres Bild bezüglich ihrer Verteilung auf die Gattungen. So zeigen die vier Baumgattungen mit den größten Prozentsätzen (Acer, Sorbus, Quercus und Aesculus) über drei Viertel aller Schäden. Allein 30 % der 66 protokollierten Schäden entfallen dabei auf die Gattung Acer. Im Vergleich zu den aufgenommenen Daten des Kerngebietes ist der Prozentsatz für die Gattung Sorbus mit rund 27 % dreimal größer. Dahingegen verringert sich der Wert für geschädigte Lindenbäume von 18,7 % kernstädtisch auf 4,5 Prozentpunkte an den Ortsverbindungsstraßen. Wie auch im Kernstadtgebiet entfallen die drittmeisten Schäden auf Bäume der Gattung Quercus. Mit 15,2 % aller protokollierten Schäden weist diese Gattung im Peripheriebereich einen ähnlich hohen prozentualen Anteil auf wie im Kerngebiet der Stadt (13,3 %)

Junge Bäume gefährdeter

Mittels der erhobenen Daten sollten auch mögliche Zusammenhänge zwischen bestimmten Baummerkmalen und auftretenden Mähschäden untersucht werden. So wurde ein Vergleich des Verhältnisses der Wundbreite zum Stammumfang unter Berücksichtigung des Baumalters an beiden Standorten durchgeführt. Das Alter der Bäume konnte mit Hilfe des Straßenbaumkatasters der Stadt Dresden ermittelt werden. Es wurde ersichtlich, dass der prozentuale Anteil der Schadensbreite am Stammumfang bei jüngeren, dünneren Bäumen deutlich größer ausfällt als bei Bäumen, deren Alter über dem Durchschnittswert lag. Dadurch kann davon ausgegangen werden, dass gleichgroße Wunden bei jüngeren Bäumen mit einem geringeren Stammumfang problematischer sind. Dasselbe Ergebnis konnte bei den Straßenbäumen des Peripheriebereiches beobachtet werden.

Als weitere Teiluntersuchung wurde der Einfluss von Baumalter und Rindenbeschaffenheit auf die Anzahl an Schäden betrachtet. Dabei konnte an beiden Standorten festgestellt werden, dass wesentlich mehr Schäden an dünnrindigen Bäumen mit unterdurchschnittlichem Baumalter und Stammfußdurchmesser auftreten als an Straßenbäumen mit dickerer Borke und größerem Stammumfang.

Einsatz von Stammschutzvorrichtungen ist unabdingbar

Wie aus den Ergebnissen hervorgeht, konnten mit Hilfe des entwickelten Aufnahmekataloges im Kerngebiet der Stadt Dresden und an den peripheren Ortsverbindungsstraßen insgesamt 232 durch manuelle Mähgeräte verursachte Schäden am Stammfuß von Straßenbäumen erfasst werden. Durch den mit etwa 4.600 untersuchten Objekten großen Stichprobenumfang, welcher repräsentative Aussagen zu der Häufigkeit von Mähschäden an Straßenbäumen zulässt, war es zudem möglich, verschiedene Baumarten und -gattungen separat zu analysieren.

Aufgrund der Verwendung baugleicher Maschinen ergaben sich für die Ausmaße der Mähschäden keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen beiden Standorten. Mit den berechneten mittleren Prozentsätzen von 4,5 % für das Kernstadtgebiet und 7,3 % für den randstädtischen Peripheriebereich an der Gesamtheit kontrollierter Gehölze befindet sich die Zahl der Bäume mit Mähschaden in einem scheinbar als akzeptabel anzusehenden Bereich. Gemessen an der sich dahinter verbergenden Baumanzahl sind es jedoch zu viele geschädigte Straßengehölze, sodass als Schlussfolgerung unbedingt der vermehrte Einsatz von Stammschutzvorrichtungen.

DIE AUTOREN

Robin Gretzschel ist M.Sc.-Absolvent der Forstwissenschaften an der TU Dresden.


Prof. Dr. Andreas Roloff ist Inhaber des Lehrstuhls für Forstbotanik an der TU Dresden in Tharandt.


(Abb. 5) beziehungsweise besser Rindenschutzvorrichtungen direkt am Freischneider anzuwenden ist. Das durch Mähschäden vorhandene Fäulerisiko an der sensibelsten Stelle des Baumes für die Verkehrssicherheit ist vermeidbar und nicht akzeptabel, da am Wurzelanlauf/Stammfuß immer Bruch- und Standsicherheit betroffen sind.

Literatur:
GALK (2017): GALK-Straßenbaumliste.www. galk.de/arbeitskreise/ak_ stadtbaeume/webprojekte/ sbliste/. Zuletzt aufgerufen am 03.11.2017
Gretzschel, R. (2018): Untersuchung zu Schäden durch manuelle Mäharbeiten an Straßenbäumen des Kerngebietes und des Peripheriebereiches der Stadt Dresden – Erfassung, Ausmaß und Bewertung. Masterarbeit Technische Universität Dresden, Professur für Forstbotanik Roloff, A. (2013): Bäume in der Stadt – Besonderheiten, Funktion, Nutzen, Arten, Risiken. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart