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MAGAZIN


Siegessäule - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 30.10.2019
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Happy …

Am 01.11. feiert eine Ostberliner LGBTI*-Institution ihren 25. Geburtstag: das Flax an der Grenze vom Prenzlberg zu Friedrichshain. Die Kneipe ist damit einer der wenigen Szene-Läden, der im Bezirk überlebt hat. „Die Lage an der Stadtteilgrenze stellt sich nun als Vorteil heraus“, erklärt Inhaber Steffen, „da die Gentrifizierung unseres Kiezes zwar zu merken, aber längst nicht abgeschlossen ist.“ Wenn Steffen an die Highlights aus 25 Jahren denkt, fallen ihm zuerst seine Gäste ein: „Wenn man immer wieder große Dankbarkeit und nette Worte erfährt, dann hat man viel richtig gemacht.“ Zum Jubiläum wünscht er sich, „dass der Strom an geselligen und feierwütigen Gästen nicht nachlässt und unsere tollen Nachbarn auch weiterhin mit uns in diesem freundlichen Miteinander leben“. Das wünschen wir dem Flax auch!

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Macht Platz!

In Kreuzberg soll im öffentlichen Raum an den schwulen, 1996 verstorbenen Musiker Rio Reiser erinnert werden. Ungeklärt ist in welcher Form. Im Gespräch ist u. a. eine Umbennenung des Heinrichplatzes oder eine Gedenkinstallation. Am 07.11. gibt es im aquarium eine offene Diskussion, an der auch Rio Reisers Bruder Gert C. Möbius und Kai Sichtermann von Reisers Band Ton Steine Scherben teilnehmen werden. Nach der Veranstaltung und einer Empfehlung des Kulturausschusses wird die Bezirksverordnetenversammlung abstimmen. Gegen eine Umbenennung spricht die Regel, dass in Kreuzberg nur noch Frauen für Neubenennungen von Straßen und Plätzen infrage kommen. Die verantwortliche Stadträtin Clara Herrmann sagt allerdings dazu: „Rio Reiser ist ein wichtiger Teil der Kreuzberger sowie queeren Geschichte. Nicht nur Frauen sind im Stadtgedenken unterrepräsentiert, sondern auch LGBTI*-Personen.“

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… Birthday

Am 23.11. feiert die Kulturvermittlerin, Konzertveranstalterin und lesbische Aktivistin Mahide Lein ihren 70. Geburtstag. Mahide kam Ende der 70er-Jahre von Frankfurt a. M. nach Berlin und engagierte sich hier auf vielfältige Weise in der lesbischen Community. Unter anderem organisierte sie bis 1990 den legendären Kulturort PELZE-multimedia und gründete das Fernsehmagazin „Läsbisch TV“, das bis 1993 auf FAB ausgestrahlt wurde. Anfang der 90er co-organisierte sie außerdem den ersten CSD Russlands in St. Petersburg. Für ihr Engagement wurde sie u. a. mit dem Zivilcouragepreis des Berliner CSDs und dem Rainbow-Award des Lesbisch-schwulen Stadtfestes ausgezeichnet.

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Her damit!

Butch is beautiful! Die Autorin und Herausgeberin Pia Thilmann („Butches: Begehrt und bewundert“) hat gemeinsam mit Illustratorin Ina Bär einen Butchkalender auf den Markt gebracht. „Butches in their natural habit“, heißt das gute Stück und zeigt zwölf „wunderbare Mannweiber, herrliche Kampflesben, prächtige trans* Menschen, eigenwillige Gentlewomen“. Zur Butch-Person des jeweiligen Monats gibts kleine Texte, in denen sich die Models selbst beschreiben. Finanziert über ein Crowdfunding und gedruckt auf umweltfreundlichem DIN-A-4-Recyclingpapier gibts den Kalender ab jetzt für 15 Euro bei Eisenherz.

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FOTO: MARK WILSON/GETTY IMAGES

TOP: Kämpferische Diva

Die US-Schauspielerin und zweifache Oscarpreisträgerin Jane Fonda („Klute“, „Barbarella“) ist Feministin, Pazifistin, politische Aktivistin und seit über einem halben Jahrhundert Kämpferin für LGBTI*-und PoC-Rechte. Dabei erschöpft sich ihr Engagement nicht nur in der Unterstützung von Charity-Veranstaltungen. Ihr politischer Kampf findet an vorderster Front statt! Zurzeit ist sie in Washington aktiv: Die 81-Jährige beteiligt sich an den dort stattfindenden Klimaprotesten und bezieht sich dabei auf die Losung von Greta Thunberg: „Wir müssen uns so verhalten, als würde unser Haus in Flammen stehen. Denn genau das tut es.“ Unter dem Namen „Fire Drill Friday“ fordert sie freitags mit mehreren Aktivist*innen auf den Treppen des Kapitols ein komplettes Umdenken, um die Klimakatastrophe abzuwenden. Die Politik müsse aufhören, Firmen zu hofieren, die den Planeten „für ihren Profit zerstören“. Bereits mehrfach wurde sie während dieser Aktionen von der Polizei festgenommen wegen Störung der öffentlichen Ordnung und der Teilnahme an einer nicht genehmigten Demonstration. Trotzig reckte sie dabei ihre gefesselten Hände in die Kamera. Ihr drohen nun mehrere Wochen Haft. Der Hollywoodstar zeigt damit eindrücklich, dass in der momentanen Situation ziviler Ungehorsam dringend notwenig ist.
Seit den 60er-Jahren engagiert sich Jane Fonda in der Bürgerrechtsbewegung. Sie protestierte lautstark gegen den Vietnamkrieg, gegen Sexismus und Rassismus, nicht selten mit streitbaren Aktionen, die auch mal übers Ziel hinausschossen. Sie selbst räumte dabei immer wieder Fehler ein, hörte aber nie auf, ihre Stimme zu erheben. 2015 wurde sie mit dem Vanguard Award des Los Angeles LGBT Center geehrt. In der Begründung hieß es, dass sie sich zu einer Zeit für die Community stark machte, als es für Prominente noch undenkbar schien, sich öffentlich für die Rechte von LGBTI* einzusetzen. In den Siebzigern hatte sie bereits an der Seite von Harvey Milk gegen Homophobie demonstriert. Im Dezember wird Jane Fonda 82 Jahre alt! Eine große Diva, die nicht müde wird, sich massiv gegen Unrecht einzusetzen.

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FLOP: CSD ohne Jugend

Wirkliche Aufbruchstimmung wollte bei der Mitgliederversammlung des CSD e. V. am 07.10. nicht aufkommen: Dabei wurden an diesem Abend im Café Ulrichs neue Vorständ*innen gewählt, die federführend die Gestaltung des kommenden CSD übernehmen. Doch einmal mehr wurde deutlich, dass dem Berliner CSD e. V. neue und junge Mitglieder*innen fehlen, die Verantwortung übernehmen wollen. Im Vorstand landeten dementsprechend altbekannte Gesichter. Neben dem verbleibenden Stefan Kuschner sind „neu“ dabei: LGBTI*-Aktivist Ralph Ehrlich, der sich seit Jahrzehnten verdienstvoll in der Berliner Community engagiert, Lutz Ermster, der schon 2014 in den Vorstand gewählt wurde (damals noch unter Geschäftsführer Robert Kastl) und Dana Wetzel vom Verein BiBerlin – die bisher einzige Frau im Team. Das ist besonders schade, schließlich waren in den letzten Jahren lesbische Frauen doch maßgeblich daran beteiligt, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Und der steckte dort – nachdem Kastl einen Schuldenberg plus Imageschaden hinterlassen hatte – ziemlich fest. Allerdings hat der jetzige Vorstand nun noch die Möglichkeit, eine fünfte Person vorzuschlagen. Mal schauen, wer das wird.
Dennoch stellt sich die Frage, warum der CSD e. V. für junge Queers und ihre Perspektiven so wenig attraktiv ist? Der Verein hat dieses Problem zumindest erkannt und auch an diesem Abend debattiert. Einen möglichen Hinweis, warum das so sein könnte, gab die Reaktion auf den eingebrachten Vorschlag einer paritätisch geführten Redeliste, um z. B. die deutlich unterrepräsentierten Frauen und trans* Personen verstärkt zu Wort kommen zu lassen. Denn was anderswo längst Usus ist, wurde hier abgeschmettert, u. a. mit dem Argument, das ein queerer Verein so etwas nicht brauche. Dies machte leider auf eindrückliche Weise deutlich, wie verkrustet die Strukturen in diesem Verein immer noch sind.


FOTO: SONYMUSIC

FOTO: TANJS SCHNITZLER

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