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MAGAZIN: Flop: Verschrieben


Siegessäule - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 28.09.2020
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Künstlerische Freiheit …schön und gut. Aber wer wie J. K. Rowling einen transphoben Tweet nach dem anderen teilt, braucht sich eigentlich nicht zu wundern, wenn auch die eigenen Bücher irgendwann mit einem kritischen Blick gelesen werden.
Rowling hat bekanntermaßen nicht nur das Harry-Potter-Universum erschaffen, sondern auch, unter ihrem Pseudonym Robert Galbraith, eine Krimireihe am Start. Mitte September erschien „Troubled Blood“, ihr fünfter Roman über den Detektiv Cormoran Strike. Der Plot: ein Serienkiller verkleidet sich als Frau, um Leute umzubringen. Wie es im Buch heißt, „täuscht“ er seine Opfer„durch eine sorgfältige Darstellung der Weiblichkeit“.
Zugegeben, der „Killer im Kleid“ gehört bereits ins Standardrepertoire der Popkultur, man denke nur an „Psycho“ oder „Das Schweigen der Lämmer“. Dass dieses Motiv, dem man durchaus einen queerfeindlichen Subtext nachsagen könnte, eine lange Geschichte hat, macht es aber nicht besser.
Die Story passt auf unangenehme Weise ins Bild: suggerierte Rowling in ihren Posts doch mehrfach, trans Frauen seien keine „richtigen“ Frauen, und von ihnen ginge außerdem eine Gefahr für „richtige“ Frauen aus. „Wenn man die Tür zu Toiletten und Umkleiden für jeden Mann aufreißt, der glaubt, eine Frau zu sein, oder sich als Frau fühlt“, schrieb sie zum Beispiel auf ihrer Website, „dann öffnet man die Tür für jeden und alle Männer, die hineinkommen wollen.“
Ob von ihr selbst nun so gewollt oder nicht – die Autorin gilt zunehmend als prominente Speerspitze einer „Anti-Trans“-Bewegung, die sich in Großbritannien, aber auch darüber hinaus formiert. Aus dieser Ecke ist von einem angeblichen „Trans-Trend“ und einer „aggressiven Trans-Lobby“ die Rede, die Lebensrealität von trans* Personen wird ignoriert und geleugnet. Und Rowling steckt da, leider, mittendrin. Ihren neuen Krimi einfach als nette Lektüre zu begreifen wird deshalb schwierig.


FOTO: DIA DIPASUPIL/GETTY IMAGES

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