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MAGENSCHMERZEN: Mieses Bauchgefühl


Guter Rat - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 14.02.2019

VERWIRREND Ist es etwas Ernstes, wenn der Magen schmerzt, und woher kommt die Pein? Was Schmerzen im Ober-, Mittel- und Unterbauch bedeuten und was Sie dann tun sollten


Artikelbild für den Artikel "MAGENSCHMERZEN: Mieses Bauchgefühl" aus der Ausgabe 3/2019 von Guter Rat. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Guter Rat, Ausgabe 3/2019

Immer auf den Falschen! Der Magen wird oft als Schmerzverursacher verdächtigt. Dabei beginnen Probleme häufig in anderen Organen, z. B. im Dünndarm



Viele halten den Magen für einen Sack, in den man problemlos ALLES stopfen kann. Falsch!
Prof. Dr. Jürgen Pohl Chefarzt Asklepios GastroClinic Hamburg-Altona


Es drückt, es brennt, es sticht; mal rechts oben unter den Rippen, mal rund um den Bauchnabel, mal links unten im Bauch. Oder es ...

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... stellt sich nach jeder Minimahlzeit das Gefühl ein, man hätte just drei Schuhkartons mitsamt Inhalt verspeist und der einstmals straffe Bauch verwandle sich in einen aufgeblähten gasbetriebenen Zeppelin … Magenprobleme sind vielfältig und treiben die Gequälten in Scharen in die Arztpraxen und Kliniken.

NETZWERK Rund 70 Millionen Mal werden in Deutschland alljährlich Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts diagnostiziert; knapp ein Drittel der Diagnosen betrifft dabei den Magen. Jeder vierte Bundesbürger leidet häufiger an Magenschmerzen oder Durchfall, jeder fünfte sogar gelegentlich an Übelkeit und Erbrechen, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) ergab. Dumm dabei ist nur: In den meisten Fällen (90 Prozent) finden Ärzte keine körperliche Ursache für den Alarm im Bauch – und tippen auf seelische Probleme.

AUF HERZ UND NIEREN

Dabei muss der Magen nicht immer schuld sein, wenn es darin rumort, sticht, brennt oder zwackt. Denn eine komplexe Verschaltung von Nervenbahnen kann dafür sorgen, dass notleidende Nachbarorgane wie Darm, Galle oder Bauchspeicheldrüse ihre Hilfesignale auch an Magen und Darm funken; in einigen Fällen gilt dies sogar für das Herz, die Lunge, die Nieren oder geschädigte Bandscheiben; der Bauchschmerzpatient gehört eher zum Kardiologen, Pneumologen, Nephrologen oder Orthopäden statt zum Magenspezialisten. Um das zu erkennen, durchlaufen viele Patienten häufig einen wahren Diagnostik-Marathon, und für die Ärzte wird die Suche nach der Ursache zum Detektivspiel. »Die häufigsten Beschwerden der Patienten sind unspezifisch: Sie klagen über Sodbrennen, ständiges Völlegefühl, andauernden Druck im Bauch, das Gefühl, wie ein Ballon aufzublähen oder einen Wackerstein im Magen zu haben«, berichtet Gastroenterologe Prof. Dr. Jürgen Pohl, Chefarzt der Asklepios GastroClinic in Hamburg-Altona. »Hinter solchen Beschwerden können ernste Ursachen wie Tumore oder Geschwüre stecken, aber auch harmlose. Das lässt sich durch die Befragung des Patienten sowie durch verschiedene Untersuchungen eingrenzen.«

RASTERFAHNDUNG Ob der Schmerz vor oder nach dem Essen auftritt, im Unteroder Oberbauch, auf der rechten oder linken Seite und wie er sich äußert – dumpf, stechend, schneidend oder brennend –, gibt Medizinern erste Anhaltspunkte. »Treten die Probleme nach dem Essen auf, könnte es eine Nahrungsunverträglichkeit, Allergie oder Zöliakie sein. Krampft es nach fettem Essen unter dem rechten Rippenbogen, sind womöglich Gallensteine schuld. Nimmt jemand viele Schmerzmedikamente, sollte man auch die Nieren kontrollieren«, sagt der Arzt.

GANZKÖRPER-TÜV Durch Abtasten der Bauchdecke, ob sie weich oder verhärtet ist, Ultraschall-Kontrolle der Bauchorgane, Magen- und Darmspiegelung sowie Blutanalysen, anhand derer sich neben möglichen Infektionen auch die Funktion von Leber, Galle, Nieren oder Bauchspeicheldrü-se überprüfen lassen, wird in vielen Fällen die Ursache gefunden. Aber nicht in allen.

Auch Magenkrebs, den viele chronisch Bauchschmerzgeplagte fürchten, macht im Frühstadium kaum Beschwerden: Betroffene fühlen sich womöglich häufiger abgeschlagen, haben weniger Appetit, und ihr Stuhl verfärbt sich schwarz. Alles Symptome, die auch zahlreiche andere (harmlosere) Ursachen haben können.

NEUROTISCH Sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Laktose- oder Fruktoseintoleranz durch spezielle Atemtests ausgeschlossen worden und findet sich keine organische Erklärung für Krämpfe, Brechreiz, Übelkeit oder Blähungen, sprechen Mediziner vom Reizmagen oder einer »Dyspepsie«, im Volksmund gern auch »Magenneurose« genannt. Dagegen helfen oft Lebensstiländerungen, erklärt Gastroenterologe Pohl.

»Manche Menschen denken, der Magen ist ein Sack, in den man problemlos alles stopfen kann. Das ist falsch, das nimmt der Magen übel«, sagt der Mediziner. So empfiehlt er etwa, kleinere Mengen statt XXL-Portionen zu essen, langsam und bewusst zu kauen und die Speisen zu genießen, statt sie unterwegs hinunterzuschlingen, nicht spätabends noch schwer verdauliche Gerichte zu sich zu nehmen und möglichst naturbelassene Produkte zu essen statt hoch verarbeitetem Fast Food mit vielleicht allergiefördernden Zusatzstoffen. »Vor allem aber sollten die Menschen in sichhineinhören und darauf achten: Was vertragen sie und was nicht. Unverträgliches sollte gemieden werden.« Hilfreich ist es, ein Ernährungstagebuch zu führen, in dem auch die Einnahme von Medikamenten erfasst wird. So lässt sich genauer feststellen, ob der Magen nach bestimmten Lebensmitteln oder Pillen (dazu zählen auch Vitaminpräparate) Feueralarm schreit – und ob er sich durch das Weglassen der unverträglichen Produkte beruhigen lässt.

Tiefgründig Mit dem Ultraschall lassen sich u. a. Veränderungen der Magenschleimhaut wie Geschwüre erkennen


FLOP Versagen alle Maßnahmen, und die Magensäure gluckert weiter im Übermaß und ätzend vor sich hin, können simple nebenwirkungsarme Hausmittel kurzzeitig oft ebenso viel bewirken wie Medikamente. Auch Klassiker wie Omas Natron, das Magensäure entschärft, findet den Segen des Professors.

»Manchen Patienten hilft es. Das muss jeder ausprobieren«, sagt der Mediziner. Das gelte auch für die Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI), magensäurehemmende Mittel, die inzwischen zu den umsatzstärksten Medikamenten weltweit gehören. »Man sollte sie höchstens kurzzeitig nehmen und auch nur dann, wenn die Magensäure-Drosselung wirklich Besserung bringt. Verschwinden die Probleme nicht, war die Magensäure auch nicht der Grund, und die Mittel sollten abgesetzt werden. Dann muss weiter nach den Ursachen gesucht werden.«

STÖRENFRIEDE Manchmal bringt dann eine erneute Untersuchung verkannte Ursachen zutage, wie in medizinischen Fachjournalen immer öfter zu lesen ist. So fanden etwa portugiesische Ärzte bei einem 32-jährigen Sushi-Liebhaber mit Oberbauchschmerzen Wurmlarven der Fadenwurmart Anisakis (befällt Fische) im Magen; im Blinddarm einer britischen Schülerin versammelte Madenwürmer stellten sich nach langer Ursachensuche als Grund von Bauchbeschwerden heraus. Weniger oft dürfte ein solcher Auslöser der Grund von Bauchbeschwerden sein, wie ihn Ärzte im Fachjournal »BMJ Case Reports« schilderten: Sie hatten bei einer Magenschmerzpatientin einen Filzstift aus dem Magen entfernt – 25 Jahre nachdem sie ihn verschluckt hatte. Die Mediziner bemerkten, dass der Stift auch nach der langen Zeit im Magen immer noch schrieb …

NOTFALL Bei bestimmten Symptomen, die zusätzlich zu den unklaren Magenproblemen auftreten, raten Mediziner dringend: sofort in eine Klinik fahren (lassen) oder den Notarzt rufen. Dazu zählen: starke Atemnot (kann u. a. auf ein Herzleiden oder einen Infarkt hinweisen), fettig-glänzende Durchfälle und starke schnelle Gewichtsabnahme (mögliche Entzündung der Bauchspeicheldrüse, Tumor), hohes Fieber (bei u. a. akuter Darminfektion), teerschwarzer Stuhl (Magenblutungen), Gelbfärbung der Haut (verschlossener Gallengang) oder Stuhl im Erbrochenen (möglicher Darmverschluss). Mehr Infos:netdoktor.de/symptome/bauchschmerzen

Marion Meiners

ERSTE HILFE Das muss in die Hausapotheke

WÄRME Das simpelste und zugleich wirksamste Mittel gegen Magen-Darm-Beschwerden: die Wärmflasche. Die Wärme entspannt die Magenmuskulatur, löst Bauchkrämpfe und lindert Krämpfe ebenso wirksam wie Schmerzmittel. Über die Aktivierung von Wärmerezeptoren in der Haut werden zugleich Schmerzrezeptoren und gereizte Nerven beruhigt (britische Studie).

NATRON Das auch als Backsoda oder als »Bullrich Salz« bekannte Pulver gleicht durch seine basische Wirkung eine Magenübersäuerung aus. Die pH-Wert-Veränderung im Magen kann auch einer Überbesiedelung mit Candida-Pilzen vorbeugen. Anwendung: 1 Msp. Natron in einem Glas warmem Wasser auflösen, 3-mal/Tag trinken; nur so lange, bis sich die Magenschleimhaut erholt hat (maximal 2–3 Wochen). Wichtig: Magensäure wird auch benötigt, um gefährliche Bakterien (z. B. bei Lebensmittelvergiftung) abzutöten.

KARTOFFELSAFT Sodbrennen nach dem Essen und Magenbrennen? Dann könnte Presssaft von frischen Kartoffeln helfen. Er wirkt entzündungshemmend, entkrampft und hilft, wenn zu viel Magensäure produziert wird; durch seinen basischen pHWert puffert er die Salzsäure des Magensafts ab. Tipp: Kartoffelpresssaft am besten fertig z. B. in Apotheke oder Reformhaus kaufen. So ist sichergestellt, dass keine unerwünschten Inhaltsstoffe wie giftiges Solanin aus den grünen Stellen der Knolle in den Saft gelangen.

LEINSAMEN Die fetthaltigen Samen beruhigen die schmerzende Magenschleimhaut, lindern Speiseröhrereizungen. Anwendung: 2 TL Leinsamen mit 1/4 l heißem Wasser übergießen, 30 Minuten ziehen lassen. Abseihen, über den Tag verteilt in kleinen Schlucken trinken.


ILLUSTRATION: ALAMY. FOTO: ASKLEPIOS KLINIKEN/BERTRAM SOLCHER