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MAGIC PLACES


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Skimagazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 18.03.2022

MAGISCHE SKI-ORTE

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Die sagenumwobene Laguna del Inca bildet den Blickfang von den Pisten des legendären chilenischen Skiorts Portillo.

Alles begann in einer geschwänzten Unterrichtsstunde.

Ich trieb mich wie üblich im Supermarkt neben der Schule rum, geriet irgendwie in die überschaubare Bücherabteilung und wurde dort auf ein rotes Taschenbuch aufmerksam, dessen Titel mich sofort fesselte: „Die schönsten Skigebiete der Welt“. Dieses Buch veränderte mein Leben. Es löste die unstillbare Sehnsucht aus, zu ebenso fantastischen Orten aufzubrechen wie jene, die der Autor Rainer Deglmann-Schwarz in diesem kleinen Band so unnachahmlich beschrieb.

Und genau das tat ich dann auch. Zwar nicht sofort, und nicht alle Orte, an die ich gelangte, waren fantastisch, aber speziell, auf eine Art besonders und irgendwie die Reise wert, waren sie fast alle. Die zehn herausragendsten Skigebiete aus 40 Jahren zu benennen, würde mir wirklich schwerfallen. Setze ich jedoch als zusätzlichen Filter den mit Erinnerungen an besondere Orte am ...

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... Fuß der Pisten, in denen man die Zeit nach der letzten Abfahrt des Tages verbringt, dann stechen sofort einige als magisch heraus.

Und wie es die Magie will, drängen sich genau derer neun auf – und keiner mehr.

Chateau Tongariro

RUAPEHU | NEUSEELAND

Die Anfänge von Neuseelands größtem Skigebiet gehen auf das Jahr 1954 zurück. Sir Edmund Hillary persönlich eröffnete damals an der Nordseite des Vulkans Ruapehu den ersten Sessellift. Ehemals nannte es sich Chateau Skifield, in Anlehnung an das 1929 am Fuße des Berges errichtete Hotel Grand Chateau Tongariro. Nur elf Straßenkilometer unterhalb von Whakapapa bietet es die stilvollste Unterkunftsmöglichkeit im Tongariro Nationalpark. Das altehrwürdige, im Kolonialstil erbaute Hotel mit seinen Kronleuchtern und samtigen Teppichen könnte so auch im schottischen Hochland stehen. Es liegt unterhalb der Schneegrenze, nur ganz selten sind die Tussocksteppen rund um das Anwesen weiß überzuckert. Hat man das seltene Glück eines klaren Tages, dann ergibt der Kontrast aus der roten Fassade des Hotels, blauem Himmel, den gelbgrünen Gräsern und dem dahinter aufragenden schneebedeckten Ruapehu ein perfektes Postkartenmotiv.

Der Blick von den Skihängen Whakapapas kann damit aber locker mithalten: Greifbar nah ragt die weiße Pyramide des erst 2.500 Jahre alten Vulkans Ngauruhoe in den Südhimmel. Am Horizont grüßt der gleichfalls ebenmäßig geformte Taranaki. Oft kann man sich an diesem Panorama aber nicht erfreuen. Der 2.797 Meter hohe Ruapehu steht einsam im Zentrum der Nordinsel Neuseelands. Beständig blasen hier stürmische Westwinde – die Roaring Forties. An einem von drei Tagen herrscht Nebel, an ein bis zwei Tagen pro Woche ist der Skibetrieb wegen Sturm, Nebel oder Eis an den Liften ganz unmöglich. Whakapapas Gelände ist durch die vulkanischen Aktivitäten stark zerklüftet, auch nach Tagen entdeckt man noch neue Hänge, Rinnen und Varianten. Allein in der Black Magic Area kann man sich stundenlang aufhalten und immer wieder neue Linien fahren. Höhepunkt bleibt ein Aufstieg vom Knoll Ridge T-bar zum 400 Meter höher gelegenen Kraterrand. Lohn der Mühe ist ein Blick in den dampfenden Kratersee und eine grandiose Tiefschneeabfahrt vom Schicksalsberg – am Ruapehu drehte Peter Jackson für die „Herr der Ringe“-Trilogie die Mordor-Szenen.

Skigebiet Whakapapa

1.579–2.300 m, 12 Lifte, 36 km Abfahrten, www.mtruapehu.com

Unterkunft: Hotel Chateau Tongariro, DZ mit Frühstück ab 93 Euro, www.chateau.co.nz

2 Hotel Gaustablikk

TELEMARK | NORWEGEN

Olav Svartdal wurde 1965 als Double für Kirk Douglas engagiert. Eine ideale Besetzung für die halsbrecherischen Abfahrtsszenen, die das Drehbuch des am norwegischen Originalschauplatz im Tal von Rjukan gedrehten Kriegsfilms „The Heroes of Telemark“ (deutsch: „Kennwort ‚Schweres Wasser‘“) vorsah. Svartdal war bereits als siebenjähriger Knirps beim Skispringen 18 Meter weit gekommen, im Krieg selbst im Untergrund aktiv gewesen und konnte nach einem längeren USA-Aufenthalt perfekt Englisch. Zudem sah der Blondschopf Douglas auch noch ähnlich. Der Job brachte Svartdal neben 700 Kronen pro Arbeitswoche einen gewissen Bekanntheitsgrad ein, den er für die Verwirklichung eines lange gehegten Traums zu nutzen wusste: die Errichtung eines Hochgebirgshotels auf dem Fjell zwischen Rjukan und seinem Heimatort Nutheim. Dort besaßen Svartdals Eltern ein kleines Gästehaus. Den perfekten Standort für sein Høyfjellshotell hatte er bei einer Wanderung ausfindig gemacht. Als er auf einen Felsen mit freiem Blick auf den Gaustatoppen rastete, beschloss er, genau hier ein Hotel mit dem Namen Gaustablikk hinzustellen. Das Gaustablikk Høyfjellshotell eröffnete am 1. November 1970.

Seither bietet es von seinen Zimmern, der Lounge und dem Speisesaal genau den atemberaubenden Blick auf den vielleicht schönsten Berg Norwegens, der Svartdal vor gut 50 Jahren dazu inspirierte, dieses Hotel zu schaffen. Der wuchtige, dennoch schwebend wirkende Gipfel, der an eine erstarrte Brandungswelle oder den perfekten Kegel eines seiner Kuppe beraubten Vulkans erinnert, wechselt ständig sein Gesicht. Farben und Schattenspiel variieren im Lauf der Tageszeiten, die Wolkenfahne, die nicht von seinem Haupt weichen will, enthüllt mal mehr, mal weniger seiner Gestalt. Die ist gezeichnet durch Rinnen, die am Grat scharf geschnitten ansetzen, im Fallen fächerförmig auseinanderlaufen, zunehmend ihre Konturen verlieren und schließlich in der weißen Ebene verschwinden.

Dieser Berg ist nicht nur schön, er kann auch was. Mit 1.883 Meter Meereshöhe überragt er sein Umland um Längen. Es heißt, man könne vom Gaustatoppen bei schönem Wetter ein Sechstel Norwegens sehen. In seinem Inneren fährt eine kleine Standseilbahn, ein Relikt des Kalten Krieges, bis auf den Gipfel. Und dort warten dann all die pulvergefüllten Rinnen darauf, auf Ski erobert zu werden.

Skigebiet Gausta Skisenter

710–1.800 m, 14 Lifte, 37 km Abfahrten (zusätzlich Freeridehänge Gaustatoppen), www.gausta.com/gausta-skisenter

Unterkunft: Gaustablikk Høyfjellshotell, DZ mit Frühstück ab 158 Euro, www.gaustablikk.no

3 Hotel Portillo

ANDEN | CHILE

Portillo kombiniert die atemberaubende Szenerie der Westalpen mit dem traumhaft trockenen Pulverschnee der Rocky Mountains. Die Station, die 1966 als bislang einzige Südamerikas eine alpine Ski-Weltmeisterschaft ausrichtete und auf deren berühmtem „Kilómetro Lanzado“ bereits 1963 zum ersten Mal beim Speed-Skiing die 200-km/h-Schallmauer durchbrochen wurde, liegt nahe des im Winter geschlossenen Uspallata-Passes an der Grenze zu Argentinien, direkt am Ufer des sagenumwobenen Bergsees Laguna del Inca.

Das Hotel Portillo gleicht einem Luxusdampfer in einer wilden See aus Fels und Schnee. Sein Interieur vermittelt mit viel Holz den Charme eines klassischen Schweizer Skihotels, auch wegen des Bernhardiners, der den lieben langen Tag in der Lobby vor sich hindöst und sich selbst von den tobenden Kindern nicht aus der Ruhe bringen lässt. Der Service ist erstklassig: Die Ski werden während des Lunch im Main Dining Room bewacht, die Stiefel getrocknet, und es werden sogar ungefragt verbogene Stöcke gerichtet. Ein Ticketlimit schließt Wartezeiten aus, und die perfekt präparierten Hänge werden morgens per Hand von den Steinchen befreit, die aus den über den Pisten aufragenden Steilwänden hinunterrieseln. Häufig gehen von dort auch Lawinen ab. Deswegen mussten für die oberen, steilen Hänge von Portillo spezielle Lifte konstruiert werden: die Va et vient. Sie sind eine Kombination aus Schlepplift und Seilbahn, haben keine Stützen und können daher nach einer Lawine schnell wieder ausgebuddelt werden. Aber keine Panik: Das Hotel Portillo steht am einzigen wirklich lawinensicheren Platz der Gegend.

Portillo wird regelmäßig eingeschneit und von der Außenwelt abgeschnitten. Dann steigen in der hoteleigenen Sporthalle leidenschaftliche Fußballmatches zwischen brasilianischen und argentinischen Gästen. Daneben kommen vor allem Nordamerikaner. Sie schätzen Portillos Heliski-Programm. Noch internationaler ist die Mannschaft der Skischule, unter deren Leitern auch die Olympiasieger Stein Eriksen und Pepi Stiegler waren. Disco, Eisplatz, Kletterwand, Theater und Kino bieten an Down-Days ebenfalls Abwechslung. Wenn die Lifte dann wieder öffnen, führen sie auf beiden Seiten der Laguna del Inca zu atemberaubend steilen Couloirs, weiten Schneefeldern und perfekt präparierten Pisten im Angesicht des alles überragenden Aconcagua, dem mit 6.959 Metern höchsten Berg Amerikas.

Skigebiet Portillo

2.580–3.333 m, 15 Lifte, 25 km Abfahrten (zusätzlich Heliskiing), www.skiportillo.com

Unterkunft: Hotel Portillo, ab 1.364 Euro pro Person für vier Nächte im DZ inkl. Vollpension und Skipass (in der zum Hotel gehörenden, einfach ausgestatteten Inca Lodge 675 Euro mit vollem Zugang zu den Hotelangeboten), www.skiportillo.com

4 Hotel Riksgränsen

LAPPLAND | SCHWEDEN

In Riksgränsen entstand Anfang des 20. Jahrhunderts Schwedens zweitgrößter Bahnhof – in der Erwartung, es würde sich hier an der für den Erztransport wichtigen Bahnstrecke zwischen Narvik und Kiruna eine große Stadt entwickeln. Schnell schwoll die Einwohnerzahl auf 300 Seelen an. Doch niemand hatte die enormen Schneemengen vorausgeahnt. Die Dampflokomotiven blieben im turmhohen Weiß stecken, 1918 musste der Bahnhof verlegt werden. Der Schnee, der die Bahnarbeiter vertrieb und Riksgränsens Niedergang zu besiegeln schien, lockte andere Pioniere wie Olle Rimfors oder Sigge Bergman an die Reichsgrenze zu Norwegen. Im Sommer 1928 hielten sie den ersten Skikurs ab – mit vier Teilnehmern. Fünf Jahre später wurden den ganzen Winter durch Skikurse angeboten, und in den 50er-Jahren folgte die erste Sesselbahn Schwedens.

Heute ist das jenseits des Polarkreises liegende Riksgränsen als Schwedens schnee- reichster Ort die letzte Zuflucht für all jene, die noch nicht genug vom Winter haben, wenn der sich im Frühjahr ganz nach Norden zurückzieht. Schwedens Skilehrer treffen sich hier, wenn in den anderen Skiarealen des Landes die Saison vorüber ist. Trotz seines Rufes, der teuerste und exklusivste Skiort Schwedens zu sein, bietet Riksgränsen nur ein Pisten-Café (das Lappis), nur ein Restaurant und nur eine Bar – im Hotel Riksgränsen. Das hat den Sportschul-Charme vergangener Jahre zwar längst abgelegt, aber seine Gäste nehmen die sehr weite Reise nach Riksgränsen immer noch primär wegen der unvergleichlichen Aktivitäten auf sich – und nicht wegen des feinen Essens oder des Wellnessbereichs.

Wo kann man schon nach dem Dinner nochmals von 22 Uhr bis um ein Uhr früh Ski fahren? Auch nach dem Abendessen im Lapplandia (Kaviar, Lachs, Rentier-Steak) braucht man Sonnenbrille und Lichtschutzfaktor 15 – der Mitternachtssonne wegen, ab Mai wird es hier nicht mehr dunkel. Der Schnee passt zum Dessert, eine Konsistenz wie Eiscreme, die sogar Firn übertrifft. Wem das nicht reicht, der macht Heli-Skiing bis drei Uhr früh. Wo sonst startet man abends um halb sechs zu einer Skitour, steigt jenseits der Lifte auf Gipfel, blickt hinunter auf den Atlantik und in norwegische Fjorde, fährt hinab zu einem dieser Fjorde, wo ein Boot mit frischen Shrimps für ein kleines Picknick wartet und mit dem man anschließend eine herrliche Rundtour durch den Fjord macht?

Skigebiet Riksgränsen

533–909 m, 6 Lifte, 21 km Pisten (zusätzlich Heliskiing), www.riksgransen.se

Unterkunft: Hotel Riksgränsen, DZ mit Frühstück ab 151 Euro, www.riksgransen.se

Nozawa Onsen

ECHIGOBERGE | JAPAN

Ryokans sind traditionell eingerichtete japanische Reisegasthäuser. Wenn man als westlicher Besucher über deren Schwelle tritt, dann fühlt es sich an, als würde man das Portal in ein Paralleluniversum durchschreiten – ein Gefühl, das man eigentlich ab der Ankunft in Japan hat, das sich in Hotels im „western style“ aber gerne verflüchtigt. Daher sollte man bei einer Skireise in die schneereichen Berge im Land der aufgehenden Sonne unbedingt Quartier in einem Ryokan beziehen. Die Böden sind mit Tatami-Matten ausgelegt, die Schiebetüren (Shoji) mit Washi bespannt. Die Schuhe werden am Eingang ausgezogen, man schlüpft in bereitgestellte Hausschuhe. Einen Yukata gibt es ebenfalls, eine Art einfachen Kimono, den man auch außerhalb des Gasthauses tragen kann, zum Beispiel auf dem Weg zum Onsen.

Diesen Thermalquellen verdankte Nozawa Onsen vor mehr als 1.200 Jahren seine Gründung. In den steilen, engen, aber dank Beheizung stets schneefreien Gassen des Badeorts, der sich 45 Kilometer nördlich der Olympiastadt Nagano an den Fuß des Kenashi-san schmiegt, nehmen die Leuchtreklamen und Souvenirauslagen hier und da zwar überhand, doch es gibt romantische Winkel. In Ogama dampfen offene Quellen inmitten windschiefer, alter Häuser und Tempel. Früh morgens sieden Frauen Gemüse und Eier im 90 Grad heißen Wasser. Dampf steigt auf, und verschwommen erkennt man den 400 Jahre alten Kenmeiji-Tempel im tiefverschneiten Wald hinter den Quellen. Auch aus den 13 öffentlichen (kostenlosen) Onsens wabern Dampfwolken durch die Gassen. Viele Urlauber ziehen abends von einem Bad zum nächsten. Alle Bäder haben unterschiedliche Temperaturen und Mineralien, sollen andere Wehwehchen lindern.

Den Skisport brachte vor fast 100 Jahren der Arlberger Skipionier Hannes Schneider nach Nozawa. Sein Wirken, an das ein sehenswertes Skimuseum erinnert, löste den ersten Skiboom in Ostasien aus. In dessen Folge erhielt Sapporo die Olympischen Winterspiele 1940, die wegen des Krieges aber ausfielen. Das Skigebiet bietet 51 Einkehrstationen (u. a. Arlberg, St. Anton und Tannenhof ), Steilhänge, Buckelpisten, ein Freeride-Areal und die längste Skiabfahrt in Fernost. Beliebteste Piste ist der Skyline Course. Der ist wundervoll aussichtsreich – wenn es nicht mal wieder heftig schneit. Das ist in den Echigobergen eher die Regel als die Ausnahme. Dann schaufeln sie im ganzen Dorf den Schnee von den Dächern, schließlich könnten die schon beim nächsten Erdbeben nachgeben. Wahrlich eine andere Welt.

Skigebiet Nozawa Onsen

565–1.650 m, 19 Lifte, 58 km Abfahrten, https://en.nozawaski.com

Unterkunft: Tokiwaya Ryokan, DZ mit Frühstück ab 180 Euro, http://tokiwaya.jp/en/

6 La Cabanne

AL-ARZ | LIBANON

Ausgerechnet der Libanon, jenes sonnenverwöhnte Land an den Gestaden des Mittelmeeres, verdankt seinen Namen dem Schnee. „Lubnan“, arabisch für Libanon, bedeutet in den alten semitischen Sprachen „weiß“. Dieses Weiß bedeckt die kahlen Höhen des Libanongebirges bis zu zehn Monate lang, zwingt die Bewohner entlegener Bergregionen dazu, ihre Dörfer im Winter zu verlassen. Die Tour zum höchsten Berg des Libanon, dem 3.086 Meter hohen Qornet es Saouda, führt nach einem kurzen Anstieg von der Bergstation des Uraltsessellifts von Al Arz, wo ich mit meinen Freunden Rich und Alex im Hotel La Cabanne Quartier bezogen habe, durch das Hochtal von Dahr el Qadib. Kilometer um Kilometer hinaus in die Einsamkeit. Bevor die Sonne untergeht, schlagen wir das Zelt auf. Die Februarnacht ist klar und grauenhaft kalt. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass wir zu dritt in einem Zweimannzelt liegen. Alex übergibt sich fortwährend, Rich schnarcht davon unbeirrt in extremer Lautstärke. Aber irgendwann kommt der ersehnte Sonnenaufgang. Übernächtigt und bis auf die Knochen durchgefroren, verstauen wir Zelt, Schlafsäcke und Kochgeschirr wieder in den Rucksäcken und machen uns an den Gipfelanstieg.

Technisch kein Problem, aber es gibt keine Karten, und die umliegenden Gipfel haben alle mehr oder weniger die gleiche Höhe. Ein Kreuz soll den höchsten Punkt des Libanon markieren, aber es ist keins zu erspähen. Also Versuch und Irrtum, leider geht es zunächst drei Mal schief. Erst auf dem vierten Gipfel finden sich die Reste von etwas, was einmal ein Gipfelkreuz gewesen sein könnte. Es ist das Dach des Nahen Ostens. Die Aussicht reicht über das Mittelmeer bis Zypern und über die fruchtbaren Ebenen des Bekaa Tals hinüber zu den biblischen Bergen des Antilibanon und Hermon, den „Wohnungen der Löwen, den Bergen der Leoparden“, wie es im Alten Testament heißt. Erst nach Sonnenuntergang erreichen wir völlig erschöpft wieder das La Cabanne. Nie zuvor und nie danach hat es sich so großartig angefühlt, auf ein Bett zu sinken. Das Gefühl, nach Wiedererwachen der Lebensgeister in der einfachen, aber gemütlichen Stube vor dem prasselnden Kamin zu sitzen, ist unbeschreiblich. Das Kreuz, so erfahren wir, als wir uns beim Abendessen über all die libanesischen Köstlichkeiten hermachen, haben muslimische Dorfbewohner zerstört. Die politischen und religiösen Konflikte sind im Libanon eben allgegenwärtig.

Skigebiet Al Arz

2.095–2.850 m, 7 Lifte, 10 km Abfahrten, www.facebook.com/teleskiscedarsslopes

Unterkunft: Hotel La Cabanne, DZ mit Frühstück ab 80 Euro, https://la-cabane-hotel.business.site

7 Sundance Mountain Resort

UTAH | USA

Sundance ist der Wirklichkeit gewordene Traum von Robert Redford. Der begeisterte Skifahrer (der sich für den Film „Schussfahrt“ trotzdem von Karl Schranz doubeln ließ) kaufte das Areal 1969. Er hatte mit der Westernkomödie „Butch Cassidy und Sundance Kid“ gerade seinen endgültigen Aufstieg zum Filmstar hingelegt. Seine Vision: einen Ort zu schaffen, an dem Kunst, Natur und Erholung zusammenfinden, um die Welt zu einem besseren Platz zu machen – jetzt und in Zukunft. Redford, der seit Langem auch als Umweltschützer aktiv ist, entwickelte Sundance zu einem Platz, an dem jedes Detail den Respekt vor der Schönheit der Bergkulisse des Mount Timpanogos und der Kultur der hier einst heimischen Angehörigen des Stammes der Ute atmet.

Sundance ist eine Oase der Ruhe. Abends ist außer dem Gebirgsbach, der zwischen den verstreut liegenden Cottages dahinplätschert, nichts zu hören. Außer in der Owl Bar, in die Redford die über 100 Jahre alte und mit Einschusslöchern übersäte Theke aus der Stammkneipe des Banditen Butch Cassidy verfrachten ließ. Hier gibt es am Wochenende bis Mitternacht Live-Musik. Gegessen wird im Tree Room Restaurant, in dessen Mitte ein mächtiger alter Baum steht, umgeben von in der eigenen Glashütte aus recyceltem Glas gefertigtem Geschirr. Die in der Sundance Deli angebotenen Leckereien kommen aus eigenem ökologischem Landbau. Rustikale, behagliche Ferienhäuser liegen verstreut zwischen den Kiefern und Espen. Das Interieur prägen viel Holz, warme Erdtöne sowie reichlich indigenes Kunsthandwerk, Teppiche und Wandbehänge.

Ach ja: Skifahren kann man auch ganz hervorragend. Klein, aber fein ist das Alpinterrain, mit der Bishop’s Bowl bietet es immerhin Utahs steilste präparierte Skipiste. Immer wieder fesselnd sind die Ausblicke von den Hängen auf die Felskatarakte des Mount Timpanogos. Wuchernde Ferienhaussiedlungen, die andernorts in Utah das Pistenpanorama dominieren, sieht man nicht. Statt die zwölf Quadratkilometer Land, die er 1969 gekauft hatte, mit Immobilien zu versilbern, hat Redford große Teile davon unter permanenten Schutz gestellt. So soll der Geist dieses Ortes seinen Gründer noch lange überleben: Anfang letzten Jahres verkaufte der 85-jährige Redford das Resort. Um das Sundance Filmfestival kümmert er sich weiterhin und so ist es nicht ausgeschlossen, ihm bei einem Besuch in Sundance über den Weg zu laufen.

Skigebiet Sundance

1.865–2.521 m, 6 Lifte, 25 km Abfahrten, www.sundanceresort.com

Unterkunft: Sundance Resort, DZ ab 300 Euro, www.sundanceresort.com

8 Sun Valley Lodge

IDAHO | USA

Es begann alles im Jahre 1935. Averell Harriman, der Präsident der Union Pacific Railroad, wollte einen Skiort in den Staaten zu errichten, der es mit denen aufnehmen konnte, die ihn bei seinen Reisen in die Alpen so beeindruckt hatten – das Resort sollte mehr Passagiere in seine Züge gen Westen locken.

Er beauftragte den Österreicher Felix Schaffgotsch, für ihn den perfekten Platz für sein Skiresort zu finden. Als es Schaffgotsch nach einer langen Odyssee nach Ketchum in Idaho verschlug, telegraphierte er begeistert an Harriman: „Platz gefunden. Besser als alles, was ich je in Amerika, der Schweiz oder in Österreich gesehen habe.“ Einige Tage später hatte Harriman 1.750 Hektar Land gekauft. Kurz darauf zogen seine Architekten ein Skidorf wie aus dem Tiroler Bilderbuch hoch, aber mit allem Luxus der neuen Welt: vom Opernhaus bis zum verglasten Swimmingpool. Die Ingenieure der Union Pacific entwarfen den ersten Sessellift der Welt, und als Krönung kam der dreimalige österreichischen Champion Hans Hauser als Leiter der Skischule nach Idaho.

Sun Valley sollte ein Treffpunkt für die oberen Zehntausend sein. Und alle kamen: Gary Cooper, Bing Crosby, Ernest Hemingway, Marilyn Monroe, John Wayne, Clint Eastwood. In Sun Valley wurden Filme gedreht und Romane geschrieben. Seinen Rang als Nabel der amerikanischen Skiwelt hat Sun Valley längst an viel größere Resorts verloren, seinen eleganten Charme hat es behalten. Noch heute verströmt es die zurückhaltende Eleganz vergangener Tage, aber gepaart mit allen neuzeitlichen Annehmlichkeiten. Der historische Bezug liegt in den Details: uniformierte Pagen, üppig gepolsterte Sofas und Sessel vor den Kaminen in der Lobby, fast schon barock-verschwenderische Dekors und natürlich die Schwarzweißfotos der vielen Hollywoodstars, die Sun Valley besuchten, an den Wänden der Hotelflure.

Wenn man nach einem Skitag am Bald Mountain mit einem Cocktail in der Hand im großzügigen Pool der Sun Valley Lodge entspannt, über sich die Sterne und vor sich ein Abendessen im legendären, 1937 eröffneten The Ram, dann fragt man sich, was so schlecht wäre an einem Luxusleben. Beim Luxus am Berg setzt Sun Valley in Nordamerika immer noch den Maßstab. Die Bergrestaurants sind aus großen Flusssteinen und hellen Baumstämmen erbaut, üppig mit Perserteppich, Lederfauteuils, großen Kristalllüstern, Messingbeschlägen und viel Marmor ausgestattet. In der Lobby der River Run Lodge steht ein Flügel, und man fragt sich unweigerlich, wer den wohl schon gespielt hat.

Skigebiet Bald Mountain

1.753–2.789 m, 12 Lifte, 85 km Abfahrten, www.sunvalley.com

Unterkunft: Sun Valley Lodge, DZ ab ca. 400 Euro, www.sunvalley.com

9 Timberline Lodge

OREGON | USA

Der Mount Hood ist mit 3.476 Metern der höchste Berg Oregons. An seiner Südflanke steht auf rund 1.800 Metern die Timberline Lodge, Amerikas einziges Skihotel mit dem Prädikat eines „National Historic Monument“. Gebaut wurde sie während der großen Depression als Arbeitsförderungsmaßnahme. Präsident Roosevelt persönlich übergab sie 1937 der Öffentlichkeit. Mit dem breiten, sich zu einem Punkt aufschwingenden Dach greift ihre Architektur die Gestalt des Mount Hood auf. Dieser alleinstehende Berg zieht die vom nahen Pazifik heranrauschenden Stürme wie magisch an. Das Ergebnis: sehr viel Schnee. So viel, dass der Mount Hood das einzige Ganzjahresskigebiet der USA bietet. Manchmal kann man selbst im Hochsommer noch bis vor die altehrwürdige Timberline Lodge abfahren.

Wenn man das im Winter während eines dieser Schneestürme erlebt, sich in einen der behaglichen Fauteuils in der Lobby fläzt und zuschaut, wie die weißen Flocken draußen ums Gemäuer wirbeln und die Schneewehen mit der Dunkelheit an den Fenstern hochkriechen, als wollten sich die Elemente die ganz aus natürlichen Materialien erbaute Lodge mitsamt ihrem zwölf Meter hohen, aus Felsbrocken geschichteten Kamin und den mächtigen Holzkonstruktionen wieder einverleiben, dann ahnt man, was Stanley Kubrick dazu inspirierte, hier seinen Thriller „Shining“ zu inszenieren. Allerdings nur die Außenaufnahmen. Drinnen ist die Timberline Lodge mit den geschnitzten Dekors, den schmiedeeisernen Beschlägen und dem indianischen Kunsthandwerk schlicht zu schön fürs Horrorgenre.

Neben der Lodge startet der Magic-Mile-Express-Lift. Er erschließt die sanft hingewellten, offenen Flächen mit ihren mittelschweren Pistenboulevards zwischen der Waldgrenze und dem Gletscherrand. Die anschließende, auf den Gletscher führende Sesselbahn muss wegen der enormen Schneemengen regelmäßig von den Pistenraupen ausgegraben werden, die Bergstation wurde wegen des extremen Wetters in den Berg verlegt. Geht die Bahn im Frühjahr in Betrieb und liegt dann am Fuß des Berges in Government Camp noch genug Schnee, dann führt sie zum Startpunkt einer fast zwölf Kilometer langen Abfahrt. Überlänge, die auch Menschen mit schwachen Nerven – ganz im Gegensatz zu Kubricks „Shining“ – nichts ausmacht.

Skigebiet Timberline

1.217–2.603 m, 10 Lifte, 52 km Pisten, www.timberlinelodge.com

Unterkunft: Timberline Lodge, DZ (ausgestattet mit handgemachten Möbeln) ab 275 Euro (mit Gemeinschaftsbad ab 169 Euro), www.timberlinelodge.com