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MAGIE der Berge


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 31/2022 vom 29.07.2022

NATUR

Artikelbild für den Artikel "MAGIE der Berge" aus der Ausgabe 31/2022 von Gong. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Gong, Ausgabe 31/2022

FILMREIF Unten lieblich, oben schroff: Die bis zu 4200 Meter hohe Teton-Bergkette war die imposante Kulisse für John Waynes Filmklassiker ?Der große Treck? (1930)

D asbraun-weiß gescheckte Pferd stoppt und geht in die Knie. Er solle absteigen, ruft Claudia Bates dem Reiter zu. Der Kameraassistent sitzt zum ersten Mal im Sattel, ZDF-Korrespondentin Bates ist als Kind geritten. Sie weiß, wenn ein Pferd in die Knie geht, könnte es gefährlich werden – falls es sich wälzt. Zum Glück bleibt das Ross ruhig. Der Mann steigt trotzdem auf ein anderes Tier. Die Gruppe reitet durch Badger-Two Medicine in Montana. Ein Gebiet mit Geschichte, aber ohne Verkehrsnetz. Voran geht es nur per pedes, Paddel oder Pferd. Sie passieren mal grüne, mal felsige Hügel, Abhänge, Bäche und Kiefernwälder. Die grauen Gipfel der Rocky Mountains kratzen am Horizont, einige tragen dünne weiße Hüte aus Schnee.

In den Rocky Mountains ist der Wilde Westen noch spürbar. Auch wenn viele Regionen erschlossen sind wie die Alpen. Zu den bekannten touristischen Wegmarken zählen das Teton-Gebirge, ...

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... der Yellowstone National Park und Kanadas eisbonbonblaue Gletscherseen. Badger-Two Medicine hingegen atmet noch raue Wildnis und Ursprünglichkeit, in der Elche, Grauwölfe und Dickhornschafe umherstreifen.

Berge sind ein Tempel, gebaut aus Natur

Das T V-Team hat zwei Stammesälteste der Blackfeet Nation begleitet. Die Doku „Rocky Mountains: Wo der Westen noch wild ist“ von Claudia Bates schließt die durchweg sehenswerte ZDF-Reihe über „Gebirgswelten“ (siehe TV-Tipp Seite 9) ab.

Wohl keine andere Bergkette der Welt birgt so viel Symbolkraft für eine ganze Nation. „Die Rocky Mountains stehen für die Eroberung Nordamerikas durch weiße Siedler, sie waren das letzte Hindernis auf dem Weg nach Westen“, betont Claudia Bates. „Die Geschichte der Rocky Mountains ist eine von Eroberung und Inbesitznahme. Die Ureinwohner hatten immer eine enge spirituelle Verbindung zu ihrem Land. Derzeit gibt es eine Rückbesinnung auf die Vergangenheit, etwa traditionelles Essen und Handwerk.“

Die Blackfeet kämpfen seit Jahren für den Erhalt von Badger-Two Medicine, das an das Indianerreservat der Blackfeet Nation grenzt. Das Gebiet sei für sie „ein Tempel, gebaut aus Natur“, so John Murray, ein Ältester. „Unsere Verbindung mit diesem Land ist unveräußerlich.“ Ihre Vorfahren mussten das Gebiet und ihren heiligen Berg Chief Mountain an die weißen Siedler abtreten, sonst wären sie verhungert. Die Weißen hatten ihre Lebensquelle getötet, die Büffel, die ihnen Nahrung, Kleidung, Zelte und Werkzeuge gaben.

Die Blackfeet zeigen dem TV-Team ihren Schatz. Rund 100 Büffel wurden wieder angesiedelt, eine Herde der Hoffnung. Wird ein Tier geschlachtet, wird es komplett verwertet, das Fell traditionell gegerbt. Doch die Ältesten schauen nicht nur zurück, sie sind politisch und in den sozialen Medien aktiv. Bei ihrem Kampf um Badger-Two Medicine haben sie einen Etappensieg erzielt und die Ausbeutung durch Energiekonzerne zunächst abgewendet.

Bei Durango, Colorado, besuchte das Team eine ungewöhnliche junge Frau. Die Naturfotografin Deirdre Rosenberg lebt mit ihrem Mann in einem Tiny House an den Ausläufern des San-Juan-Gebirges. Die 28-Jährige hat die Filmemacherin beeindruckt: „Sie hat sich das kindliche Staunen über die Natur bewahrt.“ Rosenberg führte das Team in die schneebedeckten Berge, wo die Pfeifhasen wohnen. Die putzigen Pelztiere sind scheu, aber schließlich wagte sich eines aus der Deckung.

Warum lebt Rosenberg in der Abgeschiedenheit der Berge, auf ein paar Quadratmetern, ohne f ließend Wasser? „Das ist für mich die ultimative Freiheit“, sagt die Bloggerin. „Ich bin ganz auf mich selbst angewiesen. Mit keinem Geld der Welt kann man das kaufen, es ist wie ein Zauber. Ich fühle mich dadurch so lebendig. Das ist das beste Gefühl der Welt. Ich liebe es, dass mir hier Grenzen aufgezeigt werden, dass ich der kleinste Punkt in der Landschaft bin. Hier bin ich zu Hause.“

Über mir nur noch der Kosmos

Die große Begeisterung für die besondere Landschaft teilen Bergverliebte weltweit. Etwa 100 Millionen Menschen besuchen pro Jahr allein den Alpenraum, Tendenz steigend. Sie wandern, radeln, paddeln oder klettern. Der blinde Bergsteiger Andy Holzer schildert sein Gipfelglück in Teil eins der „Gebirgswelten“-Reihe, abrufbar in der ZDF-Mediathek: „Wenn ich die Masse des Bergs unter mir fühle, jeden Stein spüre, wenn man dann an der Gratkante ankommt, ist über mir nur noch der Kosmos.“ Er geht beim Bergsteigen hinter einem Klettererfreund, eine Hand auf dessen Schulter gelegt, fühlt dessen Bewegungen und hört seine Beschreibungen.

Für die Amerikanerin Rosenberg steht der Griff nach dem Gipfel gar nicht im Mittelpunkt: „Niemals würde ich behaupten, diese Berge zu erobern. Sie haben mich erobert, immer und immer wieder. Ich respektiere sie zutiefst. Es gibt Gipfel, auf denen ich niemals stehen werde. Weil sie nur dazu da sind, angeschaut und wertgeschätzt zu werden.“

DAGO WEYCHARDT