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Magische Momente


Hörzu Gesundheit - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 15.11.2019

JedeGeburt ist anders – aber immer wieder ein kleines Wunder. Mit einer ganz eigenen Choreografie


Artikelbild für den Artikel "Magische Momente" aus der Ausgabe 4/2019 von Hörzu Gesundheit. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Hörzu Gesundheit, Ausgabe 4/2019

Ruhe nach dem Sturm
Mutter und Kind müssen sich von der Entbindung erst mal erholen


Nach dem Finale übernehmen die Liebeshormone das Regiment


Stöhnen. Drücken. Mit den Fingern den Arm des Partners umkrallen. Ein letztes Mal alle Kräfte zusammennehmen, mit einem einzigen Schrei alles herauspressen. Die Schmerzen, das Baby. Nach Luft schnappen. „Ein gesundes Mädchen“, sagt die Hebamme. Man hört sie kaum. Lauscht nach dem einen erlösenden Geräusch. Da ist es: der erste Schrei des eigenen Kindes. Tränen der ...

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... Erleichterung fließen, Tränen der Freude. Du bist da, endlich.

In diesem Moment ändert sich alles. Er ist so kraftvoll, dass er die Geschichte umschreibt. Die Stunden zuvor nachträglich in Watte packt. Als man fluchte, sich auf den Klinikboden übergab, vor Schmerzen zornig wurde. Glaubte, es nicht mehr auszuhalten. Sich wand, erbebte, einfach nur weg wollte. Angst hatte vor jeder Wehe, jedem Anschwellen der entsetzlichen Qualen. Vorbei, vergessen. Durch den Augenblick, da einem das Kind auf den Bauch gelegt wurde. Magisch, zauberhaft, berührend. Das vollkommene Glück.

Keine Geburt gleicht der anderen, und jede für sich hat so viele Gesichter. „Es ist jedes Mal eine besondere Begegnung“, beschreibt die Hamburger Gynäkologin Dr. Brigitte Mergard. „Auch mit viel Erfahrung wird man immer wieder überrascht von dem Weg, den die Dinge nehmen. Der Ablauf lässt sich nicht vorausplanen, man kann ihm mit Wachheit und Einfühlsamkeit begegnen.“ Natürlich ist die Entbindung Arbeit für die werdende Mutter und ihr Kind. Aber am Ende steht der wunderbarste Lohn der Welt.

Der Körper übt für den großen Moment

Ein Kind kommt auf die Welt. 250 Mal pro Minute, irgendwo auf der Erde. Jedes Mal ist wie ein Tanz des Lebens, dessen Choreografie die Natur seit ewigen Zeiten festgeschrieben hat. „Anders als im normalen Leben, in dem wir möglichst vorausschauend planen, kann die werdende Mutter selbst den Ablauf nicht wirklich kontrollieren“, sagt Mergard. „Der Körper hat über Millionen von Jahren ein Wunderwerk von hochkomplexen Abläufen herausgebildet, das meistens bestens von selbst funktioniert. Darauf sollte man sich erst einmal verlassen.“ Geburt bedeutet auch eine Naturgewalt. 40 Wochen schwamm der Fötus bis dahin im warmen Fruchtwasserbeutel, hörte Mutters Herz pochen, ihr Blut rauschen, ihren Magen gluckern. Ein Lärmambiente von 80 Dezibel, wie an der Hauptverkehrsstraße. Irgendwann beginnen die Vor- oder Senkwehen, drücken das Baby auf Becken und Muttermund. Eine Art Generalprobe für die Geburt. Hormone geben den Startschuss für den Ernstfall: Corticoliberin aus dem Mutterkuchen macht die Fruchtblase instabiler und die Gebärmutter empfänglicher für den Botenstoff Oxytocin, der ihr später hilft, sich zusammenzuziehen. Es regt die Produktion von Prostaglandin an, das den Muttermund geschmeidiger und weicher macht. Vorwehen? Senkwehen? Hebammen wissen: Ein warmes Bad zeigt, was Sache ist; Geburtswehen werden darin stärker, Vorwehen hören auf. Bei einigen Frauen löst sich ein Schleimpropf, der Gebärmutterhals und Muttermund bis dahin verschloss. Bei anderen öffnet sich schon die Fruchtblase.

Dr. Brigitte Mergard
Frauenärztinmit eigener Praxis in Hamburg. Sie hat seit vielen Jahren Erfahrung mit Geburten, betreut Schwangere und ist außerdem Expertin für natürliche Hormontherapie



Für Mutter und Kind ist die Geburt ein gewaltiger Kraftakt


Bonding
Vor allem die erste Zeit nach der Geburt ist für die Bindung von Mutter und Kind extrem wichtig


Geburtswehen helfen, den Muttermund zu öffnen. Alle fünf bis zehn Minuten kommen sie, dauern 45 bis 90 Sekunden. Und tun meistens höllisch weh. Bis zu zwölf Stunden dauert diese sogenannte Eröffnungsphase, pro Stunde öffnet sich darunter der Muttermund rund einen Zentimeter, der Kopf des Babys drückt nach unten. Bei einigen Frauen hören die Wehen plötzlich auf. Weil sie Angst haben, Stress fühlen. Der Körper reagiert sofort. Welche Stellung am besten ist? „Jeder Frauenkörper, jedes Kind ist anders“, weiß Mergard. „Am besten ist die Geburtsposition, die sich gut anfühlt – und vielleicht eine völlig andere, als man sich vorgenommen hatte.“

Wie die Besteigung des Mount Everest

Mut- und Kraftlosigkeit, unglaubliche Schmerzen. Und manchmal auch Erbrechen. Das kommt vor, alles ist möglich. Das Finale naht, die Austreibungsphase mit den Presswehen. Passiert der Babykopf das Becken, löst er den Pressdrang aus. Manchmal sieht man das Köpfchen schon. Was für ein Ansporn. Jetzt helfen die Stresshormone sogar, regen körpereigene Schmerzmittel an, die Endorphine. Die Schultern werden geboren und mit der nächsten Wehe meist der Rest des Körpers.

Manchmal läuft alles reibungslos, manchmal gibt es Probleme. Zange oder Saugglocke werden notfalls zu weiteren Geburtshelfern. Oder es geht nicht ohne Kaiserschnitt. Wie auch immer: Für die Mutter ist die Entbindung ein Kraftakt wie ein anstrengender Gipfelsturm, und für das Baby? 40 Wochen lang war es geborgen in Wärme, Dunkelheit, Schwerelosigkeit und absoluter Nähe zur Mutter. Und plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Noch dazu wird sein kleiner Körper geflutet von den Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin. Die Erfahrungen der eigenen Geburt mögen wir nicht erinnern, aber sie sind in unserem Unterbewusstsein gespeichert und beeinflussen unser ganzes Leben.

Da ist er: der erste eigene Atemzug, der erste Schrei. Und das erste Mal, dass die Mutter ihr Kind in den Arm nehmen kann. Manchmal noch mit, manchmal schon ohne Nabelschnur wird ihr das Baby auf den Bauch gelegt. Ein Wunder ist geschehen. Wieder mal. Was für ein Glück.

So wächst ein Kind im Mutterleib

Der erbsengroße Embryo ähnelt einer Kaulquappe, das Kreislaufsystem beginnt sich zu entwickeln, Anlagen fürKopf, Gehirn und Rücken entstehen.


Herz, Nieren und Magen beginnen mit der Arbeit,Mund, Nase, Augen bilden sich langsam. Kopf und obere Extremitäten dominieren deutlich. Es kommt zu ersten Bewegungen.


Ab der 8. Woche wird das Kind Fötus genannt.Organe, Nerven und Muskeln beginnen mit der Arbeit. Die Entwicklung der Genitalien beginnt.


Der 4. Monat: Die Haut ist fast entwickelt, das bisherweiche Skelettgerüst verknöchert, das Kind bewegt sich viel, schläft wenig.


Die Sinne entwickeln sich, der Fötus unterscheidet hell und dunkel, hört Geräusche,die Mutter kann erste Stöße ihres Kindes spüren. Am Ende des 5. Monats ist er über 20 cm groß.


Das Gehirn wächst jetzt besonders rasch. Und erstmals kann das Ungeborene auch die Augen bewegen. Die Haut ist so durchscheinend, dass man alle Gefäße sieht.


Das Fettgewebe bildet sich, die Augen lernen zu blinzeln.Das Kind entwickelt einen Schlaf- Wach-Rhythmus. Die Lunge ist noch nicht ausgereift, trotzdem ist es jetzt lebensfähig.


Der Fötus nimmt zu,die Haut glättet sich, darunter wächst das Fettgewebe. Die Fingernägel sind deutlich gewachsen. Das Gewicht des Fötus beträgt rund zwei Kilogramm.


Das Kind hat sich in die Geburtslage gedreht. Für Bewegungen ist ansonsten kein Platz mehr. DieLungen sind bereit für den ersten Atemzug. Die Geburt kann kommen.


FOTOS: GETTY IMAGES

FOTOS: CARLILE/COLE/GETTY IMAGES (2)