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Magisches Land


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daheim - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 13.04.2022

LANDSCHAFT

Artikelbild für den Artikel "Magisches Land" aus der Ausgabe 3/2022 von daheim. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: daheim, Ausgabe 3/2022

Die Teufelsmauer südwestlich von Quedlinburg ist eine Kuriosität der Natur und ein beliebtes Ausflugsziel

Man kann Reiseerinnerungen in ein Album kleben. Oder man macht es wie Fürst Franz von Anhalt-Dessau. Der hat sie sich in einen 112 Hektar großen Landschaftspark gestellt. Diesen ließ er in den Elbauen vor Wörlitz anlegen, mit einer von Pappeln bestandenen Rousseau-Insel – inspiriert vom Original bei Paris. Dazu gesellten sich ein Bauernhaus wie im Piemont und ein Nachbau der englischen Iron Bridge, der ersten Eisenbrücke der Welt.

In Neapel hatte Fürst Franz 1766 den Vesuv bestiegen, weshalb er im Park einen künstlichen Vulkan auftürmen ließ. Dessen Ausbrüche dienten nicht nur als Spektakel, sondern zugleich als erdgeschichtliche Lektion. Der Fürst war ein Anhänger der Aufklärung. Sein Volk sollte im Park eine Europa-und Bildungsreise unternehmen.

Die bunte Mischung fügt sich harmonisch zusammen

Besucher stoßen im Wörlitzer Park auf eine Synagoge, Symbol für Toleranz, und ein Labyrinth, ...

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... Metapher für die Irrwege des Menschen. Über die verzweigten Wasserläufe führen neben der Iron Bridge 16 weitere Brücken, jede ist anders konstruiert. Auch Altarme der Elbe sowie umliegende Acker und Weiden wurden in die Gartenanlagen integriert. Was nach einer wilden Mischung klingt, fügt sich im Park ausgesprochen harmonisch zusammen.

Ein Allerlei zu einer Einheit zu verbinden, das gelingt auch dem Bundesland, in dem der Park zu Hause ist. Sachsen-Anhalt beheimatet die unterschiedlichsten Kulturräume: die dünn besiedelte Altmark im Norden und die südlicher gelegenen Metropolen Magdeburg und Halle; im Osten liegen die sanften Hügel des Flämings und die ursprüngliche Flusslandschaft der Elbe, im Südwesten der bergige Harz.

Im zentralen Anhalt regierten die Fürsten und Herzöge. Einer dieser Adligen war Leopold III. Friedrich Franz, kurz Fürst Franz. Er und sein Baumeister Friedrich Wilhelm Freiherr von Erdmannsdorff wollten Wörlitz abgrenzen von der strengen Symmetrie und dem Pomp barocker Gartenanlagen. Sie nahmen die Natur zum Vorbild, in der gerade Linien selten vorkommen. Beete sind geschwungen wie Spazierpfade, an den Ufern von Gewässern sprießen Busch-und Bauminseln. Der Park gilt als einer der ersten englischen Landschaftsgärten Kontinentaleuropas und ist heute mit dem gesamten Gartenreich Dessau-Wörlitz Welterbe.

Gartendirektor Michael Keller und sein 15-köpfiges Team sorgen dafür, dass sich alles so bestaunen lässt, wie es vor rund 250 Jahren entstand. „Wir pflegen Pflanzungen, Gewässer und Wege, um die berühmte Gartenschöpfung zu bewahren“, sagt er. Und vor allem schneiden sie die Sicht frei.

Dem Park liegt ein System von Sichtachsen zugrunde, das zu immer neuen Höhepunkten lockt. Hinter jeder Gabelung, jedem Hügel warten eine Skulptur, ein Gebäude oder ein Ensemble von Gehölzen. So wird das Schloss am See von einem Pavillon sowie von Lindenund Fichtenpaaren gerahmt. „Helllaubige Bäume vor dunkler Nadelholzkulisse“, beschreibt Michael Keller den Kontrast. „Selbst wer die Wege schon hundertfach gegangen ist, entdeckt immer wieder eine neue Sicht.“ Der Park versammle Szenen und Bilder.

Seit 1000 Jahren wächst an Saale und Unstrut Wein

Solche Landschaftsbilder finden sich in Sachsen-Anhalt auch außerhalb des Gartenreichs. Das Schloss über Wernigerode wirkt wie zwischen die Wolken getupft, die Klosterruine am altmärkischen Arendsee erinnert an Caspar David Friedrichs mystisch-romantische Werke. Und die blühenden Tulpenfelder bei Schwaneberg hätten Vincent van Gogh gewiss inspiriert.

Schwaneberg liegt in der Magdeburger Börde, die wegen ihrer ertragreichen Böden eine lange bäuerliche Tradition besitzt. Einst rühmte man sie als Kornkammer Preußens und heute als Land der Zuckerrüben. Süße Früchte gedeihen auch im Süden: Entlang der engen Flusstäler von Saale und Unstrut erblickt man an steilen Hängen zahlreiche terrassierte Weinberge. Vor allem Liebhaber spritziger, fein-fruchtiger Weißweine pilgern zu den Straußwirtschaften von Deutschlands nördlichster Weinregion, in der sich seit mehr als 1000 Jahren die Reben ranken.

Ausgehend vom Norddeutschen Tiefland und dem Elbe-Urstromtal zieht sich Sachsen-Anhalts Landschaft zunehmend in die Höhe, je weiter man gen Südwesten reist. An den Grenzen zu Niedersachsen und Thüringen erstreckt sich mit dem Harz ein ausgewachsenes Mittelgebirge. Der dort alles überragende Brocken, 1142 Meter hoch, ist mit jährlich zwei Millionen Gipfelstürmern der Besuchermagnet.

Auf die umliegenden Täler sollte man aber nicht nur von oben herabsehen, sondern sie auch durchwandern. Im Bodetal zum Beispiel windet sich der Fluss Bode durch Deutschlands tiefste Schlucht außerhalb der Alpen. Eine Tour durch den engen Canyon folgt dem reißenden Gewässer, das schäumend über Steinschollen stürzt, während über ihm Farne auf Felsen sprießen und sich tapfere Linden an die Klippen klammern.

Auf dem Hexen-Stieg kann man einer Hexe begegnen

An einer Stelle zweigt die Wanderung zur berüchtigten Schurre ab, einem steilen Geröllfeld, über das 18 schweißtreibende Spitzkehren führen. Der Pfad heißt Harzer-Hexen-Stieg, und das zu Recht. Die Wanderer steigen über verschlungene Baumwurzeln, begegnen bizarren Granitgebilden, die an Hexenzinken und Katzenbuckel erinnern, passieren die Teufelsbrücke, blicken in die finstere Schallhöhle, in der manches Schauermärchen spielt, erreichen ein Felsmassiv namens Hexentanzplatz – und können sich sogar einer Hexe anschließen.

Eine dieser Damen mit Zipfelhut, düsterem Gewand und prägnantem Riechorgan nennt sich Watelinde. Sie führt Besuchergruppen vom Ort Thale aus durch die Schlucht – zu Fuß, auch wenn sie ihren Besen bei sich trägt. Unter der Woche heißt die Dame Martina Spier, an den Samstagen aber verhext sie sich in Watelinde. Dann errichtet sie im Wald ihren Altar mit Kelchen, Kerzenlicht und ausgestopfter Ratte, rührt eine Hexensalbe aus Fingerhut und Tollkirsche an, reicht ihren Gästen einen bräunlichen Trunk. Mit lauter Stimme berichtet sie von den Sagen und Mythen im Bodetal.

Schon die Germanen ließen sich von der Aura des schroffen Gebirges inspirieren und errichteten auf den Felsen Kultstätten. Aus einer wurde nach der Christianisierung der Hexentanzplatz, auf den heute sogar eine Seilbahn führt.

Als belesene Hexe zitiert Watelinde Goethe, der den Harzer Hexen in der Tragödie„Faust“ ein literarisches Denkmal setzte. Ihr höchstes Fest ist die Walpurgisnacht am 30. April, zu der sie zwischen Bodetal und Brocken hin und her sausen und an lodernden Feuern den Teufel zum Tanz bitten. Zehntausende Menschen feiern inzwischen mit.

Die finsteren Zauberwesen symbolisieren auch die dunkle Jahreshälfte, die in jener Nacht lautstark endet. Wenn am folgenden Morgen im Osten die Sonne aufgeht, ist der Spuk vorbei und die Frühjahrsgöttin Walpurgis übernimmt die Regie. Sie fegt die letzten Winterspuren fort und läutet die Zeit der Sonne, der Fruchtbarkeit und des Wiedererwachens der Natur ein.

Watelinde lässt sich nicht vertreiben. Sie geleitet ihre Gäste auch nach dem ersten Mai durch das Bodetal. Sie liebe die Schlucht und das frische Grün im Frühling, sagt sie und empfiehlt, dann am sprudelnden Fluss zu picknicken. Statt des Hexentranks eignet sich als Erfrischung einer der Saale-Unstrut-Weine. Die schmecken magisch gut.

TIPPS FÜR DIE REGION

RADELN

Eines der schönsten Teilstücke des 1300 Kilometer langen Elberadwegs führt durch Sachsen-Anhalt von Barby nach Schönebeck. Radler entdecken einen geschützten Auenwald, eine imposante Eisenbahnbrücke, ein altes Schützentafelwehr, Schloss Dornburg samt Binnendüne – und mit etwas Glück auch Biber, Eisvögel und weitere Uferbewohner.

www.elberadweg.de

WASSER UND WEIN

Die malerischen Flusstäler der Weinregion Saale-Unstrut lassen sich wunderbar mit dem Kanu erkunden. Die Wasserwanderungen führen an Burgen und romantischen Rebgärten vorbei und bieten viele Einkehrmöglichkeiten, wo man die köstlichen Weine der Gegend probieren kann.

www.saale-unstrut-tours.de

BAHNFAHREN

Mit der pechschwarzen Dampflok auf den 1142 Meter hohen Brocken – das zählt zu den schönsten Erlebnissen im Harz. Die Reise durch dichte Tannenwälder dauert vom Startpunkt Wernigerode bis zum Gipfelbahnhof knapp zwei Stunden und eröffnet spektakuläre Talblicke. Tipp: einen Zwischenstopp in Schierke einlegen und von dort zu den Feuersteinklippen wandern. Harzer Schmalspurbahnen Tel. 0 39 43/55 80; www.hsb-wr.de

HEILBADEN

Südlich von Magdeburg liegt das Salzland, wo man das „Weiße Gold“ schon im Mittelalter abbaute. Besucher können historische Betriebsstätten besichtigen und sich in Deutschlands ältestem Soleheilbad Solequell Bad Salzelmen in Schönebeck (Elbe) entspannen. Tel. 0 39 28/70 55 66; solepark.de

SAKRALE KUNST

Bereits im Jahr 955 wurde mit dem Bau des Doms St. Mauritius und Katharina begonnen. Das lichtdurchflutete Innere überwältigt Besucher mit einer 16-eckigen Kapelle, Taufstein aus rotem Porphyr, meisterlichen Bildfriesen, frühgotischen Sandsteinskulpturen und dem Grab Kaiser Ottos des Großen. Täglich finden Führungen statt. Tel. 03 91/5 41 04 36

www.magdeburgerdom.de

MUSIKALISCHER GENUSS

Der große Barockkomponist Georg Friedrich Händel stammt aus Halle. Zu seinen Ehren richtet die Saalestadt seit genau 100 Jahren ein Händel-Musikfestival aus. Zum diesjährigen Jubiläum (27. Mai bis 12. Juni) sind 80 Programmpunkte geplant, dargeboten an besonderen Orten wie der Galgenbergschlucht. Auch außerhalb der Festivalzeit lohnt sich für Klassikfreunde ein Besuch Halles: Das Museum in Händels Geburtshaus zeigt Leben und Wirken des Komponisten sowie mehr als 750 historische Musikinstrumente. Tel. 03 45/50 09 00

www.haendelhaus.de

SÜSSE VERFÜHRUNG

Die Hansestadt Salzwedel ist eine Hochburg des Baumkuchens, eine schichtweise aufgebaute, ringförmige Spezialität. Die Manufakturen im Ort backen sie nach alter Sitte über offenem Feuer am Spieß und lassen interessierte Besucher dabei gern zusehen.

www.salzwedel.de/de/stadt/stadtgeschichte/baumkuchen.html

KONTAKT: Sachsen-Anhalt Tourismus, Am Alten Theater 6; 39104 Magdeburg; Tel. 03 91/5 68 99 88

sachsen-anhalt-tourismus.de