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Magisches Mont-Saint-Michel


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Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 05.10.2022

REISE

Artikelbild für den Artikel "Magisches Mont-Saint-Michel" aus der Ausgabe 11/2022 von Partner Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 11/2022

Andrea Itze

Autorin und Bloggerin Andrea Itze ist unterwegs von Harz bis Himalaya. Seitdem Labradoodle Bobby bei ihr eingezogen ist, beginnt das Abenteuer für sie oft schon vor der Haustür. In ihrem Blog „Anwolf – Unterwegs auch mit Hund“ schreibt sie über ihre Reisen, Wanderungen und das Leben mit all seinen Irrwegen.

Von der Côte de Granite Rose im Norden der Bretagne war unsere Fahrt bis an die Grenze der Normandie nicht weit. In der Mittagszeit des wohl heißesten Tages unserer Reise erreichen wir unser Hotel. Das Steinhaus im typischen Stil der Region liegt direkt an der Bundesstraße, die zur berühmten Klosterinsel Mont-Saint-Michel führt. Ein Reisebus nach dem anderen rauscht an uns vorbei, während wir schwitzend vor dem Eingang warten. Bobby, unser 8-jähriger Labradoodle, hat den einzigen Schattenplatz unter einem Tisch für sich reserviert. „J’arrive tout de suite“, ruft der Wirt und ...

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... winkt zu uns rüber.

Er ist damit beschäftigt, die Gäste im Restaurant mit frisch Gegrilltem zu versorgen. Die Terrasse hinter dem Haus ist gut besucht. Irgendwann eilt er heran und wir betreten aufatmend das kühle Innere des alten Gebäudes.

Magischer Anziehungspunkt

Seit drei Wochen reisen wir durch Frankreichs Nordwesten und sind begeistert von spektakulären Steilküsten, traumhaften Stränden, spannender Geschichte und Kultur. Eines der Highlights haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben, den Besuch von Mont-Saint-Michel. Die mittelalterliche Abtei, die mit ihren mächtigen Befestigungsanlagen weit sichtbar auf einer Felseninsel thront, wird wegen ihrer spektakulären Bauweise auch „la Merveille“, das Wunder, genannt. Ich freue mich riesig, hier zu sein, wobei mich auch Skepsis begleitet. Ist ein Besuch dieser Sehenswürdigkeit, die zu den meistbesuchten in Frankreich zählt, mit Hund einigermaßen entspannt möglich?

Stärkste Gezeiten Europas

In dem sehr einfachen und wild zusammengewürfelten Hotelzimmer lassen wir die Hitze des Tages hinter zugezogenen Gardinen draußen. Während mein Mann Wolfgang und Bobby vor sich hin dösen, recherchiere ich im Internet nach schönen Aussichtsplätzen mit Blick auf den Mont-Saint-Michel.

Dabei entdecke ich Erstaunliches. Heute gegen 20 Uhr soll die Flut ihren höchsten Stand in diesem Monat erreichen. Die stärksten Gezeiten Europas von bis zu 15 Metern Tidenhub gibt es hier. An wenigen Tagen im Jahr, wenn die Springflut besonders hoch ist, wird Mont-Saint-Michel komplett zur Insel, was ein fantastisches Erlebnis sein muss. Dazu würde die heutige Flut zwar nicht ganz ausreichen, aber dennoch ist das doch ein echter Glücksfall. Als ich Wolfgang davon erzähle, sagt er ohne Umschweife: „Lass uns einfach hinfahren.“ Ich zweifele noch. Direkt zum Mont-Saint-Michel? Mit Bobby? Zum höchsten Flutstand des Monats?

Sind da nicht Unmengen von Menschen unterwegs? Ach, warum eigentlich nicht?! Also los!

Enge Gassen und weite Sicht

Wir verlassen das kühle Hotelzimmer und können kaum glauben, dass der Wirt extra für uns gegen späten Nachmittag den Grill anwirft. Normalerweise wird in Frankreich erst ab 19:30 Uhr zu Abend gegessen. Noch nie hatten wir eine Ausnahme erlebt. Dieses Hotel ist eine echte One-Man- bzw. One-Woman-Show. Die Frau des Wirts weist gerade zwei Wohnmobile auf der Wiese hinter dem Hotel ein. Ich bin beeindruckt von der Energie der beiden, wobei man ihnen eine gewisse Erschöpfung ansieht, die aber bestimmt nie in Unhöflichkeit gegenüber den Gästen umschlagen würde. Kurz nach 19 Uhr fahren wir durch die Schranke auf eine der riesigen Parkflächen am Mont-Saint-Michel und fühlen uns fast ein wenig verloren. Ein paar Autos stehen dort, aber wir sind erstaunlicherweise die einzigen Menschen weit und breit. Etwa drei Kilometer ist es von den Parkplätzen zum Mont-Saint-Michel. Wir passieren das große Besucherzentrum, das bereits geschlossen ist, dann einige Hotels und Restaurants, bis wir die lange, geschwungene Brücke erreichen.

Anziehungspunkt seit über 1300 Jahren

Bereits im Mittelalter hatte die Felseninsel in der weiten Bucht mit den gewaltigen Gezeiten eine besondere Anziehungskraft und zog immer mehr Pilger an. Als der Legende nach dem Bischof von Avranches im Jahre 708 der Erzengel Michael drei Mal erschienen war, errichtete er auf dem Felsen ein Heiligtum. Um das Jahr 1000 begannen Benediktinermönche mit dem Bau der Abteikirche und der Klostergebäude.

In den folgenden Jahrhunderten wurde ausgebaut und umgebaut. Mont-Saint-Michel gilt bis heute als ein Wunderwerk der mittelalterlichen Baukunst.

Ich bin fasziniert von der Weite, der Ruhe, der Abendstimmung und davon, wie sich der Blick auf Mont-Saint-Michel mit jedem Schritt immer wieder verändert. Unter uns strömt das Wasser Richtung Land. Die Flut hat ihren Höchststand fast erreicht.

Mittelalterliche Festung

Je näher wir der Klosterinsel kommen, desto mehr Menschen begegnen wir.

Die meisten lassen sich bequem mit dem regelmäßig pendelnden Shuttlebus herfahren. Aber es ist weit davon entfernt, voll zu sein. So spazieren wir ganz entspannt mit Bobby durch das große Eingangstor. Erst durch angenehm schattige Gassen, vorbei an kleinen Läden und Restaurants, dann über schmale Steintreppen und entlang hoher Mauern gehen wir immer weiter empor. Wir passieren kleine Gärten mit blühenden Blumen und schattenspendenden Bäumen. Fast ein wenig ehrfürchtig wegen dieses unerwarteten Glücks und der Schönheit dieses Ortes lassen wir uns weitertreiben. Sieben Türme verbindet der Wehrgang entlang den Befestigungsanlagen, die teilweise über mehrere Stockwerke senkrecht ins Meer stürzen. Wir schauen von oben über die weite Bucht, auf die verwinkelten Dächer und Gassen der mittelalterlichen Festung und beobachten die Möwen, wie sie um den Erzengel Michael kreisen, der 3,50 Meter groß, 820 kg schwer und vergoldet vom höchsten Punkt, der Spitze des Zentralturms der Abtei, über die Klosterinsel wacht. Eine Besichtigung der Abtei, dem Herzstück der Insel und des ehemaligen Klosterlebens, ist mit Hund nicht erlaubt, was uns aber nicht stört. Genug gibt es rundherum zu bestaunen.

Die Bucht von Mont-Saint-Michel

Seit 1979 gehören der Mont-Saint-Michel und seine Bucht zum „UNESCO Kulturerb der Menschheit". Und tatsächlich ist die einzigartige Faszination von Mont-Saint-Michel untrennbar mit seiner Umgebung verbunden.

Beinahe von überall rund um die flache Bucht sieht man die Felseninsel aufragen – weit weg im Nebel, hinter saftigen Salzwiesen, irgendwo am Horizont im scheinbar unendlich weiten Watt oder bei Flut mitten in der stürmischen See. Auch wenn man sich dafür entscheidet, die Klosterinsel selbst nicht zu besuchen, kann man auf ausgedehnten Wanderungen und kleinen Spaziergängen entlang der Bucht die besondere Magie dieses Ortes hautnah erleben.

À votre santé!

Als wir etwas später über die lange Brücke zurückgehen, sinkt die Sonne hinter Mont-Saint-Michel dem Horizont entgegen. Die Flut fließt langsam ab und bald sind der Himmel und das Meer in blau-rosa Pastell getaucht. Immer wieder bleiben wir stehen und beobachten dieses wunderbare Schauspiel, das die Natur uns darbietet. Oft hatte ich von der besonderen Magie gelesen, die dieser Ort ausstrahlt. Jetzt spüre ich, was damit gemeint ist.

Wieder im Hotel angekommen, ist die Nacht bereits angebrochen. Der Wirt ist noch mit dem Reinigen des Grills beschäftigt. Die One-Man-Show kennt keinen Feierabend und er verkauft uns mit einem freundlichen Lächeln eine Flasche Cidre. Im Zimmer ziehen wir die Gardinen auf. Eine kühle Brise strömte uns entgegen. Wir setzen uns mit einem Glas Cidre ans Fenster und entdecken in weiter Ferne den nächtlich beleuchteten Mont-Saint-Michel. Müde und glücklich stoßen wir an: À votre santé und bis morgen!

Am Pointe du Grouin

Der nächste Tag begrüßt uns mit Regen.

Während unserer dreiwöchigen Reise durch Normandie und Bretagne haben wir uns von den vielen „Pointes“ und „Caps“ angezogen gefühlt. Weit ins Meer ragend, halten sich Wolken dort meist nicht lang. Wir fahren an das nordwestliche Ende der Bucht zum Pointe du Grouin. Und tatsächlich hört es auf zu regnen. Auf einer kleinen Runde wandern wir bis zur Spitze der Landzunge.

Bobby ist wie immer als Erster auf den Felsen. Hoch über dem Meer blickt er ruhig, doch voller Konzentration in die Ferne. Nichts anderes scheint ihm wichtig in diesem Moment. Wir tun es ihm gleich. Im milchigen Dunst verschmilzt der Horizont ins Unendliche. Die Sonne, die sich durch die dünne Wolkenschicht kämpft, lässt das Wasser türkisgrün leuchten – ganz klein schwebt die Silhouette von Mont-Saint-Michel zwischen Himmel und Meer.

Au revoir, Mont-Saint-Michel

Am nächsten Morgen packen wir unsere Sachen. Jedoch nicht, um wie bisher in den letzten drei Wochen weiterzureisen. Nach dem Frühstück, zu dem wir im Erdgeschoss des alten Steinhauses mit den anderen Hotelgästen an einem großen Holztisch zusammenkommen, geht es Richtung Heimat. Der Besuch von Mont-Saint-Michel war ein wunderbarer Abschluss unserer Reise. Der Wirt winkt uns herzlich hinterher, bevor er wieder sein Handy am Ohr hat. Kurz sehe ich Mont-Saint-Michel zwischen den Häusern durchblitzen. Au revoir, wir sehen uns bald wieder!

ANDREA ITZE

Mont-Saint-Michel mit Hund

Jährlich besuchen um die 3,5 Millionen Menschen Mont-Saint-Michel.

Dennoch ist ein Besuch mit Hund gut möglich, wenn man sich viel Zeit nimmt und antizyklisch zu den Touristenströmen unterwegs ist. Außerhalb der Öffnungszeiten des Besucherinformationszentrums und der Abtei (vor 9 Uhr und nach 19 Uhr) geht es auf der Klosterinsel deutlich ruhiger zu und es lassen sich zudem magische Sonnenauf- und -untergänge erleben. Mont-Saint-Michel ist rund um die Uhr geöffnet. Im Pendelbus ist das Mitführen von Hunden in geschlossenen Körben oder Taschen erlaubt. Ich würde aber empfehlen, die drei Kilometer zu Fuß zurückzulegen, da allein schon der Weg ein unvergessliches Erlebnis ist.