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MAKROFOTOGRAFIE UND NACHBEARBEITUNG: Makros perfektionieren


DOCMA - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 04.12.2019

Es kommt nicht auf die Größe an. Sagt man. Nun ja, bei Makros schon.Olaf Giermann zeigt Ihnen auf den folgenden Seiten, worauf Sie beim Fotografieren und Optimieren Ihrer Makro-Fotos achten sollten und wie Sie zu kreativen Bildergebnissen kommen.


Artikelbild für den Artikel "MAKROFOTOGRAFIE UND NACHBEARBEITUNG: Makros perfektionieren" aus der Ausgabe 1/2020 von DOCMA. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: DOCMA, Ausgabe 1/2020

Bei Fotos im extremen Nahbereich, also bei Makro-Aufnahmen, kämpft man als Fotograf vor allem mit zwei Problemen: der geringen Schärfentiefe und – sofern keine künstliche Beleuchtung eingesetzt wird – dem Mangel an Licht. Beides hängt eng miteinander zusammen, denn zum einen müssen Sie abblenden, um die Schärfentiefe zu erhöhen, was zum anderen wiederum die ...

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... Belichtungszeit verlängert. Für Freihandaufnahmen sind das keine guten Voraussetzungen. Denn um bei den relativ langen Makro- Brennweiten (circa zwischen 60 und 150 mm) selbst mit sehr ruhiger Hand verwacklungsfreie Aufnahmen zu bekommen, empfehlen sich Verschlusszeiten von maximal 1/120 bis 1/300 Sekunden. Meist sind jedoch noch kürzere nötig. Zum Ausgleich müssen Sie den ISOWert extrem erhöhen, was ein stärkeres Bildrauschen zur Folge hat.

Aber selbst wenn das Licht für die kleinste Blende ausreicht (die sich aber durch unschöne Beugungsunschärfe bemerkbar macht), ist die Schärfe-Ebene im Nahbereich oft so schmal, dass man eine Reihe von im Fokus versetzten Aufnahmen machen und diese am Rechner kombinieren muss („Focus-Stacks”). Mit freihändigen Fotos ist das unmöglich. Zur Lösung dieser Probleme benötigen Sie als Makrofotograf vor allem eines: ein Stativ. Das erlaubt sowohl den Einsatz längerer Belichtungszeiten bei niedrigem ISO-Wert als auch den Einsatz der schärfsten Blende für das Fotografieren mit Fokus-Verlagerung und anschließendem Focus-Stacking.

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Bei kleinen Abbildungsgrößen wie hier im Druck oder für das Internet spielt das oben Gesagte – zumindest bezogen auf das Bildrauschen – keine Rolle. Sie sehen hier denselben Pilz, aufgenommen mit einem 105-Millimeter-Objektiv bei f/3.5, 1/250 s, ISO 220, freihändig (a), f/14, 1/250, ISO 22800, freihändig (b) und f/14, 2 s, ISO 64, mit Stativ (c). Außer der etwas größeren Schärfentiefe werden Sie kaum einen Unterschied sehen.

Möchten Sie jedoch großformatig drucken, spielen die Details eine erhebliche Rolle. Hier sehen Sie vergrößerte Ausschnitte derselben Fotos. Das Rauschen macht sich deutlich bemerkbar. Ein ähnlicher Detailverlust würde durch weiteres Abblenden drohen, das zwar beim verwendeten Objektiv bis Blende f/36 möglich, aber wenig empfehlenswert ist.

Die Themen im Überblick

In diesem Workshop erfahren Sie, wie Sie Makro- Fotos aufnehmen und diese in der Nachbearbeitung veredeln.

16 Schärfentiefe Die geringe Schärfentiefe im Nahbereich können Sie kreativ nutzen oder auch digital simulieren.

18 Unschärfe reduzieren Hier erfahren Sie, wie Sie kleine Verwackler abmildern und leicht unscharfe Bildstellen nachschärfen.

19 Fokusverlagerung Fotoserien mit Fokusverlagerung sind eine Möglichkeit, den Schärfebereich nachträglich am Rechner zu vergrößern.

20 Fotos sichten und kombinieren Lightroom, Bridge und Photoshop bieten einen schnellen Workflow zur Sichtung und Überblendung der Fotos.

22 Retusche Das Ergebnis der Fokusüberblendung müssen Sie meist noch retuschieren. Wir zeigen Ihnen hier auch, wie Sie das in Affinity Photo lösen.

24 Beleuchtungsvarianten Wir erläutern, wie Sie unterschiedlich beleuchtete Bildvarianten kombinieren können.

26 Kreative Effekte Hier geben wir Ihnen einige Anregungen zum kreativen Einsatz von Makrofotos.

ARBEITSMATERIALIEN FINDEN SIE UNTER www.docma.info/21697


Geringe Schärfentiefe kreativ nutzen

Unschärfe im Makrobereich stellt für rein technische Abbildungen häufig ein Problem dar. Aus kreativer Sicht ist sie aber auch eine Chance. Denn eine schmale Schärfe-Ebene ermöglicht nicht nur das Fokussieren auf die wichtigen Bildinhalte, sondern gibt den Resultaten auch einen ganz eigenen Charme.

Das Kleine erkunden

Makro-Objektive ermöglichen es, Objekte auf dem Sensor in mindestens halber bis ganzer Größe formatfüllend abzubilden – also mindestens mit einem Abbildungsmaßstab von 1:2 beziehungsweise 1:1.

Um die Details Ihrer Umwelt zu erkunden, benötigen Sie aber nicht unbedingt ein spezielles Objektiv. Viele Objektive von Kompaktkameras oder die aktueller Smartphones erlauben mitunter schon sehr geringe Aufnahmeabstände. Das allein ermöglicht zwar keine großen Abbildungsmaßstäbe, aber doch ungewöhnliche Perspektiven und Detailausschnitte.

In jedem Fall sinkt mit schrumpfendem Aufnahmeabstand die Schärfentiefe. Längere Brennweiten und größere Kamerasensoren verstärken diesen Effekt. Die hier gezeigten Fotos entstanden alle mit einem 60-Millimeter-Makro-Objektiv bei ungefähr Blende 4. Ich blendete gerade soweit ab, dass die bildwichtigen Teile scharf waren, also die kleine Spinne und ein Teil ihres Netzes(a) , die (hätten Sie es erraten?) Kugelschreiberspitze(b) oder die sich gerade öffnende Knospe an einem Zweig(c) . Nutzen Sie also die fast unvermeidlichen Unschärfen im Nahbereich, um den Hintergrund weich auszublenden und das Motiv zu betonen.

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Makro-Effekt: Geringe Schärfentiefe digital simulieren

Die aus den optischen Gesetzmäßigkeiten resultierende geringe fotografische Schärfentiefe ist ein Markenzeichen der Makrowelt. Wenn Sie also große Dinge klein erscheinen lassen möchten, müssen Sie verhindern, dass ein Bild von vorn bis hinten gleichmäßig scharf ist. Durch Erzeugen einer schmalen Schärfeebene lässt sich so vor allem bei Fotos aus der Vogelperspektive schnell ein witziger Miniatur-Effekt oder ähnliche Sujets wie die Fotos auf der gegenüberliegenden Heftseite am Rechner nachstellen.

01 Dunst entfernen Selektive Unschärfe-Effekte fügen Sie am einfachsten mit den Filtern der»Weichzeichnergalerie« und deren intuitiven „Im-Bild-Bedienelementen” hinzu. Vorher müssen Sie jedoch einen genaueren Blick auf das verwendete Foto werfen und gegebenenfalls Korrekturen vornehmen. Denn die hier gezeigte Heidelberger Szene weist mit zunehmender Entfernung Dunst („Luftperspektive”) auf. Ein solcher Kontrastverlauf käme in einem Foto eines entsprechenden Miniatur-Modells nicht vor. Deshalb optimieren Sie vor allen weiteren Korrekturen den Kontrast mit Hilfe der Regler»Farbtemperatur«(a) und»Kontrast« oder in Photoshop CC mit»Dunst entfernen «(b) im»Verlaufsfilter« in Camera Raw oder Lightroom.

02 Tilt-Shift-Filter Mit dem Filter»Tilt-Shift« simulieren Sie eine Schärfe-Ebene, die Sie mit dem zentralen Punkt(a) an die gewünschte Position ziehen und mit den kreisförmigen Anfassern(b) auf den durchgezogenen Linien auch drehen können. Ziehen Sie die durchgezogenen Linien an die Grenzen des Bereichs, der hundertprozentig scharf bleiben, und die gestrichelten Linien(c) an die Stellen, ab denen die Unschärfe vollständig angewendet werden soll. Zwischen beiden Linien wird ein gleichmäßiger Schärfeverlauf erzeugt.

Die Stärke der Unschärfe stellen Sie mit dem Regler»Weichzeichnen« ein(d) .»Verzerrung«(e) verschiebt optional die Pixel im unteren oder oberen gesofteten Bereich, um Objektivfehler zu simulieren. Bei»Symmetrischer Verzerrung«(f) erfolgt das für alle unscharfen Bereiche gleichermaßen.

Empfehlenswert ist das Hinzufügen von etwas Körnung(g) im gleichen Filter, damit die weichgezeichneten Bereiche weniger auffällig glatt wirken.

Kleinere Verwackler und Unschärfen reduzieren

Gerade wenn es um das Fotografieren von lebenden Kleintieren geht, wie zum Beispiel Insekten oder Spinnen, kommt man mit einem Stativ oft nicht weit. Am besten stellen Sie manuell scharf, indem Sie die Kamera vor und zurück bewegen. Mitunter hat das so freihändig aufgenommene Bild dann – trotz oder teilweise sogar wegen der Bildstabilisierung – leichte Verwackler oder Unschärfen. Diese kann man bis zu einem gewissen Grad in der Nachbearbeitung abmildern.

01 Verwackler reduzieren Dieses (schon etwas ältere) Foto ist typisch für die Probleme, die es hier zu lösen gilt. Farbigkeit und Bildaufbau gefallen mir immer noch, aber das Bild ist leicht verwackelt und der Fokus liegt nicht perfekt auf dem vorderen Auge. Letzteres ist ein Muss bei Mensch und Tier, meine ich. Verwacklungen im Mikrobereich mildern Sie effektiv über»Filter > Scharfzeichnungsfilter > Verwacklung reduzieren « ab. In der Regel können Sie den Filter auf den Standardeinstellungen belassen. Ziehen Sie dabei das»Verwacklungsspurschätzungs « -Rechteck im Filter über eine in der Schärfe-Ebene befindliche, jedoch verwackelte Bildstelle, damit der Filter die Verwacklung optimal beurteilen und reduzieren kann.

02 Augen schärfen Der Fokus landete bei der Heuschrecke leider etwas hinter dem vorderen Auge – zum Glück jedoch noch nicht so weit, dass die Reflexionen in der Unschärfe völlig verschwimmen. Winzige Details lassen sich nachträglich nicht mehr rekonstruieren. Sie können jedoch für einen besseren Schärfeeindruck sorgen, indem Sie den Detailkontrast mit dem Filter»Unscharf maskieren« verstärken(a) . Wenden Sie ihn auf einer mit»Strg/Cmd- Alt-Shift-E« erzeugten zusammengefassten Ebene mit einer hohen»Stärke« und einem niedrigen»Radius« an. Ziehen Sie den»Radius« -Regler etwas hin und her und achten Sie auf die Details der Augen, um den optimalen Wert zu finden.

Beschränken Sie die Schärfung mit Hilfe einer Ebenenmaske auf den Bereich der Augen(b) . Ebenso sollten Sie im ersten Schritt»Verwacklung reduzieren« nur selektiv anwenden und die Bereiche außerhalb der Schärfeebene aussparen(c) .

Fotoserien mit Fokusverlagerung

Soll ein Motiv von vorn bis hinten mit der maximalen Schärfe abgebildet werden, führt in der Fotografie (in 3D-Programmen wäre das kein Problem) kein Weg daran vorbei, mehrere für einzelne Bildstellen optimierte Aufnahmen zu kombinieren. Während in der Architekturund Landschaftsfotografie dafür wenige Fotos genügen, benötigen Sie in der Makrofotografie weit mehr Aufnahmen mit jeweils minimal verschobener Fokus-Ebene.

01 Stativ und manueller Fokus Die Minimal-Voraussetzungen für geplante Aufnahmen mit Fokusverlagerung sind ein Stativ und eine Kamera, an der Sie den Fokus manuell verstellen können. Nehmen Sie eine Fotoserie auf, bei der Sie den Fokus von Aufnahme zu Aufnahme von der vordersten Stelle, die scharf sein soll, bis an die hinterste verlagern. Achten Sie wie bei einer Panorama-Serie darauf, dass sich die scharfen Bereiche ausreichend überlappen. Manuell erfordert das viel Sorgfalt und Geduld. Wählen Sie deshalb eine Blende, die für eine so breite Schärfe-Ebene sorgt, dass Sie diese im Sucher oder auf dem Display Ihrer Kamera deutlich erkennen können. Viele moderne Kameras bieten einen sogenannten „Focus- Peaking”- Modus an, in dem die scharfen Kanten mit einer Farbüberlagerung hervorgehoben werden. Das erleichtert das Fokussieren deutlich.

Die erste und beste Anschaffung für (nicht nur) Makro-Fotografen: ein stabiles Stativ. Unter uns: Das sollte so leicht wie möglich sein, da Sie es sonst immer lieber zu Hause oder im Auto liegen lassen.


02 Automatische Aufnahmen mit Fokusverlagerung Für höchste Ansprüche nutzen Profis zur Fokusverlagerung motorisierte Schlitten – optional mit Balgen und aufwendigem Lichtequipment (siehe Seite 82). Für den Freizeit-Anwender lohnt sich das nur, wenn die hochauflösende Makrofotografie im Mittelpunkt des fotografischen Interesses steht. Für „Makro-Gelegenheitsenthusiasten” wie beispielsweise mich haben einige Kameras (wie etwa die von mir genutzte Nikon D850) einen eingebauten Fokusverlagerungsmodus. In diesem kann man bei Einsatz eines Autofokus-fähigen Objektivs (die durch Rechnen und Ausprobieren) ermittelte Anzahl und Schrittweite wählen und die Kamera dann alle nötigen Aufnahmen selbstständig durchführen lassen.

Klopfen Sie das Handbuch Ihrer Kamera auf Funktionen ab, die Sie beim Erzeugen von Focus-Stacks unterstützen, wie zum Beispiel das Focus-Peaking oder die automatische Fokusverlagerung.


Aufnahmeserien gruppieren und optimieren

Bei Fotoserien mit Fokusverlagerung kommen schnell Hunderte Aufnahmen zusammen. Zudem ähneln sich die Fotos sehr, wenn Sie mehrere Serien vom gleichen Motiv fotografieren. Durch Stapeln sorgen Sie in Lightroom oder Bridge für mehr Übersicht und sortieren Bilder aus, die Sie nicht benötigen. Die Raw-Optimierung sollten Sie bereits vor der weiteren Verrechnung durchführen.

01 Stapeln Nach dem Import in Lightroom oder Bridge sehen die Miniaturen jeder Aufnahmeserie mehr oder weniger identisch aus. Fassen Sie am besten sofort alle Bilder einer zusammengehörigen Serie zu einem Fotostapel zusammen. Das funktioniert sowohl in Lightroom als auch in Bridge, indem Sie die Bilder markieren und dann den Shortcut»Strg/Cmd-G« verwenden(a) . Löschen Sie überzählige Bilder, die Bereiche im Hinter- oder Vordergrund scharf abbilden, die Sie gar nicht benötigen (oder markieren Sie sie farbig).

TIPP : Wenn Sie in Bridge 2020 den Mauszeiger über einen Ebenenstapel bewegen, wird ein Abspielknopf mit einer Abspielleiste eingeblendet (b). Damit können Sie alle Bilder eines Stapels als Animation ablaufen lassen oder schnell durchscrollen, ohne den Stapel öffnen zu müssen.

02 Vorentwicklung (Raw) Um das Beste aus Ihren Fotos herauszuholen, sollten Sie immer im Raw- Format fotografieren. Suchen Sie sich in Lightroom oder Bridge das Foto heraus, das die jeweilige Szene in der Serie am besten repräsentiert, und optimieren Sie es mit den Möglichkeiten, die Ihnen Lightroom beziehungsweise Camera Raw bieten. Anschließend übertragen Sie die»Entwicklungseinstellungen« auf die anderen Bilder der Serie durch Kopieren und Einfügen. Sowohl in Bridge als auch in Lightroom finden Sie dafür einen gleichnamigen Menüpunkt im Kontextmenü (Rechtsklick) der Fotos, der die dafür notwendigen Befehle enthält. Wichtig ist, dass alle Fotos der Serie exakt dieselben Einstellungen erhalten, damit das spätere Zusammenfügen nahtlos funktionieren kann.

Ebenen laden, ausrichten und überblenden

Die Funktion zum nahtlosen Überblenden einer Fotoserie mit Fokusverlagerung zu einem durchgehend scharfen Foto steht Ihnen als Adobe-Anwender derzeit ausschließlich in Photoshop zur Verfügung. Die einzelnen Dateien lassen sich aber bequem aus Lightroom oder Bridge als Ebenen an Photoshop weiterreichen.

01 In Stapel laden Markieren Sie die zu überblendenden Fotos der Serie. In Adobe Bridge wählen Sie den Menübefehl»Werkzeuge > Photoshop > Dateien in Photoshop-Ebenen laden«(a) . In Lightroom finden Sie dieselbe Funktion per Rechtsklick unter»Bearbeiten in > In Photoshop als Ebenen öffnen«(b) . Vorhandene Raw-Entwicklungsdaten werden dabei angewandt. Speichern Sie die Datei sicherheitshalber direkt nach dem Laden aller Ebenen.

02 Dateiformat wählen Aufgrund der aktuellen Sensorauflösungen von 20 bis 60 Megapixeln werden Sie beim Speichern in Schritt 1 regelmäßig an die 2-GB-Obergrenze des uralten PSD-Formats stoßen. Die Fehlermeldung erhält man leider immer erstnach dem langen Speichervorgang. Meine Empfehlung: Speichern Sie gleich als TIFF (Obergrenze: 4 GB) oder im PSB-Format (ohne jede derzeit praxisrelevante Obergrenze; in Photoshops Speichern-Dialog „Großes Dokumentformat” genannt).

03 Ausrichten und überblenden Markieren Sie alle Ebenen (»Strg/Cmd-Alt- A« ) und wählen Sie»Bearbeiten > Ebenen automatisch ausrichten« . Belassen Sie die Projektionsmethode auf»Auto«(a) und klicken Sie auf»OK« . Stellen Sie sicher, dass noch immer alle Ebenen ausgewählt sind und rufen Sie den Dialog»Ebenen automatisch überblenden« im»Bearbeiten « -Menü auf. An dieser Stelle aktivieren Sie die Option»Bilder stapeln«(b) . Setzen Sie auch ein Häkchen bei»Nahtlose Töne und Farben«(c) , da das Ergebnis der Überblendung sonst unschöne Artefakte aufweist.

Retusche des Focus-Stacks

Das Ergebnis aus dem automatischen Überblenden sieht auf den ersten Blick vielversprechend aus. Der Teufel liegt aber im Detail. Denn wenn Sie genauer hinschauen, werden Sie meist Artefakte entdecken.

01 Typische Probleme Häufig erhalten Sie weiche Kanten, wo diese eigentlich scharf sein sollten, wie zum Beispiel an den Rändern der vorderen Pilzhüte(a) . Hier versucht der Algorithmus, die unscharfen und scharfen Bildstellen ausgewogen zu vereinen, was meist zu Ungunsten der scharfen Kanten ausfällt. Im Prinzip müssen Sie hier nur mit einem Pinsel und weißer Farbe in der Maske der entsprechenden Ebene malen, um die scharfe Kante des Ausgangsfotos wieder sichtbar zu machen. Das wird jedoch durch die mitunter sehr kompliziert über die Ebenen aufgeteilten Masken(b) erschwert. Die Option»Nahtlose Töne und Farben« führt außerdem dazu, dass die originalen Bildpixel teilweise umgefärbt werden. Oft ist es daher am einfachsten, an kritischen Stellen zu stempeln oder das Originalbild maskiert einzufügen.

02 Retusche Bei Naturmotiven mit vielen kleinen Details, wie hier beim Moos, können Sie sich die Retusche von Störungen durch»Bearbeiten > Inhaltsbasierte Füllung« deutlich erleichtern. Wählen Sie mit dem Lasso den zu füllenden Bereich aus, rufen Sie den Dialog auf und entfernen Sie alle unpassenden Quellbereiche aus der (standardmäßig) grünen Überlagerung. Selbst größere Bereiche wie das Schimmelgeflecht im Vordergrund lassen sich so gezielt unauffällig kaschieren(a) . Um das vertrocknete Samenkorn(b) auf dem linken Pilzhut im Vordergrund zu entfernen, müssen Sie die»Drehungsanpassung« erhöhen, damit die obere Kante abgerundet fortgeführt wird.

TIPP : Versuchen Sie mit »Inhaltsbasierte Füllung« nicht alle Störungen auf einmal zu beseitigen, sondern rufen Sie den Dialog nach einer Auswahl der Bildstelle jeweils erneut auf, um bessere Ergebnisse zu erhalten.

03 Das Ergebnis abstimmen Nach der Retusche fassen Sie alle Ebenen zu einer neuen zusammen (»Strg/ Cmd-Alt-Shift-E« ) und wenden auf diese den»Camera Raw-Filter« an, um das Bild nach Ihren Vorstellungen weiter zu optimieren. Hier können Sie nicht nur verschiedene Profile anwenden, um unterschiedliche Farbstimmungen zu testen, sondern auch die Details mit den Reglern»Struktur « ,»Klarheit« sowie»Dunst entfernen« betonen oder abmildern. Mit einer leichten Vignette dunkeln Sie die Bildränder ab, um die hellen Hüte der Pilze noch stärker hervortreten zu lassen(a) .

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TIPP : Probieren Sie mit dem »Freistellungswerkzeug « verschiedene Bildschnitte aus. Weniger ist oft mehr (b).

Fokus-Stacking in Affinity Photo

Die grundlegende Vorgehensweise für Fokus-Stacks und die damit einhergehenden Probleme sind in Affinity Photo die gleichen wie in Photoshop. Zusammen mit einem guten Raw-Konverter liefert die Fokuskombination sogar Ergebnisse mit weniger Artefakten als Photoshop.

01 Fokus-Stack erzeugen Um eine Bilder einer Serie mit Fokusverlagerung zu kombinieren, wählen Sie in Affinity Photo»Datei > Neue Fokuskombination «(a) . Da Affinity Photo nur das Entwickeln einzelner Raw-Fotos erlaubt und auch kein taugliches Presetoder Synchronisations-System hat, sollten Sie die Raw-Dateien vorher in einem anderen Raw-Konverter wie etwa Lightroom oder Capture One optimieren und für die Fokuskombination in TIFF-Dateien exportieren.

02 Retusche des Stacks Affinity Photo erzeugt bei der Fokuskombination nur eine einzelne Ebene, behält die Ausgangsfotos aber als Kopierquellen im»Quellen« -Panel(b) . Wählen Sie dort bei aktivem»Klonen « - Werkzeug(c) das geeignete Foto, so sehen Sie unter dem Mauszeiger im Bild eine Vorschau des Ergebnisses. Überstempeln Sie unschön verrechnete Bereiche mit schärferen aus den Quellen. Um eine Kopierquelle im gesamten Bild anzuzeigen, klicken Sie auf das Augen-Symbol(d) . Die Quellen werden leider nicht mit der Datei gespeichert.

Unterschiedliche Beleuchtungsvarianten kombinieren

Lichtmangel können Sie sich zunutze machen, um mit einfachsten Mitteln verschiedene Beleuchtungsvarianten Ihres Motivs zu erzeugen und diese dann in Photoshop zu kombinieren.

01 Fotos mit einfachen Mitteln Wenn Sie mehrere Kompaktblitze inklusive dafür geeignete Stative und am besten noch passende Diffusor-Vorsätze bei Fotowanderungen dabei haben, können Sie das gewünschte Licht passend vor Ort einstellen und die Szene mit einer Auslösung auf den Sensor bannen. Falls Sie wie ich für die gezeigten Fotos neben Kamera und Stativ nur eine Taschenlampe dabei haben, lassen sich verschiedene Beleuchtungsvarianten erzeugen, die Sie später in Photoshop kombinieren. Wählen Sie Kameraeinstellungen, die eine längere Belichtungszeit erlauben, das Motiv aber unterbelichten, so dass Sie es mit der Taschenlampe aus unterschiedlichen Richtungen aufhellen können. In der Dämmerung reichen ein niedriger ISO-Wert und eine kleine Blende, am Tag benötigen Sie gegebenenfalls einen Graufilter.

02 Fotos in Ebenen laden und ausrichten Laden Sie die zu kombinierenden Fotos – wie auf Seite 21 in Schritt 1 gezeigt – aus Lightroom oder Bridge als Ebenen in Photoshop. Wenden Sie die Funktion»Bearbeiten > Ebenen automatisch ausrichten an«(a) an – in diesem Fall stand das Stativ auf weichem Waldboden, der auch ohne Berührung die Stativposition mit der Zeit ein wenig wandern lässt. Mit gedrückter»Alt« - Taste klicken Sie in der»Ebenen« -Palette auf»Maske hinzufügen« , um eine der oberen Ebenen auszublenden. Halten Sie die»Alt« -Taste gedrückt und ziehen Sie die Maske auf die anderen Ebenen, um auch diese zunächst auszublenden(b) . Das ist der schnellste Weg in Photoshop, um viele Ebenen gleichzeitig mit einer schwarzen Maske zu versehen.

03 Licht einmalen Die „Kunst” besteht nun darin, mit einem weichen Pinsel und mit weißer Farbe in den jeweiligen Masken zu malen – oder mit dem»Verlaufswerkzeug« weiche Übergänge einzufügen –, um das fotografierte Licht der entsprechenden Ebene einzublenden. So können Sie Glanzlichter oder Schatten entweder betonen oder ausblenden. Sollte eine Ebene gar nicht ins Konzept passen, löschen Sie diese am besten gleich. Mit gehaltener»Shift« -Taste blenden Sie eine Maske ein oder aus.

TIPP : Nutzen Sie den »Dichte«-Regler im »Eigenschaften«-Bedienfeld, um eine Maske teiltransparent zu machen. Das erleichtert entweder vorübergehend die Einschätzung der einzelnen Belichtungen oder auch deren finale Abmischung.

04 Retusche Der vierte, deformierte Pilzkopf, der sich unten rechts ins Bild gequetscht hat, stört die Bildkomposition. Kopieren Sie alle sichtbaren Ebenen mit»Strg/Cmd-Alt- Shift-E« auf eine neue. Wählen Sie den Störenfried mit dem»Lasso« aus und entfernen Sie ihn mit Hilfe der»Inhaltsbasierten Füllung« und dem»Kopierstempel « .

05 Farb- und Kontrastkorrektur Das zuvor noch unspektakulär wirkende Foto leidet unter dem zu kühlen Weißabgleich und dem mangelnden Bild- und Detailkontrast. All das korrigieren Sie am einfachsten mit dem»Camera Raw-Filter « . Schieben Sie dort die Regler für»Farbtemperatur« und»Farbton« leicht nach rechts(a) . Für knackigere Details nutzen Sie»Struktur« ,»Klarheit« und»Dunst entfernen«(b) .

Nahaufnahmen für kreative Effekte

Unter uns: Für Kreativanwender von Photoshop oder 3D-Programmen ist ein Makro-Objektiv eigentlich Pflicht. Denn Makrofotos ermöglichen nicht nur das Anlegen von Texturen, sondern auch das spielerische Erzeugen von Lichteffekten. Selbst Pinselspitzen lassen sich aus Makrofotos ableiten.

01 Details und Texturen Ein Makroobjektiv ermöglicht es, kleinste Details festzuhalten, indem Sie mit möglichst geringem Abstand fotografieren. Dadurch fangen Sie kleinste Oberflächenstrukturen ein, um sie später in Photoshop einzusetzen. Friedrich Nietzsches Aussage „Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein” inspirierte mich beispielsweise beim morgendlichen Blick in den frischen Kaffeeschaum – sowohl zum Fotografieren der vielen kleinen Schaumbläschen als auch für die nebenstehende Fotomontage, bei der außerdem die Textur mit den vertrockneten Erdschollen zum Einsatz kam. Mehr über das Verwenden von Texturen erfahren Sie in DOCMA 81 (www.docma.info/21698 ).

02 Lichteffekte Die Weihnachtszeit ist für die meisten Menschen eine besinnliche Zeit. Für kreative Makroobjektiv-Besitzer ist es vor allem die richtige Zeit, aus all den dann vorhandenen, feinteiligen, nächtlichen Lichtquellen – wie etwa der Adventskranz oder der Stern-Lichterbogen im Fenster – interessante Lichtspur-Fotos abzuleiten: ISO runter, Belichtungszeit rauf, und dann während der Belichtung die Kamera bewegen.

Da die so erzeugten Lichtspuren meist vor einem fast schwarzen Hintergrund liegen, können Sie diese einfach mit der Füllmethode»Negativ multiplizieren« Ihren Bildern überlagern.

03 Für Effekte fotografieren Bei Platzregen, Hagel und Schnee sollten Sie immer Ihre Kamera bereit halten – denn das ist eine gute Gelegenheit, Fotos für das Erzeugen von Pinselspitzen zu schießen. Ein Makroobjektiv ist dafür gar nicht mal notwendig, sondern nur ein Objektiv mit längerer Brennweite und nicht zu großem minimalen Aufnahmeabstand. Aber mit einem Makroobjektiv sind Sie auf der sicheren Seite. Fotografieren Sie am besten im Schnellfeuermodus (Serienbild) bei möglichst kurzer Belichtungszeit, damit Sie zum einen den besten Kandidaten aus vielen Einzelbildern wählen können und zum anderen auch möglichst scharfe Fotos erhalten.

04 Pinselspitzen erzeugen Um aus einem Foto eine Pinselspitze – beispielsweise aus einem Wasserspritzer – zu erzeugen, müssen Sie den Kontrast so weit erhöhen, dass sich dieser deutlich vom Hintergrund abhebt(a) . Die Pinselspitze muss zudem dunkel vor Weiß erscheinen, so dass Sie bei Lichtoder Wassereffekten das Bild meist umkehren müssen (»Strg/Cmd-I« ), bevor Sie die Pinselspitze anlegen(b) . Nutzen Sie das»Rechteck-Auswahlwerkzeug« , um den Bereich der Pinselspitze zu definieren. Malen Sie mit einer weichen runden Pinselspitze weiche Übergänge und wählen Sie dann»Bearbeiten > Pinselvorgabe festlegen« , um aus dem selektierten Bildbereich eine (farblose!) Pinselspitze(c) zu erzeugen.

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05 Pinselspitzen anwenden Unter»Fenster > Pinsel« ist die die zuletzt erzeugte Pinselspitze automatisch gespeichert und ausgewählt, sobald Sie den»Pinsel« aufrufen. Klick für Klick können Sie damit nun Spritzer ins Bild malen. Dafür muss Weiß als Vordergrundfarbe eingestellt sein. Legen Sie am besten zuvor auch eine neue, leere Ebene an, um die hinzugefügten Regeneffekte jederzeit wieder löschen zu können. Vermeiden Sie den wiederholten Einsatz derselben Pinselpitze an mehreren Bildstellen und achten Sie darauf, dass die Spritzer perspektivisch passen. Der in Schritt 4 fotografierte eignet sich hier beispielsweise annähernd nur oben links.


Alle Fotos: Olaf Giermann

Alle Fotos: Olaf Giermann

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