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MAL HIMMEL, MAL HÖLLE


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Bike Bild - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 25.08.2022

Tour Divide

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Vor der grandiosen Kulisse des Jackson Lake und der Grand Tetons lässt sich das Radfahren für einige Kilometer genießen

Papa, wirst du aufgeben?, fragt Michel. Nein, wahrscheinlich nicht. Schade.

Warum schade?

Weil du dann nicht rechtzeitig zu meinem Geburtstag am 6. Juli zurück bist.

Uff, das sitzt. Welcher Vater verpasst schon gern den neunten Geburtstag seines Sohnes?! Aber es hilft nichts. So sehr ich mich auch anstrenge, so sehr ich kämpfe, so sehr ich es will, ich werde es nicht wie geplant zurück nach Hause schaffen.

Es ist der 22. Juni, mein 12. Tag während der Tour Divide, als mir das kurze Telefonat mit Michel Tränen in die Augen treibt. 26 Tage und 3 Stunden werde ich insgesamt benötigen, um das 4300 Kilometer lange Rennen vom kanadischen Banff bis zur US-mexikanischen Grenze bei Antelope Wells zu bewältigen. 26 Tage, an denen ich zumeist zwischen 12 und 17 Stunden täglich unterwegs bin und durchschnittlich 165 Kilometer zurücklege. Dabei bewege ich mein Salsa Cutthroat fast permanent über ...

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... Schotterstraßen und Waldwege, werde am Ende 53 000 positive Höhenmeter geschafft haben, teils fahrend, teils schiebe ich das rund 25 Kilogramm schwere, mit Gepäck beladene Gravelbike steile Hänge hinauf, auch durch Matsch und sogar Schnee.

So am 4. Tag, als ich das Rad über zwei Pässe jeweils mehr als vier Stunden lang im Regen durch tiefen Schnee wuchte – Gott sei Dank bei Tageslicht und Temperaturen um die acht Grad. Schlimmer ergeht es denen, die hinter mir fahren. Sie erreichen diese Pässe erst einen halben oder ganzen Tag später – in einem Schneesturm, und manche bei Nacht und Temperaturen unterhalb des Gefrierpunkts.

Nicht weniger als 15 Personen werden in diesen Tagen auf Höhen von rund 2500 Metern den SOS-Knopf an ihrem Tracker-Gerät drücken und mit Helikoptern gerettet werden. 15 Personen von insgesamt 160 Startern – ein einmaliger Vorgang in dem seit 2008 ausgetragenen Rennen, das kein Startgeld verlangt und kein Preisgeld ausschüttet. Am Ende wartet an dem einsamen Grenzposten Antelope Wells niemand auf die Finisher. Sie werden nicht beklatscht, sie bekommen keine Medaille.

Dieses Rennen, bei dem keine Hilfe von außen angenommen werden darf, es sei denn, es ist zufällige Unterstützung am Wegesrand (Trail-Magic), fährt man nur für sich. Es ist eine lange, beschwerliche Reise entlang der Wasserscheide der Rocky Mountains und tief ins Innere eines jeden Teilnehmers. Die Hindernisse dieses Rennens, welches als Mutter aller Bikepacking-Events gilt, sind so enorm, dass sie mehr als die Hälfte der Teilnehmer zur Aufgabe zwingen – und auch in mir immer wieder, fast an jedem Tag, große Zweifel hervorrufen: Ist das alles zu groß für mich? Ergibt diese Tortur überhaupt einen Sinn? Kann ich es schaffen? Und was ist wenn? Ja, was ist eigentlich wenn? Wenn was?

Wenn ich einem Grizzly-Bären begegne? Immerhin radeln wir durch einige Gebiete mit den größten Populationen dieser Spezies in ganz Amerika! Ach, du wirst keinem einzigen Bären begegnen, sagt Opa Jürgen zu Hause in Hamburg. Komisch nur, dass ich schon vor den Toren des Startorts Banff drei Schwarzbären am Wegesrand treffe. Und dann, am vierten Tag des Rennens, passiert schon das bis dato Unvorstellbare. Brie, eine Teilnehmerin aus San Diego, steht vor mir auf dem Weg und wartet. Was ist los?, frage ich sie. Ein Bär. Ein Grizzly! Gemächlich wandert das große Tier 70 Meter vor uns auf dem Weg. Wir ziehen unsere Bärensprays aus den Halterungen, entsichern sie und warten, bis eines der größten Raubtiere unseres Planeten den Weg in die steil abfallende Wiese verlässt.

Wir nicken uns zu und fahren langsam bergauf – eine Hand am Lenker, in der anderen Hand unsere einzige Chance, eine Bärenattacke zu überleben. Wir kommen zu der Stelle, an der das Tier den Weg verlassen hat. Es könnte schon hundert Meter weit weg sein. Aber als ich nach rechts schaue, glotzt mich wider Erwarten aus drei Meter Entfernung ein riesiger Grizzly-Kopf an. Drei Meter!

Die Situation ist surreal. Ich versuche, ganz ruhig weiterzufahren, drehe mich nach fünf Metern noch einmal um, während Brie nur nach vorn stiert. In dem Moment stellt sich der Bär auf seine Hinterbeine. Er ist riesig – oh mein Gott! Wir entfernen uns langsam, langsam und ängstlich. Ich schaue noch einige Male über die Schulter zurück, besorgt, er könnte uns folgen. Doch er bleibt, wo er ist. Wir atmen auf und kämpfen uns langsam weiter zur Whitefish Divide hinauf. Ja, wir hatten gerade richtig Angst. Aber uns ist klar, dass dieses Erlebnis für immer positiv in unsere Herzen eingebrannt ist. Ein weiteres Mal noch wird mir ein großer brauner Schwarzbär auf meinem Weg begegnen. Wieder werde ich mein Bärenspray in einer Hand halten, aber meine Angst ist nicht mehr annähernd so groß wie bei der ersten Begegnung mit einem dieser Raubtiere. Viele andere Teilnehmer werden auch Grizzlys sehen. Nichts wird passieren. Weil sich alle an die Regeln halten, die man im Grizzly-Land beachten muss: bei schnellen Abfahrten laut sein; beim Zelten alles Essbare und auch duftende Kosmetika weit weg vom Zelt ablegen oder, besser noch, hoch an einen Ast hängen.

DIE TOUR DIVIDE

Seit 2008 wird die Tour Divide jährlich ausgetragen. Auf den rund 4300 Kilometern legen die Fahrer und Fahrerinnen gut 53 000 Höhenmeter zurück. Mehr als ein halbes Dutzend Pässe sind über 3000 Meter hoch – der Indiana Pass sogar 3660 Meter. Das Rennen wird im Self-supported-Modus ausgetragen. Hilfe von außen – es sei denn, sie findet rein zufällig statt und ist theoretisch für jeden Fahrer erreichbar – ist verpönt, sogenannte Trail-Magic aber erlaubt. Die Strecke führt meistenteils über die typischen nordamerikanischen Dirtroads. Unter mueller_in_gefahr sind auf Instagram oder Facebook die einzelnen Tagesberichte des Autors nachzulesen.

Die vier schneebedeckten Pässe, über die ich mein Bike hieven muss, kosten mich viel Zeit, ebenso der Tag, an dem ich bei 1 Grad Celsius und strömendem Regen schon nach 60 Kilometern in einem Café pausiere. Ich treffe auf drei andere nasse und durchgefrorene Racer, und zusammen beschließen wir, dass es zu gefährlich ist, den nächsten Pass bei Schneefall in Angriff zu nehmen. Zum Glück tritt eine Frau an unseren Tisch und lädt uns unglückselig dreinschauende Gestalten in ihr Haus am Flathead Lake ein. Debbie und ihr Mann Richard sind das, was Tour Divide-Fahrer Trail-Angel nennen.

Neben allen Strapazen dieses Rennens sind diese magischen Momente von selbstloser Hilfe fremden Menschen gegenüber das, was die Tour Divide einzigartig macht. Und ich werde noch einige dieser Trail-Magic-Momente erleben dürfen. Da ist zum Beispiel die Lava Ranch, wo Teilnehmer kostenfrei mit einem Bett in kleinen Cabins und zudem mit Essen und Trinken versorgt werden. Oder – schon berühmt – Kirsten von der Brush Mountain Lodge am Anstieg zum über 3000 Meter hohen Meaden Peak Pass, die sich rührend um alle Fahrer kümmert und einzig eine Spendendose aufgestellt hat.

Nie vergessen werde ich Tracy aus Steamboat Springs. Als ich abends völlig kaputt und frustriert vor einem Grocery Store sitze, grüßt sie mich beiläufig. How are you doing? Ich beantworte die Begrüßungsfloskel abgrundtief ehrlich. Ich bin müde, brauche dringend eine Dusche und ein Bett und kann im ganzen Ort kein freies Motelzimmer finden. Wenige Sätze später nimmt sie mich mit in ihr Haus, wo ich mit Essen, Getränken und einer Dusche versorgt werde und wo ich später im Bett ihres nicht anwesenden kleinen Sohnes nicht weniger als neun Stunden lang schlafen werde. Aber nicht nur mich nimmt Tracy auf. Als zwei Stunden später drei britische Rennkumpels von mir im Ort auftauchen und sich melden, dürfen auch sie in ihrem Haus übernachten!

Am nächsten Morgen verdrücke ich in einem Diner ein großes Frühstück. Immer noch müde aussehend, quittiert der Chef meine Bitte nach der Rechnung mit You’re good! Anscheinend mache ich einen so leidenden Eindruck, dass das neben mir sitzende ältere Ehepaar, Tom und Lori, für mich bezahlt hat. Im Laufe der weiteren Tage und Wochen erlebe ich noch mehrere dieser wunderbaren Momente. Sie werden mir unvergesslich bleiben.

„Das ist mein größter Erfolg!“

Der Franzose Sofiane Sehili gewann die diesjährige Tour Divide in nur 14 Tagen, 16 Stunden und 36 Minuten. In BIKE BILD verrät der 40-Jährige, wie er diese unglaubliche Leistung geschafft hat

Sofiane, was bedeutet dir der TD-Sieg?

Die Tour Divide ist der Grund, warum ich mit Bikepacking-Rennen begonnen habe. Ich träume seit acht Jahren davon, sie zu gewinnen. Es ist der größte Erfolg meine Karriere.

Was braucht es, um die TD zu finishen?

Die meisten Leute scheitern an ihrer Psyche, nicht an ihrer Physis. Du musst etwas in dir haben, was dich nicht aufgeben lässt.

Wie viel wog dein Bike?

Ich weiß es nicht. Ich nehme nur das Nötigste mit. Es war vielleicht das leichteste Set-up des Rennens. Ich konnte

Sofiane Sehili in Aktion, dreckig und abgekämpft, aber immer fokussiert das Bike auf jeden Fall an den steilsten Stellen gut tragen.

Womit verpflegst du dich?

Ich schnappe mir zumeist an den Tankstellen Sandwiches, Schokoriegel, Weingummi, Cookies und auch Burger. Wenn vorhanden, nehme ich immer Kakao! Ich sitze nicht in Restaurants, esse eigentlich immer auf dem Bike.

Welchen Abschnitt magst du besonders?

Ich mag Montana. Die Strecke ist dort sehr hart, aber das liegt mir. Was ich nicht mag, ist das Great Basin. Es ist lang, es ist heiß, es ist langweilig.

Was hältst du von Koko Claims, einer steilen, steinigen Schiebepassage nach 160 Kilometern am ersten Tag, die mich vier Stunden gekostet hat? Muss das sein in einem so langen Rennen?

Unbedingt. Es ist hart, aber nicht das Ende der Welt. Am ersten Tag hat man noch Energie. Ich habe eineinhalb Stunden benötigt. Dadurch bewahrt die Divide letztlich auch ihren Mythos.

Wir normalen Fahrer haben auf den ersten, mit Schnee bedeckten Pässen wohl drei Tage Zeit verloren. Wärst du auch noch schneller gewesen ohne den Schnee?

Ich schätze, ich hatte sieben oder acht Stunden, in denen ich im Norden schieben musste. Der Gegenwind in Wyoming hat mich auch einige Stunden gekostet, und auch der Matsch in New Mexico. Ja, ich habe eine Menge Zeit durch schlechtes Wetter verloren.

Wie viel Schlaf hast du benötigt?

Ich habe auf der Tour Divide durchschnittlich drei Stunden geschlafen.

Wirst du noch einmal zurückkommen, um die Tour Divide ein weiteres Mal zu gewinnen?

Ich glaube nicht, dass ich noch einmal zurückkomme. Ich habe mein größtes Ziel erreicht. Ich bin besser und erfahrener geworden, aber es wäre auf der anderen Seite härter, weil die Neugier und somit die Motivation für die Strecke fehlen würde. Wenn ich zurückkomme, dann um den Rekord von Mike Hall (13 Tage, 22 Stunden) zu brechen. Aber das geht nicht während des offiziellen Starts im Juni. Dafür müsste ich ein Zeitfenster finden ohne Schnee und Matsch.

Eine große Schwierigkeit während der Tour Divide ist die Versorgungssituation. Oftmals liegen die Orte oder auch nur Tankstellen, an denen man etwas zum Trinken oder Essen findet, hunderte Kilometer voneinander entfernt. Es gibt sogar Abschnitte, da muss ich mich für zwei komplette Tage mit Proviant versorgen. Auf diesen Etappen schleppe ich bis zu sieben Liter Getränke mit mir, dazu Borritos, Pizza, Schokoriegel, Gummibärtüten, Obst, und vielleicht noch drei Pullen Kakao. Manchmal komme ich mir vor wie ein fahrender Lebensmittelladen. Und dennoch darf während dieser Etappen nichts schiefgehen. Denn alle mitgeschleppten Kalorien sind irgendwann gefuttert und verbrannt – und dann?

Du musst immer in der Lage sein, dich schneller als mit Schrittgeschwindigkeit fortzubewegen, hatte mich vor der Tour mein Freund und deutscher Bikepacking-Pionier Gunnar Fehlau gewarnt. Wer die Tour Divide fährt, weiß, wie wahr dieser Satz ist. Erreicht man die nächste Versorgungsmöglichkeit nicht in der geplanten Zeit, läuft man Gefahr, irgendwo im Nirgendwo vor Schwäche zusammen zu brechen.

Eine solche Situation kann nicht nur durch Verletzungen oder technische Defekte eintreten, auch der gefürchtete Peanutbutter-Mud, der Erdnussbutter-Matsch, bremst mich und andere Teilnehmer mitunter gefährlich aus. Wenn es auf die erdigen Schotterstraßen regnet, bilden manche binnen Minuten eine obere Schicht Matsch, die während einer einzigen Radumdrehung wie Zement an den Reifen des Fahrrads klebt. Fahren, ja selbst schieben ist dann unmöglich. Wer Glück hat, schafft es, das Bike durch den Wald über Stock und Stein an dem Streckenabschnitt vorbeizuschieben. Mehrmals bleibt mir jedoch nur die Möglichkeit, die zwei Zentimeter dicke Schicht mit den bloßen Händen abzureißen – alle paar Meter. Für drei Kilometer benötige ich dann eine oder auch zwei Stunden – es ist zum Verzweifeln! Meine lauten Flüche verhallen indes in der Einsamkeit des Waldes und den unendlich scheinenden Hochebenen Colorados oder New Mexikos.

”MEINE FLÜCHE VERHALLEN IN DER EIN-SAMKEIT DES WALDES UND DEN ENDLO-SEN EBENEN COLARADOS.

Wenn ich Glück habe, erreiche ich abends einen Ort mit einem Bett und einer warmen Dusche. Häufig campiere ich aber in meinem Zelt, teile mir eine kleine Cabin und zwei Stockbetten mit vier anderen Fahrern, schlafe im Vorraum eines Postamts oder sogar in einer einsamen Kirche, an der irgendjemand – welch ein Glück! – vergessen hat, eine der vier Türen abzuschließen. Für Alex, einen Deutschen, der in Toronto lebt, und mich eine ungewöhnliche, aber trockene Bleibe nach einem nassen, matschigen, frustrierenden, überaus harten Tag in der Wildnis.

Am 26. Tag fahre ich endlich auf dem „Lonely Highway“ die letzten 60 Kilometer Richtung Grenzposten Antelope Wells. Auf den Aerolenker gebeugt, arbeite ich mich Meter für Meter gegen den Wind zu dem Ziel vor, von dem ich schon seit gut zwei Jahren träume. Ein Großteil der Gedanken der letzten fast vier Wochen geht mir noch einmal durch den Kopf. Meine Zweifel, meine mutigen Momente, meine schönen Erlebnisse, die vielen Gedanken an meinen verstorbenen Vater, der immer ein Fan der sportlichen Betätigungen seiner Jungs war, meine in der Einsamkeit der unendlich langen Schotterpisten geweinten Tränen und die vielen unglaublich komischen Momente begleiten mich auf den letzten Metern.

Wirst du aufgeben, Papa?, hatte Kalle, mein sechsjähriger Sohn, mich am 15. Tag gefragt. Ich bin gleich da, denke ich. Sein Geburtstag ist eh erst am 5. November.

Mathias Müller