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MALAWI SÜSSWASSER: DER MALAWISEE: AFRIKAS EXOT


TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 90/2018 vom 10.08.2018

Zum Süßwassertauchen nach Afrika? Genauer: nachMalawi ? Was exotisch klingt, entpuppt sich als äußerst eindrucksvoll. Sabrina Monella und Franco Banfi erlebten einmalige Tauchgänge.


Artikelbild für den Artikel "MALAWI SÜSSWASSER: DER MALAWISEE: AFRIKAS EXOT" aus der Ausgabe 90/2018 von TAUCHEN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TAUCHEN, Ausgabe 90/2018

Die Bucht vor der Kaya Mawa Lodge ist einfach malerisch!


So, da wären wir. Sechs Taucher und ich, unterwegs in 18 Metern Tiefe entlang eines großen Felsens. Wir versuchen, das perfekte Foto von einer Barschmutter mit ihren unzähligen Nachkommen zu schießen. Aber beim kleinsten Anzeichen von Gefahr verstecken sich diese sofort in ihrem Maul, während sie versucht, unter einem Felsen Schutz zu suchen. Ein Segen, dass wir ...

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... digital fotografieren! Ich weiß nicht, wie viele Bilder ich schon gelöscht habe, bevor ich das eine fand, das gut genug war, um in mein Archiv zu wandern.

Dieses Brutverhalten fotografisch festzuhalten, ist eine echte Herausforderung. Die Fische, um die es geht, sind Buntbarsche. Die Winzlinge wachsen gut geschützt im Maul ihrer Mutter heran. In sicheren Umgebungen spuckt sie die Nachkommen aus und schwimmt um sie herum, ohne sie dabei aus den Augen zu lassen. Spürt die Mutter jedoch, dass ihre Kleinen in Gefahr sind, versucht sie, den Eindringling zu vertreiben. Höchste Sicherheit kann sie allerdings nur gewährleisten, wenn sie die Kleinen wieder in ihr Maul aufnimmt. Sobald sie sich sicher ist, dass die Gefahr vorbei ist, lässt sie den Nachwuchs wieder frei und bewacht ihn aufmerksam.

Um genau dieses Verhalten aufzuzeichnen, bin ich an den Malawisee gereist. Er gehört zweifelsohne zu den letzten Orten dieser Erde, dessen Unterwasserwelt noch nicht von Taucherscharen durchforstet wurde. Erstaunlich ist: Er zieht weitaus weniger Menschen an als die Arktis, Antarktis und Island. Noch unglaublicher wird es, wenn man bedenkt, dass der Malawisee der drittgrößte Süßwassersee Afrikas und der neuntgrößte der Erde ist. Er bietet weltweit die größte Vielfalt an Süßwasserfischen – ein wahres Highlight für Taucher! Und dazu sind die Tauchgänge auch noch sehr einfach.

Als ich mit der Planung der Reise begann, war mein Wissen eher begrenzt. Wie für viele Menschen war Afrika für mich gleichbedeutend mit Wüste, Savanne und Safari mit den „Big Five“. Darüber hinaus fand ich nur wenig hilfreiche Informationen über das Tauchen in dem See, obwohl das subtropische Wasser des Malawisees wirklich einzigartig ist und das Becken für einen Binnensee sehr groß. Der Jahrmillionen alte See gehört zum westlichen Afrikanischen Grabenbruch, wo gigantische geologische Kräfte den Kontinent weiter auseinanderreißen. Sie sind der Grund für seine atemberaubende Unterwasserlandschaft, die aus Felsvorsprüngen, großen bergartigen Formationen und vielen Unterwasserhöhlen besteht.

AUF INS ABENTEUER!

Nach der Landung in Lilongwe stand uns eine dreieinhalbstündige Fahrt auf guten Straßen bevor. Sie führte uns durch die Berge des Malawisee-Nationalparks ans südliche Seeufer und nach Cape MacLear, dem bekanntesten Teil des Sees, da dieser in der Nähe der größten Städte des Landes (Blantyre und Lilongwe) und des größten Safariparks von Malawi (Liwonde) liegt. Unser Ziel war die Monkey Bay, von der aus wir zur Thumbi View Lodge gelangten – direkt am Ufer und mit einem Tauchdeck ausgestattet. Nach einem Willkommensdrink führte man uns in unsere Zimmer, die eine fantastische Aussicht auf den See und Mumbo Island boten, eine unberührte und unbewohnte Insel im Malawisee.

Während das Wasser im nördlichen Teil des Sees sehr tief ist, ziehen die kleinen Inseln im südlichen Teil die Buntbarsche an, die sich vom Moos auf den umliegenden Felsen ernähren.

Die Kaya Mawa Lodge liegt direkt am See – und hat eine wunderschöne Terrasse.


An den Stränden werden Malawi-Sardinen getrocknet und später auf die Märkte transportiert.


BUNTE BARSCHWELT

Unser erster Tauchgang führte uns zu einem Tauchplatz namens Aquarium, den man mit einer kurzen Bootsfahrt erreicht. Keine Gezeiten, keine Strömungen: Dieser Tauchgang könnte einfacher nicht sein. Wir ließen uns rückwärts ins Wasser fallen und stiegen in das grünliche Süßwasser hinab. Um uns herum schwammen zahlreiche bunte tropische Fische, die berühmten Buntbarsche – kleine, helle, ganz verschiedene Exemplare und alle wunderschön. Ihre Farbvielfalt war atemberaubend: leuchtend hellblaue Streifen in Kombination mit Mattschwarz, gelbe und schwarze Längsstreifen, ein sattes Blau umgeben von dunklem Blau, geflammtes Orange und Schwarz, Hellblau mit gelben Punkten … Auch wenn der See nicht über die fantastische

Fauna und die bunten Riffe eines tropischen Ozeans verfügt, beherbergt er viele Hunderte Buntbarsche, die fast alle endemsich sind und hier „Mbuna“ genannt werden.

Die Barschweibchen behalten die Eier für 21 bis 36 Tage im Maul, bis die Nachkommen schlüpfen. Während dieser Zeit frisst sie nichts.


Die Mbuna-Fische zeichnen sich durch eine eindrucksvolle Ausbreitung und Artbildung aus. Sie sind ein hervorragendes Beispiel für die ökologischen Prozesse, die sich durch die Trennung des Malawisees von anderen Gewässern vollzogen haben. Sie stellen ein bedeutendes Beispiel der biologischen Evolution dar, die mit derjenigen der Galapagos-Finken vergleichbar ist. Aus einigen wenigen Besiedlern sind über 1000 endemische Arten hervorgegangen, von denen viele weitere bis heute nicht entdeckt wurden. Viele der höchst territorial veranlagten Tiere verweilen ihr ganzes Leben in einem bestimmten Bereich und sorgen durch Inzucht für Nachwuchs, aus dem neue Arten entstehen. Ein Großteil dieser verblüffenden Artenvielfalt unter Wasser wird in Cape MacLear im südlichen Teil des Sees durch den Malawisee-Nationalpark geschützt, der heute auch eingetragene Welterbestätte ist.

UMZUG AN DIE OSTSEITE

Nach einigen Tagen fuhren wir weiter nach Likoma Island im mittleren Osten des Sees, nicht weit von der Grenze zu Mosambik, und zur fantastischen Kaya Mawa Lodge an der Spitze einer halbmondförmigen Bucht, die von Palmen und alten Affenbrotbäumen gesäumt wird. Umgeben von kristallklarem Wasser lebt eine kleine Gemeinschaft auf dieser entlegenen Insel. Der Ort ist perfekt, um im Urlaub richtig zu entspannen und romantische Momente zu genießen. Kaya Mawa wurde vollständig von Hand und in Zusammenarbeit mit der örtlichen Gemeinde errichtet. Die Lodge besteht aus zehn Luxuscottages aus Stein und Teakholz, die sich auf einer Granitzunge am Fuße eines felsigen Hügels befinden. Von hier aus hat man direkten Zugang zum See und zu den privaten Decks.

Kurz nach unserer Ankunft verabschiedete sich die Sonne für diesen Tag in einem fantastischen Schauspiel, wie man es nur in Afrika findet. Ich hatte mir auf der privaten Veranda einen gemütlichen Sesselplatz gesichert und beobachtete den traumhaften Sonnenuntergang. Und schnell wurde mir klar, warum der Malawisee auch als See der Sterne bekannt ist. In der Nacht fahren Fischer mit ihren traditionellen Einbaum-Kanus, auf den See hinaus. Vorher befestigen sie vorne am Boot eine Laterne, um ihre ausgeworfenen Netze im tiefen Wasser erkennen und einholen zu können. Darin fangen sie kleine Usipa-Fische, die sie am nächsten Tag auf dem Markt verkaufen. Von meiner Veranda aus sah ich die kleinen Lichtpunkte langsam verschwinden. Erst am nächsten Morgen kamen sie zurück.

Dieser wunderschöne Malawi-Cichlide gehört zur Familie Metriaclima.


Imposant: Die Kampagno-Welse können einen Meter Länge erreichen.


Die hübschen Aurora-Felsenbuntbarsche sind vor allem an der Ostküste zu bewundern.


Ein Tauchgang auf Likoma Island bietet fantastische Eindrücke. Riesige Felsbrocken bieten eine dramatische Kulisse. In Erdspalten tummelten sich Welse und die allgegenwärtigen farbenfrohen Buntbarsche in großer Zahl. Auf den ersten Blick wirkten sie chaotisch, doch sobald man sich ihnen näherte, schwammen sie perfekt orchestriert davon und verschwanden im seidigen Wasser des Sees.

REISE-FACTS

Idyllisches Plätzchen: der Strand in der Kaya Mawa Lodge.


ANFAHRT

Flug in die malawische Hauptstadt Lilongwe oder auch nach Blantyre. Danach Transfer in die Thumbi View Lodge.

VISUM

Einreise ist nur mit Visum möglich. Infos gibt es bei der Botschaft von Malawi: www.malawiembassy.de

REISEZEIT

Der beste Zeitraum für einen Tauchgang im Malawisee ist zwischen September und Dezember (dortige Sommermonate) – viele Buntbarscharten zeigen dann ihr Paarungsverhalten.

TAUCHEN

Perfekt für Tauchanfänger. Es gibt auch einige Tauchgänge für Fortgeschrittene mit Tunneldurchquerung und Wrackbesuch.

VERANSTALTER

7 Nächte in der Kaya Mawa Lodge kosten inkl. 5 Tagen Tauchen und Inlandsflügen ab circa 2500 Euro in der Hochsaison. Info: www. waterworld.at


ALLE FOTOS: F. BANFI

KARTE: FOTOLIA/LESNIEWSKI