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Malen für die Seele


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Frau im Leben - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 02.02.2022

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Abstrakte Landschaften, die Ruhe ausstrahlen, malt Jutta Oster besonders gern

„Ich war immer schon ein Augenmensch“

Pinsel und Farben sind für unsere Autorin der perfekte Ausgleich zum Arbeitsalltag

Zur Schauspielerei gehört auch das Warten auf den nächsten Einsatz, und das meist nicht besonders komfortabel in einem Wohnwagen. Armin Mueller-Stahl hat seine Art gefunden, diese Stunden zu füllen. Der Schauspieler bekritzelte Drehbücher und Servietten, bis daraus seine zweite Leidenschaft entstand: die Kunst. Noch heute zieht sich der 91-Jährige gern zum Malen in die Garage seines Hauses in Los Angeles zurück; er hat sie zum Atelier umgewandelt. „Beim Malen kann ich fliegen, während ich in der Schauspielerei an einen Partner, das Wetter, einen Kameramann, Regisseur oder Drehbuchautor gefesselt bin“, erzählte er in einem Interview. Vielleicht ist es aber gar nicht so überraschend, dass der Schauspieler die Kino- gegen die Kunst-Leinwand tauschte – seine Tante hat schon mit der ...

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... Künstlerin Käthe Kollwitz zusammengearbeitet und ihm gezeigt, wie man Hände malt.

Ein Hobby macht uns glücklich

Einer Leidenschaft nachzugehen, die einen gedanklich zum Fliegen bringt – das kann das eigene Leben sehr bereichern. Und damit ist nicht der Fernseh- Abend auf dem Sofa gemeint, sondern ein aktives Hobby. Oder wie es der australische Psychiater Walter Béran Wolfe formulierte: „Wenn Sie einen wirklich glücklichen Menschen beobachten, dann werden Sie feststellen, dass er ein Boot baut, eine Sinfonie schreibt, seinen Sohn erzieht, Dahlien züchtet oder in der Wüste Gobi nach Saurierknochen sucht.“ Keine Sorge, es muss nicht gleich in die Wüste Gobi gehen: Es kann auch glücklich machen, im Garten zu werkeln, im Chor zu singen, ein Instrument oder eine neue Sprache zu lernen oder sich beim Sport zu verausgaben. Oder eben zu malen – so wie es mich selbst und auch die Frauen begeistert, die ich Ihnen auf diesen Seiten vorstellen möchte.

Auf aktive Freizeitbeschäftigungen wollen die Deutschen keinesfalls verzichten, wie eine Umfrage des NDR zeigt: 92 Prozent sagen, dass ihnen ein Hobby für ihr persönliches Glück „wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“ ist. Das kann Dr. Wolfgang Krüger, Psychotherapeut und Buchautor aus Berlin, nur begrüßen. „Wir brauchen ein Hobby als Ausgleich zu unserem Alltag, der von Pflichten und Notwendigkeiten bestimmt ist. Eine solche Leidenschaft kann unseren Blick wieder weiten und auf die Schönheit und den Reichtum des Lebens lenken“, so der Psychologe. „Ein Hobby unterliegt nicht dem Diktat des Zwecks, sondern allein der Lust und hat damit eine ganz andere Melodie.“

Genau diese Begeisterung für eine Tätigkeit sorgt dafür, dass wir mit Leichtigkeit einen Zustand erleben, den der ungarische Psychologe Mihály Csíkszentmihályi als „Flow“ („Fließen“) bezeichnete: Wir vergessen Zeit und Raum, gehen ganz in einer Tätigkeit auf – und wundern uns anschließend mit Blick auf die Uhr darüber, wie die Stunden nur so verflogen sind. Das ist ein Zustand, der ausgesprochen zufrieden macht.

„Wir alle brauchen einen Ausgleich zum Alltag“

„Oft vergesse ich alles um mich herum"

Regina Engelbrecht (54) aus Kaarst kann beim Malen herrlich entspannen

Die Liebe zu ihrem Hobby ist inzwischen volljährig geworden: Seit 18 Jahren meldet sich Regina Engelbrecht immer wieder zum Volkshochschul-Malkurs in ihrer Heimatstadt Kaarst an. Die 54-Jährige genießt dabei die konzentrierte Atmosphäre und den Austausch mit anderen. Und auch die ein oder andere Freundschaft ist schon im Kurs entstanden. Regina Engelbrecht malt vor allem große Frauenporträts mit Spachtel und Acrylfarben. Als Vorlage dienen ihr Gesichter auf Fotos, mal von bekannten, mal von unbekannten Menschen. „Ich male aber niemanden aus dem Freundesoder Familienkreis, dann kann hinterher auch niemand beleidigt sein“, erzählt sie lachend. Am Malen fasziniert sie das Modellieren mit Farben, mit dem sie Leben in die Gesichter ihrer Porträts, verschiedene Ausdrücke und Gefühle zaubern kann. Es ist aber auch der Prozess an sich, der sie begeistert: „Beim Malen kann ich alles um mich herum vergessen. Hinterher bin ich oft vom Ergebnis überrascht“, erzählt sie. Einige Bilder hängen auch bei ihr im Haus, vielleicht auch bald das „Mädchen mit dem Perlenohrring“ – das Werk, an dem sie gerade arbeitet.

Zum Malen kam die gelernte Damenschneiderin, weil sie endlich mal wieder etwas für sich tun wollte, nachdem sie sich sechs Jahre um Kinder und Haushalt gekümmert hatte. Als Sohn David in die Grundschule und Tochter Charlotte in den Kindergarten ging, meldete sich Regina Engelbrecht für ihren ersten Malkurs in der Volkshochschule an – der Beginn einer Leidenschaft, die bis heute andauert.

„Malen ist das Gegenteil von Routine“

Brigitte Cauquil (69) aus Krefeld liebt große Formate und Gegensätze

Kunst spielt im Leben von Brigitte Cauquil immer schon eine große Rolle. Sie hat vor vielen Jahren in der Galerie eines Freundes ausgeholfen, sich selbst das ein oder andere Werk geleistet und erste eigene Versuche auf handgeschöpftem Papier gemacht. Seit einem guten Jahrzehnt aber ist das Malen zu einem der wichtigsten Bestandteile ihres Lebens geworden – so wichtig, dass die 69-Jährige vor acht Jahren ihren Beruf als kaufmännische Angestellte aufgegeben hat und sich seitdem ganz der Kunst widmet. In einem Atelier im Keller ihres Hauses entstehen ihre großformatigen, abstrakten Werke, die auch in Ausstellungen gezeigt werden (mehr unter www.cauquil.de). „Ich arbeite viel mit Materialien wie Marmormehl oder Sand, mit denen ich die Patina alter Wände und Mauern darstelle. Dabei verstehe ich mich buchstäblich als Handwerkerin“, sagt Brigitte Cauquil. Als Inspiration dienen ihr vor allem die Dörfer im südfranzösischen Luberon, die sie mit ihrem Mann bereist. Dort kauft sie auch die Pigmente, die sie zu natürlichen, erdigen Farbtönen für ihre Werke verarbeitet. Ihr Mann Pierre ist selbst Franzose – und die Malerei ist auch eine Verbindung zwischen den beiden. Ehrensache, dass ihr Mann die Leinwände selbst baut. Wie im Flug vergehen manchmal die Stunden, wenn Brigitte Cauquil in ihrem Atelier arbeitet. So etwas wie Routine kennt sie dabei nicht. „Jede neue Leinwand ist für mich eine Herausforderung. Aber das ist auch das Faszinierende dabei: immer wieder einen neuen Versuch zu wagen.“

Doch die positiven Auswirkungen einer aktiven Freizeit gehen noch weiter. „Wenn unser Herz für etwas schlägt und wir uns dieser Passion widmen, bauen wir Stress ab. Das ist ein wesentlicher Faktor für den Erhalt unserer Gesundheit und schützt uns davor, auszubrennen“, so Wolfgang Krüger. Eine Leidenschaft kann zudem dafür sorgen, dass Menschen gedanklich jung bleiben, wenn sie sich immer wieder neuen Zielen widmen und darin auch ein Stück Lebenssinn finden. Und schließlich bewahrt ein Hobby auch vor der Einsamkeit – erst recht nach dem beruflichen Ausstieg –, denn es bringt Menschen zusammen. Die Forschung bestätigt diese positiven Effekte. So haben Wissenschaftler vom University College London in einer Studie herausgefunden, dass eine aktive Freizeitbeschäftigung vor Depression schützen kann. Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kamen Forscher der Purdue Universität in Indiana/USA, die feststellten, dass ein Hobby zufriedener macht. Besonders spürbar ist dieser Effekt bei Menschen, die im Ruhestand sind.

Was hat Sie als Kind fasziniert?

Doch wie findet man das Steckenpferd, das wirklich zu einem passt? Der Psychologe rät, sich gezielt auf die Suche zu machen. „Probieren Sie fünf, sechs unterschiedliche Aktivitäten aus. Das lässt sich nicht auf der Couch herausfinden.“ Viele Menschen haben einen roten Faden der Begeisterung, der sich durch ihr Leben zieht. Deshalb lohnt es sich zu überlegen, was einen schon als Kind oder Jugendlichen fasziniert hat.

Von Kindern können wir Erwachsenen uns ohnehin eine Menge abschauen – erst recht beim Thema Malen. Sie gehen unbekümmert mit Buntstiften und Wasserfarben um, legen einfach los und scheren sich nicht um Perfektionismus. Wir Erwachsenen dagegen sitzen oft wie das Kaninchen vor der Schlange vor dem weißen Blatt Papier oder der Leinwand und trauen uns nicht, einfach anzufangen. Wie lässt sich diese Angst überwinden? „Gehen Sie spielerisch an das Malen heran und machen Sie sich keinen Ergebnisdruck. Das kann man sich wirklich von Kindern abschauen, denen der Weg wichtig ist, nicht das fertige Bild“, rät Renate Linnemeier, Künstlerin und Kunstdozentin aus Neuss. Sie hat schon viele Menschen auf dem Weg zu ihrem ersten Bild begleitet und macht Mut: „Jeder kann sich auf das Abenteuer Malen einlassen.“ Die entscheidenden Faktoren sind dabei Lust am Tun und Übung. Wenn noch ein Fünkchen Talent dazukommt – umso besser. Wichtig ist, am Ball, pardon Pinsel zu bleiben und regelmäßig zu malen. Das wird durch einen Schaffensprozess belohnt, in den man abtauchen und für einige Stunden in einer anderen Welt sein kann. Und manchmal auch durch ein besonders gutes Ergebnis, das später dann in den eigenen vier Wänden hängt (wenn auch manches wohl in den Papierkorb wandert).

„Jeder kann sich auf das Malen einlassen. Am besten, Sie gehen es spielerisch an“

Renate Linnemeier, Künstlerin und Kunstdozentin aus Neuss

Kunstdozentin Renate Linnemeier schätzt am Malen besonders, „dass wir mit ein paar Utensilien aus dem Nichts ein Werk erschaffen können. Dieser Wunsch wird in unserer digital geprägten Welt immer stärker.“

Inspiration für den Einstieg

Lust aufs Malen bekommen? Wollen Sie wissen, wie die ersten Schritte gelingen? Ein guter Einstieg sind Kurse, die beispielsweise von Volkshochschulen, Läden für Kunstbedarf oder Malschulen – in Corona-Zeiten zum Teil digital – angeboten werden. Auch Anleitungen in Büchern können helfen (siehe „Buch-Tipps“) oder Tutorials im Internet (z. B. auf YouTube). Und dann gilt es, dranzubleiben: malen, malen, malen.

Wenn mich mal der Mut verlässt, habe ich die große kubanisch-amerikanische Künstlerin Carmen Herrera vor Augen. Sie hat ihr Leben lang gemalt, Tag für Tag – und erst mit 89 Jahren ihr erstes Bild verkauft.

BUCH-TIPPS

Renate Linnemeier (u. a.): „FrauenPower in der Kunst“, Christophorus, 19,99 Euro

Angelika Biber-Najork: „Bildideen für Acryl“, Christophorus, 16,99 Euro

Petra Thölken: „Abstrakt malen. Grundlagen und Kreativtechniken“, Edition Michael Fischer, 17,99 Euro

Lust, mit dem Malen anzufangen?

5 Tipps für den Start

1 | Bild-Idee

„Ich frage meine Teilnehmer immer, was sie inspiriert und warum sie mit dem Malen beginnen wollen“, erzählt die Dozentin Renate Linnemeier. So können Bild-Ideen entstehen, zum Beispiel Landschaften, Menschen, Tiere, Bäume oder auch Abstraktes. Oft ist es hilfreich, sich zunächst an einem Foto als Vorlage zu orientieren. „Es gibt viele Richtungen und jeder kann seinen Stil finden“, so die Expertin. „Dabei gibt es kein Richtig oder Falsch.“

2 | Technik

Die Malerei kennt eine Vielzahl von Techniken, etwa Acryl-, Öl-, Aquarelloder Pastellmalerei. Für den Einstieg hält Renate Linnemeier Acrylmalerei für besonders geeignet, da die Farben zügig trocknen und sich immer wieder übermalen lassen. Wer noch dazu Zeichnen übt, schult seine Beobachtungsgabe und Präzision.

3 | Material

Kaufen Sie gute Leinwände, die sich nicht verziehen. Preiswerte Alternativen sind Malpappen, die es in Geschäften für Künstlerbedarf gibt. Gleiches gilt für Farben: lieber in wenige, dafür qualitativ hochwertige (Grund-)Farben investieren.

4 | Den Kopf frei machen

Beim Malen ist es hilfreich, sich dem Prozess spielerisch hinzugeben. Doch oft ist das leichter gesagt als getan. Diese Tricks können helfen, probieren Sie es mal aus: mit der linken Hand malen, die Augen schließen, zu Musik malen oder bewusst unter Zeitdruck arbeiten.

5 | Das Sehen schulen

Es lohnt sich, öfter mal ins Museum zu gehen und zu schauen, wie die alten Meister und zeitgenössischen Künstler arbeiten. Auch dabei lässt sich viel lernen – und vielleicht entsteht auch die ein oder andere Bild- Idee. Profis haben den Skizzenblock immer in der Tasche.

„Mein Hobby ist der perfekte Ausgleich"

Jutta Oster (48) aus Neuss hat eine alte Leidenschaft wiederentdeckt

Als Teenager war ich ganz schön kreativ, habe in verschiedenen Techniken gemalt, getöpfert und Schmuck gebastelt – und mir mein Taschengeld damit aufgebessert. Ich war immer schon ein Augenmensch, wollte aber die Kunst nicht zum Beruf machen. Über die Jahrzehnte, mit meinem Studium und später mit meiner Arbeit als freiberufliche Journalistin, ist mir das kreative, handwerkliche Schaffen abhandengekommen. Bis mir mein Mann Christoph vor vielen Jahren zum Geburtstag ein Set Acrylfarben, Pinsel und Leinwände schenkte. Von da an hatte ich eine Passion gefunden, die mich nicht mehr losgelassen hat. Ich habe mich richtig hineingekniet, Kurse besucht, Dinge ausprobiert und wieder verworfen. Es ist tatsächlich so, dass mich das Malen ebenso begeistern wie zur Verzweiflung bringen kann. Immer wieder ist es ein Ringen mit dem Bild, das manches Mal nicht so wird, wie ich es mir vorstelle. Wenn aber etwas gelingt und mir gefällt, ist das ein großes Glücksgefühl. Damit muss man beim Malen leben – die eine Leinwand landet im Wohnzimmer oder sogar in Ausstellungen, die andere auch mal im Sperrmüll. Mich faszinieren vor allem abstrakte Landschaften, die ich mit Acrylfarben und Mischtechniken darstelle. Es sind Landschaften, die Ruhe ausstrahlen. Sie sind damit der perfekte Kontrast zu meinem oft hektischen Alltag – so wie das intuitive Malen überhaupt der perfekte Ausgleich zu meinem eher kopflastigen Beruf als Journalistin ist.