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„Man hat nicht das Gefühl, dass Herr Infantino verstanden hat“


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WAZ Westdeutsche Allgemeine Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 274/2022 vom 23.11.2022

Sebastian Weßling und Kai Schiller

Al Ruwais. In kurzer Hose und kurzärmligen Trainingsshirt betritt Leon Goretzka den Konferenzraum am Trainingsgelände der deutschen Nationalmannschaft in Al Ruwais, die Baseballkappe sitzt verkehrt herum auf dem Kopf. Die Kleidung ist den Temperaturen angemessen, zumindest denen draußen. Den Konferenzraum hat die Klimaanlage erbarmungslos auf 19,5 Grad heruntergekühlt, die Reporter haben sie kurz vor dem Gespräch abgeschaltet. „Danke dafür“, sagt der 27-Jährige, der in Bochum geboren ist und für den FC Bayern in der Bundesliga spielt. Der 45-malige Nationalspieler lässt sich in einen der 18 Leder-Drehstühle um den schweren Holztisch fallen. Der Raum wirkt, als könnten hier politische Sitzungen stattfinden. Das passt zum Gespräch mit einem der politischsten Köpfe der Nationalmannschaft über die Fifa, ihren umstrittenen Präsidenten Gianni Infantino, die Debatte um ...

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Bildquelle: WAZ Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Ausgabe 274/2022

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... die One-Love-Kapitänsbinde – aber auch die sportliche Lage vor dem Auftakt gegen Japan (14 Uhr deutscher Zeit/ARD).

Fühlen Sie den Druck, dass Sie als sozial engagierter Mensch nicht nur als Fußballer gefragt sind?

Ich empfinde es nicht als Druck, sondern als Selbstverständlichkeit. Ich agiere ja bewusst so. Und solange ich das Gefühl habe, dass ich zum Fortschritt beitragen kann, mache ich das total gerne. Ich kann aber auch jeden Fußballer gut verstehen, der sich in diesem politischen Bereich lieber gar nicht äußern will. Es ist ein schwieriges Terrain. Jedes Wort, jede Formulierung wird ganz genau registriert. Die Gefahr, einen Fehler zu machen, ist riesengroß.

Bei der Weltmeisterschaft geht es bei nahezu jeder Pressekonferenz nicht nur um Fußball. Wie bereitet man sich auf all die anderen Thematiken vor?

Es ist, denke ich, ganz normal, dass man sich vor einer Pressekonferenz oder einem Interview Gedanken darüber macht, was für Themen oder Fragen kommen könnten. Generell lese ich gerne und tausche mich mit Freunden und der Familie auch über Themen aus, die wenig mit Fußball zu tun haben.

Bei diesem Turnier hat Ihr direkter Vorgesetzter, Hansi Flick, die schwierige Aufgabe, Sie und Ihre Kollegen bestmöglich auf das Auftaktspiel gegen Japan vorzubereiten, obwohl die Politik den Sport so sehr überlagert. Wie macht er das?

Er sorgt dafür, dass wir uns bestmöglich auf den Sport fokussieren können. Das ist ja auch seine Aufgabe als Bundestrainer. Er bereitet uns extrem akribisch auf diese WM vor. So kenne und schätze ich ihn als Trainer schon aus unserer gemeinsamen Zeit bei Bayern München.

Bernd Neuendorf hat gesagt, dass Deutschland „sicherlich gegen Japan gewinnen“ werde. Dem Präsidenten widerspricht man nicht, oder?

Dem DFB-Präsident sollte man nicht widersprechen (schmunzelt). Natürlich werden wir alles daran setzen, das erste Spiel zu gewinnen.

Das Spiel wird bei rund 30 Grad ausgetragen. Ist das der Rede wert?

Nicht wirklich.

DFB-Manager Oliver Bierhoff hat die Spieler aber aufgefordert, viel Zeit draußen zu verbringen, um sich an die Temperaturen zu gewöhnen.

Da hat er natürlich recht. Es ist wichtig, sich bestmöglich zu akklimatisieren, weil wir dafür bei diesem Turnier so wenig Zeit haben wie noch nie.

Spielen Sie gerne in der Hitze?

Nein, ich bin eher der Nieselregentyp. Aber Hitze ist ja relativ. Auch ein Spiel bei rund 30 Grad werden wir alle sehr gut hinbekommen.

Was erwarten Sie sportlich von sich persönlich?

Wir alle haben nicht nur Mannschaftsziele, sondern auch ganz persönliche. Ich halte es auch für wichtig, dass die jeder Einzelne hat. Nur verraten werde ich sie nicht.

Warum nicht?

Ich mache mir selbst den meisten Druck, so dass ich keinen Mehrwert darin sehe, meine persönlichen Ziele mit der Welt zu teilen. Klar ist, dass ich eine andere Rolle als bei der EM im vergangenen Jahr anstrebe. Da kam ich aus einer langen Verletzung. Jetzt bin ich fit, ich möchte Verantwortung übernehmen. Das entspricht auch meinem Naturell. Dieses persönliche Ziel habe ich übrigens schon bei meiner ersten Pressekonferenz beim FC Bayern geteilt. Da wurde ich ein wenig belächelt. Dieses Ziel habe ich bei den Bayern aber sehr gut erreicht, finde ich.

Was muss heute im Khalifa-International-Stadion passieren, damit es für Deutschland ein gutes Turnier wird?

Wir müssen als Team zusammenwachsen und gut ins Turnier starten. Ganz, ganz wichtig ist es, Klarheit und Selbstvertrauen zu haben. Wir brauchen den unbedingten Glauben an uns, um mit breiter Brust in das Auftaktspiel zu gehen.

Ist für Sie wichtig, dass daheim in Deutschland auch die Menschen so richtig in WM-Stimmung kommen?

Unsere Herausforderung wird es sein, mit unserer Art Fußball eine gewisse Begeisterung zu entfachen. Hier und auch in der Heimat. Wir wollen uns nicht verbiegen lassen und gleichzeitig den maximalen sportlichen Erfolg haben.

In Ihrer Heimat im Ruhrpott gehört Bier zum Fußball dazu, hier in Katar ist das anders. Wie sehen Sie das Bierverbot, dass Katar kurz vor dem Eröffnungsspiel ausgesprochen hatte?

Für mich ist es vor allem nicht nachvollziehbar, dass man diese Entscheidung so kurz vor der WM getroffen hat. Hier werden Versprechen an die Fans nicht eingehalten. Noch weniger nachvollziehbar ist, dass es dann ja doch bestimmte Bereiche im Stadion gibt, in denen es doch erlaubt sein wird…

… im VVIP-Bereich, also für die ver y, very important persons.

Das versteht niemand.

Gibt es bei einem Auftakterfolg gegen Japan zumindest ein Siegerbierchen im Hotel?

Fakt ist, dass wir alle körperlich extrem gefordert sind und sehr auf unsere Regeneration achten müssen. Ein Bier nach dem Spiel würde da nicht unbedingt helfen. Das klingt nicht wirklich nach Fußball-Romantik – ist aber so.