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MANCHE MÖGEN’S HEISS


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2018 vom 25.01.2018

Schnell mal was festkleben: Heißklebepistolen, mit denen das besonders flott und einfach funktionieren soll, haben mittlerweile viele Anhänger. Im Test klebten sie ordentlich, doch ganz überzeugen konnte keine.


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Foto: O_Schmidt/Shutterstock

ÖKO-TEST RÄT

► Heißklebepistolen sind für punktuelle und kleinflächige Verbindungen, die nicht allzu stark belastet werden, gut geeignet. „Gute“ Geräte gibt es für knapp 20 Euro.
► Die hohen Temperaturen bringen hitzeempndliche Materialien zum Schmelzen. Außerdem können Stoffe ausgasen: Lüften empehlt sich.
► Glatte Oberflächen halten besser, wenn sie leicht ...

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► Heißklebepistolen sind für punktuelle und kleinflächige Verbindungen, die nicht allzu stark belastet werden, gut geeignet. „Gute“ Geräte gibt es für knapp 20 Euro.
► Die hohen Temperaturen bringen hitzeempndliche Materialien zum Schmelzen. Außerdem können Stoffe ausgasen: Lüften empehlt sich.
► Glatte Oberflächen halten besser, wenn sie leicht angeschliffen werden.

Richtig kleben ist eine Kunst. Vom entnervten Scheitern kann so mancher ein Lied singen. Die Wahl des passenden Klebstoffs aus dem riesigen Angebot für die verschiedenen Einsatzzwecke erfordert fast ein Studium. Und die richtige Anwendung ist auch noch so eine Sache. Wie einfach soll dagegen das Kleben mit einer Heißklebepistole sein: Klebestick einschieben, Gerät kurz aufheizen, Knopf betätigen und schon tropft der heiße Klebstoff auf die gewünschte Oberfläche, trocknet in Windeseile und – Simsalabim – es hält. Ohne langes Festhalten oder Klammern. Ein schnelles Erfolgserlebnis scheint garantiert.

Die Heißklebepistole ist ein Allroundgerät. Das findet auch Michael Pommer, als Trainer der Do-it-yourself Academy in Köln ein Experte in Sachen Heimwerken: „Das ist ein Universalkleber, mit dem ich viel anfangen und auch gut basteln kann.“ Auch für kleine Reparaturarbeiten sind die Heißkleber zu gebrauchen. So lassen sich zum Beispiel Holz- und Holzwerkstoffteile wie Schubladen und kleine Möbel damit kleben. Ist die Belastung im Anschluss nicht zu stark, halten sie auch. Ein Vorteil der Schmelzkleber: Die fixierten Teile lassen sich durch Erwärmen meist wieder lösen. Unter freiem Himmel mit ordentlich Sonneneinstrahlung gerät das allerdings zum Nachteil.

In Internetforen kursieren zahlreiche Tipps zu Spezialeinsätzen der vermeintlichen Wunderwaffe. Kurioses inklusive. Statt mit Nadel und Faden zu hantieren, kleben bequeme Zeitgenossen abgerissene Knöpfe wieder an, säumen die zu kürzende Hose, verlegen Leitungen an Wänden, isolieren blanke Kabel oder schaffen mit wenigen Klebepunkten rutschfeste Unterlagen – für was auch immer. Auch schön: Schnörkelige Handy hüllen auf Heißkleberbasis. Oder selbst gemachte Badelatschen aus dem Klebermaterial. Da wird die Heißklebepistole schon mal zum 3-D-Drucker. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Den Materialien schon: Nicht jeder hitzeempfindliche Werkstoff überlebt den Angriff mit der Pistole.

Bis zu 200 Grad heiß wird die Spitze! Für kleine Kinder sind Heißkleber deshalb tabu. Ältere Kinder können vorsichtig mit den Pistolen hantieren – allerdings unter Anleitung.


Foto: MementoImage/getty images

Erstaunt hat mich, dass die Markenhersteller sich in ihrem ureigenen Metier die Butter vom Brot nehmen lassen. Denn Baumarktprodukte schneiden in unserem Test genauso gut ab wie Markenartikel.

Christian Ippach, ÖKO-TEST-Redakteur.


Foto: Anja Wägele

Die Klebesticks bestehen in der Regel aus dem Kunststoff Ethylen-Vinylacetat (EVA). Er ist im Gegensatz zu vielen anderen Klebstoffen lösemittelfrei und gilt als unproblematisch. Die Pistolen sind meist für sieben oder elf Millimeter dicke Klebesticks ausgelegt, teilweise gibt es sie in verschiedenen Längen und Farben. Außerdem sind Spezialpatronen zu haben, zum Beispiel für Kunststoffe oder Sanitärprodukte. Doch Obacht: Ganz so flexibel ist die Sache nicht, denn die einmal eingesteckten Klebesticks lassen sich nicht auswechseln. Ein Stick muss also restlos durchgedrückt werden, bevor der neue zu schmelzen beginnt.


Verdammt heiß und gleich darauf kalt und fest – mit dem Finger am Drücker bleibt viel Spielraum für kreative Ideen.


ÖKO-TEST wollte wissen, ob die Heißklebepistolen halten, was sie versprechen und ob aus den Klebstoffen bei hohen Temperaturen Substanzen ausgasen. Wir schickten acht Pistolen mit den zugehörigen Klebesticks in die Labore.

DAS TESTERGEBNIS

Ordentlich, aber nicht überragend. Voll überzeugen können die acht Heißklebepistolen nicht, aber drei Geräte erreichen am Ende ein „gutes“ Gesamturteil, fünf sind „befriedigend“.

Auf den Punkt. Punktuelle und kleinflächige Verbindungen lassen sich mit allen Geräten problemlos bewerkstelligen, bei größeren Flächen stoßen sie an ihre Grenzen, da der Klebstoff zu schnell trocknet: „Ungeeignet“ lautet das Fazit bezüglich großflächiger Verbindungen in drei Fällen. Fünfmal klebte es noch so halbwegs, unsere Einschätzung hier: „weitgehend ungeeignet“. Manche Klebstoffe wurden so heiß, dass sie Styropor zum Schmelzen brachten. Das werten wir nicht per se ab, doch wir erwarten, dass die Hersteller in der Gebrauchsanleitung auf diese eingeschränkte Eignung hinweisen. Lästig: Die Kleber zogen teils deutlich Fäden, nur die B1 Heißklebepatronen und die Meister Heißklebestift e waren in diesem Punkt noch akzeptabel. Die Klebstoffe von Bosch und Meister fi elen durch starkes Nachtropfen auf.

Förderleistung. Überraschenderweise gab es auch bei den messbaren physikalischen Daten der Klebesticks deutliche Unterschiede. Alle schmolzen schnell dahin, in einigen Pistolen aber doch deutlich rascher als in anderen. Mit mehr Förderleistung lassen sich größere Flächen zügiger bestreichen, allerdings geht zuweilen auch unnötig viel Klebstoff drauf. Da sich hier Vor- und Nachteile die Waage halten, haben wir die unterschiedlichen Förderleistungen nicht bewertet.
Das hält: Hinsichtlich der Klebefestigkeit zeigten sich im Test große Unterschiede zwischen den Systemen. Geprüft hat das beauft ragte Labor, wie gut eine kleinfl ächige, ausgehärtete Verbindung zwischen zwei rauen Holzflächen hält. Am wenigsten fest war die mit der B1 Heißklebepistole und den zugehörigen Patronen geschaffene Klebeverbindung. Auch die Kleber von Pattex und Rapid hielten nur mäßig. Überdurchschnittlich gut schnitten dagegen die Uhu Klebepatronen Hot Melt ab. Grundsätzlich sind die Heißkleber jedoch nicht für Verbindungen geeignet, die nach dem Kleben starken Belastungen ausgesetzt werden. Dafür gibt es Spezialkleber. Vor allem punktuelle Verklebungen glatter Oberflächen lösen sich bei leichtem Ruckeln rasch wieder.

Verbrennungsgefahr. Dass Kleber und Pistolenspitze bei Gebrauch heiß werden und man sich ordentlich die Pfoten verbrennen kann, liegt in der Natur der Sache. Wir werten Spitzentemperaturen deshalb auch nicht ab. Zur Warnung: Auf den Gehäusen der Pistolen von Bosch, Meister und Steinel wurden nach 15 Minuten schon mehr als 80 Grad Celsius gemessen, bei einigen anderen dagegen nur um die 60 Grad. Da man mit dem heißen Gehäuse nicht unbedingt rechnet, werten wir die hohen Temperaturen am Gehäuse ab. Drei der Spitzen wurden mit über 170 Grad besonders heiß. In jedem Fall gilt: Finger weg.
Es gast doch was aus. Bei hohen Temperaturen werden aus den Klebstoffen flüchtige organische Verbindungen freigesetzt. Auch wenn das von uns beauftragte Labor darunter keine besonders bedenklichen Stoffe analysiert hat: Bei intensivem Gebrauch – in zwei bis drei Minuten werden rund 40 Gramm Kleber verbraucht – kann es kurzzeitig durchaus zu einer hohen Raumluftbelastung kommen. Das ist insbesondere bei den Klebern von Bosch, Steinel und Uhu der Fall. Bei empfindlichen Menschen können flüchtige Verbindungen zu Unwohlsein führen.

SO HABEN WIR GETESTET

Der Einkauf

In Baumärkten kauften wir acht möglichst vielseitig einsetzbare Heißklebepistolen mit Kabelanschluss ein, die auch für kleinere Reparaturen im Haushalt geeignet sein sollten. Wir entschieden uns deshalb für dickere Klebesticks mit etwa elf Millimeter Durchmesser. Unter den Testprodukten sind klassische Klebermarken wiePattex undUhu, Elektromarken wieBosch undSteine! sowie Eigenmarken der Baumärkte. Die Preise liegen zwischen rund 5 und 25 Euro. Für den Test besorgten wir außerdem die Klebepatronen des jeweiligen Anbieters.

Die Praxisprüfung

Das von uns beauftragte Testinstitut unterzog die Heißklebepistolen und die zugehörigen Klebesticks einem umfassenden Praxistest. In allen Schritten beurteilten die Experten die Handhabung und achteten auf Auffälligkeiten und Mängel.

Die Inhaltsstoffe des Klebers

Wir wollten wissen, ob die als lösemittelfrei beschriebenen Klebesticks bei den hohen Temperaturen dennoch flüchtige organische Verbindungen ausgasen. Außerdem ließen wir sie auf bedenkliche Weichmacher untersuchen.

Die Bewertung

Die Heißklebepistolen sollen in erster Linie gut kleben. Deshalb steht die Bewertung der Praxisprüfung im Vordergrund. Wenn die Klebstoffe jedoch zu stark ausgasen oder Gerät und Verpackung umweltbelastende Stoffe enthalten, verschlechtert dies das Gesamturteil.

Die Weiteren Mängel

Auf dem Prüfstand standen auch bedenkliche Schwermetalle und chlorierte Verbindungen im Gerät und in der Verpackung. Denn häufig enthalten Kabel oder Kunststoffverpackungen umweltbelastendes PVC.

Die Bewertung

Die Heißklebepistolen sollen in erster Linie gut kleben. Deshalb steht die Bewertung der Praxisprüfung im Vordergrund. Wenn die Klebstoffe jedoch zu stark ausgasen oder Gerät und Verpackung umweltbelastende Stoffe enthalten, verschlechtert dies das Gesamturteil.

Das Bestreichen eines Fotokartons mit Klebstoff zeigte die Grenzen für großflächige Verklebungen auf.


Exakt gemessen wurde die Klebekraft (Foto oben), aber auch die Temperaturen an Gehäuse und Spitze sowie die Förderleistung.


Die Prüfer fügten Latten zu einem Rahmen zusammen und dekorierten ihn mit Glassteinen, Federn, Kastanien und Holzperlen.


Fotos: Labor (3)