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Manfred Jantke: AUTO-Biografie: PORSCHES COOLSTER MANN


Auto Bild klassik - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 18.04.2019

In den heißen 70ern und 80ern prägt Manfred Jantke als Pressechef und Rennleiter das rot-blau-weiße Image des Sportwagenherstellers. Was ihm hilft? Dass er viele Fahrer schon auf der Strecke abgeledert hat


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SCHNELLE TRUPPE
Die 70er und 80er sind Porsches große Motorsport-Zeit. Rennchef Manfred Jantke (M.) zieht die Fäden


FOTOS: A. EMMERLING, AUTO BILD SYNDICATION

LOB UND LOHN
Am 15. Juni 1969 gewinnt Manfred Jantke am Hockenheimring. Als Sieger erhält er eine Prämie von 150 Mark


LORBEER
Welk, aber wichtig. Der Siegerkranz hat seit 50 Jahren einen Ehrenplatz


Mit welchem Auto besucht man Manfred Jantke? ...

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... Einen, der vom Mercedes Silberpfeil über die Sportwagen der 60er-Jahre bis zu Renn- und Rallyeautos alles gefahren ist und jeden Porsche hatte?

Wir nehmen einen alten 911, und Jantke zuckt bei unserer Ankunft nur mit den Schultern. Lektion: Seit 1992, als er nach 20 Jahren bei Porsche ausschied, sind Autos für ihn nur noch Fortbewegungsmittel. Hauptsache praktisch, gerade so, als hätte danach nichts mehr kommen können.

Dabei ist Manfred Jantke, 80, ein Wegbegleiter und Wegbereiter des Autos in dessen vielleicht besten Zeit. „Als ich 1959 bei ‚auto motor und sport‘ anfing, war das Auto jung, alles andere als perfekt, hat sich fast täglich weiterentwickelt. Und so ähnlich verhielt es sich auch 1972 mit Porsche. Eine kleine, junge Firma, die das Größte noch vor sich hatte.“

Aber er hat eben viel erlebt, darunter mindestens zwei Wunder. Das erste widerfährt ihm 1945 als sechsjährigem Kind. Auf der Flucht vor der Roten Armee wird Manfred so krank, dass ihn die Mutter in einem Kloster in Tschechien zurücklassen muss. Als es ihm endlich besser geht, machen sich die Nonnen auf den langen Weg nach Oberschlesien und bringen der Mutter den zweiten von drei Söhnen tatsächlich in die neue Heimat. Mit neun besucht er das erste Mal eine Schule, Ende der Fünfziger studiert er Sport und Sprachen in Berlin, will Lehrer werden.

Da passiert das zweite Wunder: „Ich hatte, noch zu Schulzeiten, als Gehilfe von Michael ‚Turbo‘ May bei einem Autorennen den Fotografen Julius Weitmann kennengelernt“, erzählt Jantke. Der empfahl den jungen Studenten einige Zeit später ohne dessen Wissen an die Stuttgarter Autozeitschrift. „Ich bekam einen Brief, eine Einladung und eine Stelle als Volontär sowie 300 Mark im Monat“, sagt Jantke. „Ein Wunder! So wurde ich Auto-Journalist.“

Er lernt schnell und fährt schnell. „Driften konnte ich gut. Weitmann legte ein Taschentuch in die Kurve, da fuhr ich über alle vier Räder rutschend um die Ecke, und er machte die Fotos.“ Auch in der Freizeit ist Jantke flott unterwegs: Er spielt Tennis, fährt Rad und Ski, segelt und läuft, steht auf der Fechtplanche und fährt, weil auch das Sport ist, Autorennen.

„Als ich mal in Hockenheim aus dem Stand die gleiche Zeit wie BMW-Werksfahrer Dieter Quester fuhr, bekam ich danach viele Rennwagen gestellt“, sagt Jantke. Mit einem Glas GT gewinnt er gegen die als unschlagbar geltenden Renault Alpine die verbissen geführte Martha-Journalistenrallye. „Danach bot mir Glas einen Vertrag als Werksfahrer an.“ Stattdessen kauft sein Bruder Heinz, der Co-Pilot, das Auto.

LEISTUNG
1972 ist die Vorstellung des 911 Carrera RS 2.7 Aufgabe des neuen Pressechefs


FOTOS: HERSTELLER (2), A. EMMERLING

UNTERSCHRIFT
Jacky Ickx schickt dieses Foto in Erinnerung an Vertragsverhandlungen 1978 – „Beachten Sie die Gesichter!“


BÜNDEL BARES
Der Sieger in Silverstone erhält die Prämie in kleinen Scheinen


Manfred ist sowieso lieber in der Formel Vau unterwegs. „Gut und ökonomisch zu fahren, überschaubare Kosten.“ Sein Sieg über die Profis inklusive Rundenrekord 1969 beim Rhein-Pokal in Hockenheim macht ihn bis heute stolz. Kann sein, dass Porsche auch deswegen auf ihn aufmerksam wurde, als ein Nachfolger für den Herrenfahrer, Rennleiter und Pressechef Huschke von Hanstein gesucht wurde. „Michael Piëch sagte, der Jantke kann Presse und Rennen fahren und kennt alle, also nehmen wir den. 1972 bin ich zu Porsche gewechselt.“ Warum? „Um mal die andere Seite kennenzulernen! Drei, vier Jahre wollte ich das machen und dann wieder Journalist sein“, sagt Jantke. „Dann wurden 20 Jahre bei Porsche daraus.“

Die lieb gewonnene Freiheit des Autotesters und Rennfahrers habe ihm gefehlt, der Leistungswille der kleinen und trotzdem weltbekannten Firma ihn dafür beeindruckt. „Es waren andere Zeiten. Die Rennwagen waren die Botschafter des Unternehmens – ohne Rennerfolge kein Autogeschäft.“

Autorennen lässt er ab sofort sein. Manfred Jantke organisiert und hat, weil zum Führungskreis der Firma gehörend, weitreichende Kompetenzen. Er handelt die Verträge mit den Fahrern aus und setzt, notfalls handschriftlich auf herumliegendem Hotel-Briefpapier, eine Vereinbarung auf, wie das zu erwartende Le-Mans-Preisgeld verteilt werden wird.

GELD UND WERMUT
1973 steigt Martini-Chef Graf Rossi di Montelera als Sponsor ein


FRÖHLICH BIS HEUTE
Manfred Jantke war in den 70ern Sonnyboy – und ist es bis heute


TON UND TEMPO
Herbert von Karajan (2. v. r.) gibt den Ton an, Porsches Chefetage hört zu


Er pflegt die Partnerschaften mit der Zigarettenfirma Rothmans und dem Wermuthersteller Martini, deren Farben bis heute mit der goldenen Porsche-Motorsportzeit in Verbindung gebracht werden. An die Gespräche mit dem Martini-Chef erinnert er sich bis heute: „Beim Essen in Conte Rossi di Monteleras Wohnung in Paris servierte ein Diener in Livree mit Kniebundhosen“, sagt Jantke.

Andererseits läuft er die Rennstrecken ab, am liebsten die in Le Mans: „Die 13,6 Kilometer habe ich nie unter einer Stunde geschafft, meine Bestzeit war 1:02 Stunden.“ Aus Spaß hebt er das Radrennen der Autoindustrie auf der Teststrecke in Weissach aus der Taufe und holt die internationale Damentennis-Elite nach Filderstadt zum Porsche-WTA-Tennisturnier. „Der Name zog, das Umfeld stimmte – das Turnier wurde ein Erfolg.“

Weil die Profis auch privat Porsche fahren, trainiert Jantke mal mit Ivan Lendl oder Martina Navratilova und geht mit der Argentinierin Gabriela Sabatini in Weissach auf die Strecke. „Von allen Mädels fuhr sie am besten.“

VITA

1938 Manfred Jantke wird am 2. Oktober in Oppeln, Schlesien, geboren.
1959 Fotograf Julius Weitmann holt den Lehramtsstudenten zur Zeitschrift „auto motor und sport“.
1969 Sieg beim Formel-Vau-Rennen in Hockenheim gegen Niki Lauda, Helmut Marko und Keke Rosberg.
1972 Manfred Jantke übernimmt als Nachfolger Huschke von Hansteins den Posten als Pressechef und Rennleiter bei Porsche.
1992 Kündigung bei Porsche, zweite Karriere als Moderator und Motorsport-Experte.

AUTO-VITA

FOTOFAHRT
Bei Porsche geht Jantke nur noch zu PR-Zwecken auf die Piste, hier am Steuer von 356 Nr. 1


FORMEL VAU
In der Freizeit fährt Jantke in der Formel Vau vorn mit


RALLYE
Sieg bei der Martha-Journalistenrallye mit Bruder Heinz auf Glas GT


AUTOTEST
Für die Kamera driftet Jantke auf den Punkt durchs Bild


FOTOS: HERSTELLER (8), A. EMMERLING (2)

BILDER IM KOPF
Jedes Foto eine Geschichte. Manfred Jantke könnte tagelang erzählen


FOTOS: HERSTELLER (2), A. EMMERLING (2)

Dass die aus der Porsche-Frühzeit überlieferte Personalunion von PR-Chef und Rennleiter eigentlich überholt ist, merkt Manfred Jantke bald. „Ich war jedes Jahr rund 100000 Kilometer unterwegs, führte ein Leben für die Arbeit. Meine Frau Elke habe ich tatsächlich erst mit 60 geheiratet“, sagt er.

„Wäre Arno Bohn nicht Porsche-Chef geworden, hätte ich bestimmt bis zur Rente weitergemacht.“ Doch mit dem Wiedeking-Vorgänger Bohn überwirft er sich völlig. „Ich habe 1992 nur seinetwegen gekündigt, völlig emotional und ohne Plan B in der Tasche“, sagt Jantke. Dass er kurz darauf als Motorsport-Fachmann beim Privatsender Eurosport anheuert, ist eine glückliche Fügung, und seit er vor drei Jahren sein Redaktionsbüro geschlossen hat, ist er tatsächlich Rentner.

Das Auto, das Manfred Jantkes ganzes Berufsleben geprägt hat, ist heute nur noch eine Randerscheinung. Einen Porsche fahren? „Der 911 war gut, aber in meinen Golf passt ein Rennrad rein.“ Er hatte ja alle.
Jan-Henrik Muche

RENNLEITER
Rennfahrern wie Derek Bell begegnete der schnelle Jantke auf Augenhöhe


PRESSECHEF
Tennisspielerin Martina Navratilova lädt heute noch zum Skifahren ein