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MANN MIT EISKALTER MIENE


tennisMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 70/2019 vom 17.06.2019

Vor 40 Jahren hat Björn Borg Wimbledon dominiert. Ist man zu Gast im All England Club, begegnet einem der Schwede immer noch. Auf Siegertafeln, als TV-Experte oder als Doppelgänger in Form von Perücke tragender Borg-Fans. Annäherung an den Mythos Borg, der immer noch über der Anlage schwebt


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Bildquelle: tennisMAGAZIN, Ausgabe 70/2019

WACHABLÖSUNG: Fünfmal hintereinander hatte Borg in Wimbledon gewonnen. Dann, 1981, schlug ihn McEnroe im Finale. Diese Niederlage leitete das vorzeitige Karriereende Borgs ein.


Am 6. Juli 2008 sitzt Björn Borg in einem Fernsehstudio der BBC. Er trägt einen feinen Anzug. Das früher lange blonde Haar ist kurz ...

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Am 6. Juli 2008 sitzt Björn Borg in einem Fernsehstudio der BBC. Er trägt einen feinen Anzug. Das früher lange blonde Haar ist kurz geschnitten und schimmert silbern, die Haut ist sanft gebräunt. Er sieht gut aus. Keine 50 Meter Luftlinie entfernt befindet sich der Centre Court von Wimbledon, wo sich in einer halben Stunde Roger Federer und Rafael Nadal duellieren werden. Am Tag darauf wird derDaily Telegraph über das Match, das am Ende der Spanier mit 6:4, 6:4, 6:7, 6;7, 9:7 nach 4:47 Stunden gewinnen soll, in riesigen Lettern schlagzeilen: „The greatest final ever.“

Vor dem Showdown sagt Borg: „Die ganze Welt wartet auf dieses Endspiel.“ Wenn Borg, der eigentlich so leise Schwede, so etwas sagt, hat es Gewicht. Er drückt in dem Moment das aus, was viele genau so empfinden. Allen voran die Aficionados, die wahren Fans, die Liebhaber des Spiels mit Racket und Filzball. Neben Borg sitzt John McEnroe an einem ovalen Tisch, leicht ergraut, ohne die vom roten Stirnband gezähmte Lockenmähne von einst. „Big Mac“ trägt ebenfalls einen Designer-Anzug. Die Rivalen von früher vereint als Experten vor der Kamera. Es ist die Fortsetzung ihrer Story in anderen Rollen.

MCENROE & BORG WIE FEUER UND EIS

Wie sich die Geschichte wiederholt. Es gab mindestens ein Finale im All England Club zwischen dem Schweden und dem Amerikaner, über das man ebenfalls „the greatest final ever“ sagen könnte: das Wimbledonfinale 1980. Am Ende siegte Borg zum fünften Mal in Folge auf dem sprichwörtlichen heiligen Rasen. Die Zahlen für die Ewigkeit lauteten: 1:6, 7:5, 6:3, 6:7 (16:18), 8:6. Vor allem der Tiebreak des vierten Satzes gilt immer noch als einer der dramatischsten, der je auf dem Planeten Tennis gespielt wurde.

Keine Story ohne Rivalität. „Wir waren wie Feuer und Eis“, sagte McEnroe im Sommer 2011 im Interview mit tennis MAGAZIN. „Inzwischen ist es ein bisschen weniger Feuer und ein bisschen weniger Eis.“ Kurioserweise spielten Borg und McEnroe nur 14-mal gegeneinander. Bilanz: 7:7. Viel öfter trat Borg gegen Guillermo Vilas (17:5) oder Jimmy Connors (15:8) an. Zum Vergleich: Federer und Nadal kommen auf 39 Duelle. Und dennoch: Borg versus McEnroe überstrahlt alles. In der Retrospektive ist die Rivalität größer als alles andere, was sich je zwischen den weißen Linien abgespielt hat.

Dazu passt auch, dass Bad Boy McEnroe nach dem frühen Karriereende Borgs in eine Lebenskrise geriet. „Als Björn seine Karriere beendete, war ich am Boden zerstört“, sagte McEnroe später. „Ich fühlte mich vollkommen leer, denn er konnte seinen Rücktritt nicht mal erklären.“ Der LondonerObserver schrieb damals: „Nach Borgs Rücktritt wirkte McEnroe unzufriedener und zorniger denn je, denn er hatte keinen Rivalen mehr.“

Man könnte es auch theatralisch ausdrücken: Als Borg mit gerade einmal 26 Jahren in der schwedischen ZeitungKvallposten seinen Rücktritt mit folgenden Worten bekannt gab: „Ich kann nicht mehr hundert Prozent geben. Und wenn ich das nicht tun kann, wäre es nicht fair mir selbst gegenüber, weiterzumachen. Tennis sollte Spaß machen, wenn du auf dem Weg an die Spitze bist. Ich fühle diesen aber nicht mehr. Deshalb höre ich auf “, fühlte es sich an, als wäre jemand gestorben. Wie James Dean, der Filmstar der 50er-Jahre, der mit seinem Porsche in den Tod raste und nach nur drei Kinofilmen von der Leinwand verschwand.

Arthur Ashe hat über Björn Borg einmal gesagt: „Er war größer als das Spiel. Er war wie Elvis Presley oder Liz Taylor.“ Der farbige Amerikaner hatte 1975 in Wimbledon gesiegt, exakt ein Jahr bevor die Borg-Mania startete. Ilie Nastase, die erste Nummer eins der Herrenweltrangliste, erklärte das Phänomen Borg so: „Wir spielten Tennis, er hat irgendetwas anderes gespielt.“

DER ERSTE STREICH: 1976 triumphierte Borg erstmals in Wimbledon.


TITEL (11)

French Open (6)
1974 vs. Manuel Orantes 2:6, 6:7, 6:0, 6:1, 6:1
1975 vs. Guillermo Vilas 6:2, 6:3, 6:4
1978 vs. Guillermo Vilas 6:1, 6:1, 6:3
1979 vs. Victor Pecci 6:3, 6:1, 6:7, 6:4
1980 vs. Vitas Gerulaitis 6:4, 6:1, 6:2
1981 vs. Ivan Lendl 6:1, 4:6, 6:2, 3:6, 6:1

Wimbledon (5)
1976 vs. Ilie Nastase 6:4, 6:2, 9:7
1977 vs. Jimmy Connors 3:6, 6:2, 6:1, 5:7, 6:4
1978 vs. Jimmy Connors 6:2, 6:2, 6:3
1979 vs. Roscoe Tanner 6:7, 6:1, 3:6, 6:3, 6:4
1980 vs. John McEnroe 1:6, 7:5, 6:3, 6:7, 8:6

FINALNIEDERLAGEN

Wimbledon (1)
1981 vs. John McEnroe 6:4, 6:7, 6:7, 4:6

US Open (4)
1976 (Sand) vs. Jimmy Connors 4:6, 6:3, 6:7, 4:6
1978 (Hartplatz) vs. Jimmy Connors 4:6, 2:6, 2:6
1980 (Hartplatz) vs. John McEnroe 6:7, 1:6, 7:6, 7:5, 4:6
1981 (Hartplatz) vs. John McEnroe 6:4, 2:6, 4:6, 3:6

EINE AUGENWEIDE: Björn Borg in den 70er Jahren auf dem Gras von Wimbledon zuzusehen, war damals das Nonplusultra für Tennisfans. Manchmal, wie auf dem Foto, blieb er nicht an der Grundlinie kleben, sondern attackierte.


TURNIERE WIMBLEDON VORSCHAU PORTRÄT

TYPISCH BORG: Seine beidhändige Rückhand wurde zum Markenzeichen des Schweden.


Mag sein, dass Borg ohne den Antipoden McEnroe nicht funktioniert hätte. Mag auch sein, dass der Kinofilm „Borg McEnroe – das Duell zweier Gladiatoren“ aus dem Jahr 2017 nicht diese Wirkung gehabt hätte, aber eines ist auch klar: Reduziert man das kongeniale Duo auf eine Person, bleibt nur Borg. McEnroe war genial auf dem Platz, genauso genial wie später als TV-Kommentator. Er war gleichzeitig eine Zumutung für Gegner, Offizielle und Fans. McEnroes Ausspruch Richtung Schiedsrichter „You cannot be serious“ ist längst geflügeltes Wort, Tenniskulturerbe. Und dennoch: McEnroe, der in seiner Jugend Borg-Poster in seinem Zimmer hängen hatte, ist zwar eine Legende. Borg aber ist Mythos. Sein Wesen scheint so geheimnisvoll wie das Lächeln der Mona Lisa.

Wer ist Björn Borg? Oder sollte man besser fragen: Wer war Björn Borg? Weil der aktuelle Borg, der als europäischer Laver Cup-Kapitän fungiert, der dabei hilft, der Marke Fila zu neuem Glanz zu verhelfen und der vor allem auch Vater seines Sohnes Leo ist, der sich anschickt Tennisprofi zu werden – genau dieser Borg hat offenbar nicht viel zu tun hat mit dem von früher. Dem Eis-Borg, der wie ein außerirdisches Wesen anmutete, zwölf Stunden schlief. Während der zwei Wochen in Wimbledon verbannte er seine Ehefrau Mariana Simionescu aus dem Bett. Sein Hotelzimmer verwandelte er in ein Eisfach, in dem er die Klimaanlage bis zum Anschlag herunterdrehte. Passend dazu sein Ruhepuls: 35 Schläge pro Minute.

Vor wichtigen Matches konnte er oft nicht schlafen, stand nachts stundenlang am Fenster und starrte in die Dunkelheit. Wenn Borg nicht Tennis spielte, dann saß er vor dem Fernseher oder las Comics. Seine Lieblingsfigur: Donald Duck. Leute, die ihm Böses wollten, bezeichneten ihn als Langeweiler. Als ungepflegten Menschen, dessen Haut picklig und dessen Gesicht unrasiert war. „Aber das bekräftigte nur den Eindruck, er widme sich so intensiv dem Tennis, dass man ihn nicht auch noch mit so trivialen Dingen wie Körperpflege behelligen könne“, schrieb der US-Autor Michael Mewshaw im amerikanischenTennis Magazine .Die Zeit formulierte es einmal so: „Wenn er so daher geschlurft kommt in seinen verschlissenen Jeans, die Hände tief in den Taschen, die Haare strähnig über dem Kragen, sieht er aus wie ein Fall für die Bahnhofsmission.“

EIN FALL FÜR DIE BAHNHOFSMISSION

Aber was kümmerte Borg, den fünffachen Wimbledon-Champion, die Kritik an seiner Person? Den Mann, von dem viele behaupteten, er sei größer als der ganze Sport gewesen. Wenn er die Anlage im Südwesten Londons betrat, kreischten die Mädchen wie bei den Beatles. Polizisten mussten helfen, die stürmischen Fans abzuwehren. Mitte der 70er- bis Anfang der 80er-Jahre war Borg Kult, ein Popstar, die perfekte Projektionsfläche für die Träume und Sehnsüchte einer Generation. 1978 schickte der Präsident von Wimbledon Briefe an die Direktoren von 60 Mädchenschulen. Sie sollten doch bitte während des Turniers ihre Schülerinnen unter Kontrolle halten. Was natürlich nicht funktionierte. Selbst Medien wurden zu Borg-Jüngern. Über die Hysterie an der Church Road schrieb einmal eine Reporterin des BoulevardblattesDaily Express : „Er ist wirk-lich wunderschön. Ein Gesicht, wie Raffael es gemalt haben könnte, mit blauen Augen, die man nie vergisst.“

DER ERSTE

TEENAGER BORG: kurz nach seinem 18. Geburtstag 1974.


AB IN DEN URLAUB: auf dem Weg in die Ferien 1976 – mit Schlägern.


WIE SIE IHN ANHIMMELN! Borg bei seinem ersten Auftritt in Wimbledon 1973.


GELEITSCHUTZ: 1975 grassierte die „Borg-Mania“ in Wimbledon.


SCHÖNER WOHNEN: auf dem Balkon seines Apartements in Monte Carlo 1975.


UNGEZWUNGEN: mit seiner Verlobten Mariana Simionescu 1976.


TENNIS POPSTAR

COOLE JUNGS: Borg und McEnroe verband ein ganz besonderes Verhältnis.


75 Millionen Dollar vermögen

Es ging längst nicht mehr um den Tennisspieler Borg, der das Kunststück fertigbrachte, pro Saison 600 Schläger zu verbrauchen, Griffstärke fünf, 414 Gramm schwer. Seine Rackets ließ er mit bis zu 38 Kilo Zugkraft besaiten. Manchmal brachen die Holzrahmen schon beim Bespannen – so enorm stand das Material unter Druck. Insofern waren die Schläger sinnbildlich für den, der mit ihnen zehntausende von Bällen drosch. Einmal – der Borg-McEnroe-Film zeigt diese Sequenz eindrücklich – bricht Borg während des Wimbledonturniers von 1980 weinend in der Dusche zusammen. Die Last, die er tragen muss, ist zu hoch. Sean Connory alias James Bond hat oft gesagt, er hasse seine Rolle und den Rummel um seine Person. Borg wird es ähnlich gegangen sein.

Als „perfekte Geld-Maschine“ bezeichnete der IMG-Agent, der Italiener Cino Marchese, den Schweden. Sein Preisgeld mag aus heutiger Sicht läppisch klingen, nur 3,6 Millionen Dollar. Aber das war nur ein kleines Stück vom großen Kuchen bestehend aus Gagen für Showkämpfe, Antrittsgeldern und vor allem Einnahmen aus der Werbung.

1980 schloss Borg mit seinem Schlägerhersteller Donnay einen Vertrag über dreieinhalb Millionen Dollar für fünf Jahre ab. Es war bis dahin der größte Schlägerdeal im Profitennis. Mit Borg stiegen die Umsätze seiner Bekleidungsmarke Fila innerhalb von drei Jahren von 25 auf 53 Millionen Dollar.

WIMBLEDON 1977: Borg schlug Jimmy Connors 3:6, 6:2, 6:1, 5:7, 6:4. Es sollte das beste Match der beiden auf Rasen sein.


DIREKTE VERGLEICHE

Borg vs. John McEnroe 7:7
Borg vs. Jimmy Connors 15:8
Borg vs. Arthur Ashe 7:7
Borg vs. Rod Laver 5:2
Borg vs. Ivan Lendl 6:2
Borg vs. Vitas Gerulaitis 16:0
Borg vs. Ilie Nastase 10:5
Borg vs. Guillermo Vilas 17:5

ABGEKÄMPFT: Grand Slam-Turniere wie Wimbledon stachelten Borg besonders an. „Den letzten Punkt bei einem Grand Slam zu machen, ist das schönste und befriedigendste Gefühl für einen Tennisspieler“, sagte er einmal.


Das geschätzte Gesamtvermögen Borgs auf dem Höhepunkt seiner Karriere: 75 Millionen Dollar – eine astronomische Summe unter Einberechnung der damaligen Kaufkraft.

Mythos Borg. Manuel Orantes, spanischer Weltklassespieler in der Borg-Ära hat über den Schweden gesagt: „Das Schlimmste an Borg ist nicht sein Topspin-Schlag, sondern dass er nie eine Regung zeigt in seinem steinernen Gesicht. Netzroller oder Netzball – dieselben Augen und niemals ein Zeichen von Freude oder Enttäuschung.“ Dabei war Borg als Kind ein Rebell. Er schmiss Schläger, bepöbelte Gegner und Schiedsrichter. Die Schule bricht er mit 15 Jahren ab, zieht aus dem Elternhaus in Stockholm aus. Vom schwedischen Tennisverband wird er ein halbes Jahr gesperrt. Ein paar Jahre später vollzieht sich die Wandlung. Borg will so erfolgreich werden wie seine Vorbilder: der doppelte Grand Slam-Gewinner Rod Laver, Radprofi Eddy Merckx und Boxlegende Muhammad Ali.

VORBILDER LAVER, MERCKX UND ALI

Eine eiserne Disziplin, Geduld, Ausdauer und Perfektion werden zu seinen wichtigsten Tugenden. Borg ist mit Abstand der beste Athlet seiner Zeit. Bei einem 400-Meter-Hürdenlauf besiegte er den damaligen französischen Olympiasieger über 110 Meter Hürden Guy Drut. Sein Spiel auf dem Platz – einmalig. Sein Trainer, Förderer und Beichtvater Lennart Bergelin bemerkte einmal: „Das einzig Wichtige, das ich je für ihn getan habe, war, seinen Stil in keiner Weise anzutasten.“

COMEBACK IN MONTE CARLO

Die Faszination Borg besteht auch aus den Brüchen in seinem Leben. 109 Wochen war er die Nummer eins, er gewann elf Grand Slam-Turniere, aber er stürzte auch gnadenlos ab. Und die Boulevardblätter machten kräftig Auflage mit seinen Dramen: Pleite der Europa-Abteilung der „Björn Borg Design Group“, Schlammschlachten mit Ex-Geliebten, Heirat mit der dubiosen italienischen Pop-Sängerin Loredana Berte, ein angeblicher Selbstmordversuch. Im Februar 1989 soll er in Mailand eine Überdosis Schlaftabletten genommen haben. Anschließend habe man ihm den Magen ausgepumpt. Später beschuldigten Borgs Berater die italienische Presse, die Tatsachen verdreht zu haben. Borg habe lediglich zu viel getrunken, etwas Falsches gegessen und wollte mit den Tabletten in den Schlaf finden.

Ins Bild des gefallenen Stars passten auch seine Comeback-Versuche. Im April 1991 trat der damals 34-Jährige beim Turnier in Monte Carlo an. Acht Jahre zuvor hatte ein gewisser Henri Leconte an gleicher Stelle Borgs Karriere beendet. Diesmal hieß der Gegner Jordi Arrese, die Nummer 54 der Welt. Borg war chancenlos und unterlag in der ersten Runde mit 2:6 und 3:6. Anschließend kommentierte Ion Tiriac: „Ich habe ihn noch nie so schlecht spielen sehen – Arrese.“

Nach dem Karriereende mied Borg mehr als 15 Jahre Wimbledon. Als er 1997 anlässlich der Eröffnung von Court 1 zurückkehrte, wurde er gefeiert wie ein verlorener Sohn. Seitdem ist der inzwischen 63-Jährige Dauergast im AELTC (All England Lawn Tennis Club) – ob in der Royal Box, im BBC-Fernsehstudio oder in Form Perücke tragender Borg-Jünger. Die Strahlkraft der Marke Björn Borg ist ungebrochen. Der Mythos lebt.

REKORDE

Borg ist der einzige Spieler der Open Ära, der die French Open und Wimbledon dreimal hintereinander gewinnen konnte (1978, 1979, 1980). Nadal schaffte dieses Kunststück zweimal (2008 und 2010), Federer einmal (2009).

1979 war Borg dererste Tennisprofi, der in einem Jahr mehr als eine Million Dollar Preisgeld verdiente. Als er 1981 mit 26 Jahren aufhörte, hatte er mehr als 3,6 Millionen Dollar eingespielt.

Von 33 Fünf-Satz-Matches in seiner Karriere gewann Borg 27. Das entspricht einer Siegquote von 81,8 Prozent – kein Spieler kommt auf einen besseren Wert. Stärkster aktueller Profi in dieser Rubrik ist Kei Nishikori (79,3 Prozent).

Zwischen 1979 und 1981 gewann Borg bei den French Open 41 Sätze in Folge. Das schaffte selbst Sandplatzgott Nadal bislang nicht. Seine beste Serie endete 2018 nach 37 in Serie gewonnenen Durchgängen.

WILANDER ÜBER BORG

TREFFEN IN BASTAD: Mats Wilander (li.) und Björn Borg 2017 beim schwedischen WTA-Turnier.


„ER SCHENKTE MIR 2 SPIELE“

Mats Wilander, Ex-Nummer 1, siebenfacher Grand Slam-Sieger und Eurosport-Experte exklusiv über die Ikone Björn Borg

„Mein einziges Duell auf der Profitour gegen Björn war in Genf 1981 – das letzte Profiturnier, das er vor seinem Karriereende gewann. Ich war 17 und stand ihm dank einer Wildcard in der ersten Runde gegenüber. Richtig lustig: Ich weiß noch, wie komisch ich mich im ersten Spiel des Matches gefült habe. Er hatte Aufschlag und wir spielten Rallys und er machte nicht wirklich etwas. Irgendwann kam ein Ball kurz cross und ich dachte: „Da muss ich jetzt eigentlich nachgehen, aber es ist Björn Borg.“ Aber natürlich setzte ich nach. Sein Passierball war bescheiden und ich breakte ihn zum Auftakt. Natürlich war er so viel besser als das. Schnell lag ich 1:6, 0:4 hinten. Dann spekulierte er bei meinem nächsten Aufschlagspiel so sehr, dass ich leicht ein Ass servieren konnte. Mehrmals zeigte er mir an, dass ich gut serviert hatte. Ich verlor 1:6, 1:6 und er hatte tatsächlich zwei Spiele gegen mich absichtlich verloren. Der große Björn Borg hatte mir ein paar Punkte geschenkt. Damals habe ich das als sehr nette Geste empfunden. Er war so viel besser als alle anderen. Das erste Mal traf ich ihn zwei Jahre zuvor 1979 in Schweden beim Davis Cup. Ich war als Trainingspartner dabei. Mein erster Eindruck war: Der Typ betreibt eine ganz andere Sportart. Allein wie er sich bewegt hat. Beim Spielen war er total ernst. Später trainierte ich in Wimbledon mit ihm. Wir spielten fünf Sätze. Im Training absolvierte er immer fünf Sätze. Wir wurden erst viel später Freunde, als wir Showmatches bestritten. Damals wie heute gilt: Er war und ist die wichtigste Person, die aus Schweden kommt.

REKORDE

Bei seinem French Open-Sieg 1978 gab Borg in sieben Matches nur 32 Spiele ab, sechs Sätze gewann er im Turnierverlauf mit 6:0.Bis heute ist Borg der Spieler, der die wenigsten Spiele auf dem Weg zu einem Grand Slam-Titel verlor. Rafael Nadals Bestwert liegt bei 35 verlorenen Spielen (2017 French Open).

Kein anderer Spieler der Open Ära war so jung wie Borg, als er 1981 seinen elften Grand Slam-Titel holte – nämlich genau25 Jahre und einen Tag . Zum Vergleich: Federer war bei seinem elften Majorsieg 25 Jahre und 324 Tage alt. Nadal 26 Jahre und zwei Tage. Pete Sampras war fast 27.

Bei seinen 27 gespielten Grand Slam-Turnieren gewann Borg 141 Matches und verlor 16. Er kommt damit auf eine Grand Slam-Siegquote von 89,8 Prozent. So gut war bislang kein anderen Profi. Nadal liegt bei 87,2 Prozent, Djokovic bei 86,6 und Federer bei 86,1 (Stand: vor den French Open 2019).


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