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MARK DE TRIOMPHE


Audio - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 08.07.2021

Digitalquellen › SACD-PLAYER/STREAMER

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Bildquelle: Audio, Ausgabe 8/2021

Für Digitalspezialisten der frühen Stunde ist Mark Levinsons CD- Transport No. 31 eine der Legenden, die man sich irgendwann ins heimische Rack stellen möchte. Unfassbar groß, für damalige Verhältnisse wahnsinnig teuer und mit einem Toploading-Mechanismus mit einer panzerähnlichen motorischen Klappe ausgerüstet. Der externe DAC musste extra erworben werden, und selbst spätere Versionen konnten nichts anderes als CDs abspielen und die Daten zur Verfügung stellen. Mit dem No. 5101 kommt 30 Jahre danach sozusagen der Gegenentwurf auf den Markt. Sie teilen sich die zweite Ziffer 1 in der Mark-Levinson-Nummer, was auf ihre Funktion als Quelle hinweist. Die Vierstelligkeit hingegen ist bei ML der preislich erreichbarsten Serie vorbehalten, während die Zweistelligen die Ultra-High-End-Serie markieren. Was ein No. 31 nebst DAC heute kosten würde, wollen wir uns lieber ...

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... nicht aus-

malen. Auch von Toploadern oder rundum kantigen Alu-Außenwänden ist bei dem modernen Player wenig zu sehen, wobei die gerundeten Teile der Front aus dem vollen Aluminium und die Echtglasscheibe vor dem markanten roten Dotmatrix-Display ein ähnliches Luxusgefühl aufkommen lassen wie einst der Bolide auf dem HiFi-Altar.

Der 5101 braucht außer einem Verstärker nichts weiter, hat er den D/A-Wandler doch eingebaut, und dieser lässt sich wahlweise über den koaxialen oder den optischen Eingang auch von externen Quellen benutzen. Praktisch für alle, die einen Fremd-Streamer oder ähnliches mit echtem ML-Sound aufzaubern wollen, was je nach verwendeter Verbindung zu einer Quellenauflösung von 192/24 (nur PCM) möglich ist. In einer Disziplin schlägt er sogar alle seine Markenbrüder bis zum aktuellen, deutlich teureren No. 519: Er spielt Zweikanal- SACDs in seinem Laufwerk ab, was angesichts vieler solcher Scheiben in mancher Sammlung ein entscheidendes Argument für einen dergestalt vielseitigen Player sein kann.

WANDELN AUF BREITEN PFADEN

Technisch braucht sich der Wandler im eingebauten „Precision Link II DAC“, den man bereits aus den Verstärkern 5802 und 5805 kennt, nicht hinter seinen ultrateuren Ahnen zu verstecken. Mit höchster Präzision wandelt der verbaute Sabre-Pro-Chip von ESS die Digitalströme von CD, SACD, Streamer und externen Quellen. Über die richtige Auslegung der Tiefpassfilter, die nach der Wandlung in die analoge Welt das Signal auf den Nutzbereich beschränken, tobten schon zu Zeiten des Ur-Levinson Glaubenskriege. Flacheren Filtern wurde schon damals ein besseres Phasenverhalten und eine natürlichere Wiedergabe zugeschrieben. Um die Wogen zu glätten, bietet der No. 5101 Filtervarianten, die sich in Flankensteilheit und Phasentreue leicht unterscheiden – der Musikfreund kann sie nach Belieben wählen. Sie verstecken sich in einem Untermenu des Setups und tragen Namen wie „Fast Minimum Phase“ oder „Brickwall“ und sind in der Kurzanleitung schön in ihrem Phasenverhalten erklärt. Grenzfrequenzen zur Verfügung, welche die HF-Störanteile mehr oder weniger weit vom Hörbereich entfernt ausfiltern, nämlich zwischen 47 und 70 kHz in Schritten wählbar.

Auch in der analogen Domäne kleckert Mark Levinson nicht, sondern verbaut nur das Feinste vom Feinen: Komplett eigenentwickelte Schaltungen mit ausschließlich diskreten Bauteilen im Signalweg sowie eine durchgehend symmetrische Signalführung, von der insbesondere die XLR-Ausgänge profitieren, lassen den 5101- Besitzer beim Gedanken an den guten Ton stets ruhig schlafen. teile, während unten mit einer Siebkapazität von 13 600 Mikrofarad die letzten Zweifel an Stabilität und audiophiler Ernsthaftigkeit ausgeräumt werden.

Angesichts der enormen Funktionsvielfalt und der Steuerung durch eine markenübergreifende App der Harman Luxury Group könnten einige High-Ender auf den Gedanken kommen, es handele sich hier um ein aus Modulen zusammengesetztes Gerät. Ein Blick ins Innere entlarvt solche Befürchtungen als unbegründet: Das Gehäuse-Layout ist vom Feinsten, bietet es doch eine getrennte Sektion für das Schlitzeinzug-Laufwerk im vorderen Bereich und durch großzügige Mu-Metallschirmung abgetrennte Sektionen für die Digital/Netzwerkplatinen sowie die analoge Signalverarbeitung. Letztere, die im „oberen Stockwork“ residiert, zeigt eine makellos schöne Signalführung und diskrete Bau

Nach der Inbetriebnahme zeigt sich allerdings, dass sich die Bedienlogiken für SACD-Player und Streaming ein we- nig unterscheiden. Eine direkte Anwahl des Players in der App ist, wenn eine Disc einliegt, nicht möglich; erst muss er über sein Menü und der Funktion „Media Browser“ in den Streaming-Modus versetzt werden. Das funktioniert sehr rudimentär, auch ohne Smartphone, und klappt nicht nur mit einer im Netzwerk verbundenen NAS und einer Vielzahl von UPnP-Apps auf dem Smartphone, sondern in der proprietären App MusicLife auch mit den bei Audiophilen verbreiteten Streamingdiensten Deezer, Qobuz, Tidal oder Highresaudio. Alle diese Zuspielungen via Netzwerk können per Ethernet-Kabel oder – dank der Antenne auf der Rückseite – auch via WLAN stattfinden. Er kann auch eine lokale Festplatte kontrollieren, die an den USB-A-Port angeschlossen wird.

DER APP-CHECK

Mark Levinson bietet Apps zur Fernbedienung des Disc-Players (5Kontrol) und fürs Streaming an. Letzteres wird mit der proprietären, von Arcam bekannten App MusicLife kontrolliert, die übersichtlich und bei Streamingdiensten gut ausgestattet ist. Die Synergie mit dem SACD- Player ist kompliziert; zudem ist die App auf einigen Devices, insbesondere Androiden, instabil.

APP-BEWERTUNG ☺

TOTAL IDEAL

Welches Klangideal für eine Digitalquelle gilt, darüber gab es schon vor 30 Jahren Diskussionen. Im ersten Hörtest-Durchgang schlug sich der No. 5101 mit dem Filter „Hybrid“ auf die Seite des Schönklangs. Der Applaus beim legendären „Hotel California“der Eagles (vom Album „Hell Freezes Over“) prasselte nicht wie Regen auf den Hörer herein, sondern wirkte angenehm, in warmen Farben. Ebenso staunten die HiRes-erfahrenen Tester, wie klar und harmonisch die mitunter hart angerissenen akustischen Gitarren klangen, ohne dass dies in irgendeiner Weise zulasten der Auflösung oder des Timings gegangen wäre. Der ML ist kein effekthaschender Krawallbruder, sondern band die Impulse harmonisch ins Frequenzspektrum und in die Raumdarstellung ein.

Apropos Raum. Fulminant riesig und plastisch zeigte Roger Waters „Amused To Death“, wie viel Dreidimensionalität in einer CD stecken kann. Mal zauberte der No. 5101 Stadion-Atmosphäre, mal war die Stimme des ehemaligen Pink- Floyd-Vordenkers intim und nah am Hörer plaziert wie bei einem persönlichen Gespräch. Wer es ein bisschen knalliger mag, kann die Filter auf „Fast Minimum Phase“ ändern, dann gewinnen Impulse noch einen Tick mehr an Energie, ohne deswegen ins Nervige zu kippen. Der Mark Levinson verstand es in sämtlichen Lebenslagen, seine hervorragende Feinauflösung in ein seidiges, angenehmes Klangbild einzubinden.

Das war im Test auch daran zu erkennen, dass mit hochauflösendem Musikmaterial die subjektive Detailauflösung noch einmal klar besser wurde, ohne dass sie dem Hörer vielleicht aufdringlich erschienen wäre. Elvis Costellos Album „North“ zeigte das gerade in der ruhigen Begleitung hervorragend, klang es doch zauberhaft natürlich, sowohl von SACD als auch von der Festplatte. Das brachte dem Mark Levinson No. 5101 die eindeutige Empfehlung als audiophiles Multitalent ein. Well done!

MESSLABOR

Der No. 5101 punktet mit sauberen Frequenzgängen selbst bei Pre-Emphasis-codierten CDs (blau). Unten: Auch bei Vollaussteuerung (RCA 3V, XLR 6V) zeigen sich im Signal kaum Klirrkomponenten. Der XLR-Ausgang zeigt sich mit 115 dB (bezogen auf 4V) als sehr rauscharm, via Cinch werden 100 dB(2V) erreicht. Unschön: 32 W Verbrauch im Netzwerk-Standby sind aus unserer Sicht zu viel.

FAZIT

Was mir am neuen Mark Levinson besonders gefällt, ist die unaufgeregte Lässigkeit, mit der er zu Werke ging. Mögen grellere Töne bei Pop und Rock für manchen Geschmack ganz gut kommen, so kann übertriebene Strahlkraft bei Klassik – besonders bei Violinen – schnell lästig werden. Der No. 5101 zeichnete dagegen die feinen Obertöne mit seidigem Schmelz nach.