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Marktübersicht Kaminöfen: Heiße Sache


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2012 vom 31.08.2012

Millionen Kaminöfen droht die Zwangsstilllegung oder eine teure Nachrüstung. Eine gute Gelegenheit, über einen Austausch nachzudenken. Aber auch bei der Erstanschaffung lohnt es sich, auf zeitgemäße Technik und Effizienz zu achten. Wir stellen 14 luftgeführte Kaminöfen für Scheitholz vor.


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Foto: Patrizia Tilly/Fotolia.com

Geschätzt 15 Millionen sogenannter Einzelraumfeuerungen stehen in deutschen Wohnstuben, so genau weiß das niemand. Und täglich kommen neue hinzu. Denn ein mit Holzscheiten bestückter Kaminofen gilt als veritable Möglichkeit, den hohen Ölund Gaspreisen zu entkommen. Zudem gibt es kaum ...

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Geschätzt 15 Millionen sogenannter Einzelraumfeuerungen stehen in deutschen Wohnstuben, so genau weiß das niemand. Und täglich kommen neue hinzu. Denn ein mit Holzscheiten bestückter Kaminofen gilt als veritable Möglichkeit, den hohen Ölund Gaspreisen zu entkommen. Zudem gibt es kaum etwas Gemütlicheres, als vor einem leise knisternden Holzfeuer zu sitzen und dem beruhigenden Spiel der Flammen zuzuschauen. Doch die massenhafte Begeisterung für diese archaische Art zu heizen hat Nebenwirkungen. Alte Öfen, die auch noch schlecht bedient oder mit falschem Brennmaterial oder gar Abfall gefüttert werden, sind Quelle heftiger Emissionen. Vor allem krebserregender Feinstaub, aber auch Kohlenmonoxid dringen aus vielen Schornsteinen, Rauch und Gestank sorgen für teilweise heftige Streitereien unter Nachbarn. Daraus hat der Gesetzgeber Konsequenzen gezogen und 2009 die 1. Bundesimmissionsschutzverordnung, kurz BImschV, novelliert. Seit 2010 gelten für Einzelraumfeuerungen, das sind vor allem Kaminöfen, aber auch offene Kamine, Pelletund Kachelöfen, erstmals Grenzwerte, die ab 2015 in einer zweite Stufe deutlich verschärft werden.

Doch die gelten nur für neue Geräte. Die vielen Millionen Altgeräte sind davon erst einmal nicht betroffen. Deshalb ist in der BImschV auch eine Nachrüstpflicht enthalten, die in den nächsten Jahren auf Kaminund Kachelofenbesitzer zukommt (siehe Kasten). Die Übergangsfristen sind komfortabel, aber ein Austausch kann durchaus Sinn machen. Denn ein Ofen mit aktueller Verbrennungstechnik stößt nach Angaben des Industrieverband Haus, Heiz und Küchentechnik e. V. (HKI) bis zu sieben Mal weniger Feinstaub aus, als ein 1975 gebautes Gerät. Auch der Wirkungsgrad moderner Öfen ist höher: Um genauso viel Wärme zu erzeugen wie bisher, braucht man also weniger Holz.

Auswahl en masse

Doch welchen Ofen nehmen? Das Angebot ist riesig und viele Modelle gibt es in Dutzenden von Ausführungen. Die Spanne reicht vom Billigmodell aus dem Baumarkt für ein paar Hundert Euro bis hin zum Designerstück, das 5.000 Euro und mehr kostet. Über Geschmack kann man streiten, und so zählen vor allem innere Werte. Zum einen das Gewicht: Denn je schwerer ein Ofen ist, umso mehr Wärme speichert er und umso länger gibt er sie nach und nach an die Raumluft ab. Modelle mit Keramikoder Natursteinverkleidung bringen viele Kilos auf die Waage, es dauert aber auch etwas länger bis sie warm sind. Besteht ein Ofen vor allem aus Stahlblech, erhitzt sich die Außenfläche schneller, erkaltet aber genauso rasch, wenn die Flamme erlischt.

Nachrüsten oder Stilllegen?

Bis Ende 2013 müssen Kaminofenbesitzer dem Schornsteinfeger nachweisen, dass ihr Ofen die Grenzwerte von 0,15 Gramm Staub und 4,0 Gramm Kohlenmonoxid je Kubikmeter Abgas einhält. Das kann durch eine Prüfbescheinigung des Herstellers oder durch eine Messung des Schornsteinfegers geschehen. Werden die Grenzwerte überschritten, muss der Ofen ab dem Jahr 2015 ausgetauscht, stillgelegt oder mit einem Filter versehen werden. Dafür gibt es unterschiedliche Fristen, zuerst sind Öfen betroffen, die vor 1975 eingebaut wurden, also 40 Jahre und älter sind.

Nicht betroffen sind privat genutzte Herde und Backöfen, fest eingemauerte Heizeinsätze, offene Kamine, Öfen in Wohnungen, die ausschließlich damit beheizt werden und Einzelraum feuerungen, die vor 1950 gebaut wurden. Vor allem für neuere Modelle hat der HKI eine Datenbank aufgebaut, die entsprechende Angaben enthält: www.zert.hkionline.de. Zudem müssen sich Ofenund Kaminbesitzer bis spätestens 31. Dezember 2014 von einer Schornsteinfegerin oder einem Schornsteinfeger im Zusammenhang mit anderen Schornsteinfegerarbeiten beraten lassen.

Zweitens zählt die Feuerungstechnik. Modelle von Qualitätsherstellern wie die hier vorgestellten verfügen über einen mit modernem Schamottematerial ausgekleideten Brennraum und über Umlenkplatten im Abgasweg. Sie nehmen die darin enthaltene Wärme auf. Eine Besonderheit sind Öfen mit Holzvergasertechnik wie der Xeeos von Specht und der Walltherm von Wallnöfer. Sie verbrennen das entstehende Holzgas in einem unten liegenden Brennraum, mit einer zweiten nach unten gerichteten Flamme. Das ist auf den ersten Blick optisch gewöhnungsbedürftig, wird aber mit hohen Wirkungsgraden, einer sauberen Verbrennung und geringen Schadstoffwerten belohnt. Einen anderen Weg gehen die Anbieter Hark und Wodtke: Ein Filter im Abgasweg senkt den Ausstoß von Schadstoffen. Die strengeren Anforderungen der 2. Stufe der Bundesimmissionsschutzverordnung halten aber alle hier vorgestellten Modelle ein. Wer keine Zeit oder keine Lust hat, den Verbrennungsvorgang über die Luftschieber des Ofens zu steuern, sollte sich nach einer automatischen Ofensteuerung erkundigen, die einige Anbieter serienmäßig oder als Option anbieten. Sie regelt die Zufuhr der Verbrennungsluft abhängig von der Abgastemperatur und so einen gleichmäßigen Verbrennungsvorgang.

Achten sollte man auch auf den Wirkungsgrad. Er gibt an, wie viel im Holz enthaltene Energie in Wärme umgewandelt wird. Kaminöfen sind hier keine Meister, oft liegt ihr Wirkungsgrad nach Angaben der Hersteller nur zwischen 80 und 90 Prozent. Das heißt, dass im schlechtesten Fall mehr als ein Fünftel der verfügbaren Energie durch den Schornstein entweicht, sehr gute Gas, Öloder PelletBrennwertkessel schaffen hier nahezu 100 Prozent.

Preisvorteil nicht garantiert

Wer seine Holzscheite vergleichsweise teuer fertig gehackt und getrocknet vom Händler kauft, hat bei den aktuell hohen Holzpreisen von bis zu 113 Euro je Raummeter Hartholz, das ist ein Kubikmeter geschichtetes Holz, also nur einen sehr kleinen oder gar keinen finanziellen Vorteil gegenüber einer Gas oder Ölheizung. Denn schon im Einkauf kostet die Kilowattstunde umgerechnet bis zu 7,3 Cent. Rechnet man dann noch ein Fünftel Verlust hinzu, ist die Wärme aus dem Kaminofen nicht billiger als die aus einer Ölheizung. Anders sieht es aus, wenn man das Holz kostenlos bekommt oder für kleines Geld selbst aus dem Wald holt, aber selbst dann will man ja eine gute Ausbeute seiner Hände Arbeit erleben. Öfen, die nach Angaben ihrer Hersteller teilweise deutlich mehr als 90 Prozent Wirkungsgrad aufweisen, zeigen, dass auch Kaminöfen effiziente Heizsysteme sein können. Spannend ist aber nicht nur, was aus dem Kamin herauskommt, sondern auch wie die Verbrennungsluft in den Ofen hineinkommt. Die einfachste Variante ist die Raumluft. Dabei kommt der zur Verbrennung notwendige Sauerstoff aus dem Aufstellraum. In immer dichter gebauten oder sanierten Häusern geht das aber nicht mehr, man müsste ständig ein Fenster offen stehen haben, um nicht unter Sauerstoffmangel zu leiden.

Generell sinnvoll ist daher eine externe Zufuhr für die Verbrennungsluft. Über einen Durchlass in der Außenwand strömt diese dann über ein Rohr auf möglichst kurzem Weg in den Brennraum. Allerdings gibt es Unterschiede: Eine externe Versorgung mit Zuluft ist per Definition nicht vollständig dicht, sodass auch Luft aus dem Innenraum angesaugt werden kann. Um hundertprozentig sicher raumluftunabhängig arbeiten zu können, muss der Ofen eine strenge Dichtheits prüfung durchlaufen und bekommt dann ein Zertifikat des Deutschen Instituts für Bautechnik DiBt. Die Unterschiede sind in unserer Tabelle vermerkt. Raumluftunabhängige Modelle sind vor allem bei Häusern mit Lüftungsanlage oder starken Dunstabzugshauben notwendig. Denn sonst besteht die Gefahr, dass durch den Unterdruck tödliches Kohlenmonoxid in den Wohnraum gesaugt wird. Deshalb schreiben Schornsteinfeger bei nicht raumluftabhängigen Öfen häufig einen Schalter vor, der die Funktion der Lüftungsanlage oder Dunstabzugs haube unterbricht, solange kein Fenster geöffnet ist.

Ungefährlich, aber auf Dauer ärgerlich ist eine zu hohe Leistung des Ofens. Gerade für gut gedämmte Häuser sind eher kleine Öfen mit wenigerLeistung die bessere Alternative. Sonst wird es im Wohnraum rasch zu heiß und die Wärme muss übers Fenster abgelüftet werden. Je nach Größe des Aufstellraums sind fünf bis sechs Kilowatt Nennleistung meist mehr als ausreichend, bei großen Wohnungen und schlecht gedämmten Wänden allerdings auch mehr. Tipp: Der Ofenbauer sollte sich vor Ort Dämmstandard des Hauses und Größe des Aufstellraums und angrenzender Zimmer anschauen und anhand der Europanorm EN 12831 den passenden Ofen vorschlagen, sagt der Branchenverband HKI, wobei dies für luftgeführte Öfen unter sechs Kilowatt Leistung nicht verpflichtend ist.

Anmerkungen: 1) Mit Drehfunktion. 2) Optional mit Drehfunktion erhältlich. 3) Mit elektronischer Ofensteuerung. 4) Optional mit elektronischer Ofensteuerung erhältlich. 5) Inklusive Filtertechnik. 6) Mit Backfach. 7) Speicheraufsatz erhältlich. 8) Holzvergasertechnik. 9) Mit Warmluftgebläse und Luftkanal Beheizung von zwei anliegenden Räumen.

Trotz aller inneren Werte: Am Ende kauft das Auge immer mit, schließlich ist ein Kaminofen auch ein Einrichtungsgegenstand und nicht selten optischer Mittelpunkt des Zimmers. Dreh bare Modelle erlauben aus mehreren Blickwinkeln das feurige Erlebnis, eine so genannte Scheibenspülung hält nach Angaben der Hersteller die Sichtscheibe länger rußfrei. Ist das Holz abgebrannt, muss man die Asche entsorgen. Eine herausnehmbare Aschelade macht das einfach, feinen Staub und kleine Holzreste saugt man am bequemsten mit einem Zen tral staubsauger mit Grobschmutzabscheider oder einem Werkstattsauger aus dem Ofen.

Legende: Produkte sind in alphabetischer Reihenfolge der Hersteller aufgeführt. Preise inklusive Mehrwertsteuer. Alle Angaben sind Herstellerangaben. Wirkungsgrad und 2. Stufe BImschV entsprechend 1. Bundesimmissionsschutzverordnung vom 26.1.2010.Stand: Juli 2012.