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Maschinen für die alternative Unkrautregulierung


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 40/2018 vom 06.10.2018

Für Baumschule und Obstbau: Techniktrends und Tipps an der LWG Veitshöchheim. VonThomas Wiehler


Artikelbild für den Artikel "Maschinen für die alternative Unkrautregulierung" aus der Ausgabe 40/2018 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO, Ausgabe 40/2018

Unkrautbekämpfung mit Heißwassertechnik von Waterkracht/KLG.


Die Unkrautregulierung in Sonderkulturen wird zunehmend schwieriger: Nach dem Wegfall des Wirkstoffes Glufosinat (Basta) gibt es als zugelassene Totalherbizide noch Glyphosat-Herbizide. Wie lange letztere noch eingesetzt werden können, ist fraglich. Mittelfristig ist davon auszugehen, dass Glyphosat – wenn überhaupt – nur noch in Einzelbereichen zugelassen wird.

Aus diesem Grund hat die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim am ...

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Aus diesem Grund hat die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim am 9. Mai 2018 eine Maschinenvorführung zum Thema „Alternative Unkrautregulierung für Obstbau und Baumschule“ veranstaltet. Hierbei wurden neben Möglichkeiten insbesondere auch Grenzen angesprochen und aufgezeigt. Bilder oder Videos von den gezeigten Maschinen stehen den Mitgliedern im Erzeugerring Baumschule Bayern (Bernau am Chiemsee,www.erzeugerring.de ) exklusiv zur Verfügung.

Bei den Vorführungen zu alternativen Unkrautregulierungsmaßnahmen kamen vor allem mechanische Geräte zum Einsatz. Aber auch ein Heißwassergerätehersteller stellte seine Produkte praktisch vor.

Vorgeführt wurden Geräte von:
■ Clemens/Baywa: Radius SL Plus,
■Müller&Sohn: Reihenputzer,
■Humus: Humus Planet,
■Waterkracht/KLG: Heißwassertechnik,
■Naio technologies/Kress Landtechnik: Selbstfahrender Roboter,
■Schmidt/Aedes: Bio-System,
■ALM – Adelhelm Landtechnik Maschinenbau: Rollhacke, Fingerhacke,
■Ladurner/Duffner: Krümler Ladurner,
■Holder: Schmalspurfahrzeug. Die Eigenheiten und Besonderheiten der jeweiligen Maschinen sind in nebenstehendem Beitrag aufgeführt. Nachfolgend sind einige Erkenntnisse, Aspekte aus den Diskussionen und Erfahrungen von der Maschinendemonstration in Veitshöchheim zusammengetragen.

Alternativen „ohne Chemie“ haben auch Grenzen

Gezeigt wurden einige funktionale Geräte, die Unkräuter ohne den direkten Einsatz von „Chemie“ bekämpfen können. Mechanische/thermische Unkrautbekämpfung kann jedoch auch einige negative Konsequenzen nach sich ziehen oder Grenzen haben. Zusammengefasst ist zu nennen:

1. Nicht alle Unkräuter werden nachhaltig bekämpft, vielmehr meist teils nur (Samen-)Unkräuter, bevor sich diese (über Samen oder erneutes Anwachsen) weiter vermehren.

2. Bei der mechanischen Unkrautbekämpfung ist eine Vermehrung durch Verschleppung von (Wurzel-) Unkräutern nicht auszuschließen. Damit könnte sich der Unkrautdruck erhöhen.

3. Eine rasche Wiederbegrünung – insbesondere durch Wurzelunkräuter oder Wiederanwachsen anderer Pflanzen – ist nicht auszuschließen; eher wahrscheinlich.

4. Pro Vegetationsperiode sind sowohl bei der mechanischen wie auch der thermischen Unkrautbekämpfung in der Folge mehrere Einsätze nötig. Dies bedeutet im Vergleich zur chemischen Bekämpfung: mehr Arbeitszeit und in Konsequenz mehr Arbeitskosten sowie mehr Treibstoffeinsatz oder höherer Energieraufwand.

5. Es können Wettersituationen (zu nass oder zu trocken) auftreten, bei denen die regelmäßig zu wiederholenden Durchfahrten der alternativen Maßnahmen nicht möglich sind. In der Folge besteht die Gefahr, dass das Unkraut für eine mechanische/thermische Bekämpfung zu groß/zu viel wird.

6. Die Flächenleistung ist teils deutlich geringer als beim chemischen Pflanzenschutz.

7. Alternative Maßnahmen bergen Gefahren und können Kulturen schädigen. Insbesondere bei schlechter Geräteeinstellung kann es bei mechanischen Geräten zum Freilegen der Wurzeln und/oder zu Anfahrschäden an Stämmen kommen. In Extremfällen sind die geschädigten Kulturen unverkäuflich. Bei der thermischen Bekämpfung besteht das Problem von Hitzeschäden, wenn Pflanzenteile bei den angebauten Kulturen getroffen werden.

8. Abgesehen von Handarbeit gibt es nicht für jede Anbausituation alternative Lösungen.

Sonderstellung der Baumschule beim Pflanzenschutz

Clemens: Radius SL Plus bietet diverse Anbaumöglichkeiten.


Müller und Sohn Reihenputzer bearbeitet Stockreihen im Wein- und Obstbau.


Aedes Biosystem Schlegelmulcher in Gassen und zwischen Pflanzen.


Zu bedenken sind bei der Unkrautbekämpfung in Baumschulen daneben die Besonderheiten in diesem Bereich. Hier wären zu nennen:

1. Baumschulen kultivieren Spezialkulturen, die – bezüglich der Arten- und Sortenvielfalt kombiniert mit den zahlreichen unterschiedlichen Qualitäten – ihres gleichen suchen. Aktuell verwaltet der Bund deutscher Baumschulen über 300.000 Artikel in seiner Artikeldatenbank. Der Anbauumfang von Gehölzen ist – bundesweit betrachtet – jedoch gering, die Anbauvarianten hingegen wiederum sehr vielfältig. Daher sind nur wenige Pflanzenschutzmittel speziell für Baumschulen zugelassen. Ebenso gibt es auch kaum Hersteller alternativer Maßnahmen oder Gerätschaften, die geeignete Geräte oder sonstige alternative Lösungen für die vielfältigen Einsatzbereiche anbieten.

2. Die Kulturzeit von Gehölzen ist in der Regel mehrjährig. Im Vergleich zur Landwirtschaft findet bei den über Winter stehenden Pflanzen kein jährlicher Umbruch der Flächen statt. (Mehrjährige Wurzel-)Unkräuter können daher vermehrt, früher und auch länger auftreten. Deshalb ist eine nachhaltige Unkrautregulierung – insbesondere auch in der kälteren Jahreszeit von Oktober bis April – essenziell. Andernfalls können Unkräuter in der folgenden Vegetationsperiode überhand nehmen und das Wachstum der angebauten Gehölze nachteilig beeinflussen.

3. Der Verkauf von im Freiland kultivierten Gehölzen ist naturgemäß nur in einem sehr engen Zeitfenster als so genannte „Wurzelware“ (häufig nur wenige Wochen im zeitigen Frühjahr und im Herbst) oder mit Erdballen (je nach Kultur und Jahr etwa von März bis Anfang Mai und dann wieder von Oktober bis November) möglich. In den sonstigen Zeiten ist entweder der Boden gefroren oder die Bäume und Sträucher würden beim Verpflanzen (Kappen der Wurzeln) leiden, weil ausgetriebene Fotosyntheseorgane zuviel Wasser verdunsten würden und die Pflanzen in der Folge vertrocknen und absterben könnten. Baumschulen sind mehr als andere gezwungen, in wenigen Wochen das Geld zu verdienen, um ihre Mitarbeiter ganzjährig bezahlen zu können. Dies gelingt nur, indem sie sich zu Versandzeiten auf den Verkauf fokussieren. Während dieser Zeit nötige Kulturarbeiten treten hier deshalb in den Hintergrund. Sie werden daher häufig vorbeugend oder im Nachgang erledigt. Ein regelmäßiges Durchfahren aller Anbauflächen ist während der Versandzeit grundsätzlich nicht möglich.

4. Der Absatz von biologisch erzeugten Nahrungsmittel nimmt in Deutschland seit einigen Jahren zu. Ungeachtet dieser Tatsache macht er aktuell weniger als zehn Prozent des Gesamtumsatzes aus. Auch wenn einige NGOs dies teils anders darzustellen versuchen, stellt eine Mehrheit von über 90 Prozent Qualität und insbesondere den Preis in den Vordergrund – zuungunsten des biologischen Aspektes. Im Bereich von „nicht rückstandsrelevanten Kulturen“, die also nicht direkt der Ernährung dienen wie etwa Gehölze, ist der Anteil aufgrund bisheriger Erfahrungen noch deutlich geringer und dürfte sich im Promille-Bereich bewegen. Solange private Endverbraucher, Großhandelskunden wie auch die öffentliche Hand nicht nur „fromme Wünsche“ hinsichtlich einer ökologischen Produktion äußern, sondern ihren angeblichen Willen nicht auch in ihrem Einkaufsverhalten zeigen und (deutlich) höhere Preise akzeptieren, kann man den Produzenten keinen Vorwurf machen, wenn sie weiterhin nach den aktuellen Vorgaben des Marktes agieren.

5. Im Rahmen der integrierten Produktion setzen Baumschulen beim Pflanzenschutz seit jeher auf einen Mix an Maßnahmen, bei denen kulturtechnische und biologische Verfahren im Vordergrund stehen. Hierbei kann die Fachberatung einerseits Grenzen aufzeigen und andererseits Hilfestellung geben. Ziel ist, den Vorgaben des Marktes nachzukommen, rationell gesunde Pflanzen zu kultivieren und gesetzliche Vorgaben einzuhalten. Gehölzen dürfen keine Schaderreger oder Schädlinge anhaften, wenn sie in Gärten, den Wald, die freie Landschaft oder das öffentliche Grün eingebracht werden.

6. Die Zulassung von chemischen Pflanzenschutzmitteln hierzulande findet unter strengen Kontrollen statt. Einzelne Präparate sollten für bestimmte Kulturen ohne Prüfung nicht kategorisch ausgeschlossen werden. Insbesondere bei nicht rückstandsrelevante Kulturen wie Baumschulkulturen könnten Sonderregelungen gefunden werden, die den Hintergründen eines mehrjährigen Anbaues entgegenkommen. Befürchtungen eines Wirkstoffeintrages in die Nahrungskette durch Baumschulen sind eher theoretischer Natur. Zum einen handelt es sich bei den angebauten Pflanzen in der Regel nicht um der Ernährung dienende Kulturen. Zum anderen werden beispielsweise selbst glyphosathaltige Herbizide in Baumschulen grundsätzlich nicht über die Gehölze gespritzt. Vielmehr erfolgt der Einsatz hier nur „unterblatt“, allein schon deshalb, weil nahezu alle Bäume und Sträucher davon irreparablen Schaden nehmen würden. Die Anwendung darf zudem nur mit regelmäßig überprüften Geräten von sachkundigem Personal mit entsprechender sowie unter Beachtung der Anwendungsbestimmungen durchgeführt werden.

Humus Planet bearbeitet Baumstreifen, Stockreihen: geeignet für ein- oder zweiseitigen Einsatz.


ALM (Adelhelm Landtechnik Maschinenbau aus Nordheim) stellte seinen UGR-Universal Geräterahmen, hier mit Rollhacke, vor. Das System ist über einen Vorlauf und einen Rücklauf mit dem Traktor verbunden.


Der selbst fahrende Roboter von Naio/Kress Landtechnik.


Fazit und Kommentar

Wenn es echte Alternativen zu Roundup & Co gibt, sind Baumschulen die letzten, die alternative Möglichkeiten nicht wahrnehmen würden. Im Gegenteil: Baumschulen nutzen bereits seit Jahrzehnten auch Stockräumer, Mulchgeräte, Striegel & Co. Neben den dargestellten Grenzen von alternativen Unkrautbekämpfungsmaßnahmen treten hierbei erfahrungsgemäß gerade während den branchenspezifischen Arbeitsspitzen häufig Witterungsund Bodenverhältnisse auf, bei denen kein optimaler Einsatz gewährleistet werden kann. Wird das dann wachsende Unkraut zu viel und/oder zu groß, ist dessen Bekämpfung kaum oder nicht mehr möglich und hemmt in der Folge das Wachstum der Gehölze. Im postfaktischen Zeitalter liest ein Großteil der Bevölkerung nur noch Überschriften ohne sich intensiv mit Fakten und Rahmenbedingungen auseinandersetzen. Befürworter alternativer Maßnahmen gegen Unkräuter sehen teils nur den sofort sichtbare Bekämpfungserfolg. Kritiker bemängeln hingegen, dass die Nachhaltigkeit zu wenig berücksichtigt würde. Hierzu zählt neben Wirkungsdauer und Kosten insbesondere die Öko-Bilanz (Energieaufwand für wiederholte Fahrten und/oder Heißwasserherstellung). Bleibt zu hoffen, dass die Politik sich bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln nicht von – vermeintlich Wählerstimmen bringenden -Schlagzeilen manipulieren lässt, sondern die Rahmenbedingungen erkennt und überlegt gestaltet, wie es die Mehrheit der Kunden am Markt vorgibt.


Fotos: Thomas Wiehler

Fotos: Thomas Wiehler