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Maschinenbau, analog


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 08.03.2019

Wenn auf einem Plattenspieler „Mark Levinson No. 515“ steht, ist das sowohl eine Verpflichtung als auch ein Versprechen. Kein Wunder, dass sich die US-Edel-Elektroniker versierter Hilfe versichert haben…


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 4/2019

„Custom gimbal-mounted, 3D printed tonearm with integral headshell for smooth and fluid tracking“


Konsequent: Auf der Mark-Levinson-Website findet man den neuen Plattenspieler No. 515 unter der Rubrik „ Player“. Zusammen mit dem No. 519, einem digitalen Alleskönner…

Mark Levinson wird in Deutschland seit 2018 von der Harman Luxury Audio Group vertrieben und nutzt so Synergieeffekte mit ohnehin vorhandenen ...

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... Strukturen von Harman in Deutschland. Und Synergieeffekte waren es auch, die zum Design eines Mark-Levinson-Plattenspielers führten: Mit VPI Industries in New Jersey wurde der wohl kompetenteste Plattenspieler-Hersteller der USA als Kooperations-und Entwicklungspartner mit ins Boot geholt. Und schaut man sich das Portfolio von VPI mit Mark-Levinson-Elektronik im Hinterkopf einmal genau an, dann passt diese Story wie die Faust aufs Auge zusammen: Beide Marken eint eine konsequente, auf Technologie ausgelegte No-Bullshit-Attitüde in feinstmöglicher Ausführung. Mit anderen Worten: Für den Bau des No. 515 kam zusammen, was zusammengehört. Und das Ergebnis kann sich nicht nur sehen lassen, sondern ist auch unübersehbar, weil mehr als einen halben Meter breit, 40 Zentimeter tief und 26 Kilogramm schwer.

Breite Basis

In der Grundbauweise ist der No. 515 unschwer als VPI-Abkömmling zu erkennen, obwohl auch unübersehbare, charakteristische Design-Elemente von Mark Levinson zu sehen sind. Das breite Chassis huldigt einer im heutigen Plattenspielerbau häufig vernachlässigten, simplen Erkenntnis, dass eine breite Basis im Verhältnis zur Bauhöhe schlicht stabiler steht. Hier ist es eine knapp vier Zentimeter dicke Grundplatte, die von einem dreilagigen Sandwich gebildet wird: Ober-und Unterseite bestehen aus je 12,5 Millimeter starkem MDF, das einen Überzug aus harter, wärmebehandelter Vinylfolie besitzt. Diese leicht rau wirkende Oberfläche ist extrem solide und wirkt eigentlich wie Metall. Zwischen diesen beiden Schichten liegt eine große, massive Aluminiumplatte, die ebenfalls 12,5 Millimeter stark ist.

Erstaunlicherweise ist das Ensemble nicht miteinander verklebt, sondern wird mit Schrauben zusammengehalten, die auch die vier „Fußsäulen“ an den Ecken stabilisieren: dicke, aus Delrin und Edelstahl bestehende, höhenverstellbare Füße mit Gummidämpfung, deren unterer Teil den von Mark-Levinson-Geräten her bekannten Alu-Füßen entspricht. Das Ganze steht wie ein Fels, benötigt aber aufgrund des nur kleinen Verstellbereichs der Füße einen sauber „im Wasser“ stehenden, vibrationsfreien Unterbau. Das Grundkonzept des Laufwerks wird spätestens angesichts des massiven, achteinhalb Kilogramm schweren Aluminium-Plattentellers sichtbar: ein Masselaufwerk mit Riemenantrieb, bei dem das Gewichtsverhältnis von Teller und Chassis zueinander weitgehend ausgeglichen ist. Die Motoreinheit steht hier nämlich völlig separat in einem passenden Ausschnitt des Chassis auf der linken Seite.

Externe Motoreinheit

Am Motorblock finden wir oben dieselbe hoch dämpfende Chassis-Konstruktion wie auch bei der Laufwerksbasis vor. Ein Wechselstrommotor ist hier dierekt am Aluminiumblock des Sandwich-Aufbaus montiert, der Rest des Motorgehäuses (das unterhalb des Laufwerks-Chassis fast bis zum Tellerlager reicht) besteht aus verschweißtem Aluminium, das naturgemäß für die magnetischen Streufelder von Netztrafo und Motor nicht empfänglich ist.

Die Verwendung eines Wechselstrommotors hat einen ganz entscheidenden Vorteil: Man kann den Motor nämlich mit einem präzisen Wechselspannungsgenerator ansteuern, der im Prinzip nichts anderes darstellt als einen Oszillator für die entsprechende Drehzahl und einen darauf folgenden Leistungsverstärker. Dieses Design ähnelt, so die Amerikaner, dem bei VPI üblichen „Analog Drive System“ und wurde dem Motor des No. 515 angepasst. Der Nachteil sei auch nicht verschwiegen: Ein Wechselspannungsmotor vibriert mehr und sollte wie hier unbedingt separat stehen.

Die Verbindung zum Plattenteller stellen beim Levinson gleich drei Rundriemen her, die in entsprechenden Rillen auf dem recht großen Pulley laufen. Am unteren Tellerrand gewährleisten ebensolche Rillen, dass die drei Riemen sauber an ihrem Platz laufen. Der Grund für den Aufwand? Man wolle eine festere Verbindung zwischen Teller und Motor, so Chefentwickler Todd Eichenbaum, was nicht zuletzt ausgedehnteren und präziseren Bass ergäbe. Die Hochlaufzeit des Ensembles ist trotz des schweren Brockens von Teller angenehm kurz, auch an der Laufruhe gibt es nichts zu kritisieren.

Das ist auch dem Tellerlager geschuldet. Es sollte dem schweren Aluminiumteller angemessen sein, was hier durchaus der Fall ist. Eine recht dicke Stahlachse mit oben eingelassener Lagerkugel ragt aus dem Chassis: Es handelt sich um ein invertiertes Lager, dessen Sitz im Teller auf einer in die polierte Achse eingelassenen Stahlkugel ruht. Im Plattenteller selbst dient eine ins Alu eingepresste Bronzebüchse als Gegenpart. Die Schmierung in der Lagerbüchse übernimmt eine PTFE-Mischung (Teflon), womit zwei Jahre Wartungsfreiheit gegeben sein soll.


„The No. 515 is a premium turntable designed and built in collaboration with recognized leader VPI Industries“


Der Tonarm ist konzeptionell ein alter Bekannter aus dem VPI-Schrank: Ein langer, elfzölliger, höchst aufwendiger Brocken mit einer äußerst präzisen Höhenverstellung, kardanischer Aufhängung und einteiligem Armrohr mit integrierter Headshell, das aus dem 3DDrucker kommt. In der „MC“-Version kommt der No. 515 mit einem vormontierten Ortofon Cadenza Bronze aus der Kiste: ein Top-MC aus Ortofons oberster Schublade, das dem Tonarm und dem Laufwerk durchaus angemessen ist. Die Antiskating-Vorrichtung, ein diskutables Fadensystem, sollte man beim Candenza mit seinen 25-Millinewton-Auflagekraft übrigens getrost stilllegen.

Präzise und schlank

Wie jedes echte Top-Laufwerk überrascht auch der No. 515 zunächst mit seinem schlanken, aber enorm tiefen Bass. Charakterlich auf der präzisen Seite angesiedelt, unterstützt der saubere Grundton die enorme Transparenz des Tonabnehmers, der völlig ausgewogen daherkommt und die feindynamisch überzeugenden Rhythmik des Laufwerks unterstützt. Unprätenziös, aber lebendig und enorm konturiert reicht die faszinierende Musikalität der Kombi quer über das Frequenzband, offenbart mit schon stoischer Ruhe im Hintergrund Details, die ansonsten gerne untergehen. Die Vorteile des Massekonzepts, Ruhe und Un-erschütterlichkeit, manifestieren sich auch beim No. 515, der zudem mit einem adäquaten Tonarm ausgestattet ist. Die präzise Höhenverstellung ist einfach eine Wucht; trifft man den richtigen Punkt, geht der Raum weit nach hinten auf.

Der einfach und feinst höhenverstellbare Tonarm weist ein kardanisches Lager auf. Der Ring des Vertikalllagers ist schräg gestellt, um dem Tonarm Drehfreiheit nach innen zu geben.


Praktisch: Die Tonarm-Anschlussbox unterhalb des Chassis erlaubt die Verwendung beliebiger Kabel. Rechts unten ist noch der Netzanschluss der Motoreinheit zu sehen.


Links: Polierter Stahl-Lagerzapfen, eingelassen im Chassis. Rechts: Bronze-Lagerbüchse im Aluminiumteller. Der Teller selbst weist auf seinem Boden eine dämpfende Beschichtung auf.


Aber natürlich klingt der Levinson, falls gefordert, auch kernig, erwachsen und „schwer“ genug, um jeden Zuhörer zu überzeugen, welches Laufwerkskaliber hier am Werk ist. Fazit: Ein rundum überzeugendes Debüt und sicherlich ein probater Spielpartner für absolute Top-Elektronik. Eine Mark-Levinson-Phonostufe ist freilich nicht das Schlechteste, was dem No. 515 passieren könnte…