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Masse statt Rasse


Auto Bild sportscars - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 08.02.2019

In schlechten Zeiten für gute Laune sorgen – die Wolfsburger stellen ihren neuen Spaßmacher vor, den 290 PS starken Golf GTI TCR. Der hält sich optisch leider zurück, soll dafür auf der Rennstrecke liefern. Wir checken das mal in Portimão


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Bildquelle: Auto Bild sportscars, Ausgabe 3/2019

VWGolf GTI TCR


Sportliche Gölfe zu bewegen, das war nicht immer eine Spaßgarantie. Ein Golf R oder der neue GTI Performance sind flotte Geräte, schwimmen in ihrer Klasse vorn mit und können auch ums Eck. Aber bringen wir es mal auf den Punkt: Diese Autos sind doch eher effizient und nüchtern. Man könnte denken, Komfort und Sicherheit standen bei den Entwicklern auch ...

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... hier ganz oben im Lastenheft. Klar, Käufer finden sich dafür viele, so ein GTI geht halt immer. Nur die Besitzer von Nordschleifen-Jahreskarten schauen sich immer mehr in den Lagern von Honda, Ford, Renault oder Seat um. Als dann 2016 der 310 PS starke, zweisitzige und erleichterte Golf GTI Clubsport S kam, dachten wir, der Knoten sei nun geplatzt. Entsprechend groß war die Vorfreude, als VW Anfang 2018 beim GTI-Treffen am Wörthersee einen fahrfertigen Clubsport-Nachfolger namens GTI TCR präsentierte. Fans und Redaktion konnten den Sonderling kaum erwarten, jetzt hatten wir Gelegenheit, den neuen Super-Golf erstmals zu fahren.

Touring Car Racing – dafür steht das Kürzel TCR. Der gleichnamige, extrem verbreiterte und 350 PS starke Renn-Golf (Tracktest: Seite 31) fuhr in den letzten zwei Jahren weltweit Siege und Titel ein. Warum nicht also ein Transfer „von der Rennstrecke auf die Straße“? Gute Idee, dachten wir. Doch als wir jetzt auf die Rennstrecke in Portimão (Portugal) kommen, trauen wir unseren Augen nicht. Neben dem Rennwagen steht ein GTI, und zwar ein auf den ersten Blick ganz normaler. Erst beim zweiten Hinsehen lesen wir unten am Schweller die Buchstaben T, C und R. Keine breiten Backen, kein großer Heckspoiler, keine tiefe Frontschürze. Sicher, die Studie vom Wörthersee sah ähnlich aus, doch wir dachten, da kommt noch was. Die echten Fans dürften wohl genauso enttäuscht sein wie wir. Zumal sich der Vorgänger GTI Clubsport S damals deutlich mehr von seinem Basismodell unterschieden hat. Woran erkennt man nun den TCR? Auffälligstes Merkmal ist noch der große Heckdiffusor. In dessen Rippen sind die zwei runden Endrohre der Auspuffanlage integriert. Auch hier nichts Neues, so groß wie beim GTI Performance, keine Spur von der am Wörthersee versprochenen Titanauspuffanlage. Die kleine Kante auf dem Dachspoiler hätte man sich ebenso sparen können wie die sehr dezente Frontlippe und die abgedunkelten Rückleuchten. Zum Glück gibt es optional keine Nebelscheinwerfer in den seitlichen Kiemen der Frontschürze; man belässt es bei der Bremsenbelüftung.

Hoher Grundpreis und dann noch für 19-Zöller draufzahlen? Schade!


Die wie beim GTI Performance dimensionierten Endrohre sehen fetter aus, als sie klingen. Auffälligstes TCR-Merkmal ist der XL-Diffusor


Das Lenkrad mit Lochleder links und rechts liegt gut in der Hand. Die rote 12-Uhr-Markierung ist ein netter Gag. Das DSG schaltet flott


Die Sportsitze im speziellen Karodesign hat nur der TCR. Seitenhalt auf der Rennstrecke? Passt! Komfort? Auch auf Dauer keine Schmerzen


Und jetzt kommt’s: Serienmäßig steht der nicht ganz günstige GTI TCR nur auf 18-Zöllern und einem konventionellen Sportfahrwerk. Die eigentliche Dynamik und Optik kostet extra. Schwarze 19-Zöller, speziell abgemixtes Adaptivfahrwerk samt 20 Millimeter Tieferlegung und Vmax-Aufhebung verlangen mindestens 2350 Euro zusätzlich, mit Semislicks kommen noch mal 850 Euro obendrauf. Bei einem verschärften Golf hätten wir solche Extras, bei einem Grundpreis von 38950 Euro, als serienmäßig erwartet. Schon schlimm genug, dass es den TCR nur mit DSG-Automatik und nicht als Handschalter gibt.

Wenig Sound, kein echter manueller Schaltmodus

Aber vielleicht kommt die gute LaAber vielleicht kommt die gute Laune beim Fahren zurück. Und ja, da ist es wieder, dieses breite Grinsen. Schon nach den ersten Kurven auf der Rennstrecke kommt man so richtig in Fahrlaune. Die 290 PS ziehen voran, die Vorderachssperre und die Michelin-Semis arbeiten perfekt zusammen, man trifft stets den Scheitel und räubert wild über die Curbs. Wer es sich zutraut, schaltet das ESP komplett aus und wird dann mit hilfreichem Übersteuern belohnt. Doch das kommt uns alles bekannt vor, der GTI Clubsport konnte das auch schon so gut. Mit dem feinen Unterschied, dass dieser in puncto Sound deutlich mehr Emotionen weckte. Kein Ploppen beim Hochschalten, nur wenig Geplapper beim Abtouren, man hört nur vorn den Soundgenerator. Sorry, aber das ist zu wenig Musik! Klar ist der Ottopartikelfilter schuld, aber bei einem Laden wie VW geht man davon aus, dass die trotz solcher Vorgaben gut klingende AuspuffVorgaben Auspuffanlagen hinkriegen. Und weil wir gerade dabei sind: Warum schaltet das DSG im manuellen Modus automatisch hoch? Der Rennwagen macht das nicht!

Wären nicht schwarzes Dach, Wabenfolie (je 600 Euro) und das TCR-Logo, der Sonderling würde aussehen wie ein normaler Golf GTI. Hier hätten wir uns mehr Racing-Optik gewünscht


Zu den Bremsen: Da wird nix weich, immer ein gutes Gefühl im Pedal. Kein Wunder, gelochte Scheiben und Sportbeläge sind beim TCR Serie. Fassen wir es kurz folgendermaßen zusammen: Auf der Rennstrecke dürfte es schwer werden gegen die Benchmark Honda Civic Type R.

Um es klarzustellen: Wir wollen den GTI TCR hier nicht zerreißen, nein, das sind einfach die Fakten. Denn auch auf der Straße wird es ein hartes Stück Arbeit, gegen die Kompakt-Konkurrenz zu bestehen. So ein Civic Type R schafft offiziell Tempo 272, der Golf läuft erst mit den Extra-Euros 260 km/h. Der klassische Sprint zur 100er-Marke klappt im TCR per Launch Control in 5,6 Sekunden; der Honda erledigt das handgeprügelt in 5,7 Sekunden.

Freilich gibt es auch Positives zu berichten: Das Adaptivfahrwerk sorgt sowohl für gute Rundenzeiten als auch eine entspannte Fahrt zur Rennstrecke. Den Comfort-Modus einstellen, und schon bügelt der Golf jede Welle souverän aus. Leider geht dann auch der Sound verloren, der TCR klingt dann nur noch wie ein 1.4 TSI. Die karierten Sportsitze bieten viel Seitenhalt auf der Rennstrecke, aber auch drei Stunden Autobahn sind darin kein Problem.

FAZIT: Guido Naumann

Schade, vom GTI TCR hätten wir mehr Motorsport erwartet. Klar, die 290 PS gehen gut voran, und Rennstrecke kann er auch. Doch Preis und Optik dürften bei den Fans auf wenig Gegenliebe stoßen. Hyundai zeigt mit dem i30N, wie es geht: 275 PS und fetziger Sound für nur knapp 33 000 Euro.

Und das ist die Rennversion

Die verbreiterten Kotflügel erlauben breitere Räder und somit viel mehr Kurvenspeed. Vmax? 250 km/h. Preis? 113 050 Euro


Klar, so ein brachialer Golf mit Kennzeichen, das wär schon was. Der GTI TCR-Rennwagen ist eines der spektakulärsten Autos der TCRKlasse. TCR bedeutet Kompaktklasse, vier Türen, 2,0-Liter-Turbomotor, ca 350 PS und viele Freiheiten in Sachen Aerodynamik. Den Golf gibt es mit dem DSG aus dem Serienauto oder mit sequenziellem Renngetriebe. Wie fährt sich so was? Von der Beschleunigung her nicht viel schneller als der Straßen-GTI TCR (0-100 km/h: 5,2 s), aber um einiges lauter. ESP, ABS und Traktionshilfen fehlen, dafür gibt es breite Dunlop-Slicks, XXL-Bremsen und viel Hilfe über die Aerodynamik. Die Kurven, die zuvor im Straßenauto mit 130 km/h gingen, durchfliegt die Rennsemmel mit 170. Kein Wunder, das Bügelbrett auf der Heckklappe drückt den Golf spürbar an den Asphalt. Fazit: Ein sehr einfach zu fahrender Rennwagen mit viel Sound, aber wenig Power.

„Du bremst wie bei der Playstation mit links“ – letzte Tipps von Profi Benjamin Leuchter für Gastfahrer Guido Naumann


Fotos: Hersteller