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Massive Attack


Stereo Sonderheft Hifi Exklusiv - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 12.04.2019

Nach gut 40 Jahren präsentiert Burmester seinen ersten Plattenspieler. Und was für einen! Dank einer wahren Materialschlacht plus cleverer Ideen ist der 60 Kilogramm schwere 175 ein „echter Burmester“ – und obendrein eine massiv geführte Attacke auf das Analog-Establishment.


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Bildquelle: Stereo Sonderheft Hifi Exklusiv, Ausgabe 2/2019

Er war die Überraschung und umlagerter Star der HighEnd-Messe: der erste Plattenspieler von Burmester. Nein, das war nicht etwa 2018, sondern bereits im Jahr zuvor. Folgerichtig gibt die Typenbezeichnung 175 das Erscheinungsdatum nach der Burmester-Nomenklatur als Mai 2017 an. Wie ein Magnet die Eisenspäne zieht er, wo immer er ...

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... auftaucht, die HiFi-Fans an. Und auch in unserem Hörraum tummelten sich die Kollegen um das geschliffene, funkelnde Analogmonument.

Haben ja auch lang genug gewartet. Denn obwohl der samt dicker Aluminiumbeplankung und makellos schimmernder Chromfront im markanten Design der „Reference Line“ der Berliner Edelschmiede gehaltene Dreher über Burmesters damals ebenfalls neu vorgestellte Mono-Amps und Lautsprecher der Luxusliga bereits betörend gut aufspielte, sollten nach der Premiere noch gut anderthalb Jahre vergehen, bis uns das fertige Gerät zu diesem Exklusivtest erreichte.

Der Grund dafür waren ebenso zahlreiche Detailverbesserungen wie eine weitere Zuspitzung des von vornherein beabsichtigten „All-in-One-Konzepts“. Der 175 soll nämlich keineswegs in erster Linie jene Vinyl-Freaks ansprechen, die sämtliche Teile ihres Plattenspielers wie Laufwerk, Tonarm, Abtaster und Phono-Vorstufe frei miteinander kombinieren wollen. Vielmehr richtet er sich als highendiges Komplettangebot an die Musikhörer und Schallplattenliebhaber, die eine auf höchstem Niveau perfekt aufeinander abgestimmte Lösung aus einer Hand bevorzugen. Das führt zu einer bestechenden Einfachheit im Umgang mit dieser intern hochkomplexen Maschine und zur kongenialen Umsetzung der eigentlich eher in unteren Geräteklassen verfolgten „Plug 'n' Play“-Idee.

Beim Aufbau benötigt man nichts als ein paar kräftige Hände – allein der aus einem dreilagigen Aluminium-Messing-Sandwich bestehende Plattenteller wiegt gute 15, der gesamte 175 satte 60 Kilogramm. Sogar das verchromte Gegengewicht des Tonarms mit hartem, steifem Multilayer-Carbonrohr ist bei der korrekten Auflagekraft von 23 Millinewton fixiert, der benachbarte Drehknopf für die Antiskating sinnvoll eingestellt. Deshalb gibt’s hier für den stolzen Besitzer so gut wie gar nichts zu justieren.

Dieser braucht sich auch über ein passendes Pickup nicht den Kopf zu zerbrechen. Der mitgelieferte Moving Coil-Typ ist fix und fertig vormontiert. Für den Burmester-Abtaster sind die Berliner freilich nicht unter die Tonabnehmerhersteller gegangen, sondern suchten die Kooperation mit einem Spezialisten, der das in ein stabiles Aluminiumgehäuse geschlagene Kleinod nach ihren Wünschen entwarf und fertigt.

Offenbar handelt es sich um Ortofon – Burmester schweigt sich darüber aus –, eine der ersten Adressen in diesem Sektor. Das MC besticht technisch durch einen ultrafesten Saphirnadelträger samt „nackt“ – also ohne einen die Agilität und damit die Dynamik behindernden Lötkegel – aufgebrachtem Diamanten mit elaboriertem „Shibata“-Schliff. Um die Justage muss man sich ebenfalls nicht sorgen. Wie wir anhand unserer neuen STEREO-Einstellschablone schnell herausfanden, stimmte die Geometrie haargenau, wobei der auf einem beweglichen Schlitten gelagerte Tonarm so fixiert war, dass die Vorderkanten von Arm und Abtaster perfekt miteinander fluchteten, was den Eindruck von Präzision im Detail unterstrich und den Einsatz kundiger Hände belegte.

Keine Frage: Thront der 175 auf seiner soliden, bei den Komponenten aus Burmesters „Reference Line“ obligatorischen Basis, erscheinen einem die geforderten 31.800 Euro gar nicht mehr so hoch gegriffen. Zumal der Tonarm der 5000-Euro-Liga entstsammt und ein wichtiger Teil des in jeder Hinsicht prallen Analogpakets noch gar nicht erwähnt wurde: der integrierte Entzerrer/ Vorverstärker. Anders als ein normaler Plattenspieler wird der 175 nicht mit einer separaten oder im Verstärker eingesetzten Phono-Vorstufe verbunden. Vielmehr hat er diese bereits an Bord, was den winzigen, gegenüber Störeinflüssen anfälligen MC-Strömen kürzeste Signalwege sichert. Und sie ist genauso kompromisslos wie der gesamte Plattenspieler, denn sie stammt aus Burmesters Phono-Pre 100, der exzellente Klangeigenschaften mit hoher Rauscharmut und geringsten Verzerrungen kombiniert.

Die nach RIAA-Vorgaben entzerrten Ausgangsströme liegen gemäß Burmesters Credo einer vollsymmetrischen Signalführung an einem Paar XLR-Buchsen an, über das der 175 wie ein Hochpegelgerät mit dem Vor- oder Vollverstärker kontaktiert. Hier bietet sich die Verarbeitung ohne Massebezug insbesondere an. Schließlich ist neben dem Mikrofon der MC-Abtaster die einzige wirklich erdfreie Quelle in der High Fidelity und goutiert klanglich den symmetrischen Modus erfahrungsgemäß in Form einer gesteigerten Natürlichkeit wie Gelöstheit.

Dass die Phono-Platine in Bezug auf den Verstärkungsfaktor perfekt an die Parameter des Abtasters angepasst ist, versteht sich von selbst. Deshalb bietet der 175 in diesem Punkt auch keine abweichenden Werte. Und die gewählte Verstärkung knapp oberhalb von 60 Dezibel würde im Zweifel auch zu anderen MCs passen. Die möchten allerdings womöglich in Sachen Impedanz höher abgeschlossen werden als der Burmester-Abtaster, der sich – typisch Ortofon – mit den üblichen 100 Ohm begnügt. Dann steht ein sechsstufiger Drehschalter zur Verfügung, der die MC-Anpassung mit höheren Eingangswiderständen erlaubt.


Hoher Preis? Hoher Aufwand!


DAMIT HABEN WIR GEHÖRT

Burmester Selection Vol.1

Nicht nur vom 175 kommen die ausgesuchten Titel dieses 45er-Samplers erstklassig rüber (Do-LP).

Opus 3 Test Record 1

Die berühmte Zusammenstellung audiophiler Perlen des Edel-Labels Opus 3 stellt hohe Ansprüche und hat nichts von ihrem Reiz verloren.

STICHWORT

RIAA-Entzerrung

Praktisch alle modernen Schallplatten seit den frühen Sechzigern sind nach den Vorgaben der RecordingI ndustry Association of America, kurz RIAA, gefertigt, wobei während des Schnitts tiefe Frequenzen abgesenkt und hohe verstärkt werden. Die Wiedergabe erfolgt dann spiegelbildlich „entzerrt“.

Achtung: Aus den XLR-Buchsen kommt das fix und fertig entzerrte wie vorverstärkte Signal für den nachfolgenden Vor- oder Vollverstärker. Wer doch einmal einen anderen MC-Tonabnehmer justiert, kann die Eingangsimpedanz der integrierten Phono-Vorstufe auf diesen sechsstufig anpassen.


Das Gegengewicht des präzise gelagerten Tonarms ist im Auslieferungszustand korrekt fixiert, für die Antiskating liegt eine Messplatte bei.


Zum Lieferumfang des 175 gehört diese mit 45 Umdrehungen geschnittene Schallplatte, die einerseits Mess- und Prüfsignale, aber auch vier Musiktitel in Top-Qualität bietet.


Das externe Netzteil bietet zwei vollkommen getrennte sowie mehrfach stabilisierte Versorgungsspannungen für die aufwendige Motor- und Signalelektronik.


Nach dem Entfernen einer Metallplatte wird das aufwendige Antriebskonzept sichtbar. Gleich vier Motoren treiben jeweils zu zweit über einen Riemen den massiven Subteller an. Dabei sollen sich nicht nur eventuelle Abweichungen der Motoren untereinander ausgleichen, sondern obendrein sämtliche Zugkräfte auf das Lager, was in Verbindung mit dem hohen Tellergewicht die Stabilität und Laufruhe des 175 fördern soll. Und der Klang belegt das Konzept.


Jede Menge Grips und Aufwand also bei Tonarm, Abtaster und Phono-Pre. Doch das Herzstück des Plattenspielers, sein Laufwerk, ist ebenfalls ein ganz besonderes. Gemeinsam mit einem professionellen Partner, der über große Erfahrung im Plattenspielerbau verfügt, entwickelte das Burmester-Team einen Antrieb, der gängige Lösungen bezüglich der Laufruhe und -konstanz übertrumpfen soll.

Das Ergebnis ist eine Konstruktion, bei der gleich vier Motoren den soliden Subteller umgeben. Um winzige Unregelmäßigkeiten zwischen ihnen auszugleichen und – wichtiger noch – einseitigen Zug auf das ebenso robust wie präzise ausgeführte Lager zu vermeiden, ist das Motor-Quartett über kurze Gummiriemen untereinander wie auch mit der angetriebenen, zylinderförmigen Tellerauflage verkoppelt. Die Synchronmotoren folgen einer im externen, gleichfalls nach höchsten Maßstäben gefertigten Netzteil digital generierten Taktfrequenz, wobei die Feinregulierung der beiden Geschwindigkeiten von 33,33 und 45 Umdrehungen pro Minute über zwei von der Rückseite aus zugängliche Mini-Potentiometer erfolgt.

In Betrieb genommen wird der 175 in klassischer Burmester-Weise über den Kipphebel rechts vorne, der zwischen Off, Standby und On umschaltet. Im letzteren Modus leuchtet das benachbarte Lämpchen grün. Ein griffiger Drehknopf mit den Positionen Off, 33 und 45 setzt das Laufwerk in Gang oder schaltet es ab, ohne dass damit die Phono-Platine von der Versorgung genommen wird. So bleibt diese während längerer Hörpausen „warm“, in denen der Teller ruht.

Dank der vier Motoren bleibt die Hochlaufzeit des massigen Tellers kurz. Der Antrieb quittiert die Anstrengung nur mit leisem Knurren. Sei’s drum! Wir empfehlen ohnehin, den Teller während der Hör-Session drehen zu lassen. Das schont die Riemen, und es ist kein Problem, die Scheiben so zu wechseln, da sich ihr Rand gut greifen lässt. Überhaupt ist der Umgang mit dem Burmester simpel. Selten erlebt, dass ein Top-Plattenspieler so wenig Umstände bereitet. Mit dem 175 kommt eine extra für diesen gepresste „Reference Check“-Schallplatte. Deren Ein-Kilohertz-Ton sowie der Frequenz-Sweep von 20 Hz bis 20 kHz sind vor allem für Mess-Freaks oder auch mal zum Auspegeln interessant.

Mit Hilfe einer Leerfläche soll man die Antiskating einstellen. Und zwar so, dass der Tonarm auf der drehenden Scheibe steht. Ungeachtet der Tatsache, dass sich die Skating-Kraft in Abhängigkeit der Drehzahl, der Position des Abtasters über der Platte und vor allem auch aufgrund der jeweiligen Modulationsstärke stetig ändert, fällt sie in der Rille wegen der höheren Reibung natürlich stärker aus, als wenn die Nadel nur mit der Spitze auf der glatten Oberfläche „skatet“. Deshalb einfach den kleinen Antiskating-Regler so weit drehen, dass der Arm leicht nach außen wandert. Dann hat man einen guten Mittelwert gefunden.

So haben wir’s gemacht, und damit waren die kurzen Arbeiten auch schon abgeschlossen, die zwischen dem „beschwerlichen“ Aufbau des Analog-Klotzes und seiner mitreißenden Performance liegen. Da unser Testgerät rundum eingespielt war, durfte das Warm-up kurz ausfallen. Zu gespannt waren wir, ob der Plattenspieler-Erstling von Deutschlands großer High End-Marke ein großer Wurf und überdies ein „echter Burmester“ sein würde.

Hurra: Er ist es! Denn der 175 folgt exakt jenen Klangprämissen, für die die Komponenten aus Berlin in aller Welt so berühmt wie begehrt sind und die sich in der „Reference Line“ zur Perfektion ausformen: knackiges, knisterndes Temperament in Verbindung mit vorwärtsstrebendem Timing, knorriger Prägnanz, strahlender Farbigkeit sowie nicht zuletzt einer filigranen Eleganz im Gewand lässiger Souveränität.

Welche Platte als Erstes auf die filzbedämpfte Carbonmatte des Burmester-Primeurs wanderte? Es war Anne Bissons fantastisches, „live“ eingespieltes 45er-Direktschnittalbum „Four Seasons In Jazz“. Im Titel „September In Montreal“ setzt ein kräftiger, pulsierender akustischer Bass die Akzente, dessen Saiten der 175 mit federnder Spannkraft schwingen ließ. Überhaupt stellte er die unteren Lagen stets sehnig und perfekt durchgezeichnet dar. Keine Spur von Behäbigkeit oder Andickung. Wer vermutet hatte, aufgrund des schweren Metallgehäuses des Abtasters würde die Tiefenresonanz abrutschen und Bässe entsprechend mulmig werden, sah sich aufs Angenehmste enttäuscht. Die schwere, felsenfeste Zarge und Grundplatte des 175 tragen gewiss wesentlich zu seiner ehernen Stabilität wie präzisen Definition selbst komplexester Passagen bei.


Gleich vier Motoren für den Antrieb


Oberhalb der gängigen elliptischen Verrundung des Abtastdiamanten gibt es eine Reihe aufwendiger facettierter „Line Contact“-Schliffe, die speziell im Hochtonbereich ein Maximum an Information ertasten sollen. Zu ihnen gehört auch die bereits in den Siebzigern für die CD4-Quadro-Platte vom JVCTechniker Norio Shibata entwickelte Nadelform, die immer noch zu den Top-Schliffen zählt.


Das Gehäuse des MC-Tonabnehmers besteht aus einem festen Aluminiumblock, der Nadelträger aus hartem Saphir. Der Diamant weist einen ausgefeilten „Shibata“-Schliff auf (siehe unten links).


Der ebenfalls massiv ausgeführte Subteller stützt sich auf eine polierte Edelstahlachse mit Hartmetallkugel, die wiederum auf einem selbstschmierenden Lagerboden steht.


Die aufwendige Entzerrer/Verstärker-Platine stammt aus Burmesters ultimativem Phono-Pre 100. Im 175 ist ihr Verstärkungsfaktor MC-gerecht fixiert, während sich die Eingangsimpedanz sechsstufig anpassen lässt.


TEST-GERÄTE

Plattenspieler: Transrotor Rondino nero mit Tonarm 5009 und MC-Abtaster Figaro
Phono-Vorstufen: Accustic Arts Tube Phono II, Brinkmann Edison
Vor-/Endverstärker: Accustic Arts Tube PreampII-MK2/AmpII-MK3
Lautsprecher: B&W 800D3, Fischer & Fischer SN470M
Kabel: HMS Suprema, JIB Silver Galaxy BP-006SC (Phono), Burmester XLR3 (NF), HMS Gran Finale Jubilee/In-Akustik 2404 (NF/LS)

Ein weiteres Resultat der Stabilität ist die gebotene Randschärfe und plastische Dreidimensionalität. Nicht nur, dass Miss Bisson exakt umrissen zwischen den Boxen stand, nein, man konnte geradewegs um sie herumhören. Und der Tumult im Frequenzkeller hinderte den Dreher keineswegs daran, zartes Aufrauchen von HiHats im Hintergrund klar und mit subtilen Schattierungen vor einem rabenschwarzen Hintergrund abzubilden.

Ehrlich gesagt, zieht die Beschreibung der zwischen anspringender Attacke, tief gestaffelter Weiträumigkeit und selbstverständlicher Präzision bewundernswert ausbalancierten Performance des 175 die Superlative geradezu an. Unsere zigfach gehörten Scheiben bot er in betörender Perfektion dar. Ob er das mal fulminant, mal zaghaft aufspielende Orchester in Chadwicks „Jubilee“ in Szene setzte oder Diana Krall im Pariser Olympia ihre Tastenund Gesangskunststücke aufführen ließ: Der Berliner traf stets den Ton wie die Stimmung!

Wir sind uns sicher: Für den 175 hätte sich auch Dieter Burmester begeistert, denn dieser entspricht nicht allein seinem kompromisslosen Ansatz, sondern passt obendrein genau zur auf innere Spannung und den Zuhörer packende, livehaftige Verve abzielenden Klangphilosophie der 2015 verstorbenen Leitfigur des deutschen HighEnd. Zu schade, dass Dieter Burmester, der im Jahr zuvor wohl noch erste Ideen zum 175 entwickelte, dessen Vorstellung nun nicht mehr erlebt.

Gut für alle anderen Anbieter edler Analogprodukte hingegen, dass der 175 aufgrund seines geschlossenen Konzepts auf ein ganz bestimmtes Klientel zielt, das genau dies will. Ansonsten würde Burmesters „massive Attack“ wohl manchen Mitbewerber sozusagen sturmreif schießen. Wenn’s stimmt, dass gut Ding Weile braucht, haben die Berliner die lange Wartezeit bestens genutzt. Ihr Plattenspieler ist ein Traum!

Der Frequenzgang des Burmester-MC zeigt einen leichten Abfall im Präsenzbereich, der klanglich jedoch so gut wie nicht in Erscheinung trat.


Burmester 175

Preis: um 31.800 €, (komplett mit MC-Tonabnehmer und integrierter Phono-Vorstufe), Typ: MC
Maße: 45 x21 x37 cm (BxHxT)
Garantie: 3 Jahre bei Registrierung
Kontakt: Burmester
Tel.: +49 30 7879680
www.burmester.de

Burmesters All-in-One-Plattendreher spielt den Vorteil perfekt aufeinander abgestimmter Einzelteile konsequent aus. Die Verarbeitungswie auch die Klangqualität ist schlicht perfekt und der ultimativen „Reference Line“ des Berliner Herstellers in jeder Hinsicht würdig. Der hohe Preis des „Masselaufwerks“ erscheint deshalb angemessen. Referenzstatus!

Messergebnisse

Ausgangsspannung : 0,3 mV
Auflagekraft : 23 mN

Labor-Kommentar

Die Laufwerksdaten nähern sich unserer Messgrenze. Ob bei Gleichlauf oder Rumpeln: Dieser Plattenspieler setzt Maßstäbe. Für besten Klang unbedingt die korrekte Netzphasenseite beachten!

Ausstattung

Ein symmetrischer Analogausgang, externes Netzteil, höhenverstellbare Füße, schwere Metallbasis, Phasenumkehr, deaktivierbare Abschaltautomatik, sechsstufig anpassbarer Eingangswiderstand für die Phonoplatine, Geschwindigkeitsfeinregelung