Lesezeit ca. 7 Min.
arrow_back

MATERIALSCHLACHT


Logo von Off Road
Off Road - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 09.08.2022

SERVICE

Artikelbild für den Artikel "MATERIALSCHLACHT" aus der Ausgabe 9/2022 von Off Road. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Off Road, Ausgabe 9/2022

Endlich! – Es ist so weit. Dieses vermaledeite Covid-Virus lässt uns wieder von der Leine. Zumindest mehr oder weniger. Und deswegen operieren Tati und ich frei nach dem Motto: Gibt uns Corona den kleinen Finger, sagen wir artig danke und nehmen die ganze Hand. Ach was sag ich – den ganzen Arm!

Seit zwei Jahren stehen wir schließlich schon in den Startlöchern für unsere ganz große Fahrt: die Umrundung des Schwarzen Kontinents mit dem Auto. Wenige Tage nach Erscheinen dieser Ausgabe wird unsere Fähre von Genua ablegen und Kurs auf Tanger in Marokko nehmen, den Ausgangspunkt dieses Vorhabens. Von dort aus führt unsere Route, inschallah, die afrikanische Westküste hinunter – bis zur Vereinigung des Atlantischen mit dem Indischen Ozean, also bis zum Kap der Guten Hoffnung. Ab da biegen wir nach Nordosten ab und befahren so gut wie alle Länder der Ostküste, bis wir wieder uns bekanntes Terrain ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Off Road. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 9/2022 von Zu kompliziert gedacht.. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Zu kompliziert gedacht.
Titelbild der Ausgabe 9/2022 von LESERBRIEFE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESERBRIEFE
Titelbild der Ausgabe 9/2022 von KOMPLETT NEUER GLC. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KOMPLETT NEUER GLC
Titelbild der Ausgabe 9/2022 von SECHSZYLINDER!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SECHSZYLINDER!
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
ÖFTER MAL ANDERS
Vorheriger Artikel
ÖFTER MAL ANDERS
KOLUMNE
Nächster Artikel
KOLUMNE
Mehr Lesetipps

... erreichen. So weit die Theorie. Wie aber sieht es mit der Praxis aus? Wir hörten schließlich viele gut gemeinte Ratschläge zur Ausrüstung für diesen Trip. So viele, dass wir zeitweise nicht wussten, wo uns der Kopf stand, und wohl nicht einmal ein 7,5-Tonner die notwendige Zuladung hätte, um all diese Dinge mitzunehmen. Letztlich basierte die Entscheidung, was wir an Equipment brauchen, auf den eigenen Erfahrungen aus unserer Langfahrt nach Indien - wobei es für die Wahl eines jeden Ausrüstungegenstands triftige Gründe gab, die wir im Folgenden aufzeigen.

T|FAugust Auer

Sandbleche

Nicht nur im sandstrotzenden Norden Afrikas, nein auch im trockenen Namibia wird uns mit Sicherheit das ein oder andere Mal das Pech ereilen. Und zwar in Form von: Motor dreht, Reifen drehen, das Auto steht! Oder besser steckt in der Landschaft … Die entspannteste Lösung wäre da ein größeres, geländegängigeres Fahrzeug, welches uns mütterlich an seine Seilwinde bindet und unseren lieben Sprinter mir nichts, dir nichts aus der Misere zieht. Aber wir fahren allein. Wenn also weit und breit keine fremde Rettung in Sicht ist, tut es gut zu wissen, dass man noch andere Optionen hat (wenn auch anstrengende). Richtige Luftlandebleche wären in so einer Situation natürlich hilfreich, aber mangels Platz und Gesamtgewicht haben wir uns für einen Kompromiss entschieden: Noch viel öfter als Sandbleche werden wir nämlich Auffahrkeile brauchen, denn nichts ist unangenehmer als eine Nacht in einem schiefen Bett. Nach einiger Suche sind wir auf die Lösung der italienischen Firma Uniko gestoßen: zu Auffahrkeilen faltbare Kunststoff-Sandbleche. Ich habe zwar die Befürchtung, dass die Teile nicht 1,5 Jahre Afrika aushalten, aber das wird sich ja zeigen.

Schneeketten??

Schneeketten in Afrika? Da werden sicher einige Leute die Stirn runzeln. Und es stimmt schon: Allzu viel Schnee werden wir wohl nicht zu Gesicht bekommen in den nächsten 20 Monaten. Aber das Gleiche dachten wir auch vor der Fahrt nach Indien und waren dann mehr als froh, Ketten dabeizuhaben, als wir uns Ende April 2018 auf einer Schnellstraße in der Osttürkei im dichten Schneetreiben festfuhren (zwei Reifen im Bankett und keine Differentialsperre an Bord). Aber ganz abgesehen von der klassischen „Ich stecke im Schnee fest"-Situation gibt es schließlich auch die berüchtigte „Ich stehe auf einer nassen Wiese und alle vier Reifen drehen durch"-Situation. Und genau dann schlägt die Stunde von guten Schneeketten aus Edelstahl. Jedenfalls hoffe ich das inständig. Und da ich ein Fan von Qualität bin, habe ich mir 2018 für Indien Schneeketten der Firma RUD zugelegt und wurde seitdem nie von ihnen enttäuscht. Sie sind zwar eine Nummer zu groß für die Reifen unseres Sprinter, aber in der Not hilft ein Spanngurt.

Bergegurt

Nicht nur für den Fall, man steckt abseits der Straße im Weichsand fest, ist ein Bergegurt auf Reisen unverzichtbar. Nein, auch in dem hoffentlich nicht eintretenden Fall einer größeren Panne kann es nötig sein, das Fahrzeug abzuschleppen. Nun kann man auf ein 12-Euro-Baumarktabschleppseil setzen und riskieren, dass die Metallhaken brechen und blitzartig durch Windschutz- oder Heckscheiben pfeifen, oder einen Schwerlastgurt plus Softschäkel dabeihaben. Unverbindlicher Tipp am Rande: Kran-Hebegurte müssen ein Vielfaches ihrer ausgewiesenen Last tragen können. Hier lässt sich Geld sparen, wenn man (wie wir) einen 2-Tonnen-Gurt wählt anstatt eines ausgewiesenen 5-Tonnen-Offroad-Bergegurts.

Das Auto

Wir haben uns aus mehreren Gründen für einen 3,5-Tonner entschieden: Zum einen wegen der Kosten. (Weniger Gewicht ist billiger, egal ob es um einen Satz Reifen, den Verbrauch oder auch nur die Maut geht, ganz zu schweigen von den beiden Lkw-Führerscheinen, die wir gebraucht hätten.) Zum anderen sagt uns die Erfahrung aus dem Himalaya, dass die schönsten Strecken und Wege nur für Pkw zu schaffen sind. Nicht wegen der Geländegängigkeit, sondern schlicht und einfach wegen Breite und Höhe. Das gilt genauso für italienische Altstädte. Zu guter Letzt: die Auffälligkeit. Je größer und neuer ein Fahrzeug ist, desto mehr Aufsehen erregt es und desto höher werden gleichzeitig die Preise für alles, was seine Insassen unterwegs zu kaufen gedenken. Das ist auch der Grund, warum wir das Auto nicht frisch lackiert oder wenigstens poliert haben: Es soll aussehen wie eine ausrangierte Gurke, die mangels TÜV von Europa nach Afrika verschifft wurde. Auf den ersten Blick wenigstens. Denn die Technik muss in Ordnung sein! Auch das hat uns Indien gelehrt: Je besser der Zustand bei Abfahrt, desto seltener muss unterwegs eine Werkstatt gesucht werden. Aus all diesen Gründen fiel, nach einjähriger Suche, die Wahl auf unseren Sprinter, einen W903 312D 4x4 Automatik Bj. 1998. Angetrieben von dem allseits beliebten 2,9-L-5-Zylinder-Diesel. Jedoch leider ohne Untersetzung und Hinterachssperre. Der Daimler stand in seinem ersten Leben im Dienst der holländischen Luftwaffe und wurde regelmäßig gewartet. Auch von Vorteil ist, dass er auf den Flugfeldern dieser Welt lediglich 30 000 Kilometer gesammelt hat. Alles in allem genau die Basis, die wir für unseren Ausbau und diese Expedition gesucht haben.

Druckluft

Pressluft, um den Reifendruck anzupassen oder auch mal den Luftfilter auszublasen, ist uns auf Reisen wichtig. Gerne hätten wir einen 12-V-Kompressor in fester Verbindung mit einem Drucklufttank. Leider werden hierfür astronomische Preise aufgerufen. Darum setzen wir schon lange auf einen 12-V-Kompressor von VIAIR, zusammen mit einem externen 5-L-Tank. Kleiner Haken bei dieser Lösung war allerdings, dass der VIAIR irgendeinen amerikanischen Anschluss zwischen Gerät und Schlauch hatte. Somit bedurfte es ein wenig Bastelei, um das ganze System auf deutsche Schnellkupplungen umzustellen. Aber seit das passiert ist, geht uns die Luft im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr aus.

Die Navigation

Smartphone aus der Hosentasche, GoogleMaps geöffnet – Peng: Schon kennt man die beste Verbindung zwischen zwei Orten. Tja, was bei uns zuhause so einfach geht, klappt leider nicht überall auf der Welt. Und schon gar nicht in den weiten Steppen Afrikas. Denn die Sache mit dem Smartphone steht und fällt nun mal mit der verfügbaren oder eben nicht verfügbaren Internetverbindung! Daher lautet das Gebot der Stunde: Offline-Navigation! Und hier ist unser staub-, stoß- und spritzwasserfestes Garmin Tread Overland ganz vorne mit von der Partie. Wie andere Navigationsgeräte auch hat es sein Kartenmaterial stationär gespeichert, muss es also nicht erst aus dem Internet laden. Vorinstalliert sind allerdings Karten, die auf den Daten von Tracks4Africa basieren, und das ist der Clou (oder zumindest einer davon). Die Macher von Tracks4Africa beschreiben ihr Material wie folgt: „Unser Kartenmaterial ist komplett aus der Praxis heraus entstanden – unter Mitwirkung und Einflussnahme einer großen Reise-Community, die immer wieder ihre Daten und Erfahrungen an das Kartenteam in Südafrika übermittelt. Auch kleinste Offroad-Tracks finden Berücksichtigung.“ Was soll man dem als angehender Afrika-Fahrer hinzufügen? Und der zweite richtig gute Grund, der unsere Wünschelruten auf diese Kiste zeigen ließ, heißt: iOverlander! Für alle, die es nicht kennen: Dabei handelt es sich um eine interaktive Sammlung vieler für Langfahrer interessanter Wegpunkte auf der ganzen Welt. Und auch hier gilt: Es funktioniert offline! Natürlich nicht ganz so wie in der Online-App. Aber hey!? Es müsste also schon mit dem Teufel zugehen, würden wir mit diesem Apparat nicht nach Kapstadt finden. Aber nichtsdestotrotz dürfen ein Kompass und die guten alten Papierkarten nicht fehlen und von denen haben wir viele dabei. Tatsächlich eine für jedes geplante Reiseland, schließlich heißt es auch bei einem Notfallschirm: Lieber haben als brauchen!

Zweiflammen-Kochfeld

Was gibt es nicht alles für Gaskocher zu kaufen? Von saubillig bis sackteuer. Und jeder einzelne davon ist ziemlich sicher besser als der unsere, brennt heißer bei gleichzeitig geringerem Gasverbrauch. Ist weniger anfällig gegen Wind und so weiter und so fort. Alles richtig. Aber wir hängen an unserem Kocher. Denn er fuhr schon mit uns nach Indien, wobei es sich für ihn nicht um das erste Mal handelte. Das war nämlich an Bord eines Unimog, zusammen mit meinem alten Herrn und seinen Jungs im Jahre 1979. Manchmal hält man halt einfach aus reiner Sentimentalität an Dingen fest.

Gasversorgung

Dank unserer üppig dimensionierten Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und unserem 12-V-Kompressor-Kühlschrank brauchen wir Gas ausschließlich zum Kochen. Auf unserer Indienfahrt reichten uns 5 kg gute drei Monate, sodass wir nur einmal nachfüllen mussten, und zwar in Kathmandu. Eine spannende Erfahrung insofern, als die angefahrene „Gasfabrik“ dafür sorgte, dass ein ganzes Stadtviertel so sehr nach Propan stank, dass wir uns die Zigaretten verkniffen. Hier erfuhren wir, dass Gasanschlüsse nicht weltweit einheitlich sind. Wer hätte es gedacht? Zum Glück waren alle sehr hilfsbereit und mit ein bisschen Suchen fand sich dann auch ein passender Adapter für unsere Flasche. Dieses Glück wollen wir aber kein zweites Mal herausfordern, und deswegen haben wir ab jetzt einen Satz Adapter dabei. Angeblich lässt sich damit alles mit jedem verbinden, das im Entferntesten mit Gas zu tun hat. Wir sind gespannt!

Sitzmöbel

Drei Parameter waren beim Stuhlkauf zu beachten: Haltbarkeit, Gemütlichkeit, Pack-Maß. Der Preis soll mal Nebensache sein. Nun gibt es die gemütlichsten Sessel auf dem Markt, schon mehr Liege als Stuhl. Aber was diese Modelle so bequem macht, ist gleichzeitig ihr größtes Manko: viele Streben und Plastikscharniere. Eine Unmenge an Fehlerquellen. Denn bricht ein Teil davon, steht man wortwörtlich ohne Stuhl da. Außerdem sind sie meist eher unhandlich und damit schlecht zu verstauen. Das gegenteilige Beispiel ist ein kleiner Dreibeinstuhl. Nimmt fast keinen Platz weg, wiegt nichts, ist aber maximal unbequem. Der beste Kompromiss für uns sind die klassischen Campingstühle von Lafuma. Sie sind äußerst langlebig (der abgebildete Stuhl war schon in Indien und kommt auch mit nach Afrika) und schmal zu packen. Wir bewahren unsere beiden direkt an der Schiebetüre auf, wo sie mit einem Expander an der Küchenzeile befestigt sind. Also genau da,wo sie täglich gebraucht werden.

Papiere

Nicht zu vergessen: die richtigen Papiere für unser Vorhaben. Neben dem internationalen Führerschein und dem int. Fahrzeugschein ist es unumgänglich, ein Carnet de Passages mitzuführen. Eine Art Reisepass fürs Fahrzeug. Der Deal läuft so: Man überweist dem ADAC einen bestimmten Betrag (Zollpfand + Bearbeitungsgebühr). Dieser bemisst sich am Wert des Autos. Dafür stellt der ADAC das Carnet aus und verbürgt sich damit gegenüber ausländischen Zollbehörden, eventuell anfallende Zölle einzutreiben und ihnen zukommen zu lassen. Zum Beispiel für den Fall, man verkauft das Kfz im Ausland und flüchtet, ohne den Ertrag verzollt zu haben. Ohne diese „Bürgschaft“ verweigern viele afrikanische Länder die Einreise.