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MAUERFALL


Divemaster - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 10.01.2020

Die Chinesische Mauer ist eines der berühmtesten Bauwerke der Welt – aber wussten Sie, dass man an der Mauer tauchen kann? Wie, warum und wozu erzählt Imran Ahmad, Fotograf aus Singapur, der im Auftrag einer Uhrenfirma weit im chinesischen Hinterland, dem Mauerfall auf den Grund gegangen ist.


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Bildquelle: Divemaster, Ausgabe 1/2020

Dunkel, es wird immer dunkler, wäre ich nicht damit beschäftigt, meine Kameraeinstellungen den grauenhaften Verhältnissen anzupassen, ohne dabei mein Fotomodel, das vor mir in der Tiefe verschwindet, aus den Augen zu verlieren, würde ich wahrscheinlich zu dem Entschluss gelangen, diesen katastrophalen Tauchgang ...

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... abzubrechen. Doch um daran zu denken, fehlt mir die Zeit. Die Sicht beträgt keinen halben Meter. Das Displayfenster habe ich eng an meine Maske gepresst um überhaupt etwas ablesen zu können und ich spüre mehr den Wasserschwall der Flossen vor mir, als dass ich sie sehe. Mein Tauchpartner hält einen kleinen „Suchscheinwerfer“ in der Hand, aber selbst der ist kaum noch zu erkennen, als es passiert. Ich bekomme einen brutalen Schlag ins Gesicht und mir wird endgültig schwarz vor Augen.

VORGESCHICHTE

Wie jeder Unterwasser-Fotograf träume auch ich davon, fremde Länder zu bereisen, abenteuerliche Tauchabstiege zu planen um einzigartige Bilder mit nach oben zu bringen – und vielleicht sogar etwas mehr Geld dabei zu verdienen, als mit meinen Bildern und Geschichten in den einschlägigen Tauchmagazinen oder bei Agenturen.
Im Sommer 2017 bekam ich diese Chance. Ich saß an meinem Mac und sortierte gerade die Bilder meiner letzten Tour, als ein kleines Pop-up-Fenster mir eine email aus Deutschland signalisierte: „Hi Imran, have a look at this…das musst Du Dir anschauen…“ und mein Blick fiel auf eine Satellitenaufnahme der Chinesischen Mauer, die in einer Talsperre verschwand. Und? Ehrlich, es hat etwas gedauert, bis ich verstanden hatte, was mir Dietmar Fuchs, Kollege und Freund der deutschen Journalisten Gilde, da gerade mitgeteilt hatte: Bei ihrem zügellosen Talsperrenbau hatten die Chinesen nicht einmal vor ihrem heiligsten Bauwerk, der Chinese Wall, halt gemacht. Für Dietmar, dem leidenschaftlichen Süßwasser und Wracktaucher musste die alte Steinmauer im kalten, trüben Stausee ein unglaubliches Abenteuer darstellen - für mich, in diesem Moment, ehrlich gesagt nicht. Das sollte sich ändern, als ich weiterlas… „finanziert uns Blancpain eine Fotoexpedition an die Mauer um herauszufinden, ob man das legendäre Gemäuer nicht auch für Werbeaufnahmen nutzen kann.


» Es sind schon mehr Männer über den Mond gelaufen, als an der Chinesischen Mauer getaucht haben «


Dazu muss man wissen, dass China für die europäischen Uhrenmarken einer der wichtigsten Märkte der Welt ist. Jetzt war mir alles klar, „finanziert uns…“ blieb eingebrannt im Hirn zurück, während ich nun selbst auf Google Earth über die Mauer in den See eintauchte.
Am besten schaut ihr selber mal auf Google Earth nach wie es aussieht wenn die weltberühmte Chinesische Mauer untertaucht (40°26’6.45“N, 118°16’7.78“E). Spannend, oder?

AUSGANGSPUNKT PEKING

Als Ausgangspunkt eines Tauchgangs an der Mauer bietet sich Peking an, schon weil man relativ leicht dort hinkommt. Aber auch, weil die Hauptstadt die optimale Vorbereitung für einen Besuch der Mauer darstellt. Jeder sollte sich vor dem Tauchgang wirklich einmal Gedanken über dieses einzigartige Bauwerk machen. Hier ein paar Daten aus dem Internet, um den Einstieg in die Recherche zu fördern: Die Mauer ist mehr als 2.300 Jahre alt, die offizielle Länge beträgt 21.196,18 Kilometer, mittlerweile ist davon allerdings schon gut ein Drittel, ohne eine Spur zu hinterlassen, verschwunden – und damit meinen wir nicht die Mauerteile, die in den Talsperren verschwunden sind. Große Teile der Mauer wurden nach der Kulturrevolution genutzt, um aus den Steinen Häuser und Bauernhöfe für die Landbevölkerung zu bauen.
Die meist besuchte Sektion, Badaling zählte 61 Millionen Besucher (im Jahr 2001). In der ersten Maiwoche (29.4. bis 1.5. Chinesiche Nationalfeiertage zum Tag der Arbeit), wandern an dieser Stelle gut 70.000 Besucher pro Tag! über die Mauer. Zum Vergleich - in den letzten fünf Jahren sind wahrscheinlich keine sieben Besucher an der Mauer in Panjikou untergetaucht. Machen wir uns also auf den Weg. Von der Hauptstadt aus gelangt man in etwa fünf Autostunden bis nach Xichengyucun. Dort steigt man in ein Boot um, wenn man die einfach zusammengeschweißten Stahlplatten mit einem selbstgebastelten Außenborder als Boot bezeichnen kann. Nicht schön, aber dafür praktisch, denn die Plattform bietet eine große ebene Ladefläche für unsere Ausrüstung und wer die Mauer etwas intensiver kennengelernt hat, kann sich auch mit dem Boot gleich an einem der tiefer gelegenen Mauer-Tauchplätze absetzten und auffischen lassen. Für den ersten Tauchgang empfehle ich aber in jedem Fall, an dem Punkt zu beginnen, wo die Mauerreste ins Wasser tauchen…

china


» Kein Tauchgang hat mich mehr herausgefordert, als die Mauer in knapp 40 Meter Tiefe «


TIEFTAUCHGEBIET: Die chinesischen Talsperren sind echte Tieftauchgebiete. In der auf dem alten Foto erkennbaren Ortschaft waren nur wenige Wochen vor uns zwei Tech-Taucher ums Leben gekommen – auf über 80 Meter! Unsere Fototauchgänge fanden auf 28 Meter ihren Abschluss. Erst später haben wir entdeckt, dass es ab 40 Meter deutlich klarer wird - der Hauptgrund um wieder zu kommen.

IM HINTERLAND

… dann lässt der Schlag ins Gesicht und die „Schwärze“ vor Augen auch nicht lange auf sich warten: zwischen 25 und 30 Meter, an der letzten Sprungschicht ins vier Grad kalte Wasser. Ohne Trockentauchanzug kommt man in dieser Tiefe nur völlig steif gefroren an - wie ich aus Erfahrung, oder eben aufgrund fehlender Erfahrung leidvoll erleben musste. Selbst zur besten Reisezeit im späten Hochsommer ist der Stausee in den Bergen kalt. Eiskalt für einen Tropentaucher wie mich. Dietmar war da besser angepasst mit seinen hunderten Tauchgangs Erfahrungen in kalten Bergseen seiner Heimgewässer rund um München. Dank Mares, für die ich mittlerweile als Ambassador arbeite, stellen selbst Eistauchgänge kein Hindernis mehr da. Der Panjikou Stausee hatte für mich damals überhaupt keinen taucherischen Reiz. Einzig die Herausforderung, unter diesen widrigen Umständen Fotos zu produzieren, wie sie noch nie zuvor jemand an der Chinesischen Mauer geschossen hatte, half mir, mich in meinen Sieben-Millimeter-Halbtrocken plus Sieben-Millimeter-Überzieher zu zwängen.
Dass man am Ende auf den Fotos sogar noch die Uhrzeit ablesen konnte, hat eigentlich nur Blancpain interessiert. Denen konnte es ja auch egal sein, wie komplex diese Fotos in Wirklichkeit waren. Zu erkennen war während des Tauchgangs so gut wie nichts, sondern tatsächlich erst was auf den Bilder. Zum Einsatz kam eine Fisheye Optik und zwei Blitze die das belichten mussten, was wir ohne Licht gar nicht sehen konnten. Unsere Scheinwerfer am kurzen Arm getragen, beleuchteten mehr oder weniger nur die Nebelwand aus Schwebeteilchen vor unserem Gesichtsfeld. Das heißt, dass wir erst nach dem Tauchgang beurteilen konnten, was es unter Wasser zu sehen gab. Und damit eigentlich erst beim zweiten und dritten Tauchgang überhaupt gezielt arbeiten konnten, mit einem halberfrorenen Fotografen.

DAS FOTOMODEL: DIE BLANCPAIN 500 FATHOMS ist auf 500 Exemplare limitiert und längst ausverkauft. Auf diesem Foto ist das speziell für Trockentauchanzüge entwickelte Armband gut zu erkennen, mit einem zusätzlichen Sicherheitslanyard, falls sich die 30.000 Euro teure Uhr doch mal vom Arm lösen sollte.

ABENTEUER CHINA

Erst auf der Rückreise haben wir dann auch registriert, dass wir für die Chinesen im Hinterland wahrscheinlich die ersten Langnasen waren, die sie zu Gesicht bekommen hatten. Kein Tourist verläuft sich in diese Gegend. Und so stattete uns gefühlt jeder Einwohner des kleinen Städtchens einen Besuch ab, als wir spontan ein winziges Lokal zum Mittagessen auf dem Rückweg ausgewählt hatten. Teuer ist so eine exotische Reise ins Hinterland dagegen nicht. Drei große Flaschen Bier, Dumplings bis zum Abwinken und eine undefinierbare sehr süße Nachspeise haben uns umgerechnet zusammen knapp drei Euro gekostet. Selbst in Peking sind Restaurant Besuche nicht teuer, meidet man die einschlägigen Touristenlokale. Und das kann man sich getrost trauen. Alle Lokale bilden die Gericht ab, Hund und Katze haben wir nicht gefunden und auch Haifisch oder Schildkröte wurde in keinem Restaurant offeriert. Die Chinesen sind wirklich besser als ihr Ruf bei Euch in Europa.

ZUM NACHMACHEN

Für alle die Lust bekommen haben, selbst einmal an einem der ungewöhnlichsten Orte der Welt zu tauchen empfehlen wir unseren erfahrenen Tour-Guide, Steven Schwankert (steven@sinoscuba.com). Er führt mittlerweile regelmäßig (ein bis zweimal im Jahr) Taucher an die Mauer.
Schön wird es nicht, gemütlich schon gleich gar nicht, aber ein einzigartiges Erlebnis ist es in jedem Fall und nicht teuer (Fahrt, Übernachtung, Vollpension, zwei Tauchgänge etwa 200 USD ab Peking). Wer also vielleicht beruflich in Peking ist, sollte sich zwei, besser drei Tage Zeit nehmen und gemeinsam mit Steven an der Mauer abtauchen, erleben wie es dunkler und dunkler wird und man den Schlag im Gesicht spürt, wenn die letzte Sprungschicht in knapp 30 Meter den Blick auf die Chinesische Mauer unter Wasser öffnet.

Imran Ahmad
Imran ist international einer der bekanntesten Fotografen aus Fernost. Der gebürtige Malaysier hat 2012 seine Karriere mit der Veröffentlichung als „Junger Wilder“ in der Edition Fifty Fathoms begonnen –gemeinsam übrigens mit Laurent Ballesta.
www.escapeinc.com.sg


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