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MAYBAUM + BROIINES LERS


Gitarre & Bass - epaper ⋅ Ausgabe 7/2021 vom 18.06.2021

INTERVIEW: MARTIN SCHMIDT

FOTOS: ROBERT EIKELPOTH, ANDI BRÜGGE,

ILLUSTRATIONEN: SHUTTERSTOCK / BOBROVSKA HALYNA

Artikelbild für den Artikel "MAYBAUM + BROIINES LERS" aus der Ausgabe 7/2021 von Gitarre & Bass. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Neben den Ärzten und den Toten Hosen haben sich in den letzten zehn Jahren die Broilers als dritte kommerziell erfolgreiche, deutschsprachige Punkrock-Kraft etabliert. Bassistin Ines Maybaum ist im Interview genauso nett und selbstbewusst, wie sie auf den Bandfotos wirkt und hat zu jedem Thema eine interessante Antwort parat – egal, ob es um das neue Album, die Punk-Szene, Frauen in der Rockmusik oder das Üben geht. Vorhang auf für ein Interview mit viel Lachen und ohne die geringste Rockstarattitüde.

Ines, wie ging es bei dir mit der Musik los? Ich habe zuerst mit der Gitarre angefangen. Ich kaufte mir im Musikhaus ein Tabulaturheft und habe dann einfach angefangen zu spielen. Ich hatte weder Musikunterricht, noch habe ich es „vernünftig“ gelernt. (lacht)

Was für ein Heft war das? ...

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... Das waren Noten von Metallica. Eigentlich wollte ich das Black Album haben, habe aber zu Weihnachten nur ‚Justice For All‘ bekommen. Dann habe ich versucht, das auf dem Bass zu adaptieren, und dann ging es ziemlich schnell los mit der Band und eigenen Liedern.

Das heißt, du hast den Bass wirklich erst in der Band gelernt? ernt?

Ja, im Proberaum.

Hast du vorher andere Instrumente gespielt? Die klassische Blockflöte als Kind. Bei mir in der Grundschule gab es nur die Wahl zwischen Blockflöte und Triangel. (lacht) Ich hatte schon immer musikalisches Interesse und habe auf dem Klavier einer Freundin herumgeklimpert. Meine größere Schwester hatte auch ein Casio-Keyboard, das ich mir damals unter den Nagel gerissen habe, aber ich hatte nie Musikunterricht außerhalb der Schule.

Mittlerweile sind ja sehr viele Stile im Sound der Broilers vereint. Hast du dich explizit mit Ska, Reggae, Pop und Rock beschäftigt?

Reggae ist ein Musikgenre, das ich schon sehr früh gehört habe. Bob Marley war früher mein Vorbild. Das ist etwas, mit dem ich mich genauer befassen muss. Da muss ich üben, der Groove kommt mir nicht so leicht aus den Fingern. Aber gerade das finde ich auch interessant – und es macht Spaß. Im Reggae gibt es ja keine komplizierten Parts, sondern simple Abläufe. Da ist es entscheidend, dass das Timing gut sitzt, das finde ich spannend.

Du hörst also auch Bassisten wie Robbie Shakespeare (Sly & Robbie) oder Horace Panter (The Specials)?

Ja, richtig. Ich höre auch gerne Rancid und mag die Bassläufe. Ich mag es, wenn es schnell ist, das finde ich total faszinierend.

Hast du konkrete Vorbilder oder Helden auf dem Bass? Nein, eigentlich nicht. In Teenager-Zeiten war es Melissa Auf der Maur von Hole. Das war die einzige Bassistin, die mir damals bekannt war. Ich horche auf, wenn ich Musik höre und mir die Basslinie gefällt, aber ich habe kein konkretes Vorbild. Es geht mir eher um die Musik.

Übst du mittlerweile regelmäßig? Ja, wirklich! (lacht) Besonders in der letzten Zeit setze ich mich zuhause hin und befasse mich mit dem Bass. Ich habe angefangen, den kleinen Finger der linken Hand zu benutzen, also nicht nur mit zwei Fingern zu spielen, sondern die Hand an einer Stelle zu lassen. Dabei war es nach 25 Jahren nicht ganz einfach für mich, Kraft aufzubauen, aber das hat echt Spaß gemacht.

"Ich definiere Punkrock nicht mit äußerlicher Erscheinung, sondern es ist eine Attitüde: Do It Yourself, mach was du möchtest, steh hinter dem, was du tust, und auch wenn du etwas nicht kannst: Mach es trotzdem, wenn du Lust dazu hast."

Arbeitest du dann mehr an der Technik oder spielst du Stücke nach?

Wenn man das Instrument ein paar Wochen stehen lässt, müssen die Hände wieder in Übung kommen – dafür spiele ich rein technische Sachen. In letzter Zeit nehme ich auch gerne die Sachen auf, die ich spiele. Wenn ich es hinterher höre, entsteht ein anderer Eindruck und ich merke, was in der Euphorie beim Spielen, dann doch nicht ganz so schön war.

Sind da auch Sachen dabei, die im Rahmen der Broilers nicht gefragt sind, die du nur für dich spielst, Jazzlinien oder Funk?

Jazz und Funk machen mir keinen großen Spaß. Ich mag gern schnelle Sachen. Schnelle Lines haben wir nicht so oft, aber privat spiele ich das gerne.

Bist du noch in anderen musikalischen Projekten aktiv oder machst du alleine Aufnahmen? Nein. Natürlich baue ich in Logic auch mal ein Lied zusammen, aber das ist dann nichts, was jemand anderes zu hören bekommt. (lacht)

Grundlage deines Bassspiels sind ja viele Achtellinien. Spielst du alles mit Pick?

Bei den typischen Dengel-Achtellinien nehme ich meistens das Plek. Das passt vom Anschlag und vom Sound her besser zu diesen Liedern. Bei den gefühlvolleren Sachen oder Reggae spiele ich mit Fingern. ‚Trink mich doch schön‘ zum Beispiel ist mit Fingern gespielt. ‚Alice und Sarah‘ würde ich gerne mit Fingern spielen, aber es ist am Ende ziemlich schnell, da fühle ich mich mit dem Plek sicherer.

Hast du eine klare Plektrum-Technik mit Wechselschlag oder spielst du Punkrock-mäßig alles nach unten?

Ich gucke immer, wie es passt. Es gibt Lieder, da schlage ich nur von oben an, bei anderen klingt es von unten besser. Das ist gefühls- und liedabhängig bei mir.

Und du findest eine gewisse Virtuosität interessant, oder? Ja, denn das erweitert meinen Horizont. Ich habe Musik nicht richtig gelernt, mit Noten kann ich nicht viel anfangen. Vieles geht bei mir über das Gehör.

Hast du mittlerweile auch theoretische und harmonische Kenntnisse?

Ja, ich nehme Bassunterricht und das sind Dinge, mit denen wir uns dabei beschäftigen. Die meisten harmonischen Zusammenhänge sind praktischerweise vom Gehör her schon da, aber die Theorie dahinter ist mir eben nicht bewusst. Ich gehe gerne zum Bassunterricht und verstehe nun Tonleitern. (lacht)

In Deutschland wird man als Musiker oft gefragt, ob man auch „richtig nach Noten“ spielen kann. Das spielt aber in einer Band wie den Broilers keine Rolle, oder?

Bei uns ist es so, dass Sammy uns die Akkorde nennt, und dann geht's los. Wenn es ein Reggae-Song in C-Moll ist, schaue ich, ob ich dazu einen schönen Lauf finde. Um mir die Akkorde zu merken, muss ich sie oft erstmal aufschreiben. Unsere Bläser spielen bei neuen Liedern allerdings anfangs nach Noten.

Es gibt aber am Schluss kein offizielles Band-Leadsheet? Nein, das macht jeder für sich selbst. Ron hat einige Zettel oder ein kleines Buch. Ich bin mittlerweile aufs iPad umgestiegen. Ich habe von jeder Platte Ordner oder früher Schnellhefter und schreibe mir die Akkorde oder einen komplizierten Lauf in Tabulatur auf, damit ich nichts vergesse.

INSTRUMENTE

Hast du einen Hauptbass? Ich habe mir letztes Jahr einen neuen Sandberg gekauft, einen VM, und mich in ihn verliebt. Ich hole mir zu jeder Platte auch einen neuen Bass, das finde ich ganz schön.

Spielst du dann auch nur einen Bass bei den Aufnahmen?

Da bin ich unromantisch. Dieser Bass kann, was ich brauche, und die Bässe, die ich spiele, unterscheiden sich nicht sehr.

Welchen Amp benutzt du?

Auf der Bühne benutze ich einen Kemper und mag den Sound von einem cleanen Ampeg am liebsten. Wir haben keine Boxen auf der Bühne, und zum Spielen finde ich den Bass am schönsten, wenn er clean ist, also kaum Zerre hat. Das mag aber auch daran liegen, dass ich auf dem InEar-Monitoring schon eine gewisse Senke im Tiefbereich habe und die cleanen, hohen Töne dann besser höre. Im Studio geht der Bass direkt ins Pult – und das schon seit Jahren. Ich habe, glaube ich, noch nie anders aufgenommen. Danach wird der Bass bearbeitet. Unser Produzent Vince weiß, welchen Sound ich mag, und manchmal wird er dann noch angepasst, etwas mehr verzerrt oder so, wenn es zum Song passt.

Pedals benutzt du nicht?

Nein, nur ein Stimmgerät. Langweilig, ich weiß, das tut mir leid für euch. (lacht) Ich habe da eine unromantische Ader, brauche nicht so viele Spielereien und mag den natürlichen Sound am liebsten.

Wie wichtig sind dir Saiten, Picks, Kabel?

Es gibt Saiten, die mir zu metallisch klingen, aber ich kann dir keine Namen nennen. Es gibt keine bestimmte Marke, die ich toll finde. Ich spiele ein relativ dickes Pick: 1 mm Dunlop, die haben diese raue Oberfläche, was gut ist auf der Bühne.

Wie wichtig ist dir der Sound allgemein? Ist er eher Mittel zum Zweck und muss in die Band passen, oder ist er auch Teil deiner musikalischen Persönlichkeit?

Der Sound muss zum Song passen, aber ich muss mich nicht mit einem bestimmten Sound in den Vordergrund drängen. Ich weiß, was ich nicht mag. Es muss bassig klingen und darf nicht zu metallisch sein.

PUNKROCK

Die Broilers sind ja mittlerweile für ein sehr breites Publikum interessant. Wie wichtig ist dir noch die Verbindung zur Punkszene, den Subkulturen, der Idee anders zu sein, usw.?

Das sind unsere Wurzeln und woher wir kommen, und niemand aus der Band ist dem Punkrock entwachsen. Für mich steht vielmehr die Frage im Vordergrund, wie man Punkrock definiert. Ich definiere Punkrock nicht mit äußerlicher Erscheinung, sondern es ist eine Attitüde: Do It Yourself, mach was du möchtest, steh hinter dem, was du tust, und auch wenn du etwas nicht kannst: Mach es trotzdem, wenn du Lust dazu hast. Und dem wird, glaube ich, niemand von uns jemals entwachsen.

Wie kommt eine recht erfolgreiche deutsche Band durch die Pandemie? Hat das Auswirkungen auf euer Einkommen oder kann man das durch Plattenverkäufe und Online-Aktivitäten gut ausgleichen?

Wir bringen jetzt unsere neue Platte raus und können sehr dankbar sein, dass wir so viele treue Fans haben, die uns unterstützen und die Platten kaufen. Diesen Zusammenhalt, dass man kleinere Bands, Läden und die kleine Kneipe mit Bier zum Mitnehmen unterstützt, finde ich ganz wichtig in so einer Zeit wie jetzt. Ich hoffe, dass wir bald wieder auf einer Bühne stehen können.

Es gibt immer wieder Diskussionen, warum es so wenige Frauen in der Rockmusik gibt. Hast du eine Idee, wie man noch mehr Mädchen für Rockinstrumente begeistern kann? Oder ist das Spielen in einer Band heute generell nicht mehr so angesehen? 

Letzteres glaube ich nicht. Es gibt auch heute noch viele junge Leute, die Musik machen. Vielleicht muss man Mädchen früh genug klarmachen, dass ein Schlagzeuger oder ein Bassist nicht männlich sein müssen. Das kann wahrscheinlich am besten passieren, wenn Mädchen sehen, dass diese Musikerinnen existieren. Wenn ein achtjähriges Mädchen ständig mit Musik konfrontiert wird, in der Frauen präsent sind, wird es für sie selbstverständlich. Es wäre vielleicht ein Anfang, Frauen mehr ins Licht zu rücken, damit Mädchen wissen: Das kann ich auch. Ich selbst hatte großes Glück, ich hatte in meinem Umfeld immer Frauen, die gemacht haben, was sie wollten. Meine Cousine war Profifußballerin, ich wusste also, dass Frauen auch Fußball spielen können. Mir kam nie der Gedanke in den Sinn: Ich bin ein Mädchen, das mache ich nicht.

Danke für das nette Interview!