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MEDICAL TRAINING – ANPACKEND UND GEFÜHLVOLL


Der Hund - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 07.07.2021

TEIL 3

Artikelbild für den Artikel "MEDICAL TRAINING – ANPACKEND UND GEFÜHLVOLL" aus der Ausgabe 8/2021 von Der Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Der Hund, Ausgabe 8/2021

Bevor wir uns ans Abtasten und mehr wagen, brauchen wir die Sicherheit, empfindliche Stellen berühren zu dürfen. Dazu gehören natürlich zum einen schmerzempfindliche Bereiche. Zum anderen aber auch solche, die an Körperstellen liegen, die sensibler sind und weniger „frei“ zugänglich. Auch unsere Hunde haben Stellen, die sie instinktiv schützen wollen.

Wenn Sie jetzt sagen: „Mein Hund lässt sich von fast jedem streicheln!“, ist zwar viel gewonnen – aber längst nicht sicher, dass deswegen auch jeder dem Hund den Puls fühlen darf. Denn schließlich sind die beiden Areale, an denen wir den Puls am besten spüren, jeweils in geschützten Bereichen zu finden. Solche Stellen, an denen Hunde nicht einfach immer mal wieder gestreichelt werden, können bei ängstlicheren Zeitgenossen problematisch werden. Eine solche Zone ist der Unterbauchbereich – hier schrecken ängstlichere Tiere schon einmal zurück. ...

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... Natürlich gibt es auch viele, die sich bereitwillig am Bauch kraulen lassen, da sie sich ganz sicher fühlen und die Vertrauensbasis zwischen Mensch und Hund das ermöglicht. Wir wollen nun aber bzw. in den gelangen, um die folgende Übung durchführen zu können.

Puls fühlen

Bei der abendlichen Streicheeinheit darf es also schon einmal statt nur über den Rücken auch unter die Achsel gehen – oder eben beim Hinterlauf in den Schenkelbereich – und schon haben Sie den ersten Schritt ganz unverfänglich gemeistert.

Beim nächsten Mal verharren Ihre Finger etwas länger dort – und fühlen schon einmal, ob Sie den Puls dort nehmen können. Das bauen Sie von Mal zu Mal so aus, dass Sie den Druck auf die Stelle, an der Sie den Pulsschlag spüren, erhöhen. Am Ende sind Sie so weit, dass Sie den Puls auch richtig feststellen könnten – und es dann auch tun: Zählen Sie die Anzahl der Pulsschläge in einer 15-Sekunden-Zeitspanne.

Der normale Ruhepuls ist bei kleineren Hunden zwischen 100 und 130 Schläge pro Minute, bei größeren zwischen 60 und 100 Schlägen in der Regel.

Je entspannter der Hund ist, umso genauer können Sie den normalen Ruhepuls Ihres Tieres bestimmen – und ihn als Referenz nutzen. Und natürlich lohnt es sich, einmal den Puls nach einer Anstrengung zu fühlen – dann spüren Sie, was das Hundeherz in Spitzenzeiten leisten kann. Spannend wird es jetzt, wenn andere genau dasselbe machen sollen – also wenn eine vertraute Person oder letztlich eine dem Hund eher wenig bekannte Person den Puls fühlt. Denn was der Hund seinen Bezugspersonen erlaubt, muss ja noch lange nicht jeder dürfen. Hier sollten Sie schrittweise üben mit Menschen, die keine Angst vor Ihrem Hund haben und im Allgemeinen eher freundlich gestimmt sind. Wenn die erste Kontaktaufnahme mit dem Hund funktioniert, können diejenigen auch die Berührung und das Pulsmessen in einem Schritt ausprobieren. Klappt das, sind Sie für den Tierarztbesuch bestens vorbereitet.

Es ist übrigens egal, ob der Puls liegend, stehend oder sitzend gefühlt wird. Ideal ist es, wenn es in allen Positionen möglich ist, sodass im Notfall auch immer der Puls kontrolliert werden kann.

Gelenke abtasten

Wir kennen es – einmal dumm aufgetreten und wir humpeln. Bei uns selbst kennen wir die Ursache meist und wissen, was wir tun müssen. Beim Hund kann es passieren, dass wir manchmal nur die Reaktion sehen, aber uns nicht erklären können, wann und wie er sich etwas zugezogen hat, das ihn humpeln lässt. Dann ist es gut, wenn wir schon beim gesunden Hund das Gelenkeabtasten geübt haben.

Dabei kann es wichtig sein, den Hund auf beiden Seiten zugleich abzutasten – um Unterschiede auch wirklich spüren zu können. Am besten geht das bei mittelgroßen bis großen Hunden, wenn wir beim Tasten an den Vorderläufen mittig über dem Hund stehen. Dadurch ist die Strecke für unsere Hände zu den beiden Vorderbeinen ziemlich gleich und wir können gut parallel tasten und spüren.

Erste Aufgabe ist es also, den Hund in diese Position zu bekommen. Entweder, Sie lassen den Hund eine Runde um Sie laufen und locken ihn zwischen den Beinen durch. Er sollte dann so sitzen oder stehen bleiben, dass Sie den Rücken zwischen Ihren Beinen haben. Alternativ setzt Ihr Hund sich oder soll stehen bleiben und Sie stellen sich über ihn. Trainieren Sie dies zunächst ohne weiter Aufgaben. Klappt das, können Sie sich ans Abtasten machen.

Wenn Ihr Hund nicht dazu zu bringen ist, weil er Stresszeichen zeigt, können Sie auch neben dem Hund stehen. Bei kleineren Tieren ist das häufig sogar die einfachere Art, an beide Beine zu greifen und sie abzutasten. Die eigentliche Kontroll-Aufgabe und damit Trainingseinheit kommt jetzt: das systematische Abtasten.Beginnen wir mit den Gelenken an den Vorderläufen.

„ Egal, für welche Richtung Sie sich entscheiden: Tasten Sie alle Gelenke an den Vorderläufen der Reihe nach ab. Beginnend von der Schulter können Sie sich dem Hund so nach und nach annähern beim Abtasten – bis Sie zu den Pfoten kommen. Andersherum beugen Sie sich zunächst mehr über den Hund und kommen von den Pfoten über die Ellenbogen bis zu den Schultern – und geben ihm dadurch mehr Freiraum.

„ Das Abtasten kann fürs Üben auch erst einmal nur teilweise geschehen – Sie sollten am Schluss der Übungen jedoch so weit sein, dass Sie alles ein- oder ggf. auch zweimal durchtasten können, ohne dass der Hund ausweichen will.

So bekommen Sie ein Gefühl dafür, wie sich die Gelenke anfühlen, wenn alles in Ordnung ist.

Um die Hinterläufe abzutasten, sollte der Hund stehen. Wir können uns auch hinter dem Tier platzieren, denn so kommen wir ebenso an beide Seiten zum Fühlen. Auch hier gilt: in einer Richtung, alle Gelenke nacheinander abtasten und spüren, wie es sich im Normalzustand anfühlt. Sind Schwellungen zu ertasten, oder Stellen, die wärmer sind als gewöhnlich, ab in die Tierarztpraxis!

Die Rippenbögen, die Hüfte und auch das Rückgrat nehmen wir beim Streicheln schon oft genug unter die Finger, die Rute jedoch seltener. Hier kann Medical Training auch helfen, wenn wir beispielsweise Fieber messen müssen oder es um das Leeren der Analdrüsen geht. Die Rute und deren Glieder vom Ansatz her bis zur Spitze zu spüren ist das eine, sie auch anzuheben oder zur Seite halten zu dürfen das andere. Üben Sie das mit ausreichendem Abstand zum Gassigang – und gerne auch, wenn der Hund liegt – das Ausweichen fällt dann schwerer und Sie behalten die Kontrolle.

Klappt das alles im Trockenlauf, können Sie natürlich auch einmal die Körpertemperatur messen – mit einem ganz klassischen Thermometer. Die Körpertemperatur unserer Hunde ist normalerweise etwas höher als unsere, in der Regel liegt sie zwischen 37 und 39 Grad, bei Welpen kann sie sogar noch etwas höher liegen, ohne dass der Hund krank ist. Ab 40 Grad Celsius sollten Sie die tierärztliche Praxis aufsuchen, die sich ansonsten sicher darüber freut, dass Ihr Hund sich dank Training problemlos Fieber messen lässt …

Pfotenkontrolle

Ihr Hund läuft frei herum, spielt vielleicht oder ist einfach so unterwegs – und plötzlich hebt er seine Pfote oder humpelt. Spätestens dann sollten wir die Pfoten kontrollieren können. Unsere Hunde sind zwischen den Zehen empfindlich – daher lohnt es sich, das Kontrollieren frühzeitig zu üben.

„ Um die Lauffläche zu kontrollieren, stellen Sie sich möglichst entgegen der Blickrichtung des Hundes.

„ Heben Sie nun die Pfote auf Ihrer Seite hoch: Achten Sie dabei darauf, das Bein nicht seitlich auszudrehen. Wichtig ist, dass Sie die Pfote im Gelenk nach hinten abwinkeln, sodass Sie die Unterseite und auch die Ballenzwischenräume ansehen können.

„ Machen Sie dies mit den Hinterbeinen ebenso – hier können Sie natürlich auch wieder hinter dem Hund stehen.

Um zwischen den Zehen nachsehen zu können, brauchen Sie etwas Fingerspitzengefühl und eine feste Hand – denn in der Regel wird der Hund die Pfote zurückziehen wollen, auch wenn nichts dran ist. Gehen Sie also in kleinen Schritten vor, indem Sie erst einmal nur die Pfoten einzeln festhalten und in Ihr Blickfeld heben.

Im zweiten Schritt nehmen Sie die zweite Hand zur Hilfe und drücken die Zehen einzeln leicht auseinander. Können Sie das an einer Pfote nach und nach komplett machen, ist es erst einmal genug.

In der finalen Stufe können Sie das mit allen vier Pfoten – und dann auch gerne noch mit einem Tuch testweise auswischen. Und ganz nebenbei haben Sie damit auch die Stufe „So geht mein Hund problemlos zum Groomer“ geschafft, denn wenn das klappt, können Sie auch mit einer kleinen Schermaschine hier Detailarbeit verrichten …

Gerade die Zwischenzehenkontrolle ist etwas, das beim liegenden Hund einfacher klappt, unterwegs aber nicht immer so gut funktioniert. Üben Sie das also bei Gelegenheit auch einmal im Stehen.

Haben wir alle Berührungsübungen gemeistert, kommen wir in Teil 4 zu Übungen, die die Psyche unserer Hunde stärken und sie unter anderem mit geräuschintensiven Situationen vertraut machen sollen.

BUCHTIPP

Medical Training ist Übung für den Notfall. Im Müller-Rüschlikon Verlag ist aktuell das Buch Erste Hilfe am Hund Für den Notfall gut gerüstet erschienen. Die derHund Chefredakteurin hat darin neben einigen Übungen zum Medical Training Wichtiges zu Ersthilfemaßnahmen beim Hund zusammengetragen. Anschaulich und leicht verständlich baut das Buch auf Übungen zum Medical Training und den „Erste Hilfe am Hund“-Kurs der Tierakademie auf. Noch ein Tipp: Das Buch ist als Prämie für neue derHund Club- Mitglieder erhältlich.