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„Medien sind Mittel zum Zweck“


schule - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 25.11.2021

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Bildquelle: schule, Ausgabe 5/2021

Es muss trotzdem sinnlich erfahrbar bleiben: auch wenn mit digitalen Lerngeräten in der Schule gearbeitet wird

Der pädagogisch ausdifferenzierte und methodisch begründete Einsatz von Medien im Unterricht unterscheidet grundsätzlich und im Einzelfall nach Altersstufen, Schulformen und Fächern und setzt sich für einen altersangemessenen, fachlich und didaktisch ausdifferenzierten und vor allem gleichberechtigten Einsatz von analogen wie digitalen Lehr- und Lernmedien im Unterricht ein. Medien im Unterricht sind Mittel zum Zweck, als Ergänzung des Präsenzunterrichts und als Hilfsmittel in Selbstlernphasen, die wieder zum Diskurs im Klassenverband bzw. in einer Lerngemeinschaft zurückführen. Die derzeitige Verkürzung der Medienpädagogik auf Digitaltechnik und die Unterordnung unter technische Systeme ist pädagogisch wie sozial destruktiv und im Ergebnis desaströs. Die automatisierte Beschulung und Prüfung durch Softwaresysteme widersprechen dem Selbstverständnis von Bildungseinrichtungen in humanistischer ...

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... Tradition, die das autonome und selbstverantwortliche Subjekt zum Ziel haben.

Auf Basis wissenschaftlicher Studien aus der Kognitionsforschung, der Entwicklungspsychologie und Pädagogik werden daher folgende Empfehlungen formuliert:

Kindertagesstätten und Grundschulen bleiben in der pädagogischen Arbeit digitalfrei. Kinder müssen erst in der realen Welt zu Hause und dort sicher sein, bevor sie virtuelle Welten erkunden. Kinder müssen erst in den klassischen Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) sicher werden, die manuell eingeübt werden. Sie werden zugleich an die manuellen Gestaltungstechniken herangeführt: Basteln, Malen, Zeichnen und Musizieren, auch Theater und Tanz, Sport und Naturerlebnis.

Medienmündigkeit

statt Medienbedienkompetenz: Ziel der Medienerziehung ist Medienmündigkeit. Das bedeutet, dass Kinder und Jugendliche selbst entscheiden (lernen), welche Medien sie für welche Zwecke nutzen. Dafür werden alle Medien (analog wie digital) altersangemessen thematisiert und genutzt.

RALF LANKAU Grafiker, Philologe und Kunstpädagoge, unterrichtet seit 1985 Gestaltungstechniken mit analogen und digitalen Techniken, seit 2002 als Professor für Mediengestaltung und Medientheorie an der Hochschule Offenburg

Was in der Grundschule

thematisiert werden muss, ist das Mediennutzungsverhalten. Besprochen werden konkrete Inhalte und mögliche Folgen der Mediennutzung. Es ist wie mit dem Fernsehen: Niemand „unterrichtet“ Fernsehschauen in der Grundschule, obwohl die meisten Kinder zu Hause fernsehen. Man muss aber über Gesehenes und Erlebtes mit den Kindern in der Schule sprechen, damit sie es verarbeiten können.

Dieser Transfer ist charakteristisch

für Schule und Unterricht. Im Verkehrsunterricht lernen Kinder richtiges und sicheres Verhalten im Straßenverkehr, ohne mit acht oder zehn Jahren den Führerschein zu machen. In der Suchtprävention werden Drogen und Alkohol samt Folgen thematisiert, ohne Drogen zu verteilen oder Alkohol auszuschenken. So ist es auch bei der Internetnutzung. Hier sind PräventionslehrerInnen gefragt, die mit Kindern über die Inhalte und Gefahren des Netzes sprechen und ihnen konkrete Handlungsoptionen bzw. wirksames Präventionsverhalten vermitteln. Dazu müssen die Kinder nicht ins Netz, die Zusammenarbeit mit z. B. Jugendschutzbeauftragten der Polizei ist sinnvoller. Denn es gibt kein Kindernetz. Die Erwachsenenwelt ist immer nur einen Klick entfernt.

Digitaltechnik

ist Teil unserer Lebenswirklichkeit. In der Unterstufe (Klasse 5 oder 6) wird daher das Verständnis für Informationstechnik (IT) vermittelt. Dann haben Kinder bzw. Jugendliche die notwendige, persönliche Reife und genug technisches Verständnis. Dafür braucht man weder Rechner noch Bildschirme. Projekte wie „Computer Sciences Unplugged“ (csun plugged.org; deutsch: einstieg-informatik.de) vermitteln Kindern ein fundiertes Verständnis für die Funktionsweise und Logik der Informationstechnik, ganz ohne Rechner und Software. Gelernt werden Grundlagen, Fragestellungen und Methoden der Informatik – als Denkwerkzeug.

In Klasse 6 oder 7 kann man „echten“ Informatikunterricht mit kostengünstigen, gleichwohl voll programmierbaren Kleinrechnern wie „Arduino“ (eine Leiterplatte mit Mikrocontroller, Steckplätzen und eigener Programmiersprache) oder „Raspberry Pi“ anbieten. Ein Klassensatz dieser scheckkartengroßen Rechner kostet gut 1 000 Euro. Als Peripheriegeräte wie Tastatur, Maus, Speicher oder Bildschirme kann man vorhandenes Material nutzen. Für Schulen gibt es gut dokumentierte und geeignete Projekte. Mit diesen Rechnern kann man programmieren und ins Netz gehen. Nur für den Consumer- Modus (wischen und tippen) sind sie nicht geeignet, weil man erst selbst etwas tun muss, bevor sie funktionieren.

Ab Klasse 8 kann man mit Desktop-Rechnern, Laptops und Open-Source-Software sowohl Software schulen wie eigene Medienprojekte umsetzen. Software-Schulung bedeutet dabei: die Prinzipien von Textverarbeitung, Desktop-Publishing oder z. B. Webdesign oder Videoschnitt verstehen und eigene Projekte damit umsetzen. Das ist weitaus zukunftsrelevanter als Microsoft- oder Adobe-Programme in immer neuen Versionen einzuüben (Update-Zwang). Zudem zeigt sich, dass das Wischen und Tippen auf Tablet und Smartphone echte Computerkenntnisse eher verhindert als fördert.

Bei Medienprojekten am Ende der Mittel-, besser in der Oberstufe, werden Bilder und Filme erstellt, eine Schülerzeitung oder Inhalte für Websites generiert und das Ganze mit Offline-Produktionsrechnern umgesetzt. Offline heißt: Die Rechner sind untereinander vernetzt, aber nicht ans Internet angeschlossen. Nur so kann sichergestellt werden, dass keine SchülerInnendaten ausgelesen und ausgewertet werden. Gearbeitet wird im Intranet (Stichwort „Edge Computing“ oder Hybrid Cloud). Alle Programme und Daten stehen lokal zur Verfügung, es werden aber keine SchülerInnendaten ins Netz geleitet.

Die fertigen und (von LehrerIn, SchulleiterIn oder bei älteren SchülerInnengruppen von den Verantwortlichen) freigegebenen Inhalte werden dann über einen Netzrechner ins Netz gestellt. Nur so kann der/die LehrerIn oder die Projektgruppe entscheiden, was und wann es öffentlich wird. Das mag komisch klingen in einer „Rund-um-die-Uhr-und-jederzeit-erreichbar-Online-Welt“, aber das ist z. B. das Konzept vom Apple Design Lab. Kein Produktionsrechner hängt im Netz. Nur so konnte Steve Jobs, nur so kann heute Tim Cook selbst entscheiden, wann etwas publiziert wird.

Kein Mensch lernt digital. Gerade in Kindergar ten und Grundschule müssen Kinder reale sinnliche Erfahrungen machen

Für Berufsschulen ergeben sich Lehrinhalte und Anwendungen direkt aus der in den Betrieben und in der Produktion eingesetzten Software. Hier ist der Einsatz von Rechnern und Software Teil der Berufsausbildung.

Das sind erste konkrete Vorschläge für einen didaktisch sinnvollen und datenschutzkonformen Einsatz von Medien und IT in Schulen. Dabei gilt immer: Es gibt keine digitale Bildung. Kein Mensch lernt digital. Gerade in Kindergarten und Grundschule müssen Kinder reale sinnliche Erfahrungen machen. Das fördert ihre kognitive Entwicklung und ihre senso-motorische Integration. Nur das aktive Zusammenspiel von Sinneserfahrungen (senso) und körperlicher Betätigung (motorisch) schafft die nötige Grundlage, damit sich Kinder körperlich und geistig gesund entwickeln können. Sitzen sie zu lange vor Bildschirmen, reduzieren sich die Sinneseindrücke auf visuelle und akustische Reize, die Sensomotorik verkümmert. Kinder brauchen stattdessen Bewegung, echte sinnliche Reize und reale menschliche Kontakte. Das bestätigen die aktuellen Empfehlungen der WHO (2019) ebenso wie Ratschläge der Kinderärzte.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Pädagogik-Fachbuch „Autonom und mündig am Touchscreen“, erschienen beim Beltz- Verlag, ISBN: 978-3- 407 258 892; Preis: 29, 95 Euro

THESEN UND FORDERUNGEN

Philosophisch ausbuchstabiert, lautet der hier postulierte Gegensatz der Systeme: Schaffen Pädagoginnen und Pädagogen die Frei- und Lebensräume, die das „Werde, der oder die du bist“ ermöglichen – oder verkürzen Ökonomen und Dataisten Schule auf: „Lerne, was du tun sollst“? Auch wenn diese Gegenüberstellung etwas holzschnittartig sein mag, hilft es, die dahinterstehenden Menschenbilder und Erziehungsmethoden zu erkennen, die bis heute Schule und Ausbildung prägen. Vor allem lässt sich durch den Kontrast gut herausarbeiten, welche didaktischen Konsequenzen für die Planung von Schule und Unterricht relevant sind, einschließlich der jeweiligen Medien.

Zurzeit werden die Schulen mit dem Digitalpakt Schule nach den Forderungen der Datenökonomie umgebaut, einschließlich der Optionen für ein dauerhaftes Homeschooling. Neben der vollständigen Ausstattung der Schulen mit WLAN werden jetzt Endgeräte ausgegeben, damit Schülerinnen und Schüler zu Hause damit arbeiten können. Aus einer Notsituation der Pandemie werden feste Strukturen der automatisierten Beschulung und durchgängigen Kontrolle. Daraus wiederum lassen sich zentrale Thesen und Forderungen ableiten, wie eine Digitaltechnik aussehen muss, die dem Menschen als Werkzeug dient, statt ihn zum Datenspender einer zunehmend automatisierten Datenökonomie zu machen.

1. Datenökonomie und digitaler Überwachungskapitalismus (so beschreibt dies US-Philosophin und Harvard-Professorin Shoshana Zuboff 2018, die Red.) aus dem Silicon Valley basieren auf immer mehr personenbezogenen Daten. Mobile Geräte und Kameras oder Sensoren im privaten wie im öffentlichen Raum („Internet of Things“) ermöglichen es, den Menschen mit seinem Verhalten nahezu vollständig aufzuzeichnen und auszuwerten. Er wird zum unfreiwilligen Datenspender für Big Data und die Datenanalyse der IT-Monopole.

2. Der permanente Rückkanal für personenbezogene Daten etabliert immer umfangreichere Mess- und Kontrollstrukturen in allen Lebensbereichen. Daraus entstehen immer exaktere Bewegungs-, Verhaltens- und Persönlichkeitsprofile. Diese Profile ermöglichen es, das Nutzerverhalten zu prognostizieren und Nutzer – mit persuasiven Technologien (steht für: überredenden, die Red.) der Werbepsychologie – in ihrem Verhalten zu beeinflussen.

3. Freie, demokratische und soziale Gesellschaften bleiben nur dann freie, demokratische und soziale Gemeinschaften, wenn sie andere IT- und Netzkonzepte entwickeln, anstatt neoliberale und marktradikale Strukturen zu übernehmen. Auch Infrastruktur- und Kommunikationssysteme unterliegen in Rechtsstaaten dem geltenden Recht, das sich für Netzanwendungen erst entwickeln muss. Mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz, der europaweit gültigen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und dem europäischen Urheberrecht sind erste Grundpfeiler eingeschlagen, um das vermeintlich „rechtsfreie“ Internet und Web zu zivilisieren.

4. Statt permanenter Datenmaximierung nach der Logik der IT-Konzerne müssen Datenschutz, Datenvermeidung und Datenreduktion zu den obersten Geboten der neuen Datenwirtschaft werden. Eine zentrale Rechtsgrundlage muss die verpflichtende und vollständige Transparenz der eingesetzten Algorithmen werden … Dazu zählen als weitere Prämissen Datensparsamkeit, Dezentralisierung der technischen Infrastruktur (statt Zentralisierung in Server-Farmen), freier Zugriff der Nutzer auf ihre Daten und generelle Löschpflicht für alle nicht mehr benötigten Daten.

Denn wer datengläubig Maschinen entscheiden lässt, was Menschen tun oder lernen oder wünschen sollen, zerstört die Autonomie des Menschen …

5. Personenbezogene Daten dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Nutzer genutzt und kommerzialisiert werden. Die Nutzer müssen an den mit diesen Daten generierten Umsätzen beteiligt werden. Daten schutzbefohlener Minderjähriger (Kinder, Jugendliche) dürfen weder für die Profilierung noch zur Kommerzialisierung genutzt werden. Gleiches gilt für Gesundheitsdaten, die ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke in klar definierten Umgebungen und für konkrete Forschungsfragen genutzt werden dürfen.

6. Digitaltechnik in Schulen wird nur lokal (Intranet, Edge Computing) zur Unterstützung der Lehrenden beim Unterrichten in den Präsenzlehrphasen und für Lernende bei Gruppenarbeiten bzw. in Selbstlernphasen eingesetzt. Dabei werden weder Schülerdaten gesammelt noch werden Lern- oder Persönlichkeitsprofile erstellt. Keine Daten gehen ins Netz.

7. Wenn wir das Web weiter nutzen wollen, müssen wir IT neu denken. Aus dem Versprechen eines freien Netzes und hierarchiefreier Kommunikation ist ein Überwachungs- und Konsuminstrument zum Nutzen weniger IT-Konzerne und staatlicher Überwachungsorgane geworden. Das kommerzielle Netz wird von Fake News, Spam und Gewalt dominiert. Die Utopie eines unreguliertes Netzes in eigener Verantwortung der NutzerInnen hat sich als nicht tragfähig erwiesen. Arbeiten wir an einer tragfähigen Alternative auf rechtsstaatlicher Basis.

8. Eine freie und reflektierende Gesellschaft weiß, dass Daten immer nur der Ausgangspunkt und die Grundlage für Diskussionen und Entscheidungen sein können, alleine aber nicht aussagekräftig sind. Daher müssen die Daten- wie die Digitalgläubigkeit aufgebrochen, der interpersonale Diskurs und die Kontroverse wieder in ihr Entscheidungsrecht eingesetzt werden. Denn wer datengläubig Maschinen entscheiden lässt, was Menschen tun oder lernen oder wünschen sollen, zerstört die Autonomie des Menschen und seine Handlungsfreiheit zugunsten eines algorithmisch berechneten Regimes autoritärer technischer Systeme.

9. Technologische Systeme zur automatisierten (algorithmisch berechneten) Verhaltensmanipulation verstoßen gegen die Würde des Menschen, seine Grundrechte und Selbstbestimmung. Sie sind in demokratischen und humanen Rechtsstaaten untersagt.

Wer also Kindern und Jugendlichen eine gesunde und selbstbestimmte Zukunft ermöglichen und ihnen Bildungschancen eröffnen möchte, wird dafür sorgen, dass Schulen und Bildungseinrichtungen analoge wie digitale Medien altersgerecht, ausschließlich nach pädagogischen Prämissen und ohne das Sammeln von SchülerInnendaten einsetzen.

Über die Aufgabe und Funktion von – analogen wie digitalen – Medien im Unterricht entscheiden dabei immer die studierten und als PädagogInnen qualifizierten Lehrerinnen und Lehrer (Stichwort: Methodenfreiheit).

Statt Zwangsdigitalisierung, Automatisierung und Zentralisierung nach den Parametern der Datenökonomie muss wieder das echte pädagogische Primat gelten: Präsenzunterricht als Beziehungsarbeit, fachzentriert nach Fachlogik statt kompetenzorientiert, ohne Schülerinnen und Schüler vermessen und algorithmisch berechnet steuern zu wollen.

Dann können Schulen wieder ihrem Ursprungsgedanken gerecht werden: ein Ort der Muße, der Wertevermittlung, Erziehung und Bildung zu sein, in dem aus jungen Menschen mündige Persönlichkeiten werden, die sich verantwortlich in die Gesellschaft einbringen.

Wenn wir das Web weiter nutzen wollen, müssen wir IT neu denken