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MEDIZIN: EINE GENERATION IM WECHSEL


Donna - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 08.01.2020

Mal sind es Hitzewallungen und Schlafstörungen, mal Depressionen und Haarausfall – oder alles auf einmal. Die Liste der Wechseljahrsprobleme ist lang, die Anzahl derer, die es betrifft, so groß wie nie, es betrifft die Babyboomer, also alle, die in den 60er-Jahren geboren wurden.


#generationwechseljahre

Damit Frauen ins Gespräch kommen: die neue DONNA-Aktion auf Instagram und donna-magazin.de

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Bildquelle: Donna, Ausgabe 2/2020

Weil das Thema Wechseljahre noch nie so viele Frauen betroffen hat wie heute – in Deutschland sind es derzeit etwa 15 Millionen –, gibt DONNA allen Leserinnen eine Plattform, um ins Gespräch zu kommen, über ...

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... Erfahrungen zu berichten, Tipps auszutauschen und Experten zu befragen: Mit unserer Aktion auf und Instagram wollen wir das Thema präsenter machen und enttabuisieren. Schließlich hat nur etwa ein Viertel aller Frauen keine Beschwerden. Alle anderen stehen unter Leidensdruck und irgendwann vor der Frage: Hormone nehmen oder nicht? Und die Verunsicherung ist größer denn je, denn seit Jahren widerlegt eine Studie die nächste: In den 1990er-Jahren galten Hormone als Wundermittel, sie sollten sogar schöner, schlanker und leistungsfähiger machen und vor Brustkrebs, Herzinfarkt, Osteoporose und Demenz schützen. 2002 erklärten dann US-Wissenschaftler in der Studie „Women’s Health Initiative“ künstliche Hormone zu einem Gesundheitsrisiko – um noch mal 14 Jahre später ihre Erkenntnisse erneut zu revidieren. Inzwischen macht die Wissenschaft wieder eine Rolle rückwärts: Laut einer kürzlich veröffentlichten Metaanalyse der Universität Oxford, bei der Daten von fast 500 000 Frauen ausgewertet wurden, deutet alles darauf hin, dass Östrogen, allein oder in Kombi mit Gestagen, vor allem das Brustkrebsrisiko steigert – je länger die Therapie, desto signifikanter. „Dieses Risiko ist seit Langem bekannt und wird bei der Verordnung von Hormonen immer angesprochen“, so die Münchner Gynäkologin Dr. Elke Philipp. Eine niedrig dosierte Hormonersatztherapie, z. B. transdermal als Salbe auf die Haut aufgetragen, hält sie jedoch nach sorgsamer Anamnese für absolut vertretbar, sofern keine erbliche Vorbelastung für Brustkrebs vorliegt und die Beschwerden signifikant sind. Das sieht auch ihre Berliner Kollegin Dr. Sybille Görlitz-Novakovic so. „Es geht ja nicht darum, Hormone zur Prävention von Alterserkrankungen oder als Lifestyle-Pille einzusetzen. Aber man muss in dieser Phase auch nicht unnötig leiden. Wenn keine medizinische Kontraindikation vorliegt, kann man ruhig Hormone nehmen. Allerdings gilt: so lange wie nötig, so kurz wie möglich. Spätestens nach fünf Jahren sollten die Medikamente ausgeschlichen werden.“

Insa Schult, 46,

Head of Strategy, München
Als ich an meinem 40. Geburtstag die Diagnose „Brustkrebs“ bekam, war meine Tochter gerade mal fünf Jahre. Schon deshalb stand für mich fest: Ich würde alles tun, um die Krankheit zu besiegen. Amputation mit anschließendem Brustaufbau, Chemo, Strahlentherapie, Haarverlust – alles nahm ich auf mich. Klar kamen Durchhänger, aber ich schaffte es, mich meinen Ängsten nicht hinzugeben. Was mich dann umhaute, waren die Hormone, die ich nehmen musste. Sie veränderten meine Persönlichkeit, machten mich zur Furie, die bei der kleinsten Kleinigkeit in die Luft ging, ungerecht und aggressiv war. Mein Arzt meinte, die einzige Alternative sei, Gebärmutter und Eierstöcke zu entfernen, allerdings würde ich bereits im Aufwachraum in den Wechseljahren sein. Ich habe mich trotzdem dafür entschieden. 24 Stunden nach der OP kamen die ersten Hitzewallungen. Im Gegensatz zu den Hormonen – ein Kinkerlitzchen. Heute, fünf Jahre nach der Krebsdiagnose, gelte ich als geheilt.
Das habe ich gelernt: Mutiger zu sein, öfter auf mich selbst zu hören und jeden Tag aufs Neue zu genießen.

Stephanie Löw, 49,

Künstlerin, Kornburg
Plötzlich Schweißausbrüche, die sich wie eine Explosion im Körper anfühlten, dazu Herzrasen und Kreislaufprobleme: Zunächst führte ich diese Symptome auf eine Schilddrüsenüberfunktion zurück, doch dann erklärte mir mein Arzt ganz lapidar, dass meine Eierstöcke ihren Dienst eingestellt hätten. Im ersten Moment habe ich geschluckt, andererseits sind die Wechseljahre ja keine Krankheit, sondern ein ganz normaler Vorgang und ein Lebensabschnitt, in dem man sich neu orientieren und überlegen kann, welche Prioritäten man künftig setzen möchte. Ich finde es wichtig, das Thema zu enttabuisieren und Verständnis füreinander zu zeigen – gerade unter Frauen. Schließlich trifft es jede von uns, die eine mehr, die andere weniger. Außerdem lassen sich sehr lustige Gespräche über die oft bizarren Auswirkungen führen und wie man damit umgeht. Mir persönlich hilft es, mich viel zu bewegen. Ich gehe joggen, bin häufig im Wald unterwegs und habe angefangen, mich mit Wildpflanzen zu beschäftigen.
Das habe ich gelernt: Offen mit dem Thema umzugehen: Wenn ich mitten in einem Gespräch einen knallroten Kopf kriege, mir den Pulli vom Leib reiße und im T-Shirt dastehe, dann ist das halt so.


„Der Arzt erklärte mir lapidar: Ihre Eierstöcke haben ihren Dienst eingestellt“


Elke Hüfner, 57,

Kaufmännische Leiterin, München
Vor zehn Jahren kam ich in den Wechsel und dachte, die Sache wäre nach zwei, drei Jahren durchgestanden. Von wegen. Hitzewallungen, Libidoverlust und Scheidentrockenheit wurden immer schlimmer. Im Herbst 2018 ging ich deshalb ins Hormonzentrum, wo mir die Ärzte zehn verschiedene Medikamente verschrieben. Doch was sie für einen „Wundercocktail“ hielten, entpuppte sich als purer Horror: Ich bekam Panikattacken und musste sogar einmal mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus. Daraufhin setzte ich die Hormone ab – und schlitterte in eine Depression. Mit den Antidepressiva, die ich daraufhin bekam, fühlte ich mich wie in Watte gehüllt. Gegen den Rat meiner Psychologin setzte ich sie wieder ab. Heute tauchen die Panikattacken zwar gelegentlich noch auf, aber ich weiß jetzt, wie man sie mit Atemübungen in den Griff kriegt. Ich mache nach wie vor eine Therapie. Inzwischen habe ich aber auch wieder Lust, mich mit Freunden zu treffen und am Leben teilzunehmen.
Das habe ich gelernt: Es geht in der Menopause nicht nur um körperliche Beschwerden, mindestens genauso wichtig ist es, die psychische Verfassung im Auge zu behalten.

Michaela Rummer, 56,

Designerin, München
Dass ich, obwohl ich noch immer mal wieder meine Periode habe, mitten in der Menopause bin, machte sich anfangs vor allem durch heftige Schweißausbrüche bemerkbar, die aber zwischendurch auch wieder verschwanden. Viel schlimmer war, dass ich nachts Fressattacken bekam. Dass ich dabei alles vernichtete, was der Kühlschrank hergab, und derart die Kontrolle verlor, dass ich meinen Mann sogar mal bat, mich im Schlafzimmer einzusperren, hat mich als disziplinierten Menschen total geschockt. Ich ließ mir Hormone verschreiben, setzte sie jedoch schnell wieder ab, weil sie nichts änderten, sondern nur viel Geld gekostet haben. Stattdessen beschloss ich, mich mit diesen seltsamen Anwandlungen zu arrangieren. Um nicht zuzunehmen, faste ich regelmäßig. Außerdem finde ich, dass die Wechseljahre auch eine Chance sind zu überprüfen, was man möchte, welche Ziele man hat. Nach neun Jahren in Shanghai lebe ich inzwischen mit meiner Patchworkfamilie in München und baue mein eigenes Modelabel auf.
Das habe ich gelernt: Alles nicht so schlimm: Während und nach der Menopause kann man sich noch jede Menge spannende Dinge vornehmen.


Die nächtlichen Fressanfälle haben mich geschockt


Petra Resch, 52,

Friseurmeisterin, Nürnberg
Durch die Spirale haben sich meine Wechseljahre nicht durch das Ausbleiben der Regel bemerkbar gemacht, sondern durch Hitzewallungen und später durch extreme Stimmungsschwankungen. Ich war ständig gereizt, antriebslos, aufbrausend und viel weniger belastbar als früher. Es war erschreckend: So war ich nicht, und so wollte ich nicht sein! Ein pflanzliches Mittel brachte keinerlei Besserung. Und da ich keine Hormone nehmen wollte, ließ ich bei meiner Heilpraktikerin ein großes Blutbild machen. Nun werde ich an einem Ernährungsprogramm teilnehmen, das auf meinen Stoffwechsel zugeschnitten ist und die Hormonproduktion wieder ins Lot bringen soll. Auch meine Nahrungsunverträglichkeiten will ich damit in den Griff kriegen. Seit ich im Wechsel bin, vertrage ich nämlich keine Milchprodukte und kein Brot mehr.
Das habe ich gelernt: Sport hilft mir tatsächlich in schwierigen Phasen. Mein Programm mit Fitness, Cyberobics und Yoga stärkt mich körperlich und seelisch.

Kerstin Bienzle, 48,

Hausfrau und Bloggerin, Stuttgart
Ich habe eine erwachsene Tochter, bin aber mit 39 und 42 noch einmal Mama geworden. Zwei Jahre später blieb meine Menstruation plötzlich wieder aus, und mein Arzt teilte mir mit, dass ich nicht schwanger, sondern im Klimakterium sei. Darüber war ich nicht allzu unglücklich. Etwa ein Jahr später, mit 45, bekam ich dann die volle Bandbreite der Wechseljahre zu spüren: Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gelenk- und Muskelschmerzen, ich nahm zu und bekam zu allem Überfluss auch noch einen Damenbart. Aber das Schlimmste waren die Angstzustände. Einmal dachte ich wirklich, ich müsse sterben. Mittlerweile komme ich damit einigermaßen klar. Einen Hormontest werde ich deshalb nicht machen lassen – ich weiß ja, was los ist. Und Tabletten möchte ich sowieso nicht nehmen.
Das habe ich gelernt: Ich bin stärker, als ich dachte, schwierige Situationen werfen mich heute nicht mehr aus der Bahn.

Andrea Hösel, 63,

Chefredakteurin, Nürnberg
Das Thema Wechseljahre fand ich immer ziemlich unsexy. Ich wollte es auch gar nicht wahrhaben, als ich mit Ende 40 feststellen musste, dass auch ich nicht davon verschont blieb. Doch dass meine Ärztin mich vehement zu einer Hormonersatztherapie drängte, empfand ich als mehr als übergriffig, zumal damals gerade in großen Studien vor einem erhöhten Krebsrisiko gewarnt wurde. Ich suchte deshalb nach Alternativen, las viel, machte mich schlau. Der ayurvedische Ansatz interessierte mich, war mir letztlich aber doch zu philosophisch, eine Eigenbluttherapie bei der Heilpraktikerin dagegen überzeugte mich. Was mich aber letztlich gut über die Wechseljahre brachte, war der Beschluss, meine Haltung dazu zu ändern und dieser Zeit eine neue Bedeutung zu geben. Wenn ich beispielsweise nachts aufwachte, ging ich ins Wohnzimmer und las in einem 300-Seiten-Buch über die Weltgeschichte. So nutzte ich quasi meine Schlafstörungen, um mich fortzubilden. Im Nachhinein sehe ich diese Zeit positiv und als Transformation. Ich habe sogar richtig Auftrieb bekommen und beispielsweise eine Website aufgebaut (mutig-werden.de), um anderen Frauen Mut zu machen.
Das habe ich gelernt: Nach den Wechseljahren lebt man mindestens so gut wie zuvor!


Am schlimmsten waren die Angstzustände


FOTOS: LARA FREIBURGER (3), SIMEON JOHNKE (3), BERTHOLD STEINHILBER; HAARE & MAKE-UP: NADINE HERMANN MIT PRODUKTEN VON MAC COSMETICS (3), JULIA STELLER (3)

FOTOS: LARA FREIBURGER (2), SIMEON JOHNKE; HAARE & MAKE-UP: NADINE HERMANN MIT PRODUKTEN VON MAC COSMETICS (2), JULIA STELLER (1)

FOTOS: LARA FREIBURGER (1), SIMEON JOHNKE (2), BERTHOLD STEINHILBER; HAARE & MAKE-UP: NADINE HERMANN MIT PRODUKTEN VON MAC COSMETICS (3), JULIA STELLER (3)