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MEDIZIN Meine Gesundheit Schluss mit dem ewigen Husten


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 49/2018 vom 28.11.2018

Die Erkältung ist längst überstanden, aber der Husten hält sich hartnäckig. Was dahinter steckt und wie wir ihn am besten loswerden


Artikelbild für den Artikel "MEDIZIN Meine Gesundheit Schluss mit dem ewigen Husten" aus der Ausgabe 49/2018 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 49/2018

Bronchien im Stress: Beim Husten reiben sie durch den Luftdruck aneinander und werden gereizt. Tipp: Wangen aufblasen, in die hohle Faust husten, das bremst den Druck


Tagsüber raubt er uns den letzten Nerv, nachts den doch so dringend benötigten Schlaf … Husten ist eigentlich ein nützlicher Reflex unseres Körpers, mit dem er unsere Atemwege reinigt und schützt. Zum ständigen Begleiter sollte er aber nicht werden.

Hustensensoren sind lange noch aktiv
Kaum eine Erkältung vergeht ...

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Hustensensoren sind lange noch aktiv
Kaum eine Erkältung vergeht ohne das laute Bellen. Wenn Viren die Schleimhäute der Atemwege infizieren, kratzt es in der Regel erst im Hals, dann macht die Nase dicht und der Husten lässt nicht lange auf sich warten. Seine Aufgabe ist es, den Schleim und die darin gebundenen Erreger aus den Atemwegen zu befördern. Verschwindet er mitsamt dem Schnupfen wieder, kein Problem! Husten wir aber auch Wochen nach einer Erkältung noch, deutet das meist auf winzige Entzündungen hin, die noch auf unseren Atemwegen schwelen. Der Hals kratzt dann weiter, fühlt sich trocken an. Das aktiviert die Hustensensoren in den Atemwegen. Da aber längst kein Schleim mehr zum Abtransport vorhanden ist, wird der Husten trocken und damit umso schmerzhafter. Ärzte sprechen von Reizhusten. Typisch ist auch ein ständiges Räuspern, ausgelöst durch die trockenen, empfindlichen Schleimhäute.

Viel trinken beruhigt die Atemwege
Um die Schleimhäute zu befeuchten, sollten wir viel trinken – am besten Kräuter- oder Früchtetees (s. Infokasten), stilles Wasser und kurz vor dem Schlafengehen ein Glas heiße Milch mit Honig. Das Hausmittel sorgt für eine ruhige Nacht, da Inhaltsstoffe des Honigs nicht nur entzündungshemmend, sondern auch reizlindernd wirken. Wer Milch nicht mag oder schlecht verträgt, kann einen Esslöffel Honig langsam im Mund zergehen lassen. Außerdem Hals und Oberkörper warm halten – Wärme unterstützt die Heilung und entspannt die durch den Hustendruck gestresste Atemmuskulatur.

Antibiotika helfen da meist nicht: Gute Husten-Tees

Da Erkältungshusten in der Regel von Viren verursacht wird, können Bakterienkiller wie Antibiotika nichts ausrichten. Husten-Tees sind sanfter und wirksamer. Rezepte: Jeweils 1 TL Linden- und Holunderblüten mit 250 ml Wasser überbrühen. Speziell bei Reizhusten 1 TL Thymian mit 1 Tasse heißem Wasser aufgießen. Hagebutten-Tee stärkt das Immunsystem und hilft, schneller gesund zu werden: 1 TL Früchte mit 1 Tasse Wasser überbrühen.

Ein Hustenstoß ist wie eine kleine Explosion im Körper und versprüht Heerscharen von Viren und Bakterien mehrere Meter weit


Ätherische Öle und Salzwasser lindern
Inhalationen mit Salzwasser oder Eukalyptusöl wirken direkt auf die gereizten Schleimhäute. Einfach eine Messerspitze Salz in heißem Wasser auflösen oder drei bis fünf Tropfen ätherisches Eukalyptusöl ins Wasser geben. Tipp: Inhaliergeräte mit Trichteraufsatz für Mund und Nase (in Apotheken) verwenden, damit die heilsamen Dämpfe wirklich an Ort und Stelle gelangen. Eukalyptusöl entfaltet auch von innen seine heilsame Kraft. Als Spezialdestillat mit Myrten-, Süßorangen- und Zitrönenöl (z. B. in „GeloMyrtol forte“-Kapseln, rezeptfrei in der Apotheke) wirkt es schleimlösend und entzündungshemmend, beruhigt die strapazierten Schleimhäute und hilft, hartnäckigen Husten schneller loszuwerden. Wichtig: Kapseln mit ätherischen Ölen mit einem Glas Wasser einnehmen, nicht mit einem heißen Getränk – sonst löst sich die Kapsel zu schnell auf, die Inhaltsstoffe werden zu früh freigesetzt und man stößt die Öle auf.

Durchatmen entlastet Lunge und Bronchien
In stressigen Hustenzeiten brauchen Lunge und Bronchien eine gute Belüftung. Ein paar kleine Tricks vertiefen die Atmung und verbessern die Sauerstoffversorgung: Die Augen schließen und sich nur auf die Atmung, auf das Heben und Senken des Brustkorbs, konzentrieren – ganz automatisch atmen wir dann tiefer und intensiver. Oder die Arme seitlich ausstrecken, tief durch die Nase einatmen, die Luft einen Moment anhalten und durch den Mund ausatmen.

Spätestens nach zwei Wochen zum Arzt
Bringen Haus- und Naturheilmittel nach ein bis zwei Wochen keine Besserung, sollte man zum Hausoder HNO-Arzt gehen. Denn wird der Husten chronisch, kann es durch die ständige Belastung zu muskelkaterähnlichen Schmerzen in Rücken und Brust kommen, im schlimmsten Fall gar zu Erbrechen oder einer Blasenschwäche. Der Arzt klärt auch, ob zunächst nicht ersichtliche Ursachen hinter dem Husten stecken, z. B. ein stiller Reflux (s. Infokasten), eine Allergie oder auch ein Medikament, das Husten als Nebenwirkung hat.

Der stille Reflux

→ Husten ohne Ende, aber keine Erkältung im Spiel? Dann kann ein Reflux, der Rückfluss von Magensäure über die Speiseröhre in die Atemwege, Ursache sein. Die Säure reizt die Schleimhäute und löst den Husten aus. Klagen Betroffene dazu über saures Aufstoßen, ist der Fall schnell klar. Der Säure-Husten kann aber auch ohne Sodbrennen auftreten und dann spricht man vom stillen Reflux

→ Die Behandlung ist in beiden Fällen gleich: Patienten erhalten Tabletten oder Lösungen, die Magensäure neutralisieren oder die Bildung im Magen bremsen. Nur selten muss der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre operativ verstärkt werden.

3 Fragen an den Experten

Privatdozent Dr. Kai Michael Beeh ist Lungenfacharzt am Institut für Atemwegsforschung in Wiesbaden

1 Warum belastet Husten so ?
Durch den hohen Druck reiben jedes Mal die Wände der Bronchien aneinander und werden gereizt. Das stört den Heilungsprozess.

2 Kann man „sanft“ husten?
Um einen Puffer in den Bronchien aufzubauen, die Lippen leicht schließen oder in die hohle Faust husten und dabei die Wangen aufblasen. Den Oberkörper aufrecht halten, damit der Brustkorb geweitet ist.

3 Was mindert den Hustenreiz?
Tief atmen, nicht flach und schnell. Möglichst wenig reden. Das verringert den Reiz durch die Atemluft.


Fotos: AdobeStock, Fotolia, Getty Images, iStock, tw-klein.com