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MEDIZIN Meine Gesundheit: Zu viel, zu wenig, zu schlecht – jeder Vierte hat Probleme: Schlafen Sie sich krank?


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 24.12.2018

34 Mio Deutsche klagen über schlechten Schlaf


Artikelbild für den Artikel "MEDIZIN Meine Gesundheit: Zu viel, zu wenig, zu schlecht – jeder Vierte hat Probleme: Schlafen Sie sich krank?" aus der Ausgabe 1/2019 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 1/2019

Die erholsame Ruhe in der Nacht ist wichtig, lebenswichtig. Erst in den letzten Jahren hat die Wissenschaft erkannt, wie sehr wir den Schlaf brauchen, um körperlich gesund und geistig fit zu bleiben. Vorbei die Zeiten, als nur der übernächtigte Manager ernstgenommen und der Langschläfer als Faulpelz gebrandmarkt wurde – glücklicherweise! Aber obwohl der Schlaf wieder salonfähig gemacht wurde, haben die Deutschen Probleme mit der Nacht. Der DAK-Gesundheitsreport meldete: 80 Prozent der Berufstätigen schlafen schlecht, und das mit unschöner Regelmäßigkeit. ...

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... Unter der besonders schweren Schlafstörung Insomnie (Schlaflosigkeit) leidet jeder zehnte Arbeitnehmer. Die Ursachen für die Schlafstörungen sind vielfältig: Stress ist einer der Hauptgründe, eine falsche Lebensweise mit wenig Bewegung und falscher Ernährung ist ebenfalls oft die Ursache. Und: Auch beim Schlafen kann man Fehler machen:

→ Zu viel Schlaf

Die Forschung hat in vielen Studien herausgefunden, dass zu viel nicht gesund ist. Statt ausgeschlafen und fit den Tag zu beginnen, sind die Extrem-Langschläfer (zehn Stun- den oder sogar mehr) morgens schlapp und antriebslos. Die Wahrscheinlichkeit für eine Depression steigt dabei um 49 Prozent, das Risiko für Diabetes und eine Herz-Kreislauf-Schwäche und einen Herzinfarkt erhöht sich deutlich. Außerdem ist zu viel Schlaf schlecht fürs Gedächtnis und macht dick.

→ Zu wenig Schlaf

Das ist genauso ungesund: Zu wenig macht ebenfalls dick, dazu noch dumm und krank. Denn Schlafmangel hat im Gehirn ähnliche Auswirkungen wie Alkohol. Etwa achtzig Prozent der Deutschen schlafen weniger als sieben Stunden, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid. Ärzte warnen: Wenig-Schläfer tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme, Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche. Das Hungerhormon Ghrelin wird vermehrt ausgestoßen, deshalb leiden sie oft auch noch unter Heißhungerattacken. Auch der Pegel der Stresshormone ist konstant erhöht, das ist gefährlich fürs Herz.

→ Apnoe

Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) heißt das Phänomen in der Fachsprache. Die Schläfer hören einfach auf zu atmen, manchmal nur ein paar Sekunden, manchmal fast eine Minute. Der Atem setzt dann mit einem krachenden Schnarcher wieder ein. Die Patienten merken nichts davon – am Morgen wachen sie dann total zerschlagen wieder auf. Ursache: schwaches Bindegewebe. Die Rachenmuskeln erschlaffen im Schlaf und blockieren die oberen Atemwege. 15 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer leiden darunter. Therapie: Eine Gesichtsmaske oder eine Zahnschiene sorgen für genügend Platz im Rachen.

→ Schnarch-Partner

Rund 30 Millionen Deutsche sägen nachts, was das Zeug hält – 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen. Anderthalb Stunden verlieren entnervte Schläfer durch das Schnarchen ihres Partners, verkündet die „British Lung Foundation“. Der Lärmpegel schwankt zwischen leisem Laubrascheln und einem LKW in voller Fahrt. Die Auswahl an Mitteln gegen den Krach ist riesig – der Nutzen leider zweifelhaft. Aber es gibt Hilfe: Mit dem Laser kann zum Beispiel die Rachen-Schleimhaut gestrafft werden – aber das entscheidet der Arzt. Was für den Anfang garantiert hilft: getrennte Schlafzimmer

→ Seite und Bauch

Wenn man auf der rechten Seite schläft, drückt der Magen auf die Bauchspeicheldrüse und behindert ihre Aktivität. Jeder achte Deutsche schläft auf dem Bauch. Das ist übrigens die ungesündeste Position überhaupt: Der Kopf ist zur Seite abgewinkelt, so werden die Halswirbel verdreht. Kopfschmerzen sind eine Folge, aber auch Schulter- und Rückenprobleme. Die inneren Organe werden gequetscht, die Durchblutung eingeschränkt und Nerven eingeklemmt. Experten raten deshalb, auf der linken Seite zu schlafen. Das unterstützt auch das Lymphsystem.

→ Schlechte Matratze

Eine gute Matratze ist mindestens 16 Zentimeter dick, sie ist nicht zu hart und nicht zu weich. Die Wirbelsäule muss eine gerade Linie bilden. Im Laden ausprobieren!

Viele Matratzen haben verschiedene Zonen, die einen guten Schlaf garantieren. Wichtig: Probeliegen!

Die verschiedenen Schlaf-Phasen

→ Der Körper durchläuft die verschiedenen Schlaf-Phasen vier bis sechs Mal pro Nacht – ein Zyklus dauert rund 90 Minuten.
→ Das erste Stadium des Schlafes ist das Einschlafen. Der Körper entspannt innerhalb weniger Minuten, auch das Gehirn kommt langsam zur Ruhe.
→ Danach kommt der Leichtschlaf. Der Körper entspannt noch weiter, Atmung und Herzschlag verlangsamen sich. Diese Phase dauert 30 bis 60 Minuten.

→ Es folgt die Tiefschlaf-Phase von bis zu einer Stunde, die weiteren Tiefschlafphasen sind kürzer. Hier regeneriert der Körper.

→ In der REM-Phase danach dann träumt der Schläfer, die Augen bewegen sich schnell. Dann beginnt der Zyklus von vorn.

Das Märchen vom „frühen Vogel“

Es gibt zwei Schlaftypen, hat die Forschung festgestellt: Eulen (Nachtmenschen) und Lerchen (Frühaufsteher). Das ist genetisch festgelegt und lässt sich nicht beeinflussen. Wobei die Lerchen eindeutig in der Unterzahl sind: Nur ein Sechstel unserer Gesellschaft erscheint morgens um sieben ausgeschlafen und guter Dinge im Job.

SOZIALER JETLAG

Diese wenigen Lerchen zwingen den Eulen einen Schlafrhythmus auf, der sie in den kollektiven Schlafmangel treibt. Denn Eulen laufen erst abends und nachts zur Höchstform auf und schlafen dementsprechend länger. Der Münchner Chronobiologe Till Roenneberg nennt diese Diskrepanz zwischen innerer Uhr und äußerem Zwang durch die Gesellschaft sozialen Jetlag. Studien zeigen, dass dies das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Demenz steigert.

Leckeres Betthupferl als Schlummer-Hilfe: Ein guter Schlaf-Drink

Das brauchen Sie: 1 Glas Milch, 1 Eigelb, 1 TL Honig. So geht’s: Die Milch erhitzen, dann etwas abkühlen lassen. Den Honig dazugeben. Das Eigelb schaumig schlagen und unterziehen. Ins Glas umfüllen und mit Muskatnuss bestäuben. Wer will, kann einen Hauch Rum oder Weinbrand dazugeben.

DIESE WIRKSTOFFE HELFEN

Das Kalzium in der Milch lässt die Muskulatur schneller entspannen. Und die Aminosäure Tryptophan sorgt für die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin.


Fotos: AdobeStock (5), Droemer, iStock (2), privat