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MEDIZIN UND MOTORRAD-REISEN TEIL 5: KNOCHENBRÜCHE UND WUNDVERSORGUNG: WENN GUTER RAT TEUER WIRD


Motorrad ABENTEUER - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 18.10.2019

Unterwegs mitten im Nirgendwo und dann ist es passiert: Stein, Sturz, Straßengraben. Schnell wird aus so einer Situation schmerzhafter Ernst. Dann ist es gut zu wissen, was als nächstes zu tun ist.


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Ist der Knochen gebrochen oder „nur“ geprellt, die Diagnose ist vor Ort nicht immer einfach.


Fotos: Jeremy Rott

In der Regel schonen sich die Leute nach einem Knochenbruch, nur die Motorradfahrer nicht: die sitzen am nächsten Tag wieder im Sattel« – so das Resümee eines unfallchirurgischen Oberarztes in einer meiner Vorlesungen. Das scheint tatsächlich herauszustechen. Von anderer Seite hörte ich von flehenden ...

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... Verunfallten, kaum in der Lage zu sprechen vor Schmerzen, aber doch bitte um alles in der Welt nicht die Lederkombi zu zerschneiden, »die war so teuer«…

Prinzipiell ist es gut so, nicht gleich alles zu dramatisieren. Das macht zumindest die Arbeit als Arzt angenehmer.

Doch das Gegenteil sollte auch nicht der Fall sein. Wer die Warnsignale des Körpers missachtet, riskiert Spätfolgen. Aber woher soll ich wissen ob ich mir etwas gebrochen habe oder doch nur verstaucht? Wann muss eine Wunde mit mehr als nur Pflaster versorgt werden?Knochenbruch. Endgültige Sicherheit, ob ein Knochen gebrochen ist oder nicht, bringt nur das Röntgenbild.

Doch es gibt auch Hinweise, die helfen abzuschätzen, ob ich mir etwas gebrochen habe oder nicht: Nehmen die Arme, Beine oder einer der sonstigen 206 Knochen des Körpers Formen an, die in gesundem Zustand nicht möglich wären, dann ist der Fall klar. Ebenso wenn plötzlich ganz neue Bewegungen möglich sind. Wer jetzt noch bei vorsichtigem Bewegen ein kratzendes/ knisterndes Geräusch fühlt oder sogar hört, kann sich ziemlich sicher sein: da ist was kaputt. Und was ist mit dem Schmerz? Ohne den würden wir ja gar nicht erst die Notaufnahmen der Kliniken behelligen. Typisch für einen Bruch ist, dass er plötzlich auftritt, gut zu lokalisieren ist und sich drückend und dumpf anfühlt.

Außerdem wird der Schmerz stärker wenn man versucht, die betroffene Stelle zu bewegen. Geschwollen ist die Region meistens ebenfalls, das allein spricht aber nicht unbedingt für einen Bruch und kann auch durch ein gedehntes oder gerissenes Band verursacht werden. Oder durch eine Prellung mit Bluterguss, auch bekannt als »Pferdekuss« bzw. »Eisbein«, es gibt viele Namen dafür.

Gebrochen oder nicht, aber was soll ich tun? In jedem Fall lohnt sich ein Vorgehen am Unfallort nach dem PECH-Schema.

Das ist eine Abkürzung und hilft, sich die wichtigsten Sofortmaßnahmen besser einzuprägen (siehe Kasten).

Die weitere Versorgung richtet sich dann nach dem Ausmaß der Verletzung.

Bei Knochenbrüchen (oder »Frakturen« wie Mediziner sagen) kann sich der Verletzte grundsätzlich auf drei mögliche Szenarien einstellen: Einfache Knochenbrüche müssen geschient und belassen werden.

Brüche müssen begradigt und geschient werden, wenn sie schief stehen.

Knochenbrüche müssen operiert werden, wenn keine folgenlose Ausheilung in Sicht ist.

Für eine vollständige Gesundung benötigt ein Bruch vor allem Stabilität und Ruhe, damit die Knochenenden aneinanderwachsen können. Darum: die Ruhigstellung sehr ernst nehmen! Diese gelingt mittels Schiene oder Gips, in der Regel über 4 bis 6 Wochen. Kann der Knochenbruch nicht in seine ursprüngliche Form gebracht werden, dann bleibt nur die Operation.

Was bedeutet das für mich, wenn ich mit meinem Motorrad fernab der Zivilisation unterwegs bin? Bis professionelle Hilfe verfügbar ist, sollte das verletzte Körperteil so wenig wie möglich bewegt und geschient werden. Konkret kann hier auf alles zurückgegriffen werden was mitgeführt wird: das Dreieckstuch aus der Verbandtasche (siehe MA 3/19, Teil 2 der Serie: Erste-Hilfe-Set für Enduristen), Mullbinden oder ein Kleidungsstück, um ein Tragetuch für das verletzte Körperteil zu formen. Zur Schienung eignen sich besonders sogenannte Splints, z.B. der SAM Splint. Diese Alu-Polsterschienen, für wenige Euros zu haben, sind weich und formbar um eine bestmögliche Ruhigstellung zu erreichen. Im Notfall tun dies aber auch zwei gerade Stöcke und Mullbinden, Schnüre oder ähnliches. Übrigens: Offene Brüche müssen immer operiert werden!

Die verletzten Gliedmaßen ruhig stellen ist bei einem Bruch oder auch bei Verstauchung ein wichtiges Kriterium.


Im Notfall hilft alles, was gerade zur Hand ist. Ein gebrochenes Bein kann auch provisorisch mit zwei Ästen fixiert werden.


Wundversorgung. »Muss das genäht werden?« Diese Frage trägt jeder bei Schnitt- oder Platzwunden auf der Zunge. In jedem Fall gilt die Grundregel: Egal wie die Versorgung aussieht, Ziel ist es, optimale Voraussetzungen für die Wundheilung zu schaffen, möglichst ohne Narbenbildung.

Es müssen also nicht gleich Nadel und Faden gezückt werden. Wenn sich die Wundränder gut zusammenfügen lassen, die Wunde nicht zu tief ist und sich die Verletzung in einem Bereich befindet, der wenig bewegt wird oder gut ruhiggestellt werden kann, dann tun es auch Wundnahtstreifen (»Klammerpflaster«). Klafft die Wunde jedoch stark auseinander oder würde sie sich bei jeder Bewegung wieder öffnen (z.B. an Gelenken), dann sollte die Wunde genäht werden – was zum besten Resultat führt, ohne große Narbenbildung.

Dafür muss dann schnellstmöglich ärztliche Hilfe aufgesucht werden, denn eine Wunde, die älter als 6 bis 8 Stunden ist, sollte nicht mehr einfach genäht werden.

Dann ist das Risiko zu groß, dass die Wunde bereits mit Keimen verdreckt ist.

Auch stark verschmutzte Wunden sollten »offen« versorgt werden, dazu reicht ein steriler Verband. Eine Sonderstellung nehmen Tierbisse ein. Hier wird von vornherein mit einer Infektion gerechnet und deshalb werden diese Wunden nicht genäht. Zusätzlich sollte zur Vermeidung von Infektionen vorbeugend ein Antibiotikum eingenommen werden.

Für diejenigen, die sich weitab von jeglicher ärztlichen Versorgung befinden, sich aber gut auf die Reise vorbereitet haben und ein Wundnahtset im Gepäck haben, hier eine Minimalanleitung zur Wundversorgung:

Die Bedingungen müssen natürlich so steril wie möglich sein. Darum:

1. Reinigung und Desinfektion der Hände
2. Reinigung und Desinfektion der Wunde und (großzügig) des umliegenden Hautbereichs. Ohne Betäubung ist das mit (alkoholischen) Desinfektionsmitteln sehr schmerzhaft.
3. Nach der Reinigung die Wunde nochmals genau inspizieren und ggf. Fremdkörper entfernen.
4. Wundnaht: die einfachste Form ist die sogenannte Einzelknopf-Naht. Das bedeutet: Einstich auf der einen Seite, Ausstich auf der anderen Seite (jeweils ca. 3 mm vom Wundrand entfernt). Danach drei gegenläufige Knoten anbringen: einer rechts, einer links und der Dritte wieder rechts. Faden abschneiden und die nächste Naht setzen. Es müssen so viele Nähte gemacht werden, dass die Wundränder sich gut aneinander anfügen. Aber Vorsicht: nicht zu fest zuziehen, sonst wird die Wunde nicht mehr richtig durchblutet!
5. Dann die Wunde steril abdecken und verbinden.

Für die einfache offene Wundversorgung genügt die Reinigung und Desinfektion der Wunde mit anschließendem sterilem Verband.

BISHER ERSCHIENEN:

Medizin Teil 1: Reiseapotheke MotorradABENTEUER 2/2019
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DAS PECH-SCHEMA

Bei Verletzungen von Knochen, Muskulatur und Bändern hilft als Sofortmaßnahme ein Vorgehen nach demPECH-Schema:
P – Pause: Jede weitere Belastung des betroffenen Körperteils vermeiden.
E – Eis: Das Kühlen lindert die Schmerzen und wirkt abschwellend.
C – Compression: Ruhigstellung in der schmerzärmsten Position und Anlage eines vorsichtigen Druckverbands.
H – Hochlagern: Hochlagerung des betroffenen Körperteils.