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MEERESANGELN DÄNEMARK: FÄNGE WIE IN NORWEGEN


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 80/2018 vom 13.07.2018

Jütlands Nordseeküste ist ein Traumrevier für Meeresangler. Im Sommer sind die Aussichten auf prächtige Fänge besonders gut: Dorsche, Makrelen, Köhler und Lengs warteten aufFabian Frenzel sowieFlorian undBettina Hühnken.


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Bildquelle: Blinker, Ausgabe 80/2018

Die besten Meeresreviere liegen nur im hohen Norden? Von wegen! Fabian Frenzel (li.) und Florian Hühnken haben diese prächtigen Dorsche in der Nordsee vor der dänischen Westküste gefangen.


Multi- oder Stationärrolle? Betty hat die Qual der Wahl. Mittleres Norwegengeschirr ist grundsätzlich passend.


So etwas habe ich noch nicht erlebt, schon wieder ein Dorsch“! ruft Florian, als ...

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... seine Pilkrute zum wiederholten Male nach unten gerissen wird. Nur eine Sekunde später japst Fabian nach Luft. Gleich drei Dorsche pumpt er kraftvoll an die Oberfläche. Viel Zeit bleibt nicht, bis der Kapitän den Stellenwechsel mit einem lauten „Tuuut“ ankündigt. Doch der nächste Drill sollte nicht lange auf sich warten lassen …

Gemeinsam mit Fabian Frenzel und meinem Mann Florian hatten wir uns auf der M/S Muddi eingerichtet, einem ehemaligen Fischkutter, der heute statt Netzen Angelfans auf die raue Nordsee fährt. Der Kutter ist im Hafen von Thyborøn zuhause. Der kleine Fischerort liegt eine Autostunde nördlich von Hvide Sande, auf der Nordspitze der Landzunge Harboøre Tange.

Anders als die meisten Ostseekutter hat die „Muddi“ nur Plätze für maximal zwölf Angler, die dafür aber beste Angelbedingungen mit viel Raum fürs Equipment vorfinden. Der Eigentümer, Per Jensen, bietet auf seinen beiden Kuttern, M/S Muddi und M/S Bodil, Zwölf- und 20-Stunden-Touren an. Auch Mehrtagesfahrten werden regelmäßig durchgeführt. Wir haben bereits ein paar Wochen vor Reisebeginn eine Zwölf-Stunden-Tour gebucht. Und das sollte man dringend tun, um einen der begehrten Angelplätze zu ergattern. Das Wetter meint es heute gut mit uns: Kaum Wind, Sonne satt und ein nur leichter Wellengang begleiten uns den ganzen Tag. Ein eher untypisches Bild für die Nordsee, die für ihre Rauheit bekannt ist.

SCHLAFEND ZUM FISCH

Pünktlich um sieben Uhr legt Skipper, Birger Jørgensen, ab und es geht hinaus auf die offene See. An der Backbordseite kann man vom Schiff aus die alten Bunker aus Kriegszeiten am Strand erkennen.

Vier Stunden fahren wir zum Fanggebiet. Der Kapitän kennt sein Revier wie seine Westentasche und angelt selbst leidenschaftlich gerne. Die Fahrt nutzen viele an Bord für ein kleines Schläfchen, ein ausgiebiges Frühstück oder einen netten Smalltalk.

Am Wrack wird der Drilling vom Pilker entfernt. Statt dessen wird ein Assist-Hookoben am Pilker befestigt. So werden Hänger minimiert.


Auf dem Jyske Riff stoppt der Kapitän den Kutter. Aufregung liegt in der Luft. Hier geht es das erste Mal auf Dorsch. Wir schicken eine ganz einfache Fertigmontage mit drei Gummioktopussen an 3/0er Einzelhaken mit einem 150 Gramm schweren Pilker zum Grund. Dazu geben wir Schnur, bis das Gewicht den Meeresboden erreicht hat. Die Driften sind kurz. Wer fix unten ist, fängt. Deshalb fischen wir lieber eine Nummer schwerer als zu leicht. Wegen der Strömung geben wir hin und wieder etwas Schnur, um Bodenkontakt zu halten. Das ist aber nicht die einzige Bewegung, mit der unsere bunten Oktopusse Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Kräftige Pilkbewegungen mit der Rute bringen Schwung in die Kraken-Imitate und lassen den Pilker in der Absinkphase verführerisch zum Grund trudeln. Das finden die Dorsche zum Anbeißen gut. Wir haben den Schwarm voll erwischt. Es ist witzig anzusehen, wie nach und nach alle Ruten krumm werden. Urplötzlich sind die Angler hellwach und erfreuen sich an den spritzigen Drills. Tolle Küchendorsche zwischen 45 und 70 Zentimetern finden Platz in unserer mit Kühlelementen gefüllten Box.


„WIE EIN D-ZUG ZIEHT DER GEGNER AM ANDEREN ENDE. MIR IST KLAR, DASS DAS KEIN DORSCH SEIN KANN.“


NORWEGENGERÄT IST IDEAL

Wenn dann drei Dorsche gleichzeitig an den Haken hängen, braucht man schwere Geschütze: Mittelschweres Norwegengeschirr ist ein Muss! Fabian und Florian setzen auf Pilkruten mit einem Wurfgewicht von 300 Gramm kombiniert mit 6000er Stationärrollen, die mit einer geflochtenen Schnur von 15 Kilogramm Tragkraft bespult sind. Ich dagegen verwende eine Kombination aus einer zwölf bis 20lbs Bootsrute und einer kleinen, robusten Multirolle.

Als nächste Angelposition wählt Birger ein U-Boot-Wrack aus dem Zweiten Weltkrieg. Versunken Schiffe sind hervorragende Plätze zum Hochseefischen: Sie bieten den Fischen viele Versteckmöglichkeiten. Außerdem ist der Tisch hier reich gedeckt mit Schnecken, Algen, Muscheln, Seespinnen und Kleinstlebewesen. Und das Beste: Berufsfischer können hier nicht fischen. Und auch wir minimieren die Gefahr, an alten Metallteilen hängen zu bleiben und entfernen die Drillinge von unseren Pilkern. Stattdessen montieren wir je einen Assist Hook an den oberen Sprengring des Pilkers.

Fabian und Florian setzen mutig ihre Pilkbewegungen um und auf dem U-Boot fort. Und die beiden fangen in dieser Drift auch eindeutig mehr und größere Dorsche als am Spot zuvor. Ich kurble nach dem Auftreffen des Pilkers auf dem harten Wrack zwei, drei Umdrehungen ein. Der Respekt vor einem möglichen Verlust ist noch zu groß. Ich beginne mit kräftigen Pilkbewegungen. Dabei drehe ich etwas mehr Schnur ein und gebe sie wieder frei, kurble ein und pilke erneut. Und „Rumms“ kracht es auch bei mir. Wie ein D-Zug zieht der Gegner am anderen Ende. Mir ist klar, dass das kein Dorsch sein kann. Die wütenden Kopfschläge bleiben aus. Erst an der Wasseroberfläche erkenne ich den pechschwarz gefärbten Rücken und die helle Seitenlinie, die in die silber-weiße Unterseite des Fisches übergeht. Köhler! Ich werde verrückt. Und das in der Nordsee! Während Fabian mit einem Dorsch aus der Übergrößen-Abteilung kämpft, reißt es plötzlich auch Florians Rutenspitze zur Wasseroberfläche. Ein weiterer Köhler ist auf einen Oktopus eingestiegen. Etwas eingeschnappt nehmen wir das erneute „Tuuut“ zur Kenntnis, dass das Ende dieser tollen Drift bedeutet.

Selbst Leng gehen gelegendlich an die Haken der Angler. Hier hat ein Kollege einen kleinen erwischt.


Die Montage ist äußerst einfach: Ein Pilker sitzt am Ende des Vorfachs, darüber befindet sich ein Gummi-Oktopus am Seitenarm.


„KRÄFTIGE PILKBEWEGUNGEN MIT DER RUTE BRINGEN SCHWUNG IN DIEKRAKEN-IMITATE.“


KAMPF-MAKRELEN

Der nächste Spot entpuppt sich als eher fischarm. Fabian und Florian pilken jedoch munter weiter. Mit Erfolg! Sie erwischen einen Makrelenschwarm. Den Drillspaß mit den Mini-Thunen sieht man deutlich in ihren Gesichtern. Allerdings bleiben die beiden auch die Einzigen, die die Makrelen zum Bordgang überreden. Und so heißt es auch für uns nach einer Weile wieder: „Platzwechsel“. Die Angelpause nutzen wir, um uns mit den Gleichgesinnten an Bord auszutauschen. Ein Blick in die Kisten verrät, dass alle einen guten Fang mit nach Hause nehmen werden. Wir sehen weitere tolle Dorsche, Köhler in sehr guten Größen und sogar einen Leng.

Makrelen sind wahre Leckerbissen. Entsprechend freuen sich Florian und Fabian über den Fang.


In der letzten Drift nehme ich Platz neben Skipper Birger, der mir zuvor ein Stück von einem Hering geschenkt hatte. Fabian und Florian legen sich weiter mit den Nordsee-Leoparden an, als ich einen zarten Zupfer spüre. Boden? Fisch? Fisch! Kurz vor dem Ende der letzten Drift beißt doch tatsächlich ein Leng aus der Kinderstube auf mein Gastgebergeschenk. Den Drill hat der Kleine gut überstanden, sodass ich ihn schnell und sicher zurücksetzen kann. Bis zum nächsten Mal.

WEITERE ARTEN WARTEN

Überwältigt von der grandiosen Nordsee-Angelei fahren wir zurück in den Heimathafen der M/S Muddi. Unsere Beute verarbeiten wir dabei, wie wir es auch von den Ostseekuttern gewohnt sind, zu Filet.

Kurz vor dem Eintreffen im Hafen Thyborøn erklärt Birger, dass diese Zwölf-Stunden-Tour uns nur einen kleinen Einblick in die Fanggründe der Nordsee geben konnte. „Es warten noch viele weitere Arten auf euch“, verabschiedet sich der Kapitän von uns.

Noch bevor wir das Auto erreicht haben, blättere ich bereits im Kalender. Die nächste Tour mit der M/S Muddi buchen wir schon ganz bald.

Der Kapitän der M/S Muddi, Birger Jørgensen, kennt sein Revier wie seine Westentasche und angelt selbst leidenschaftlich gerne.


AB AUF DEN KUTTER!

Die Ausfahrten starten ab dem Hafen Thyborøn in Nordwest-Jütland. Info und Kontakt: Per Jensen M/S Muddi Havnegade 22 7680 Thyborøn Dänemark
Telefon: +45 29449570
E-Mail: jensenfam@hotmail.com
www.emma-line.dk/ms-muddi/


FOTOS: B. HÜHNKEN