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MEERESANGELN NORWEGEN: EINFACH MIT FETZEN


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 110/2018 vom 12.10.2018

Leichtes Naturköderangeln ist kurzweilig und abwechslungsreich. Zudem muss es überhaupt nicht kompliziert sein.Johannes Radtke zeigt seine einfache Lieblingsmethode, und worauf es bei ihrem Einsatz ankommt.


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Wirbel mit Karabiner, Pilker, Sprengring, Wirbel ohne Karabiner, Vorfach, Haken und ein Fischfetzen – fertig ist eine der erfolgreichsten Naturködermontagen.


FOTOS: J. RADTKE, G. BUSCH

Die simple Naturköder-Montage fängt beinahe alle Fischarten. Solche Lumbs sind bei manchen Anglern unbeliebt, liefern aber äußerst leckere Filets.


Keine Materialschlacht! Mehr Zubehör benötigen Sie gar nicht, um ins ...

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... Naturköderangeln in Norwegen einzusteigen.


Kaum eine Methode bietet dem Norwegen-Angler so viel Abwechslung und Angelspaß wie das leichte Naturköderangeln. Doch viele Interessierte schrecken davor zurück: entsprechende Systeme aus dem Handel sind meist ziemlich teuer und sehen aus, als bräuchte man für ihre Verwendung ein Befähigungszeugnis. Dabei tun es in den meisten Fällen auch einfache Systeme, die mit wenig Zubehör selbst zu knüpfen sind. Ich möchte Ihnen meine Lieblingsmontage vorstellen und zeigen, wie Sie diese richtig einsetzen können.

Dort, wo wir beim Naturköderangeln unseren Köder hinschicken, herrschen Dunkelheit, Kälte und Nahrungsmangel. Daher wird kaum ein Fisch kopfschüttelnd den Köder umschwimmen: „Falsche Lockperlen, kein Leuchtschlauch und nicht mal ein Circle-Hook – pah, Anfänger!“ In den Tiefen des Nordatlantiks herrscht ein brutaler Nahrungswettbewerb und potenzielle Beute befindet sich nur kurz in der Reichweite eines Räubers. Ihre Montage muss daher nicht sehr ausgeklügelt sein – sondern zuverlässig.

RAFFINIERT EINFACH

Meine Lieblings-Montage ist ebenso einfach wie effizient. Sie besteht im Kern aus einem Pilker, dem der Drilling entfernt wurde und an dem stattdessen ein kurzes Vorfach mit Einzelhaken baumelt – ziemlich simpel! Ohne einige Optimierungen wäre die Geschichte an dieser Stelle bereits erzählt und würde auf eine Seite passen. Doch es gibt selbst bei einer so einfachen Montage einiges, das man schlechter oder besser machen kann.

Die Auswahl der Pilkerform ist entscheidend. Setzen Sie hier auf kompakte oder längliche Modelle, die schnell absinken und dabei keinesfalls flattern! Eine Neigung zum langsamen Absinken wird durch den Fallschirm-Effekt eines großen Fischfetzens nochmals verstärkt.

Mit zunehmender Tiefe, Strom- und Winddrift muss das Pilkergewicht natürlich ebenfalls zunehmen. Die einfache Regel lautet: Lieber zu schwer als zu leicht! Mit zu leichten Gewichten verlieren Sie schnell den Grundkontakt und die tatsächliche Angeltiefe wird zum Ratespiel.

Für den richtigen Fetzen werden schnell Filets von der Mittelgräte geschnitten. Ohne Wirbelsäule sind die Fischstücke viel beweglicher. Sie spielen besser und werden beim Schlucken leichter gefaltet.


Zwei passende Formate: längliche Fetzen und kleine Brocken für Fetzen-Schaschlik.


Lengs sind dankbare Abnehmer länglicher Fetzen und fackeln nicht lange beim Biss.


Hinzu kommt, dass der Schnurwinkel sich ungünstig vergrößert, da Sie ständig Schnur geben müssen. Wenn das Gewicht dann auf dem Boden aufkommt, wird es kurz hinterhergeschleift. Durch diese ungünstige Konstellation kommt es in der Tat bei zu leichten Gewichten eher zu Hängern als bei der Verwendung schwererer Bleie. Selbst im flachen Wasser verwende ich daher selten Pilker unter 70 Gramm. Zu schweres Fischen macht mir allerdings auch wenig Spaß, daher habe ich keine Pilker über 400 Gramm dabei. Natürlich schränkt dies meine Naturköderangelei etwas ein – die ganz schwere und tiefe Fischerei überlasse ich dann aber auch gern den Naturköder-Freaks.

Kleine Haken benutzen!

Insbesondere beim Lengangeln setzt der Autor bewusst auf sehr kleine, aber extrem stabile Haken. Beim Biss wird nicht heftig angeschlagen, sondern nur die Rute angehoben. Der Effekt ist ähnlich wie beim Circle-Hook: Der kleine Haken findet erst im Maulwinkel sicheren Halt, dort sitzt er jedoch bombenfest. Vorteil ist, dass die scharfen Leng-Zähne dem Vorfach nichts anhaben können. Nicht selten raspelt ein mittlerer, tief gehakter Leng, der als Beifang beim Schellfisch-Angeln beißt, nämlich ein 0,50er Vorfach durch.

Kleine Haken fassen oft erst im Maulwinkel.


VORFACH-SPAGAT

Dem passenden Pilker werden nun die Zähne gezogen – der Drilling muss weg. An seine Stelle tritt ein massiver Wirbel ohne Karabiner. Der Naturköder rotiert beim Ablassen, ohne einen guten Wirbel wäre das Vorfach daher schnell hoffnungslos verdrallt. Der Karabiner wird weniger Verwicklungen zuliebe weggelassen.

Das Vorfachmaterial muss dreierlei Anforderungen erfüllen: den Fisch nicht abschrecken, abriebfest sein, beim Hänger vor der Hauptschnur zerreißen. Die Zielfische sind nicht kritisch, Abschreckung durch zu auffälliges oder steifes Vorfachmaterial ist daher kein großes Thema. Lediglich einige Arten wie Wittling oder Schellfisch sind dicken Durchmessern über 0,70 Millimetern gegenüber etwas kritisch.

Der eigentliche Spagat liegt im Widerspruch zwischen Abriebfestigkeit und Tragkraft. Ist selbige nämlich höher als die Tragkraft der Hauptschnur, droht bei einem Hänger nicht nur der Haken unten zu bleiben, sondern der Pilker gleich mit. Bei Verwendung einer 0,60er Vorfachschnur müssen Sie schon eine mehr als 20 Kilogramm tragende Hauptschnur verwenden. Ich verringere nicht selten die Tragkraft des Vorfachs künstlich durch einen einfachen Knoten. So reißt zuverlässig das Vorfach bei einem Hänger – trotz starkem Vorfachmaterial – und ich kann den Pilker retten. Ich verwende in der Regel Fluorocarbon oder besonders abriebfestes Monofil nicht unter 0,40 Millimetern. Diese Stärke empfiehlt sich aber nur, wenn Leng und Lumb nicht zu erwarten sind. Wegen ihrer fiesen Zähne sollten Sie nicht unter 0,60er gehen, besser ist 0,70er. Die Vorfachlänge richtet sich nach der Entschlossenheit der Fische, meist sind 15 bis 50 Zentimeter ein gutes Maß. Je vorsichtiger die Fische, desto länger das Vorfach.

Die Hakenfrage ist schnell geklärt: stabile lang- sowie kurzschenklige Modelle in den Größen 4 bis 4/0 passen in den meisten Situationen. Die Langschenkligen sollten Widerhaken am Schenkel besitzen. Perlen oder Leuchtschläuche sollen kritische Interessenten überzeugen – unter und über Wasser. Ich verzichte bei dieser Montage allerdings komplett auf jeden Zusatzreiz: Der direkt in Ködernähe spielende Pilker sorgt für genug Aufmerksamkeit.


„LIEBER ZU SCHWER ALS ZU LEICHT – DAS IST DIE GRUNDREGEL.“


Der Driftsack sollte sofort nach dem Stoppen ausgelegt werden.


Drift verlangsamen!

Beim Naturköderangeln wollen wir unseren Köder möglichst lange in direkter Nähe des Fisches halten. Die Driftgeschwindigkeit ist daher extrem wichtig bei der Naturköderangelei:

Als grober Daumenwert sollte sie zwischen 0,2 und 1 Knoten liegen.Je tiefer und je räumlich begrenzter der Angelplatz, desto langsamer sollte die Drift sein. Auf weitläufigen Flachwasser-Plätzen hingegen ist es von Vorteil, etwas Strecke zu machen. Eine sinnvolle Investition ist ein Driftsack. Mit ihm können Sie eine zu schnelle (Wind-)Drift deutlich bremsen und so vielleicht den Unterschied zwischen einem akzeptablen und einem richtig guten Angeltag machen.

Der spannende Moment – wer hat sich den Fetzen diesmal geschnappt? Es könnte tatsächlich fast jede Fischart sein, die in der Region vorkommt.


NUR FÜNF AUS ÜBER 30 MÖGLICHEN FISCHARTEN, DIE SICH EINEN FISCHFETZEN SCHNAPPEN:

LENG


GRAUER KNURRHAHN


FLÜGELBUTT


STEINBEISSER


DORSCH


So soll es aussehen: Bei langsamer Fahrt auf den Berg erscheinen viele Fischechos am Grund. Die Drift muss nun so angesetzt werden, dass vom Flachen ins Tiefe gefischt wird.


Zu Beginn verwendete ich für diese Angelei einfach normales Spinnangel-Geschirr. Eine Rute um 60 Gramm Wurfgewicht und eine schwerere mit 150 Gramm reichen für flaches Wasser und bis in Tiefen von etwa 100 Metern. Wenn Ihnen diese Art der Angelei so viel Spaß macht wie mir, werden Sie sich früher oder später eine 30-lbs-Bootsrute mit Multirolle zulegen. In jedem Fall benötigen Sie eine vernünftige geflochtene Schnur. Sie sollte zehn (flaches Wasser) bis 20 Kilogramm tragen und möglichst dünn ausfallen.

Die Frage nach dem passenden Köder ist schnell beantwortet: Makrele! Wenn ich keine Makrele zur Hand habe, nehme ich Hering. Wenn ich keinen Hering zur Hand habe, nehme ich (kleinen) Seelachs. Und wenn ich keinen Seelachs zur Hand habe, nehme ich Zwergdorsch. Fetzen fangen besser als ein ganzer oder halbierter Fisch. Ich schneide zwei verschiedene Fetzen: längliche Streifen oder kurze, dickere Stückchen. Die Streifen werden einmal am breiten Ende durchstochen – sparen Sie sich mehrfaches Durchstechen oder den Fetzen auf den Hakenschenkel zu ziehen! Irgendwann rutscht das Ganze nach unten. Die kompakteren Brocken werden schaschlikartig auf einen langeschenkligen Haken gesteckt.

Beide Fetzenformen und Anköderungen haben Berechtigung: Der Leng zum Beispiel steht auf längliche und flatternde Fischfetzen. Er greift den Köder konsequent und schluckt ihn schnell. Auch Wittlinge stehen auf wedelnde Fetzen, wenngleich zwei Nummern kleiner. Kommt es zu vielen Zuppel-Bissen, bei denen Ihnen der längliche Fetzen geklaut wird, ist es Zeit für das Fetzen-Schaschlik. Lumb, Schellfisch und Steinbeißer sind typische Schaschlik-Fans.

NICHT ZU TIEF

Sämtliche für mich und die Küche interessanten Fischarten kann ich in Tiefen zwischen 15 und 80 Metern finden, meist direkt am Grund. Daher halte ich die Montage in der Regel einen (über Sand) bis fünf Meter (über Felsen) darüber. Wichtig ist es, vom flachen ins tiefere Wasser zu driften, so vermeiden Sie Hänger. Ich beobachte während der gesamten Drift das Echolot und gebe mit zunehmender Tiefe Schnur.

Die Bisse sind so verschieden wie die Fischarten. Manchmal rupft der Interessent fast ungestüm an der Rutenspitze, der nächste Biss ist nur als Zittern in der Tiefe spürbar. Je vorsichtiger sich der Biss oben anfühlt, desto länger warte ich mit dem Anhieb. Bei typisch-aggressiven Lengbissen zum Beispiel warte ich nur eine Sekunde und schlage gleich an. Jeder halbwegs vernünftige Fisch hat sich den länglichen Fischfetzen dann bereits hinter die Kiemen geschoben. Zuppel-Bissen gebe ich etwas mehr Zeit, doch mehr als ein paar Sekunden warte ich auch hier nicht. Wenn mal ein Anhieb daneben geht, lasse ich die Montage dennoch unten. Wenn noch etwas vom Fetzen übrig ist, kommt meist sofort der nächste Biss. Nach dem Anhieb sollten Sie versuchen, den Fisch sofort ein Stück vom Grund weg zu bewegen. Nach zehn Metern können Sie es ruhiger angehen lassen, die Bremse etwas öffnen und den Fisch entspannt nach oben pumpen.

Wenn der Fisch nahe an der Oberfläche ist, kommt der eigentlich spannendste Moment – wen habe ich da eigentlich dran? Mit etwas Erfahrung kann man oftmals erahnen, welche Art es ist. Doch nicht selten gibt es am Ende des Drills eine Überraschung – wenn statt des vermuteten Schellfisches zum Beispiel ein Glatthai oder ein Flügelbutt das Makrelenfilet verschlungen hat.

Die Top-Köderlieferanten

Die Makrele ist aufgrund ihres fettigen, geruchsintensiven Fleisches der Top-Lieferant für Fischfetzen.


FOTOS: J. RADTKE, D. STARGARDT, N. BREMER, C. NIEMANN

FOTOS: J. RADTKE, J. SCHOLZ, G. BUSCH, D. STARGARDT