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MEERFORELLE: HOTSPOTS im Detail


FliegenFischen - epaper ⋅ Ausgabe 20/2020 vom 31.01.2020

Natürlich können Sie einfach an einen der bekannten, guten Meerforellen-Strände fahren, Ihre Fliege in die Ostsee werfen und darauf bauen, dass dort wieder mal was passiert. Doch wer sich mit der Struktur klassischer Küstenplätze auseinandersetzt und sich der Saison anpasst, hat mehr Erfolg – und er weiß, warum.


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Bildquelle: FliegenFischen, Ausgabe 20/2020

Selbst in schmalen Rinnen stehen mitunter ganze Meerforellen-Schwärme. Die Überschaubarkeit des Platzes schafft beim Fischer Vertrauen.


Beim Meerforellenfischen ist der Platz eine, wenn nicht DIE eine, entscheidende Größe. Leider hat sie einen Haken: sie ist variabel. Selbst der heißeste Hotspot ...

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... ist nicht immer gut. Ich kenne Angler, die schwören auf den einen Meerforellen-Geheimplatz und gehen immer wieder dorthin. Irgendwann kommt da schon ein Fisch vorbei …

Natürlich kann man sich das ganze Jahr hindurch an einen Platz stellen, der über die Jahre immer wieder große und viele Fische gebracht hat – die meisten dieser Küstenabschnitte sind weithin bekannt. Und natürlich wird man auch irgendwann Erfolg damit haben. Ich persönlich finde dieses Herangehen allerdings nicht besonders attraktiv. Viel spannender ist es in meinen Augen, flexibel zu bleiben und sich auf das Verhalten der Fische einzustellen.

Die Forelle sucht über das Jahr gänzlich unterschiedliche Strukturen an der Küste auf. Daher können Sie sich am vermeintlichen Hotspot wie einer Landspitze die Beine in den Bauch stehen, während die Fische ein paar Kilometer weiter im Flachwasser einer Bucht in aller Ruhe Stichlinge vernaschen. Natürlich ist der gerade beste Küstenplatz von vielen, teilweise unbekannten Faktoren abhängig. Eine immer zutreffende Prognose ist daher unmöglich! Entgegen aller scheinbaren Logik tauchen Meerforellen manchmal an jahreszeitlich gänzlich untypischen Plätzen auf. Dennoch habe ich über die Jahre wiederkehrende Muster gut funktionierender Plätze gefunden und mir versucht, diese zu erklären. Auf den folgenden Seiten nehme ich Sie mit an einige Bilderbuch-Plätze und zeige Ihnen, wann Sie dort mehr als nur Zufallsfänge drin sind – und warum!

Der Frühjahrs-Klassiker: RINNE

Diesen Platz finden Sie fast überall an unseren Küsten. Die Ausprägung des Rinnen-Charakters kann stark variieren und hängt vor allem von Strömung, Dünung und Körnung des vorherrschenden Untergrundes ab. Die Breite der Rinne kann zwischen fünf und 100 Metern liegen. Auch die Tiefe ist sehr variabel: es gibt Rinnen, die mit Hüftwathose leicht zu durchwaten sind, andere erreichen mehr als drei Meter Wassertiefe. Alle Rinnen haben gemein, dass die dahinter liegende Sandbank tiefer ist. Dieser Platz wird auch als Badewanne bezeichnet – und das trifft den Nagel auf den Kopf! Das Wasser in der „Wanne” ist im Frühjahr meist etwas wärmer als weiter draußen. Ein, zwei Grad mögen dem Angler wie nichts vorkommen, für die Forelle jedoch bedeuten sie Welten! Daher zieht dieser Platz im zeitigen Frühjahr die Fische magisch an. Nicht wenige Küstenfischer neigen dazu, blindlings durch die erste Rinne auf die Sandbank zu rennen und das tiefe Wasser weiter draußen zu befischen – während die Forellen in ihrem Rücken völlig unbehelligt bleiben. Der Untergrund der Rinnen kann sandig und mit Seegras bewachsen sein, steinig mit Seetang oder auch lehmig, dann oft mit Trübung. Entsprechend vielfältig sind die Beutetiere: Würmer, Garnelen, Tangläufer, Grundeln, Stichlinge, Sandaale und viele weitere kommen hier vor. Ab Mitte April ist die Wassertemperatur außerhalb der Rinnen für die Forellen angenehmer, sodass sie sich weiter verteilen. Aber selbst im Sommer unternehmen die Fische immer wieder kurze Fressexkursionen in die Rinne. Mit sinkenden Temperaturen ab Spätsommer wird dieser Platz wegen der vielen hier lebenden Garnelen noch einmal richtig interessant.

Dieser ordentliche Blankfisch nahm die Fliege in einer breiten Rinne direkt neben einem kleinen Steinfeld.


Der Hotspot für kaltes Wasser: FJORD

Kleine, auffällige Fliegen sind die richtige Wahl für die Kombination aus kaltem Wasser und Fjord.


Tief in der Förde (im Fjord) oder in einer großen Bucht liegt dieser Platz. In der Nähe befinden sich oftmals Bachmündungen. Durch die Lage ist das Wasser hier etwas ausgesüßt. Zudem herrschen selten starker Seegang oder Strömung. Beide Faktoren sorgen dafür, dass sich in der kalten Jahreszeit große Schwärme von Meerforellen zusammenfinden. Eines vertragen sie nämlich nicht gut: kaltes Wasser in Verbindung mit hohem Salzgehalt. Dieser Kombination gehen sie regelrecht aus dem Weg. Dass im Fjord weniger Wellengang herrscht, hilft den Fischen, Energie zu sparen und ermöglicht ihnen, sich sehr flach einzustellen. Der Untergrund ist weich und mit Muschelbänken sowie kleinen Krautfeldern durchsetzt. Selten ist das Wasser in Wurfweite tiefer als anderthalb Meter. Das weiche Substrat ist Lebensraum für Stichlinge, Grundeln und Borstenwürmer wie den Seeringelwurm. Sobald die Wintersonne die Temperatur im Flachwasser um ein, zwei Grad anhebt, kommen nicht nur die kleinen Nährtiere in Schwung – sofort sind auch die vom Winter ausgehungerten Forellen aktiv und gehen auf die Jagd.

Frischwasser gegen Überhitzung: TIEFES WASSER

In Förden, im Bereich von Engstellen oder an ausgeprägten Landspitzen gibt es Angelplätze, die direkt an tiefes Wasser grenzen. Meist zieht hier eine gute Strömung entlang. Feinmaterial wird dadurch weitergetragen und wir finden eher festen Grund mit ein paar Sandflächen. Die ständige Strömung bewirkt, dass sich das Wasser nur sehr langsam erwärmt und abkühlt. Dafür gibt es in der warmen Jahreszeit einen ständigen Zustrom von etwas kühlerem Tiefenwasser, was die kälteliebende Forelle besonders schätzt. Auch Heringe, Sandaale und Sprotten kommen wegen der Nähe zum Tiefen hier regelmäßig vorbei. Ab April beginnt dieser Platz, für die Forellen interessant zu werden. Im Sommer kommen sie gern dicht unter Land und jagen in der Morgen- und Abenddämmerung. Herrscht Wind und Strömung, sind die Räuber auch tagsüber aktiv und ziehen dicht unter Land auf der Suche nach unvorsichtigen Garnelen entlang. Waten Sie an diesem Platz am besten gar nicht ins Wasser, um keinen Fisch zu verschrecken. Die maximale Wurfweite ist hier sowieso nicht wichtig, denn die meisten Forellen stehen eher im nicht so tiefen Wasser, flacher als drei Meter. Da eine einsame, langsame Fliege mitten in der Wassersäule sehr unnatürlich und zu offensichtlich wirkt, müssen Sie hier richtig schnell fischen.

Tiefes Wasser erfordert fast immer eine schnelle Köderführung.


Der Bilderbuch-Platz: RIFF

Diese Spätsommer- Forelle nahm am frühen Morgen auf dem Riff die Fliege.


Riffs sind die beliebtesten Angelplätze an der Ostsee. Man findet sie an der offenen Küste, in Fjorden und an Landspitzen. Es gibt die unterschiedlichsten Typen: Sandriffs, Muschelriffs und Steinriffs sowie Übergangsformen. An allen Riffs herrscht Strömung, durch die sich das Wasser nicht so schnell erwärmt. Daher ist das Riff auch kein klassischer Platz fürs zeitige Frühjahr. Ab April nutzen Forellen es aber gern für Raubzüge, schließlich finden sie hier auf engstem Raum eine Vielzahl unterschiedlicher Beutetiere. Auch im Sommer kommen die Fische nachts gelegentlich aufs Riff und fressen vor allem in den Morgenstunden. Mit dem Spätsommer beginnt noch mal eine ganz heiße Phase. Je nach Rifftyp variiert der Untergrund von Felsen über Steine und Kies, Lehm bis zu feinem Sand. So unterschiedlich wie die Riffs an sich ist auch die Nahrung, welche die Forellen dort vorfinden. Die sandigeren Riffs beherbergen viele Würmer und kleine Krebstiere, während harter Untergrund die großen Garnelen und viele Kleinfische anzieht. Je nach Wasserstand raubt die Forelle auf (bei Hochwasser) oder neben dem Riff, dabei scheut sie auch flachstes Wasser von nur 30 Zentimetern nicht.


Fotos: F. Pippardt, T. B. Christensen, J. Radtke