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MEHR BREITE AN DER SPITZE


Aero International - epaper ⋅ Ausgabe 110/2019 vom 11.10.2019

Das Wachstum scheint unaufhaltsam: Im vergangenen Jahr wurden weltweit 8,8 Milliarden Fluggäste und 122,7 Millionen Tonnen Fracht an den Flughäfen abgefertigt. Doch nicht allerorts können die Infrastrukturen mit der Entwicklung Schritt halten


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Bildquelle: Aero International, Ausgabe 110/2019

107 Mio. Passagiere

+ 3,3 %

Die Nummer eins: Der Hartsfield-Jackson Atlanta International Airport zählte weltweit am meisten Fluggäste.

Fragt man den Flughafenverband Airports Council International (ACI), wie sein Resümee des abgelaufenen Bilanzjahres 2018 lautet, hört man ein durchaus zufriedenes Fazit: Die Verkehrsentwicklung sei trotz einiger wirtschaftlich ...

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... angegriffener Marktwirtschaften stabil verlaufen, vor allem im Passagiergeschäft. 8,8 Milliarden Fluggäste bedeuten ein Plus von 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das liege höher als die bislang zwischen 2010 und 2018 erzielte jährliche Steigerungsrate von durchschnittlich 5,8 Prozent. Also: kein Grund zur Klage.

Im Gegenteil: Die nun vorgelegte Auswertung beweise, dass „nicht nur die kleineren Flughäfen stark zulegen, auch die größten Drehkreuze wachsen weiter”, erklärte Angela Gittens, Generaldirektorin des ACI World. 54 Flughäfen weltweit melden inzwischen mehr als 40 Millionen abgefertigte Passagiere. Vor zehn Jahren waren es lediglich 16. Die Spitze ist also breiter aufgestellt.

Einmal mehr die Nummer eins darf sich der US-amerikanische Hartsfield-Jackson Atlanta International Airport nennen. Zum nunmehr 21. Mal in Folge. Der Gigant aus dem Bundesstaat Georgia zählte im vergangenen Jahr rund 107,4 Millionen Passagiere – plus 3,3 Prozent. Nach dem Minus von knapp 0,3 Prozent im Vorjahr also endlich wieder Zuwachs! Und auch der Zweitplatzierte, der Beijing Capital International Airport in Chinas Hauptstadt Peking, konnte mit einer Steigerungsrate von 5,4 Prozent merklich stärker als noch 2017 (1,5 Prozent) zulegen und so den Abstand zum Primus inter Pares weiter verkürzen. Erstmals in seiner Geschichte begrüßte PEK, so der Drei-Letter-Code, mehr als 100 Millionen Reisende.

Dritter im Bunde ist mit rund 89,2 Millionen Fluggästen nach wie vor der Dubai International Airport, der nach vielen Jahren mit zweistelligem Plus im vergangenen Jahr um lediglich ein Prozent wuchs. Dieses Trio habe seine Positionen halten können, während Los Angeles, jetzt auf Platz vier, und Tokio-Haneda, nun auf Rang fünf, ihre Plätze tauschten, so der ACI weiter. Größter europäischer Flughafen ist in der Betrachtung nach Passagierzahlen London-Heathrow mit 80,1 Millionen Passagieren. Als wichtigster Airport aus dem deutschsprachigen Raum wird Frankfurt geführt: Rhein-Main taucht mit 69,5 Millionen Fluggästen auf Platz 14 des ACI-Rankings auf.

„2008 waren es weltweit 16 Flughäfen, die jeweils mehr als 40 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt haben. Jetzt sind es 54.”


ANGELA GITTENS
Director General ACI World

BOOMKONTINENT ASIEN

Nach Regionen unterteilt, meldeten die Flughäfen im asiatisch-pazifischen Raum mit 3,3 Milliarden Passagieren (+ 8,1 Prozent) die meisten Fluggäste. An den europäischen Standorten wurden 2,4 Milliarden Reisende (+ 6,4 Prozent) abgefertigt, in Nordamerika zwei Milliarden (5,0 Prozent).

Die lateinamerikanischen und karibischen Airports zählten 651 Millionen Fluggäste (+ 5,0 Prozent), die Flughäfen im Nahen Osten 396 Millionen (+ 0,7 Prozent). Nach wie vor die aufkommensschwächste Region ist Afrika mit 214 Millionen abgefertigten Passagieren. Allerdings lag die Wachstumsrate hier bei 9,4 Prozent, also überdurchschnittlich hoch. Der Schwarze Kontinent scheint sein Potenzial langsam auszuschöpfen. Bemerkenswert sei es jedoch vielmehr, so Gittens mit Nachdruck, dass das Gros der Top-54-Airports, die zusammengerechnet ein Plus in Höhe von 5,1 Prozent aufweisen, in „etablierten, allerdings kapazitätsmäßig eher eingeschränkten Märkten in Nordamerika und Europa liegen”. Allerdings: Die wachstumsstärksten Airports sind laut Flughafenverband in Entwicklungs- und Schwellenländern, insbesondere in der asiatisch- pazifischen Region, zu finden.

An zwölf der 30 am schnellsten zulegenden Flughäfen wehen chinesische und indische Banner. Allen voran Bangalore weist ein Plus von 29,1 Prozent auf 32,3 Millionen Passagiere und Hyderabat eine Steigerung um 21,9 Prozent auf 20,9 Millionen Reisende auf. „Indien liberalisiert den Luftfahrtmarkt mehr und mehr, und die staatliche Wirtschaftspolitik sorgt zusätzlich dafür, dass sich das Land zum wachstumsstärksten Luftfahrtmarkt mit rapide steigenden Verkehrszahlen entwickelt”, lautet Gittens’ Analyse.

Auch die wichtigsten russischen Standorte melden hohe Steigerungsraten – besonders Moskau-Wnukowo mit einem Plus von 18,4 Prozent auf annähernd 21,5 Millionen Reisende. Gittens vermutet Nachholbedarf nach den wirtschaftlich durchaus schwieri- gen Jahren 2015 und 2016, insbesondere die Fußball-WM vor drei Jahren habe für einen gewaltigen Schub gesorgt, der bis heute anhalte.

Die wichtigsten Luftfahrtmärkte sind im Bereich Passagierverkehr laut ACI jedoch weiterhin USA und China. Summiert man die dort transportierten Fluggäste, liegt deren Anteil am weltweiten Passagieraufkommen bei 34,7 Prozent. Der ACI hat darüber hinaus festgestellt, dass der internationale Verkehr mit 6,7 Prozent stärker zulegte als die Zahl der Inlandsreisenden (5,5 Prozent). Übrigens betrage der Anteil der Region Asien-Pazifik am Domestic- Verkehr 39,2 Prozent.

Europa steuert dagegen allein 47,6 Prozent der Passagiere zum internationalen Verkehr bei. Großbritannien meldet mit etwa 250 Millionen Passagieren die weltweit höchste Zahl an grenzüberschreitend Reisenden, während die USA mit allein 1,6 Milliarden Fluggästen als der aufkommensstärkste Inlandsmarkt des Erdballs gilt. Ein Drittel, exakt 32,9 Prozent, aller Domestic-Passagiere weltweit wurde im vergangenen Jahr in den Vereinigten Staaten abgefertigt.

Zulegen konnte 2018 laut ACI auch die Zahl der Flugbewegungen – und zwar um 3,1 Prozent auf 99,9 Millionen Starts und Landungen. Hier tat sich insbesondere Nordamerika mit 33,4 Millionen Flugbewegungen hervor, die Nummer eins im Regionen-Ranking, wenngleich das Plus im Vergleich zum Vorjahr lediglich 1,8 Prozent betrug. Der asiatisch-pazifische Raum notierte 26,4 Millionen (+ 6,5 Prozent), Europa 25,2 Millionen (+ 2,8 Prozent), der lateinamerikanische und karibische Raum 8,6 Millionen (+ 0,7 Prozent), Afrika 3,2 Millionen (+ 4,2 Prozent) und Nahost 3,1 Millionen (- 1,4 Prozent) Starts und Landungen.

Der weltweit geschäftigste Standort ist Chicago-O’Hare mit 903 747 Bewegungen (+ 4,2 Prozent), der die Spitzenposition von Atlanta übernahm, der wiederum nun in der Statistik mit 895 682 Starts und Landungen (+ 1,8 Prozent) knapp dahinter auftaucht. Mit etwas größerem Abstand folgt Los Angeles (707 833 Bewegungen, + 1,1 Prozent). Unter den zehn frequentiertesten Airports sind allein sieben in den USA, zwei (Amsterdam und Frankfurt) in Europa und einer (Peking) in China zu finden. Nichts Neues dagegen in den Top Five im Bereich Cargo: Hier ließ sich Hongkong abermals nicht die Butter vom Brot nehmen.

Das Aufkommen in Höhe von 5,1 Millionen Tonnen entspricht einer Zunahme von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf Platz zwei folgt Memphis mit rund 4,5 Millionen Tonnen und einem Plus in Höhe von 3,1 Prozent. Doch schon der Drittplatzierte, Schanghai, musste mit 3,8 Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahr Federn lassen. Das Minus beträgt 1,5 Prozent. Selbst Seoul-Incheon legte nur um 1,04 Prozent auf annähernd drei Millionen Tonnen zu, Anchorage dagegen etwas stärker um 3,5 Prozent auf 2,8 Millionen Tonnen.

Das Cargogeschäft, im vergangenen Jahr auf einem kleinen Höhenflug unterwegs, habe bereits wieder deutlich an Schwung verloren, konstatiert der ACI. Das Plus in Höhe von 3,4 Prozent auf 122,7 Millionen abgefertigte Tonnen stehe in einem scharfen Kontrast zum starken Jahr 2017, in dem eine Steigerungsrate von 7,7 Prozent notiert worden war, doch die weltweiten Handelsspannungen zwischen den USA und einigen ihrer engsten Handelspartner hinterlassen natürlich ihre Spuren.

Am stärksten legte laut ACI noch Rockford in den USA zu, um 56,6 Prozent um genau zu sein. Und das Geheimnis des Erfolges hat einen Namen: Der Standort hat sich als Hub für den Online-Händler Amazon positioniert. Außerdem zu den wachstumsstärksten Cargo-Flughäfen zählen Nairobi mit einem Plus von 25,2 Prozent und Lüttich mit 21,6 Prozent. Xi’an und Philadelphia meldeten Steigerungsraten von 20,3 beziehungsweise 20 Prozent.

Doch mit weiterhin goldenen Zeiten ist gerade im Bereich Fracht in naher Zukunft eher nicht zu rechnen. Protektionismus, gepaart mit einer isolatorischen Politik, die in verschiedenen bedeutenden Marktwirtschaften vorherrschen, „haben zu einem Abbau des weltweit etablierten offenen Handels geführt”, erklärt Gittens. Und weil die Luftfahrt eng mit der Weltwirtschaft und – durch Handel und Tourismus – an die regionalen Entwicklungen geknüpft ist, werden die Barrieren für einen effizienten Transport von Personen und Gütern immer größer. „Luftverkehr benötigt jedoch in hohem Maße offene Märkte, um wachsen zu können”, appelliert Gittens an die Trumps dieser Welt. „Sollte diese isolatorische Politik weiterhin Bestand haben, werden die daraus resultierenden nachteiligen Effekte weiteres Wachstum in vielen Ländern ersticken.” Besonders gefährdet seien Exportnationen. Aber: Dank der niedrigen Ticketpreise und einer wachsenden Mittelschicht in den Schwellenländern dürfte das Plus zumindest im Passagierverkehr Bestand haben.

CARGOGESCHÄFT LEIDET

Den Aussichten für das laufende Bilanzjahr 2019 stellt Gittens einen Überblick auf das erste Halbjahr voran: „Die ACI-Zahlen zeigen ein gedämpftes Wachstum im Passagierverkehr mit einer moderaten Steigerungsrate von 3,6 Prozent in den ersten sechs Monaten.” Das beweise, dass der global wirtschaftliche Abschwung Einfluss auf die Luftfahrtmärkte habe. Vor allem das Cargogeschäft leide. In der ersten Hälfte des Jahres liege das für die wichtigsten Frachtflughäfen errechnete Minus bereits bei 3,2 Prozent. „Eine Lösung der Handelskriege würde helfen, das Frachtgeschäft wieder in die Spur zu bringen”, versichert Gittens.

Doch einmal abgesehen von diesen kurzfristigen Herausforderungen: Der ACI geht nach wie vor von einem mittelfristigen Wachstum bis zum Jahr 2023 von 30 Prozent im Passagierverkehr und langfristig von einer Verdoppelung der Fluggastzahlen bis 2035 aus. Das durchschnittlich jährliche Plus von 4,1 Prozent würde bis 2040 zu 20,9 Milliarden Passagieren weltweit führen. Das bedeutet für die Industrie einen Balanceakt: Es gelte, eine Nachfrage zu befriedigen, „die in vielen Fällen die vorhandenen Flughafenkapazitäten überholen wird”, mahnt Gittens. Sie fordert, schon heute mit dem Aus- beziehungsweise Neubau von Infrastrukturen zu beginnen – vor allem in den USA. Gittens berechnet den Investitionsbedarf an den US-Flughäfen bis 2023 auf mehr als 128 Milliarden US-Dollar. „Mehr als 56 Prozent davon sollten in die veralteten Terminals fließen.”


FOTOS: ACI, MARKUS MAINKA/AIRTEAMIMAGES, NICK WOOD/LONDON-HEATHROW

FOTOS: ANDREW HUNT UND DR. FRIKKIE BEKKER/AIRTEAMIMAGES

FOTOS: MARKUS MAINKA U. RUDI BOIGELOT/AIRTEAMIMAGES, RENATO SERRA FONSECA/AVSTOCK