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ColorFoto - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 17.05.2022

RAW-Test

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Bildquelle: ColorFoto, Ausgabe 6/2022

Dass RAW ein Potenzial für mehr Details hat, ist längst Allgemeinplatz. In der Praxis stellt sich jedoch die Frage, ob der zusätzliche Aufwand auch gerechtfertigt ist. Manche Kameras werden mit fein abgestimmten JPEG-Algorithmen ausgeliefert, und RAW bietet dann nur noch punktuelle Vorteile. Bei anderen hat man das Gefühl, mit RAW als Bildformat plötzlich eine neue Kamera in der Hand zu halten, und wird kaum versucht sein, zurück zu JPEG zu wechseln. Seit Jahren folgt deswegen auf unsere JPEG-Tests ein Test der RAW-Bildqualität der aktuellen Kleinbild-, APS-C-und MFT- Modelle. Diesmal sind auch zwei Mittelformat-Modelle dabei. Als einziger Testkandidat ist die Pentax K3 III noch als Spiegelreflexkamera aufgebaut, mit einem optischen Sucher und Schwingspiegel. Einen optischen Sucher bringt natürlich auch die Leica M11 mit. Hier ist es allerdings ein Messsucher und keine SLR-Technik mit ...

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... integriertem Autofokus-Modul. Alle anderen Modelle gehören zu den spiegellosen Kameras mit digitalem Sucher.

Lightroom-Einstellungen

Die RAW-Aufnahmen entwickeln wir in Adobe Lightroom. Die Entscheidung für diesen Konverter beruht auf seiner Verbreitung. Adobe Lightroom ist seit vielen Jahren die Nummer eins unter den RAW-Konvertern – ein Konkurrent und zugleich auch ein Vorbild für andere Anwendungen. Dass Lightroom nicht immer perfekt arbeitet, ist bekannt, doch um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten, muss man eine Wahl treffen.

Die Ergebnisse hängen stark von den gewählten Konvertierungseinstellungen ab. Prinzipiell ist der Prozess mit der JPEG-Signalverarbeitung vergleichbar, nur dass bei RAW Parameter wie Schärfe, Kontrast und Farbe in viel größerem Maße durch den Fotografen steuerbar sind. Eine hundertprozentige Kontrolle hat man aber nicht, denn auch die RAWs werden mehr oder minder korrigiert von den Kameras gespeichert. Prinzipiell ist das vernünftig so, denn mit echten Rohdaten würde man nicht viel anfangen können. Die RAWs werden in unserem Test von und mit der Voreinstellung „Kamera Standard“ geöffnet: Das ist insofern wichtig, weil Lightroom bei anderen Voreinstellungen die Bilder anders „vorkorrigiert“. Im RAW-Test bewerten wir vier Aufnahmen: ISO 100 sowie drei unterschiedlich entwickelte Versionen von ISO 1600, welche wir zum einfacheren Verständnis mit LR1, LR2 und LR3 bezeichnen. Zwar unterscheiden sich die Lightroom-Parameter von ISO 100 zu ISO 1600 und von LR1 zu LR2 und LR3, doch für alle Kameras gelten die identischen Entwicklungseinstellungen.

Bei ISO 100 und ISO 1600 LR1 sind die Entwicklungsvoreinstellungen gleich und zurückhaltend. Hier greifen wir wenig in die Bilder ein und beschränken uns auf eine leichte Verbesserung der Zeichnung durch geringes Anheben des Struktur-Reglers auf zehn und des Klarheits-Reglers auf acht. Schärfung und Rauschreduktion werden bei ISO 100 und LR1 auf Standard-Einstellung belassen.

Bei der ISO-1600-LR2-Variante untersuchen wir die Wirkung der Rauschreduktion und verstärken den Regler für Luminanzrauschen auf den Wert 15, während die anderen Einstellungen unverändert bleiben.

Bei ISO 1600 LR3 wird noch stärker entrauscht – Luminanz auf 35. Zugleich aber schärfen wir Details stärker nach – Wert 40 – und heben den Klarheits-Regler auf 13 an, um die Aufnahmen „knackiger“ zu entwickeln. Somit steht LR3 für die meisten Eingriffe.

Im den folgenden Testberichten finden Sie häufig Messwerte wie diese Angabe: 1234/2345 LP/BH. Damit sind Linienpaare pro Bildhöhe gemeint, gemessen für kontrastreiche Strukturen (erster Wert) und kontrastarme Strukturen (zweiter Wert). Dies kann eine Messung auf schwarzweißen Siemenssternen sein oder eine Messung auf farbigen Dead-Leaves-Strukturen. In beiden Fällen werten wir nun hoch-und niedrigkontrastige Vorlagen aus.

Gesamtfazit

Spiegellose Kleinbild-Kameras werden immer dominanter und sind auch in unserem Vergleich am zahlreichsten vertreten. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus. So sehen wir bei der Canon R3 vergleichsweise weniger Vorteile von RAW: Die JPEG-Signalverarbeitung macht bereits einen guten Job. RAW bringt eine natürlicher wirkende Bildabstimmung, aber weniger Detailzuwächse.

■ Kleinbild-Kameras

Nikon Z9, Leica SL2-S und Sigma fp L gewinnen mehr dazu. Die Vorteile sind klein bei ISO 100 und größer bei ISO 1600 in der LR2-Einstellung. Bei Nikon-und Leica-Kameras verbessert sich die Auflösung von Strukturen mit niedrigen Kontrasten. Allein bei Leica kann man bei manchen Motiven auch gänzlich ohne Entrauschen fotografieren, da dieses sehr fein und weniger störend ist.

Starkes Entrauschen – also LR3 – kostet immer zu viele Details. Noch stärker legen die beiden Sonys A1 und A7 IV mit RAW zu. Auch hier lautet bei ISO 1600 die Empfehlung: lieber wenig entrauschen, denn dann werden Details besser erhalten. Doch auch die LR3-Einstellung kann bei den Sonys bei passenden Motiven praktiziert werden. Dann sind zwar die Zugewinne an Auflösung klein und fast immer auf die niedrigkontrastigen Bereiche beschränkt, aber auch das Rauschen wenig auffällig. Zugleich verbessern sich die Sonys bereits schon bei ISO 100 deutlicher als alle bisher erwähnten Kameras.

Und nun kommen wir zu Leica M11. Diese ist in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme – auch bei RAW. Die M11 ist mit RAW schlicht eine andere Kamera, eine bessere. Bei allen ISO-Stufen verbessert sich die Auflösung spürbar. Ein anderes Phänomen ist das Rauschen: Die Werte sind hoch, doch dieses ist ausgesprochen fein, und das Auge stört sich wenig daran. Wir empfehlen die LR2-Option: Dann bleibt das Bild detailreich und natürlich. Aber auch die LR3-Einstellung ist durchaus machbar.

■ MFT-Modelle

Die Panasonic GH6 und die Olympus OM-1 profitieren beide schon bei ISO 100 von RAW als Bildformat durch eine verbesserte Zeichnung. Aufgrund der kleineren Sensorfläche haben die beiden Kameras jedoch bei ISO 1600 umso mehr mit starkem Rauschen zu kämpfen, welches auch in der LR3-Einstellung sichtbar bleibt. Olympus reagiert weniger empfindlich auf Rauschreduktion und kann mehr Details retten als die Panasonic – das ist der Preis für die höhere Pixeldichte bei Panasonic.

■ Mittelformat

Die „exotische“ Gruppe im Test sind die beiden Mittelformat-Modelle von Fujifilm. Deren JPEG-Verarbeitung zeigt eine Vorliebe für Kantenanhebung. Bei RAW ist dieser Effekt bei der GFX 100S deutlich abgemildert, bei der GFX 50S II aber nur abgeschwächt. Bei ISO 100 sind die Vorteile kleiner und zeigen sich durch eine bessere Feinzeichnung in Strukturen mit niedrigem Kontrast und einer natürlicheren Abstimmung. Bei ISO 1600 ist Rauschen der größte Feind, mit dem man aber leben muss. Richtig klein wird dieser auch bei der LR3-Einstellung nicht, jedoch hebt LR3 hier alle RAW-Vorteile auf. LR2 und eine gewisse Rauschtoleranz entschädigen mit einem klaren Detail-Plus im Vergleich zu JPEG. Wie schon bei ISO 100 sind die Vorteile vor allem in niedrigkontrastigen Bildbereichen sichtbar.

Canon R3

Da Tempo und Autofokusleistung bei der professionellen R3 im Zentrum stehen, hat Canon in dieses Modell einen 24-MP-KB-Sensor mit Bildstabilisator eingebaut. Das nur knapp ein Kilogramm schwere Magnesiumgehäuse mit integriertem Batteriegriff und einem zweiten Satz an Bedienelementen liegt optimal in der Hand. Der OLED-Sucher mit einer Auflösung von 1 920 000 RGB-Pixeln punktet durch die natürliche Darstellung von Farben und Kontrasten. Für flüssigere Kameraschwenks lässt sich die Bildfrequenz von 60 auf 120 B/s erhöhen. Der 3,2 Zoll große Monitor auf der Rückseite lockt mit einer feinen Auflösung von 1 383 334 RGB-Pixeln. Er lässt sich schwenken und drehen.

Autofokus und Verschluss

Die Stacked-CMOS-Architektur, Deap-Learning-Algorithmen und neue Funktionen bringen die AF-Systemleistung auf ein Niveau, das man spiegellosen Systemkameras noch vor wenigen Jahren nicht zugetraut hätte. Die AF-Empfindlichkeit reicht mit bis zu -7,5 EV noch etwas tiefer als die der R5 (-6 EV). 4779 Messfeldpositionen sind bei Einzelpunkt-AF wählbar. Zum Steuern von AF-Feldern verfügt die Kamera über den obligatorischen Joystick mit Druckfunktion, ergänzt durch den von der EOS-1D X Mark III bekannten Smart-Controller. Zudem hat die R3 ein einzigartiges Ausstattungsmerkmal: Autofokus mit Augensteuerung. Die Objekterkennung arbeitet auf vier Ebenen – Körper, Kopf, Gesicht und Auge – und das mit großer Schnelligkeit und Treffsicherheit.

Erstmals propagiert Canon den elektronischen Verschluss als Standardeinstellung. Damit sind ultrakurze Belichtungen mit bis zu 1/64 000 s möglich. Während mit der mechanische Verschluss 12 B/s schießen kann, schafft der elektronische bis zu 30 JPEGs oder RAWs pro Sekunde mit AF/AE-Nachführung und ohne Sucher-Blackout.

Bildqualität

In unserem JPEG-Test liefert die R3 2031/1854 LP/BH bei ISO 100, im RAW-Test sind es 1918/1793 LP/BH. Auch die Dead-Leaves-Werte für geringe Kontraste nehmen um rund 100 LP/BH ab. Die Verluste sind durch eine geringere Kontrastanhebung und die veränderte – nun schonendere –Kantenanhebung bedingt. Hinzu kommt ein etwas kräftigeres Rauschen von JPEGs: 1,3V/N statt 0,9V/N.

Bei ISO 1600 LR1 fällt als Erstes ebenfalls ein stärkeres Rauschen auf: 2,7V/N. Die JPEG-Signalverarbeitung in der Kamera drückt das Rauschen auf gut verträgliche 1,5 V/N. Doch dafür bleiben die Dead-Leaves-und die Auflösungswerte bei LR1-RAW quasi auf dem Niveau von ISO 100. Wir raten dennoch dazu, im Konverter dem Bildrauschen entgegenzuwirken. Leichtes Entrauschen – LR2 – kostet rund 150 bis 180 LP/BH bei den Dead Leaves, während die Auflösung vergleichsweise konstant bleibt und das Rauschen auf 2,1V/N sinkt. Das Grießeln wird fein und ist immer noch in größeren homogenen Flächen im Bild zu sehen, aber damit lässt es sich gut leben. Die LR3-Einstellung reduziert das Bildrauschen nochmals auf wenig auffällige 1,7V/N – doch dafür muss man erneut Verluste bei der Feinzeichnung hinnehmen, die auf JPEG-Niveau fällt.

FAZIT

Die JPEG-Signalverarbeitung der Canon R3 macht einen sehr guten Job und lässt bei der Verwendung von RAW keinen Raum für große Qualitätssprünge. Bei niedrigen ISO-Werten wirken die RAWs etwas natürlicher, zeigen aber keine nennenswerte Verbesserung bei der Detailwiedergabe. Bei hohen Empfindlichkeiten rauschen unbehandelten RAWs zu stark und sind kaum eine Option. Mit behutsamer Rauschreduktion – unsere Empfehlung – bringt man es auf ein erträgliches Niveau und rettet zugleich etwas mehr Details. Stärkere Eingriffe liefern ähnliche Zeichnung wie JPEGs.

Canon EOS M50 II

Die Canon EOS M50 Mark II hat einen 24-Megapixel-Sensor im APS-C-Format, einen Digic-8-Bildprozessor und Dual-Pixel-Technologie. Ab 650 Euro wird sie oft mit dem Kit-Zoom EF-M 3,5-6,6/15-45 mm IS STM angeboten. Bei der EOS M50 II hat Canon auf möglichst vielseitige Kommunikations-und erweiterte Videooptionen Wert gelegt. Mit der kostenlosen EOS Webcam Utility liefert die M50 Mark II über USB als Webcam beispielsweise bei Videokonferenzen ein Bild mit 1024 Pixeln Breite.

Das Gehäuse ist sehr kompakt und wiegt nur rund 400 Gramm. Das griffige, gut einrastende Moduswahlrad ist schnell bedienbar. Ein rund um den Auslöser schräg angebrachtes Rändelrad übernimmt je nach Voreinstellung unterschiedliche Aufgaben. Aufruf und Feineinstellung von Funktionen werden an sechs Tasten für den rechten Daumen auf der Rückseite vorgenommen. Sie fallen aufgrund der kompakten Gehäusemaße allerdings recht zierlich aus, vor allem die Vier-Richtungs-Wippe. Eine Stromversorgung oder das Laden des Akkus in der Kamera über USB ist nicht möglich.

Sucher und Monitor

Der um 180 Grad nach links ausklappbare und dann um 270 Grad bis in Aufnahmerichtung drehbare 3 Zoll große Touchscreen löst 346 667 RGB-Pixel auf. Mit seinen Schwenkmöglichkeiten eignet er sich für Selfies. Die Option „Display spiegeln“ sorgt dafür, dass man bei Hochformat-Selfies nicht kopfüber im Bild erscheint. Der Touchscreen reagiert rasch auf Befehle. Verschiedene Touchfunktionen sind im Menü wählbar.

Der 0,39 Zoll große elektronische OLED-Sucher löst 786 667 RGB-Bildpunkte auf. Eine effektive Suchervergrößerung gibt Canon nicht an. Sie liegt geschätzt bei 0,6-fach – also besser als bei vielen Einsteiger-SLRs. Die Dioptrien-Korrektur versteckt sich gut geschützt, aber schlecht erreichbar unter dem Okular.

Der Mehrfeld-AF arbeitet mit maximal 143 AF-Feldern. Dual-Pixel-CMOS-AF steht für Fotos und Full-HD-Videos zur Verfügung. Im 4K-Video-Modus bleibt der Autofokus aber auf die Kontrasterkennung beschränkt. Neu bei der EOS M50 Mark II ist der Augen-AF mit Servo-Tracking. Er funktioniert auch im Videomodus. Beim Fotografieren mit einem AF-Feld lässt sich dieses beliebig im Bildfeld positionieren. Fotoserien sind mit knapp 10 B/s möglich. Die Belichtungszeiten reichen von 1/400 bis 30 s, die kürzeste X-Synchronzeit beträgt 1/200 s.

Bildqualität

Zugegeben, das RAW-Format werden nur wenige Käufer der kompakten M50 II wählen. Das ist schade, denn der APS-C-Sensor mit 24 Megapixeln legt im RAW-Format qualitativ eindeutig zu. An den Kanten sehen wir keine für JPEGs typischen dicken Linien mehr, und dadurch verbessert sich die Feinzeichnung.

Bei ISO 100 steigt die Auflösung um mehr als 200 LP/BH in den HC-und um fast 450 LP/BH in den LC-Feldern. Die Dead-Leaves-Werte steigen ebenfalls um ungefähr 200 LP/BH.

Bei höheren ISO-Empfindlichkeiten ist die Rauschreduktion eine Pflichtaufgabe, denn unbehandelt messen wir einen VN-Wert von 5,0 (LR1). Das ist viel zu hoch und macht die RAW-Vorteile zunichte.Vorsichtiges Entrauschen (LR2) reduziert das Problem auf 3,7V/N, aber selbst dann ist das feine Grießeln noch deutlich wahrnehmbar. Freilich zeigen die LR2-RAWs eine bessere Zeichnung als die JPEGs. Sofern die Motive das Rauschen gut vertragen, ist LR2 eine Option. Sonst muss man noch mehr Noise-Reduktion betreiben: Bei LR3 messen wir das gleiche VN-Niveau, aber RAWs rauschen „natürlicher“. Nachteil ist die kräftige Abnahme bei den Dead-Leaves-Werten. Sie fallen auf 942/785 LP/BH und büßen somit etwa 200 (HC) bis gut 400 LP/BH (LC) gegenüber der LR2-Einstellung ein. Bei manchen Strukturen mit niedrigen Kontrasten sehen die JPEGs detailreicher aus als mit der LR3-Einstellung.

Fazit

Das RAW-Format pusht die Bildqualität der kleinen Canon M50 Mark II deutlich, vor allem bei der niedrigen Empfindlichkeit. Bei den höheren ISO-Stufen ist Rauschen ein zentrales Thema: Will man Zeichnung erhalten, muss man mehr Rauschen akzeptieren (LR2). Stärker entrauschte Aufnahmen haben wenig Vorteile hinsichtlich der Detailwiedergabe gegenüber den JPEGs. Unbehandelt ist das Rauschen bei RAWs viel zu hoch.

Fujifilm GFX100S

Fujifilm macht das Mittelformat mobil: Die GFX100S wiegt rund 900 Gramm. Der absolute Hammer ist jedoch: Diese 100-MP-Kamera kostet 6000 Euro. Der 43,8 x 32,9 mm große Sensor wird rückseitig belichtet. Die Schrumpfkur des Gehäuses ist unter anderem dem Einsatz einer neuen BSI-Einheit zu verdanken. Das gegen Spritzwasser und Staub geschützte Magnesiumgehäuse ist mit einem großen Griff an der rechten Kameraseite ausgestattet und bis auf die Ober-und Unterseite mit einem rutschsicheren Überzug versehen. Sehr gut, denn die Kamera klebt förmlich in der Hand. Drahtlos kommunizieren kann die GFX100S über Wi-Fi oder Bluetooth. Videos dreht sie in 4K mit 30 B/s und speichert sie intern mit 10 Bit. An der rechten Kameraoberseite ist ein Schulterdisplay eingebaut: Es handelt sich um ein monochromes LCD mit 1,8 Zoll und 303 x 230 Pixeln für verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Als sehr angenehm empfinden wir die übersichtliche Anzahl von Bedienelementen und deren durchdachte Anordnung. Tasten und Rädchen sind so gestaltet, dass Daumen und Zeigefinger der rechten Hand praktisch alle relevanten Einstellungen vornehmen können. Allein der etwas kurz geratene Joystick mag nicht immer jedem Druck Folge leisten und funktioniert manchmal erst auf wiederholtes Tasten.

Sucher und Display

Der 0,5 Zoll große OLED-Farbsucher hat eine Auflösung von 1 230 000 RGB-Pixeln, deckt 100 Prozent des Bildfelds ab und bietet eine 0,77-fache Vergröße-rung. Das Bild ist bei Helligkeit ausge-zeichnet, bei wenig Aufnahmelicht ist leichtes Grießeln sichtbar. Das 3,2 Zoll große Touchdisplay mit 786 667 RGB-Bildpunkten ist klapp-und schwenkbar, nach oben um circa 90 Grad, nach unten um rund 45 Grad und um etwa 60 Grad zur Seite. Helligkeit und Farbe sind einstellbar, Eingaben per Fingertipp möglich.

Das Konzept des Autofokusmoduls stammt aus den APS-C-Modellen. Der Sensor hat 3,76 Millionen Phasendetektions-Pixel, die fast den gesamten Sensor abdecken. Es stehen 425 Messfelder zur Wahl, die sich in sechs Größen anpassen lassen. Phasen-AF-Felder sind bis -5,5 EV empfindlich, die Kontrast-AF-Felder bis -2,5 EV. Serien sind bis mit 5 B/s (AF-C) möglich. Der mechanische Verschluss bietet Belichtungszeiten von 1/4000 bis 4 s, der elektronische Verschluss bis zu 1/16 000 s.

Bildqualität

In den JPEGs der Fujifilm GFX100S fallen die kräftig verstärkten Kanten auf – das entfällt bei RAW. Dadurch wirken die Bilder zuerst natürlicher. Zugleich verbessern sich sowohl leicht die Auflösung als auch die Dead-Leaves-Werte, die um etwa 200 LP/BH in den HCund um circa 150 LP/BH in den LC-Feldern zunehmen. Optisch wirkt das RAW mit ISO 100 nun vielleicht etwas zu weich, da die Kanten fast gar nicht mehr verstärkt werden, aber sie sind sehr stimmig und haben eine bessere Farbabstimmung als die JPEGs. Bei ISO 1600 LR1 messen wir sehr hohe Rauschwerte: 4,3V/N. Die Feinzeichnung springt noch einmal kräftig nach oben, doch dabei spielt auch das feine Luminanzrauschen eine Rolle. Bei einer ähnlichen Feinzeichnung wie bei den RAWs mit ISO 100 wirken die Aufnahmen grießeliger. Vorsichtiges Entrauschen (LR2) bekommt das Problem nur zum Teil in den Griff: 3,2V/N. LR2 reduziert gegenüber der LR1-Einstellung zugleich die Messwerte für die Dead Leaves und die Auflösung im LC-Siemensstern. Da jedoch die LR3-Einstellung mit noch kräftigerer Rauschreduktion und Nachschärfung rund 500 LP/BH bei Dead-Leaves-Feldern kostet, halten wir die LR2-Option für empfehlenswerter. An dieser Stelle muss man darum eben ein etwas höheres Rauschen akzeptieren.

Fazit

Die Fujifilm GFX100S bildet mit ihrem 100-MP-Sensor die Motive ausgesprochen detailreich ab. Mit RAW erhält man in erster Linie natürlich abgestimmte Aufnahmen, vor allem im Vergleich mit den härter abgestimmten JPEGs. Auch eine verbesserte Zeichnung – vor allem bei Strukturen mit niedrigen Kontrasten – gehört dazu: Bei ISO 100 sowieso und bei ISO 1600, wenn man bereit ist, etwas Rauschen zu akzeptieren.

Fujifilm GFX50S II

Die Mittelformatkamera GFX50S II (4000 Euro) kombiniert den beweglichen 50-MP-Bildsensor ihrer Vorgängerin mit dem kompakten Gehäuse der GFX100S. Gemessen am Aufnahmeformat darf die Kamera als kompakt gelten. Der Handgriff ist ergonomisch gestaltet, die Daumenstütze an der Rückseite markant ausgeformt, sodass die Kamera auch mit schweren Objektiven gut zu handhaben ist. Dedizierte Einstellräder für Verschlusszeit, ISO-Einstellung oder Belichtungskorrektur sind passé. Die Belichtungsprogramme werden über das PASM-Rad vorgewählt, Belichtungsparameter wie Zeit, Blende oder Empfindlichkeit verändert man mit Endlosrädern. Ausgesprochen nützlich sind das Schulterdisplay und der Joystick.

Auch der OLED-Sucher mit einer Auflösung von 1 230 000 RGB-Bildpunkten und effektiver 0,77-fachen Vergrößerung stammt von der GFX100 S. Farbund Kontrastabstimmung sind natürlich, an Motivstrukturen sind jedoch Moiré-beziehungsweise Flimmereffekte zu beobachten. Bei geringer Umgebungshelligkeit sieht man ein leichtes Grießeln. Der TFT-Monitor hat eine Diagonale von 3,2 Zoll und eine Auflösung von 786 667 RGB-Pixeln. Er lässt sich um 90 Grad nach oben und um 45 Grad nach unten schwenken, zudem seitlich kippen.

Autofokus und Serienbilder

Zum automatischen Scharfstellen verwendet die GFX50S II einen Kontrast- AF mit 425 AF-Feldern. Der X-Prozessor 4 sorgt jedoch in der GFX 50S II für ein generell leistungsfähiges AF-System. Der Autofokus arbeitet sehr präzise und überdies hinreichend schnell. Bei aktivierter Augenerkennung lässt sich die Priorität auf das linke oder rechte Auge legen, sofern man die Entscheidung nicht lieber der Automatik überlässt, die einen guten Job macht. Wechselt man auf kontinuierlichen Autofokus (AF-C), aktiviert man den Tracking-AF. Diese Disziplin ist ebenso wenig eine Stärke des Mittelformats wie die Serienbildleistung: rund 3 B/s im JPEG-und RAW-Modus.

Bildqualität

Die JPEG-Signalverarbeitung ist beim Fujifilm-Mittelformat vergleichbar mit der von APS-C-Modellen und sehr kantenbetonend. Allerdings sehen wir bei der neueren GFX50S II auch in RAWs noch nachgezeichnete Kanten – das ist bei der GFX100S anders. Mit ISO 100 steigen die Werte bei RAW: am stärksten bei den Dead Leaves mit 2082/2327 LP/BH und somit mit einem Plus von 250/350 LP/BH gegenüber JPEG. Die Farben der RAWs sind etwas satter.

Entwickelt man das ISO-1600-RAW ohne Rauschreduktion, sospringt der V/N-Wert auf 4,4 V/N. In den Bildern ist das nicht zu übersehen, und darum empfehlen wir diese Option nicht. Auch starkes Entrauschen mit Nachschärfung – LR3 – ist kein guter Weg. Zum einen ist das Rauschen mit 2,6V/N immer noch stärker sichtbar als in JPEGs mit 1,7 V/N. Zum anderen fallen Dead-Leaves-Werte für niedrige Kontraste unter JPEG-Niveau: 1063 LP/BH bei RAW und 1350 LP/BH bei JPEG. Bei hohen Kontrasten liefert RAW immer noch bessere Werte als JPEG. LR2 ist wegen des unübersehbaren Rauschens vielleicht keine goldene, aber eine vernünftige Mitte, denn die RAWs geben Details von feineren Strukturen besser wieder als die JPEGs und verlieren nicht allzu viel auf LR1. Und während die JPEGs bei ISO 1600 fast entsättigte Farben zeigen, wikren sie in RAWs noch immer lebendig.

Fazit

Die Fujifilm GFX50S II behandelt die RAWs ein Stück weit wie JPEGs und schärft die Kanten nach. Dennoch bringt RAW Vorteile, die sich bei geringer Empfindlichkeit in Form von mehr Details zeigen. Bei höheren ISO-Werten verspricht RAW einen Vorsprung bei der Auflösung von niedrigkontrastigen und feinen Strukturen. Zugleich bleiben die Farben besser erhalten. Freilich gilt: Für mehr Details bei ISO 1600 muss man auch sichtbares Rauschen in Kauf nehmen.

Fujifilm X-E4

Die rund 900 teure Fujifilm X-E4 ist mit dem aktuellen 26 Megapixel X-Trans CMOS ausgerüstet (APS-C-Format), aber anders als bei der X-T4 und der X-S10 ist der Bildsensor nicht beweglich gelagert, und damit entfällt die kamerainterne Bildstabilisierung. Deck-und Bodenplatte der X-E4 bestehen aus Magnesium; ihre Verarbeitung ist tadellos. Mit einem Gewicht von 364 Gramm ist die X-E4 die derzeit leichteste X-Serie-Kamera mit Sucher.

Die X-E4 ist sparsamer mit Bedienelementen bestückt als die X-T4 oder X-S10, zudem sind diese recht klein. Gut, der Vier-Wege-Schalter und der Joystick auf der Rückseite bleiben erhalten. Eine eigene Videostarttaste gibt es, doch die Touchbedienung schließt nicht die Navigation im Menü ein. Der Akku (1260 mAh) kann in der Kamera über USB-C geladen werden, sogar mit einer Powerbank.

Der OLED-Sucher der X-E3 hat eine Auflösung von 786 666 RGB-Pixeln und vergrößert 0,62-fach. Im Einstellungen-Menü kann der Fotograf unter „Power Management“ wählen, ob er die Priorität der Sucherdarstellung auf die Restlichtverwertung oder lieber auf die Auflösung legen will. Der 3-Zoll-Monitor bietet eine recht hohe Auflösung von 540 000 RGB-Pixeln und ist touchfähig. Er lässt sich über ein Doppelgelenk aus dem Gehäuse ziehen und dann nach oben (180 Grad) oder unten verschwenken.

Autofokus & Aufnahme

Beim AF-System hat die X-E4 den hohen Standard der aktuellen X-Serie von Fujifilm zu bieten. Der Hybrid-AF stellt 425 Messfelder bereit, die allesamt Phasen-und Kontrastmessung beherrschen. Die Gesichts-/Augenerkennung reagiert schnell, für den kontinuierlichen Autofokus (AF-C) stehen fünf Presets zur Wahl, ein sechstes kann man selbst konfigurieren. Der Touchscreen erlaubt das Setzen von AF-Punkten mit der Fingerspitze, mit und ohne Auslösung.

Der mechanische Verschluss ermöglicht Belichtungszeiten von 1/4000 bis 30 s und arbeitet sehr dezent. Vom elektronischen Verschluss mit kurzen Belichtungszeiten bis 1/32 000 s hört man – sofern die Tonsignale deaktiviert sind – rein gar nichts. Die maximale Serienbildrate von 20 B/s wird nur mit dem elektronischen Verschluss erreicht.

Als maximale Videoauflösung bietet die X-E4 UHD-4K mit 3840 x 2160 Pixeln und DCI-4K mit 4096 x 2160 Pixeln, jeweils mit bis zu 60 B/s und Datenraten von bis zu 200 Mbps.

Bildqualität

Bisher hat sich Lightroom nicht als bester Freund von X-Trans-Sensoren hervorgetan. Auch hier gilt: Zwar verbessern sich die gemessenen Werte, aber visuell wirken manche Strukturen verfremdet. Bei ISO 160 messen wir bei RAW etwa um 150 LP/BH höhere Auflösungs-und Dead-Leaves-Werte, während das Rauschen nur unbedeutend zunimmt. Die Farben sind etwas kräftiger, aber die Kanten wie bei JPEGs nachgezeichnet. Die Auflösung ist mit 2258/2091 LP/BH vergleichsweise hoch.

Die LR1-Einstellung ist bei ISO 1600 detailreich, das Rauschen steigt jedoch bis auf 3,2 V/N, und in Verbindung mit der stellenweise auftretenden Verfremdung von Strukturen resultiert dies in einen teils grießeligen Bildeindruck.

Die LR3-Einstellung ist nicht empfehlenswert: Nun ist Rauschen zwar auf JPEG-Niveau und unauffällig, aber die feineren Strukturen verlieren viel Zeichnung. Bei LR3 messen wir in den Dead-Leaves-Feldern 729/675 LP/BH gegenüber 1191/1218 LP/BH bei RAWs mit ISO 160.

Besser als LR3 wirkt eine behutsame Rauschreduktion (LR2). Auch dann sind die Verluste zu ISO 160 deutlich, sowohl bei Messwerten (mehr als 200 LP/BH bei der Auflösung und über 250 LP/BH bei den Dead Leaves) als auch visuell. Dennoch ermöglicht diese Einstellung die beste Balance zwischen Detail und Rauscharmut.

FAZIT

Die Fujifilm X-E4 hat mit steigenden ISO-Werten stärker zu kämpfen als die KB-Kameras. Auch der Wechsel zu RAW kann den Leistungsabfall nicht stoppen. Aber RAW bringt Verbesserungen gegenüber JPEG, und zwar bei allen ISO-Empfindlichkeiten. Bei höheren ISO-Stufen sollte man nicht zu stark entrauschen, da dadurch die feineren Details verlorengehen. Zudem schien Lighroom nach wie vor nicht der optimale Konverter für Fujifilm-Kameras zu sein.

Leica M11

Das Herzstück der Leica M11 für 8350 Euro ist ein BSI-CMOS-Sensor im Kleinbildformat ohne Tiefpassfilter mit 60 Megapixeln (9528 x 6328 Pixel). Er ist fest verbaut, sodass keine Bildstabilisierung in der Kamera möglich ist. Video-oder AF-Funktionen fehlen ebenfalls. Wer die maximale Auflösung nicht benötigt, kann sie auf 36,5 (7416 x 4928 Pixel) oder 18,4 Megapixel (5272 x 3498 Pixel) reduzieren. Dabei ist kein Sensor-Crop im Spiel wie bei anderen Kameras, sondern es werden benachbarte Pixel zu Blöcken zusammengefasst und die volle Sensorfläche genutzt.

Gehäuse und Konnektivität

Das Gehäusekonzept der M11 bleibt mit klarer Formsprache der Leica-Tradition verpflichtet. Der größte Teil des Bodys besteht aus Magnesiumdruckguss, die Deckkappe der silbernen Variante wie bisher aus Messing, was zu einem Gesamtgewicht von 640 Gramm führt. Der mattschwarzen Version hat Leica eine rund 100 Gramm leichtere Deckkappe aus Aluminium spendiert. Leica-typisch, also sehr hochwertig, fühlen sich beide Modelle an. Außerdem sind sie gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet.

Die M11 hat einen stärkeren Akku: Der BP-SCL7 hat eine Kapazität von 1800 mAh, während sich der BP-SCL5 der M10-Modelle mit 1100 mAh begnügen muss. Eine sehr handliche Ladeschale (BC-SCL7) mit USB-C-Anschluss gehört zum Lieferumfang der M11. Der Akku lässt sich aber auch in der Kamera laden. USB-Netzteil (ACA-SCL7) und Verbindungskabel (USB-A auf USB-C) werden mitgeliefert, auch das Laden mit einer Powerbank ist möglich. WLAN und Bluetooth sind integriert.

Sucher und Monitor

Alle M-Modelle haben einen Leuchtrahmen-Messsucher mit automatischem Parallaxenausgleich und 0,73-facher effektiver Vergrößerung. Bei kleinteiligen, sich wiederholenden Motivstrukturen und bei Nahaufnahmen stößt das Messsucher-Prinzip an seine Grenzen. Für den Live-View-Betrieb steht der fest eingebaute 3-Zoll-Monitor mit Touchfunktionalität und einer Auflösung von 777 600 RGB-Pixeln bereit. Als Zubehör erhältlich ist der 690 Euro teure OLED-Sucher Visoflex 2, der sich auf den Blitzschuh der Kamera stecken lässt. Zum Scharfstellen raten wir zu einer der beiden digitalen Lösungen.

Bildqualität

Mit 60-Megapixel-BSI-Sensor ohne Tiefpassfilter setzt die Leica M11 im Hause Leica eine neue Bestmarke für die JPEG-Auflösung: 2972/2479 LP/BH bei ISO 64 und 2814/2228 LP/BH bei ISO 1600 – jeweils für hochkontrastige und niedrigkontrastige Strukturen.Dennoch: Erst mit RAW zeigt diese Kamera, was sie wirklich kann. Ein Problem der JPEGs ist die ungeschickte Kantenaufsteilung. RAWs zeigen eine wesentlich gelungenere Schärfung, was der Detailwiedergabe ausgesprochen förderlich ist. Bei ISO 64 steigt die Auflösung der RAWs auf 3360/3096 LP/BH. Die Dead-Leaves-Werte legen um 350 (HC) beziehungsweise um rund 670 (LC) LP/BH zu. Das sind dann 1919/2011 LP/BH im RAW-Bild. Solch große Verbesserungen gab es bei keiner anderen Testkamera in diesemVergleich. Die positive RAW-Wirkung setzt sich bei hohen Empfindlichkeiten fort. Jedoch muss man zwingend etwas gegen das Rauschen tun: Es ist schon bei den JPEGs untypisch hoch. Ohne Noise-Reduktion steigt der Wert bei ISO 1600 LR1 von 4,0 (JPEG) auf 5,7 V/N. Interessanterweise ist es visuell weniger störend als bei den JPEGs, denn es sieht wie feiner Sand aus. Außerdem bleibt die Feinzeichnung auf ISO-64-Niveau. Geringe Rauschreduktion führt nicht zu weniger Auflösung, aber die Dead-Leaves-Werte fallen auf 1304/1338 LP/BH. Das Grießeln reduziert sich auf 4,3 V/N – und sieht dabei eigentlich unauffällig aus. Noch stärkeres Entrauschen kostet noch weitere 300-400 LP/BH in den Dead-Leaves-Feldern: Visuell verschlechtert sich die Zeichnung von feineren Strukturen deutlich.

Fazit

Leica M11 und RAW? Unbedingt! Die hohe Sensorauflösung ist an sich gut, doch erst mit RAW holt man diese Leistung aus dem Dornröschenschlaf. Bei allen ISO-Empfindlichkeiten legt die Kamera kräftig an Detailzeichnung zu. Bei höheren Empfindlichkeiten wird Rauschen zum Hindernis. Doch leicht entrauscht stört es trotz hoher Messwerte relativ wenig – da es wie ein sehr feines Grießeln auf dem Bild aussieht.

Leica SL2-S

Herzstück der 4400 Euro teuren Leica-Kamera ist ihr 24-MP-BSI-Sensor im Kleinbildformat. Der mechanische Verschluss ermöglicht Belichtungszeiten zwischen 1/8000 s und 30 Minuten, der elektronische und nahezu lautlose Verschluss zwischen 1/16 000 und 60 s. Der Bildsensor bietet die übliche Fünf-Achsen-Bildstabilisierung und macht Multishot-Aufnahmen mit 96 Megapixeln, ähnlich wie die SL2 mit 47 Megapixeln, die in ColorFoto 5/2020 getestet wurde. Nachgelegt hat Leica bei den Filmfunktionen: Videos filmt die SL2-S in 4K (3840 x 2160 Pixel) und in Cine 4K (4096 x 2160) mit maximal 60 B/s. Als professionelle Zugabe gibt es Leica L-Log Gamma (und HLG) sowie 10 Bit.

Beim Scharfstellen setzt die SL2-S auf Kontrastmessung mit „Tiefenmap“. So nennt Leica die AF-Technik, die bei Panasonic „DFD“ heißt: Mit zwei Aufnahmen schätzt die Kamera die Distanz zum Motiv ab und kann dann schnell scharfstellen. Wie die SL2 kann die SL2-S auf maximal 225 Messfelder zugreifen, und die Kamera ist mit den üblichen Autofokusmodi Spot, Feld, Mehrfeld, Zone und Tracking ausgestattet. Zudem erkennt die SL2-S zuverlässig Gesichter und ganze Personen. Vermisst haben wir eine Augenerkennung, die bei immer mehr Kameras zur Grundausstattung gehört.

Wasserfest und robust

Das Gehäuse ist aus Metall – zum Teil Aluminium – gefertigt und nach dem IP54-Standard gegen Staub und Wasser abgedichtet. Äußerlich ähnelt die SL2-S einer wuchtigen SLR. Mit ihren Abmessungen von 146 x 107 x 83 mm und 931 Gramm Gewicht inklusive Akku hat man ordentlich was in der Hand. Sucher und Display entsprechen denen der SL2: Der OLED-Sucher wartet mit der stattlichen Auflösung von 1 920 000 RGB-Pixeln auf und bietet eine 0,78-fache Vergrößerung. Das Bild ist hell und liefert eine ruhige Darstellung. Die Bildfrequenz kann zwischen stromsparenden 60 und 120 B/s umgestellt werden. Bei sanft gedrücktem Auslöser zittert das Sucherbild im AF-C-Modus leicht. Andere AF-Modi sowie die Bildstabilisierung arbeiten völlig unauffällig. Zum Bedienkonzept gehört der fest verbaute Touchmonitor mit 3,2 Zoll und 700 000 RGB-Pixeln.

Bildqualität

Leica holt in der JPEG-Einstellung mit ISO 50 1825/1977 LP/BH als Auflösung heraus. Im RAW-Modus steigen die Werte auf etwa 2000 LP/BH. Bei den Dead Leaves messen wir allen bei LC-Feldern ein Plus von circa 100 LP/BH. Das klingt bescheiden, doch es kommt eine veränderte Kantenabstimmung hinzu, die Kanten dezent und nicht mehr kräftig aufsteilt. Dies verbessert die Darstellung feinerer Strukturen. Der Rauschwert springt bei ISO 1600 LR1 von 1,7 (JPEG) auf 2,7 V/N. Ganz so fein wie die Leica M11 im RAW-Modus rauscht die SL2-S nicht, und darum fällt dieser Anstieg visuell stärker auf. Dennoch ist das Rauschen wenig problematisch, vor allem wenn die Bilder wenige homogene Flächen haben. Die Zeichnung baut im Vergleich zu den RAWs mit ISO 50 wenig ab. Wenn die Motive es zulassen und man bereit ist, ein wenig Rauschen im Bild zu akzeptieren, ist LR1 durchaus eine Option.

Die LR2-Einstellung reduziert das Rauschen auf 2,0 V/N, doch das geht mit Verlusten bei den Dead-Leaves-Werten einher: Diese sinken auf 1206/1242 LP/BH. Gegenüber den RAW-Aufnahmen mit ISO 50 sind es 200 bis 300 LP/BH – und das sieht man dann auch im Bild. Auf der anderen Seite wirken die Strukturen sauberer als bei LR1. Eine noch stärkere Rauschreduktion – LR3 – kostet noch weitere 200 bis 300 LP/BH bei den Dead-Leaves-Feldern. In der LR3-Einstellung bietet RAW immer noch qualitative Vorteile gegenüber JPEG mit ISO 1600, ist aber sichtbar detailärmer als die LR2-Einstellung, und zugleich werden Rauschen und Artefakte nicht schlagartig besser. Wir empfehlen deshalb LR2.

Fazit

RAW treibt die Bildqualität der SL2-S sowohl bei niedrigen als auch hohen Empfindlichkeiten nach oben. Vor allen die Darstellung feiner Strukturen verbessert sich. Bei höheren ISO-Empfindlichkeiten verträgt Leica das stärkere relativ gut Rauschen. Anders als bei den meisten Konkurrenten ist auch die LR1-Einstellung – ohne Rauschreduktion – für viele Motive noch anwendbar. Gut dosiertes Entrauschen –LR2 – dürfte für die meisten Nutzer optimal sein, während man mit LR3 zu viele RAW-Vorteile wieder aufgibt.

Nikon Z9

Die professionelle Nikon Z9 für 6000 Euro setzt auf einen 46-MP-BSI-CMOS-Sensor in Stacked-Bauweise für hohe Tempi. Das Gehäuse besteht aus Magnesium und ist effektiv gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. Unverzichtbar bei Profikameras ist ein LAN-Kabelanschluss sowie WLAN (2,4 und 5 Ghz) und Bluetooth für die drahtlose Datenübertragung.

Die Auflösung des Suchers ist mit 1 230 000 RGB-Pixeln eher Standard, ebenso die effektive Sucherbildvergrößerung von 0,8-fach. Doch der Nikon-Sucher wird grundsätzlich mit 120 B/s betrieben – man erhält ein sehr natürliches, klares und ruhiges Sucherbild. Ein Novum ist zudem die Dual-Stream-Technologie von Nikon: Die Bilddaten werden vom Sensor aus über zwei parallele Schaltkreise zum Sucher und auf die Speicherkarte geleitet. Das versorgt den Sucher unterbrechungsfrei mit Bilddaten, sodass auch bei extrem schnellen Serienaufnahmen keinerlei Aussetzer oder Hänger zu verzeichnen sind. Beim TFT-Monitor verbaut Nikon einen schwenkbaren 3,2-Zoll-Monitor mit 700 000 RGB-Bildpunkten mit Touchfunktion.

AF-System und Verschluss

Die Z9 fokussiert mit einer nicht quantifizierten Zahl an Kontrast-AF-Feldern plus 493 Phasen-AF-Feldern. Stacked-Architektur und schnelle Prozessoren zahlen auf das AF-Tempo ein: Von bis zu 60 AF-Berechnungen pro Sekunde ist die Rede. Der Auto-Modus erkennt Menschen, Tiere oder Fahrzeuge. Wenn nötig, hilft das Priorisieren von Motivkategorien. Bei der Z9 hat Nikon das von seinen SLRs bekannte 3D-Tracking wieder eingeführt. Objekte, die ein als Startpunkt gewähltes Fokusfeld verlassen, werden an andere Felder weitergereicht. Als erste spiegellose Profikamera verzichtet die Nikon Z9 auf einen mechanischen Verschluss. Der elektronische steuert Belichtungszeiten zwischen 1/32 000 und 30 s, verlängerbar auf bis zu 900 s im manuellen Modus (M) oder bei Langzeitbelichtung (B oder T). Rolling-Shutter-Effekte ließen sich im Praxistest nicht provozieren.

Bildqualität

Bei niedrigeren Empfindlichkeiten verbessert der Umstieg auf RAW die Messwerte der Nikon Z9 nur teilweise. Sowohl die Auflösungs-als auch die Dead-Leaves-Werte für hohe Kontraste legen nur minimal zu, während bei LC-Feldern mehr passiert. Hier kommen 180 LP/BH bei den Siemenssternen bzw. über 300 LP/BH bei den LC-Dead-Leaves-Feldern dazu.

Absolut gesehen messen wir im RAW eine Auflösung von 2663/2596 LP/BH. Der visuelle Vergleich betätigt die Messwerte – Unterschiede sind allein bei niedrigkontrastigen Strukturen relevant.

Ohne Entrauschen (LR1) sind die RAWs bei ISO 1600 weniger nützlich. Der V/N-Wert von 4,8 ist hoch, die Bilder sehen entsprechend verrauscht aus. Details gehen unter. Leichtes Entrauschen (LR2) schafft Abhilfe. Das Grießeln bleibt immer noch unübersehbar – 3,6 V/N, verträgt sich aber nun besser mit der Detailzeichnung. Im Vergleich zu ISO 64 RAW geht die Zeichnung moderat zurück – erneut tendenziell mehr bei Strukturen mit niedrigen Kontrasten.

Bei abwechslungsreichen Motiven kann dies die richtige Einstellung sein: mehr Rauschen, aber auch mehr Details. Wer „ruhigere“ Bilder mag, muss weitere Detailverluste akzeptieren. In der LR3-Einstellung fallen die Dead-Leaves-Werte um 450 LP/BH auf 1084/1009 LP/BH zurück. Für einen 46-MP-Sensor ist das zu wenig. Dass die Kamera die Auflösung in den Siemenssternen gut aufrecht hält und Strukturen mit niedrigen Kontrasten immer noch besser als die JPEGs darstellt, ist ein schwacher Trost.

Fazit

Die Nikon Z9 profitiert vergleichsweise wenig von RAW. Bei ISO 64 legt sie überall leicht zu. Bei höheren ISO 1600 empfiehlt sich im Grunde nur die LR2-Einstellung als der beste Kompromiss zwischen Details und Rauschen. Die LR3 kosten dagegen zu viel Zeichnung, und die LR1 ist zu verrauscht.

Nikon Z fc

Bereits 2013 brachte Nikon eine erste Digitalkamera im Retrodesign auf den Markt: Die Df war eine Spiegelreflexkamera mit 16-MP-Sensor. Die Z fc für 980 Euro ist nun eine spiegellose Systemkamera der Z-Serie im Retrodesign und zeichnet Fotos mit dem DX-/APS-C-Sensor (21 MP) der Z 50 auf. Gemeinsames Merkmal von Df und Z fc ist das quasi analoge Bedienkonzept mit Einstellrädern für ISO, Verschlusszeit und Belichtungskorrektur. Zusammen mit den beiden Endlosrädern für Daumen und Zeigefinger verfügt die Z fc über nicht weniger als fünf Einstellräder. Den praktischen AF-Joystick sucht man bei der Z fc jedoch vergebens. Im Unterschied zur Df hat Nikon der Z fc auch eine Videofunktion spendiert, heute ein Muss. Das abgedichtete Gehäuse der Z fc sollte den Fingern etwas mehr Halt bieten. Deckkappe und Gehäusefront der Z fc bestehen aus Magnesium, der Rest aus Kunststoff; das Gewicht ist mit 445 g auf dem Niveau der Z 50. Zur Drahtloskommunikation mit dem Smartphone hat die Z fc WLAN und Bluetooth 4.2 an Bord.

Der OLED-Sucher der Z fc bietet eine Auflösung von 786 666 RGB-Bildpunkten und eine effektive Vergrößerung von ca. 0,7-fach. Es zeigt so gut wie kein Flimmern oder Ruckeln, das Bildrauschen in dunkler Umgebung ist gering. Der TFT-Monitor an der Rückseite bietet eine Auflösung von 346 666 RGB-Bildpunkten. Die Touchfunktionalität ist gut ausgebaut und umfasst auch das Navigieren in den Menüs. Oben an der Kamera, in der Nähe des Auslösers und Verschlusszeitenrads, hat Nikon ein winziges LC-Display eingebaut. Dieses zeigt die manuell eingestellte oder vom Kamerarechner ermittelte Arbeitsblende an.

Autofokus und Bildserien

Der Hybrid-AF der Z fc verwendet bis zu 209 Messpunkte, die alle die Phasen-und Kontrastmessung beherrschen; die Bildfeldabdeckung beträgt ca. 90 Prozent in der Vertikalen und Horizontalen. Gesichts-und Augenerkennung funktionieren bei automatischer Messfeldsteuerung und innerhalb der Messzone „Großes Messfeld (Wide-L)“. Die Tiererkennung beschränkt sich auf Hunde und Katzen, Tieraugen-AF ist auch beim Filmen vorhanden. Der mechanische Verschluss erlaubt Belichtungszeiten zwischen 1/4000 s und 30 s. Videos nimmt die Z fc maximal in 4K-Auflösung (3840 x 2160 Pixel) mit 30 B/s auf.

Bildqualität

Die JPEG-Auflösung erreicht bei ISO 100 1845/1663 LP/BH und verliert bis ISO 1600 rund 250 LP/BH. Auf farbigen Dead-Leaves-Feldern erreicht die Nikon schon bei ISO 100 keine 1200 LP/BH. Mit dem Wechsel zu RAW verbessert sich in erster Linie die Wiedergabe von Strukturen mit niedrigeren Kontrasten. Die Kamera legt bei LC-Auflösung und bei den LC-Dead-Leaves 200 bis 250 LP/BH zu. Bei RAW ISO 1600 LR1 springt die Auflösung zunächst nach oben – hier wird offenbar das nun kräftigere Rauschen als „Auflösung“ von der Analysesoftware interpretiert. Visuell nimmt die Zeichnung im Vergleich zu RAW ISO 100 ab. Das Rauschen stört schon sehr – V/N 4,5 –, und daher empfehlen wir die LR1-Einstellung nicht. Moderates Entrauschen (LR2) drückt den Messwert auf V/N 3,4 – es bleibt im Bild weiterhin sichtbar und überlagert teils Strukturen. Die Zeichnung lässt moderat nach. Die Bilder wirken besser ausgewogen als bei LR1. Die stärkere Rauschreduktion (LR3) verringert leider nicht nur das Rauschen auf ein akzeptables Niveau von V/N 2,6, sondern auch die Zeichnung feinerer Strukturen. So büßen die Dead Leaves im Vergleich zu RAW ISO 100 fast ein Drittel ein. Dennnoch bleibt RAW auch in der LR3-Einstellung die bessere Option als ISO 1600 JPEG, da die RAWs immer noch mehr Zeichnung zeigen.

Fazit

RAW ermöglicht im Falle der Nikon Z fc bei allen Empfindlichkeiten eine verbesserte Detailwiedergabe. Da bei ISO 100 das Rauschen noch kein Thema ist, entstehen hier auch keine Nachteile. Anders bei ISO 1600: Die höhere Empfindlichkeit lässt das Rauschen kräftig wachsen. Unbehandelt stört dieses deutlich und bleibt selbst bei ISO 1600 LR3 noch sichtbar. Bei RAW muss man also diesen Nachteil akzeptieren.

Olympus OM-1

Die OM-1 für 2200 Euro ist die erste Kamera, die von OM Digital Solutions vorgestellt wird. Der Sensor löst unverändert mit 20 MP auf. Neu ist dessen BSI-und Stacked-Architektur. Die Stacked-Bauweise wirkt als Turbo für das Auslesen des Sensors, was Serienaufnahmen mit bis zu 120 B/s und 4K-Videos mit 60 B/s ermöglicht. Wie bei Olympus üblich ist der MFT-Sensor beweglich gelagert und erlaubt eine sehr effektive Bildstabilisierung nach dem 5-Achsen-Prinzip.

Das Gehäuse der OM-1 besteht aus einer Magnesiumlegierung; der Staubund Spritzwasserschutz soll etwa auf dem Niveau der E-M1X angesiedelt sein. Die OM-1 liegt trotz ihrer kompakten Abmessungen sehr gut in der Hand. Das überarbeitete Tasten-Layout und noch mehr die neue Menüstruktur verbessern das Handling.

Sucher und Monitor

Der OLED-Sucher der OM-1 bietet eine hohe Auflösung von 1 920 000 RGB-Bildpunkten und eine effektive Vergrößerung von ca. 0,80-fach. Farben und Kontraste werden natürlich wiedergegeben, auch bei wenig Licht sind Kameraschwenks ohne Bildruckeln möglich. Der berührungsempfindliche 3,2-Zoll-Monitor löst 540 000 RGB-Bildpunkte auf; er lässt sich in der Horizontalen verschwenken und um seine Achse drehen.

Der hybride Autofokus der OM-1 arbeitet mit 1053 AF-Feldern, die die Phasen-und Kontrastmessung beherrschen. Das AF-System bedient sich einer Besonderheit der Pixelmatrix: Jedes Pixel besteht aus vier Subpixeln, die das gleiche Filtermosaik nutzen. Die OM-1 nutzt die Pixelmatrix für den „Cross-Quad-Pixel-AF“. Jeder AF-Punkt hat die Funktion eines Kreuzsensors, um die Erkennung horizontaler und vertikaler Linien zu optimieren. Ergänzend zur Gesichts-und Augenerkennung bei Personen gibt es AF-Voreinstellungen für weitere Motivkategorien wie Tiere (Hunde, Katzen), Vögel, Autos, Flugzeuge und Züge. Wurde als Betriebsart C-AF+TR, also „kontinuierlicher Autofokus plus Tracking“ gewählt, kann man den Startpunkt für die Motivverfolgung per Touch im Live-Bild setzen.Auch für die HiRes-Aufnahme, im Multishot-Verfahren mit bis zu acht Einzelaufnahmen, nutzt die Kamera den elektronischen Verschluss. Aus der Hand sind Bilder mit bis zu 50 Megapixeln, vom Stativ mit 80 Megapixeln möglich.

Bildqualität

Im JPEG-Test erreicht die Olympus 1830/1748 LP/BH bei ISO 80 und kann das Niveau bei hohen Kontrasten bis ISO 1600 halten. Mit RAW legt die Auflösung bei ISO 80 um 250 LP/BH zu und auch die Dead Leaves steigen auf 1362/1463 LP/BH hoch – das sind 120/300 LP/BH mehr als bei JPEG ISO 80. Kleiner Wermutstropfen ist das höhere Rauschen der RAWs – bei ISO 80 sind es V/N 1,7.

Das Rauschen bei RAW 1600 pendelt zwischen V/N 5,4 und 3,1: Der kleinere MFT-Sensor rauscht grundsätzlich stärker als die größeren APS-C und KB-Typen – abgesehen von Leica M11. Im JPEG-Modus drückt die Signalverarbeitung dieses Rauschen auf wenig auffällige V/N 1,9, doch das geht zu Lasten feinerer Details. RAWs mit ISO 1600 sind bei allen drei LR-Einstellungen detailreicher.

Unbehandelt stört das Rauschen den Bildeindruck zu stark, und auch in der LR2-Einstellung bleibt dieses unübersehbar präsent. Doch da die Feinzeichnung im Vergleich zu RAW ISO 80 nur wenig nachlässt, ist die LR2 bei den meisten Motiven eine passende Option. Im LR3-Modus sacken die Dead-Leaves-Werte weit nach unten – gerade bei den niedrigen Kontrasten halbieren sich diese im Vergleich zu LR2. Zwar bleiben die LR3-RAWs weiterhin detailreicher als die JPEGs, doch eignet sich die LR3-Einstellung eher für Motive mit Himmel oder ähnlich „ruhigen“ Strukturen.

Fazit

Der neue Sensor hebt die MFT-Performance sowohl im JPEG-als auch im RAW-Modus deutlich. Mit RAW verbessert sich die Detailzeichnung unabhängig von der ISO-Empfindlichkeit. Allerdings steigt auch das Rauschen signifikant – bei niedrigen ISO-Stufen unproblematisch, muss dieses bei ISO 1600 als Wegbegleiter akzeptiert werden, denn zu starkes Entrauschen kostet zu viel Zeichnung.

Panasonic GH6

Mit der Lumix GH6 präsentiert Panasonic eine echte Neuentwicklung und zugleich wohl die Basis der nächsten Generation von Panasonic-MFT-Kameras. Herzstück der GH6 ist ein neuer MFT-Sensor mit 25 Megapixeln. Er ist beweglich gelagert und erlaubt Multishot-Bilder mit einer Auflösung von 100 Megapixeln (11 552 x 8672 Pixel) – eine Funktion, die aus der S-Reihe und der G9 bekannt ist. Der Bildstabilisator der GH6 unterstützt Dual I.S.

Im Gegensatz zu Olympus verzichtet Panasonic auf einen Stacked-Aufbau und setzt stattdessen auf zwei separate Schaltkreise mit unterschiedlichen Empfindlichkeiten, um die Lowlight-Qualitäten zu verbessern. Videos sind bis 5,8K ohne zeitliche Begrenzung möglich – ein Lüfter ist deswegen an Bord. Schon die Werbung für die 2200 Euro teure Kamera macht klar, dass zahlreiche Funktionen und Einstellungen speziell für den Videobereich zur Verfügung stehen.

Das Gehäuse der DC-GH6 besteht aus einer Magnesiumlegierung und ist staubdicht und spritzwassergeschützt. Fürs Micro-Four-Thirds-Format ist das 820 Gramm schwere Kameragehäuse eine rechte Wuchtbrumme – Kühlung und Ventilator brauchen halt Platz. Der Griff an der rechten Kameraseite ist ausgeprägt und bietet dank der etwas kantigen Form erstaunlich guten Halt. Der Kartenschacht enthält zwei Steckplätze: einen für schnelle CFexpress-Speicherkarten (CFexpress Typ B) und einen für SDHC/SDXC-Karten.

Autofokus und Sucher

Das AF-System der GH6 arbeitet mit einem hybriden System, das Kontrast-AF mit Panasonics DFD-Technik (Depth from Defocus) kombiniert. Im Vergleich zur GH5 II hat sich die Anzahl der AF-Felder von 225 auf 315 erhöht, die Empfindlichkeit gibt Panasonic weiter mit -4 bis +18 EV an. Aus der Praxis können wir vom Autofokus nur Positives berichten: In Kombination mit dem verwendeten Panasonic-Objektiv war er rattenschnell und folgte sogar einem sich bewegenden Gesicht zuverlässig.

Das 3 Zoll große TFT-LCD-Touch-Display bietet eine Auflösung von 613 333 Bildpunkten. Es lässt sich um 180 Grad verschwenken und dann noch um 270 Grad drehen. Der OLED-Live-View-Sucher hat eine Auflösung von 1226 667 Bildpunkten und eine effektive Vergrößerung von 0,76-fach. Die Sucherabbildung ist scharf, zeigt tiefes Schwarz und hohe Lichter. Die Schärfe lässt sich gut beurteilen.

Bildqualität

Bei JPEG ISO 100 startet die Panasonic mit einer Auflösung von 2062/1924 LP/ BH und verliert bis ISO 1600 circa 170/290 LP/BH. Kräftiger fallen die Verluste bei Dead Leaves aus:Von 1303/1270 LP/BH bei ISO bleiben 799/477 LP/BH bei ISO 1600 übrig. Dank RAW sind die GH6-Fotos bei allen Empfindlichkeiten detailreicher, aber die auffällige Abwärtstendenz bei Dead Leaves bleibt. Bei RAW ISO 100 legt die Auflösung grob um 200 LP/BH und die Dead- Leaves um 140/220 LP/BH zu. Entsprechend feiner werden die Strukturen wiedergegeben, insbesondere solche mit niedrigem Kontrast, trotz des nun höheren Rauschens von 1,9 V/N.

Wie schon bei der Olympus ist das Rauschen bei ISO 1600 kräftig – bei LR3 sind es 5,2 V/N. Das auffällige Grießeln stört feinere Details. Die LR2-Einstellung reduziert den negativen Eindruck und das Rauschen auf V/N 3,9, doch zugleich verlieren auch die Dead-Leaves-Felder sichtbar an Zeichnung: Die Werte fallen auf 1116/1031, das sind 330/460 LP/BH weniger als bei RAW ISO 100. Noch stärkeres Entrauschen – LR3 – kostet weitere 300 LP/ BH, ohne dass das Rauschen signifikant weniger wird: V/N 3. Die Entscheidung zwischen LR2 und LR3 ist nicht einfach. Wir tendieren eher zu LR2 und nehmen ein etwas stärkeres Rauschen in Kauf. Doch auch die LR3-Option hat bei passenden Motiven ihre Berechtigung.

Fazit

Wegen der höheren Pixeldichte hat der Panasonic-Sensor im RAW-Modus noch mehr mit Rauschen zu kämpfen als die Olympus OM-1. Bei ISO 1600 muss man entrauschen. Ob LR2 oder LR3 ist eine Geschmacksfrage. LR2-Bilder sind detailreicher bei feineren Strukturen, aber auch grießeliger als die LR3-Fotos. Bei ISO 100 ist das Rauschen insgesamt noch zu gering, um problematisch zu sein, und man profitiert voll von den RAW-Vorteilen wie der besseren Zeichnung.

Sigma fp L

Anfang 2020 kam die sehr kompakte Sigma fp mit 24-Megapixel-Sensor auf den Markt, Mitte 2021 schob der Hersteller dann das L-Modell mit gut 60 Megapixeln für 2300 Euro nach. In beiden Fällen handelt es sich um einen BSI-CMOS mit Bayer-Filter-Pattern im Kleinbildformat und nicht um einen Foveon-Sensor. Aufgerüstet hat Sigma beim AF-System, das jetzt Kontrast-und Phasen-AF-Messung auf dem Sensor kombiniert. Die Anzahl der AF-Felder bleibt mit 49 unverändert. Es gibt Gesichts-und die zuschaltbare Augenerkennung. Das Tempo lässt allerdings oft zu wünschen übrig.

Die Sigma fp L hat keinen mechanischen Verschluss. Ihr elektronischer Verschluss bildet Belichtungszeiten zwischen 30 und 1/8000 s. Die fp L zeichnet Videos im MOV-oder CinemaDNG-Format auf. Wählt man MOV, so ist die interne Aufzeichnung auf SD-Karte mit maximal UHD-4K (3840 x 2160), 8-Bit und 30 B/s möglich. Der USB-C-Port ist natürlich nicht nur zum Akkuladen gedacht, sondern auch zur Übertragung von Daten auf einen PC und zum Anschluss einer SSD-Festplatte, oder um RAW-Videos mit 10/12-Bit extern zu speichern. Als weitere Digitalschnittstelle dient HDMI, auch eine Miniklinkenbuchse für Stereomikrofone ist mit an Bord. Wie bereits die fp erlaubt das L-Modell keinerlei Drahtloskommunikation auf Basis von WLAN und Bluetooth. Beim Bajonett setzt Sigma wie Panasonic bei den S-Modellen und Leica bei den SL-Kameras auf das L-Bajonett. Die Objektive und Kameras aller drei Hersteller sind zueinander kompatibel.

Gehäuse und Ausstattung

Das Gehäuse der Sigma fp L ist ein handlicher, weniger ergonomischer jedoch extrem kompakter Aluminiumblock, der inklusive Akku und Speicherkarte nur etwas mehr als 400 g wiegt. Die Kamera ist abgedichtet gegen Staub und Spritzwasser; ein integrierter Kühlkörper aus Magnesium soll das Überhitzen bei 4K-Videos verhindern. Standardwerkzeug für die Motivsuche und Bildgestaltung ist bei der fp L ein 3,2-Zoll-Monitor mit erfreulich hoher Auflösung (700 000 RGB-Bildpunkte). Er ist fest im Gehäuse eingebaut und berührungsempfindlich. Jedoch beschränkt sich die Touchfunktionalität im Wesentlichen auf das Verschieben von AF-Punkten.

Bildqualität

Mit ihrem 60-Megapixel-Sensor erreicht die Sigma fp L nur eine maximale JPEG-Auflösung von 2480/2415 LP/ BH. Bei den Dead Leaves würde man in der 60-MP-Klasse normalerweise Spitzenwerte über 2000 LP/BH erwarten, stattdessen wird ein Maximum von 1792/1603 LP/BH bei ISO 100 erreicht. Der Wechsel zu RAW verbessert sowohl die Auflösung monochromer Siemenssterne auf jetzt 2854/2661 LP/BH als auch die Auflösung der farbigen Dead-Leaves-Felder. Hier steigen die LC-Werte um rund 250 LP/BH. Die fp L-Bilder wirken auch im RAW-Modus zu weich, die Kantenprofile zeigen minimale Eingriffe. Hier sollte der Fotograf stärker nacharbeiten als unsere Standardeinstellungen dies vorsehen – aber genau dies macht RAW ja möglich. Zudem werden die Farben natürlich wiedergegeben. Ein weiche Signalabstimmung sehen wir auch bei ISO 1600. In Verbindung mit der LR1-Einstellung führt dies zu wenig überzeugenden Bildern, da das kräftige Rauschen zu viele Details überdeckt. Schon eine vorsichtige Rauschreduktion reduziert den V/N-Wert von 5,4 (LR1) auf 4,1 (LR2). Das ist immer noch viel, dennoch kann sich das Auge nun mehr auf die Motive konzentrieren. Im Vergleich zu ISO 100 RAW verlieren LR2-Bilder vor allem bei den Dead Leaves: Wir messen 1270/1496 LP/BH. Ungewöhnlich, dass die Verluste bei hohen Kontrasten größer sind, doch das war auch bei ISO 1600 JPEG schon so. Die LR3-Option kann trotz mehr Schärfung weitere Verluste nicht verhindern: 921/994 LP/BH. So starke Verluste machen ein niedrigeres, aber immer noch hohes Rauschen (3,2 V/N) nicht wett. Im Vergleich zu ISO 1600 JPEG rauschen die LR3-Bilder immer noch mehr. Sie haben eine schlechtere Zeichnung bei Strukturen mit viel Kontrast, jedoch eine bessere bei Strukturen mit wenig Kontrast.

Fazit

Die Sigma fp L legt mit RAW zwar an Bildqualität zu, allerdings nur wenig. Grundsätzlich verbessert sich die Feinzeichnung von Strukturen mit wenig Kontrast. Hochkontrastige Bildbereiche werden ähnlich gut oder auch etwas schlechter abgebildet – Letzteres gilt für die LR3-Einstellung bei ISO 1600. Rauschen steigt bei höheren Empfindlichkeiten spürbar und sollte behandelt werden. Doch zu stark eingestellte Filter reduzieren auch die Auflösung. LR2 empfiehlt sich als gute Mitte.

Sony A1

Der BSI-Bildsensor der 6900 Euro teuren Sony Alpha 1 hat 50 Megapixel und einen Stacked-Aufbau: Ein Pufferspeicher sorgt zusammen mit dem schnellen Bildprozessor für eine rasante Datenverarbeitung. Der beweglich gelagerte Sensor erlaubt eine kamerainterne Bildstabilisierung und Multishots mit bis zu 16 Aufnahmen, die sich mit der Sony-Software am PC zu einem Bild mit 199 Megapixeln zusammensetzen lassen.

An Schnittstellen mangelt es nicht: HDMI, Stereomikrofon-und Kopfhörerbuchse, Anschlüsse für Blitzund LAN-Kabel sowie eine Buchse für USB-Typ-C-(3.2).

Der OLED-Sucher der Alpha 1 hat eine Auflösung von 3 145 728 RGB-Bildpunkten und eine effektive 0,9-fache Vergrößerung. Das Sucherbild ist nicht nur riesig, sondern von erlesener Qualität. Selbst bei wenig Licht bleibt das Bild klar und rauscharm. Der 3-Zoll-Monitor mit 480 000 RGB-Bildpunkten liefert eine ordentliche Qualität. Die Touchfähigkeit des Displays umfasst auch auf das Navigieren im Schnell-und Hauptmenü.

Belichtung und Aufnahme

Der mechanische Schlitzverschluss belichtet mit Zeiten von 1/8000 bis 30 s; der elektronische ermöglicht Belichtungszeiten bis 1/32 000 s und lautloses Auslösen ohne Vibration. Videos zeichnet die Alpha 1 maximal in 8K-Auflösung mit 7680 x 4320 Pixeln, 30 B/s und 10-Bit 4:2:0 auf. Über die HDMI-Schnittstelle lassen sich RAW-Videosignale mit 16-Bit ausgeben.

Der hybride Autofokus mit 759 Phasenund 425 Kontrast-AF-Feldern führt bis zu 120 Berechnungen pro Sekunde für die Fokussierung und Belichtung durch. Im Foto-und Videomodus wird das Echtzeit-Tracking durch Augen-/ Gesichtserkennung präzisiert. Sie bleibt zuverlässig auf Kurs, selbst wenn sich die Person schnell bewegt, zur Seite dreht oder blinzelt. Die Alpha 1 kann zwischen Menschen und Tieren unterscheiden; auch Vögel gehören zur Zielerfassung des AF-Systems. Ihre maximale Serienbildleistung von 30/20 B/s (JPEG/RAW) erreicht die Kamera nur mit elektronischem Verschluss.

Bildqualität

Mit ihrem 50-Megapixel-Sensor schafft die Alpha 1 eine maximale Auflösung von 2851/2532 LP/BH bei ISO 100 im JPEG-Modus, und sie sinkt bis ISO 1600 um 350 bzw. 130 LP/BH. Auffällig sind die kräftige Kontrastanhebung und durchgehend ausgeprägte Kantenunterschwinger in JPEGs. Auch RAWs zeigen Spuren der Signalverarbeitung, die hier aber zurückhaltender arbeitet. Die Auflösung steigt in RAWs mit ISO 100 nochmals: auf 3007/2903 LP/BH. Gerade beim LC-Siemensstern ist der Anstieg beachtlich. Die Dead-Leaves-Werte pendeln sich bei 1963/2030 LP/BH ein. Das sind fast 200 LP/BH (HC) weniger als bei JPEG.

Rauschen wird, wie so oft in diesem Test, ab ISO 1600 zu einer Herausforderung. Das LR1-Bild erreicht einen V/N-Wert von 4,8. Im Gegensatz dazu rauscht das JPEG mit 1,3 V/N deutlich weniger. An sich ist das Rauschen relativ feinkörnig, doch nicht ganz so fein wie bei Leicas M11, sodass wir eher zur LR2-Option mit sanfter Rauschreduktion raten. Zumal diese im Vergleich mit den ISO-100-RAW nur moderate Verluste bei der Auflösung zeigt. Diese fallen bei den LC-Messfeldern mit rund 200 LP/BH stärker aus. Optisch wirkt die LR2-Abstimmung gelungener als die stärker rauschende LR1, und die Auflösungsvorteile gegenüber JPEG exisitieren nach wie vor.

Mit LR3 fällt das Rauschen auf 2,6 V/N. Aber nun geben auch die Dead Leaves kräftig nach, sie verlieren rund 360 LP/BH. Die RAW-Vorteile sind noch immer in den LC-Bildbereichen sichtbar, aber nur da und auch weniger klar. Wer sauberere Flächen bevorzugt, sollte LR3 wählen.

Fazit

Bereits im JPEG-Modus liefert die Sony A1 sehr detailreiche Aufnahmen, in der RAW-Einstellung nimmt die Bildqualität zu. Die Vorteile sind in Strukturen mit niedrigem Kontrast deutlicher sichtbar als in kontrastreichen, sowohl bei niedrigen als auch hohen ISO-Empfindlichkeiten. Auch die Bildabstimmung ist im RAW runder. Rauschen ist ab ISO 1600 ein Problem, das man in den Griff kriegt. Je nach Vorliebe und Motiv liefern sowohl LR2 als auch LR3 brauchbare Ergebnisse.

Pentax K3 III

Pentax hat seinem Top-APS-C-Modell, der K3 III für 1800 Euro, einen neuen Sensor spendiert: Er behält die Bildstabilisierungs-sowie die Pixel-Shift-Funktion bei, doch die Auflösung steigt moderat auf knapp 26 MP. Ihr Kameragehäuse hat die Abmessungen 135 x 103 x 80 mm und wiegt 820 g. Das Gehäuse ist aus einer festen Magnesium-Aluminium-Legierung gefertigt, 95 Dichtungen schützen das Innenleben der Kamera vor Staub und Feuchtigkeit. Dank des, gummierten Handgriffs an der rechten Kameraseite liegt sie gut in der Hand. Die Anzahl der Bedienelemente ist stattlich. Das 3,2 Zoll große Display hat 540 000 RGB-Bildpunkte. Farbe, Kontrast und Schärfe sind gut. Sättigung, Helligkeit und Farben sind einstellbar. Die Touchfunktionen funktionieren zuverlässig. Das Display ist fest eingebaut.

Der Pentaprismensucher der K3 III mit 100%-Sichtfeld und ca. 0,68-facher Vergrößerung bietet ein helles, klares und vor allem gestochen scharfes Bild. Im Stil professioneller Spiegelreflexkameras kann der Fotograf die Mattscheibe selber austauschen.

Pixel-Shift und Autofokus

Die bewegliche Lagerung des Sensors erlaubt eine Pixel-Shift-Funktion zum Verbessern der Detailwiedergabe. Die K3 III berechnet dann eine optimierte Aufnahme aus vier Einzelbildern, die mit einem jeweils um ein Pixel nach rechts, links, oben und unten versetzten Chip fotografiert wurden. So erfasst die Kamera zu jedem Bildpunkt Rot-, Grün-und Blau-Signale und muss diese nicht anhand der Werte der Nachbarpixel interpolieren. Pentax nutzt Pixel-Shift also nicht, um die Dateiauflösung zu erhöhen, sondern um Detailzeichnung und Farberfassung zu verbessern. In der Praxis blieb der Effekt aber hinter unseren Erwartungen zurück. Unterschiede zeigen am ehesten RAW-Bilder.

Das neu entwickelte Autofokusmodul arbeitet mit 101 Fokussensoren, wovon die zentralen 25 Sensoren als Kreuzsensoren ausgelegt sind und ab -3EV ihren Dienst verrichten. Drei Sensoren für präzises Scharfstellen bei wenig Licht funktionieren ab -4EV. Als rasant hat sich das AF-System nicht gezeigt.

Bildqualität

Die Pentax K3 III erreicht im JPEG-Modus eine hohe Auflösung von 2146/1846 LP/BH. Dabei zeigen Kurvenverläufe Kontrastanhebung und Kantenaufsteilung. Bei RAW arbeitet die Signalverarbeitung schonender und die Bilder wirken natürlicher. Das ISO 100-RAW-Bild kann die Auflösung nur bei den LC-Siemenssternen um etwa 180 LP/BH steigern, Dead Leaves verlieren dagegen rund 100 LP/BH bei den hohen Kontrasten und liegen nun auf 1341/1327 LP/BH. Visuell profitieren die RAWs von der stimmigeren Abstimmung und leicht besserer Zeichnung bei feineren Strukturen.

Für einen 26-MP-APS-C-Sensor steigt das Rauschen bei ISO 1600 LR1 – also ohne Rauschunterdrückung – gar nicht zu stark an: von 1,2 bei ISO 100 RAW auf nun 2,8 V/N. Während die Siemenssterne die Auflösung gut halten, geben die Dead Leaves unerwartet kräftig nach – 1004/1110 LP/BH. Schon ein vorsichtiges Entrauschen (LR2) reduziert aber nicht nur das Grießeln auf nun 2,1 V/N, sondern auch erneut die Dead-Leaves-Zeichnung auf 882/782 LP/BH.

Bei den niedrigen Kontrasten sind die Werte damit aber immer noch besser als bei den JPEGs – was man auch in den Bildern sieht. Bei den hochkontrastigen Strukturen bietet RAW hier eher Vorteile durch die stimmigere Bildabstimmung als wirklich durch mehr Details. Daher empfehlen wir auch nicht, den Entrausch-Regler zu weit nach rechts zu schieben (LR3), da dann die Detailzeichnung gerade bei feinen Strukturen mit weniger Kontrast nochmals deutlich abnimmt. Wir messen bei ISO 1600 LR3 für die Dead Leaves noch 723/624 LP/BH, und die Aufnahmen wirken entsprechend detailarm.

Fazit

Bei Pentax verbessert sich durch RAW die Bildabstimmung. Die Fotos wirken bei allen ISO-Stufen natürlicher und weniger verfremdet. Die Feinzeichnung nimmt eher in Feldern mit wenig Kontrast zu. Rauschen kann unbehandelt ein Problem sein, aber nicht bei jedem Motiv. Zu starkes Entrauschen (LR3) kostet zu viele Details.

Sony A7 IV

Das neue Basismodell Alpha 7 IV ist mit 2800 Euro recht teuer geworden, bietet aber statt 24 Megapixel nun einen 33-MP-BSI-Sensor und den Bildprozessor aus dem Sony-Flaggschiff Alpha 1. Die kameraseitige Bildstabilisierung ist geblieben. Die A7 IV ist das momentan größte spiegellose Alpha-Modell. Sie liegt auch besser in der Hand. Der Grund dafür ist ein stärker konturierter Griff, der um entscheidende Millimeter nach vorne verlängert und in die Höhe gezogen wurde. Über den USB-C-Anschluss (3.2 Gen2) lässt sich der Akku in der Kamera mittels USB-Netzteil laden. Für die drahtlose Kommunikation hat die Kamera Wi-Fi und Bluetooth 4.1 an Bord.

OLED-Sucher der A7 IV bietet mehr Auflösung als bei der Vorgängerin: 1 228 800 Pixel. Das Bild ist klarer, Flimmer-und Moiré-Effekte sind deutlich reduziert, ebenso das Grieseln bei wenig Licht. Ein moderater Zuwachs an Auflösung ist auch beim 3-Zoll-Monitor zu verzeichnen, von 307 334 auf 343 334 RGB-Bildpunkte. Wie bei der A7s III kann der Monitor jetzt über ein Scharnier seitlich ausgeklappt und dann um die eigene Achse gedreht werden. Eine wichtige Neuerung ist, dass die Touchfunktionalität des Monitors auf das Navigieren in den Menüs ausgeweitet wurde.

Autofokus

Der Hybrid-AF arbeitet mit bis zu 759 Phasen-AF-Feldern (693 bei der A7 III), die 94 Prozent der Sensorfläche abdecken. Das Verfolgen von Objekten klappt noch deutlich zuverlässiger als mit der A7 III. Die Gesichts-und Augenerkennung funktioniert bei der A7 IV für Menschen, Tiere und Vögel. Vor allem die Augenerkennung ist deutlich schneller und zielgenauer geworden. Das maximale Serientempo von 10 B/s gibt es nur mit JPEG oder komprimiertem RAW. 4K-Videos nimmt die A7 IV mit 60 B/s auf, wobei dies auf der höchsten Qualitätsstufe (XAVC HS 4K) mit 1,5-fachem Crop verbunden ist. Ambitionierten Filmern stehen S Log 3 zur Dynamikerweiterung und S Gamut 3 Cine mit optimierter Farbwiedergabe zur Verfügung.

Bildqualität

Mit dem 33-MP-Sensor erreicht die A7 IV bei ISO 100 im JPEG-Modus 2147/2036 LP/BH als maximale Auflösung und verliert bis ISO 1600 etwa 100 LP/BH. Die farbigen Dead-Leaves-Felder reagieren auf steigende ISO-Werte empfindlicher und fallen bei ISO 1600 von 1729/1671 auf 1366/979 LP/BH. In den JPEGs ist die starke Kantenanhebung auffällig .

Die Kantenaufsteilung bleibt in RAWs sichtbar, aber weniger überzeichnet. Im RAW-Modus springt die ISO-100-Auflösung auf 2523/2331 LP/BH. Zugleich fällt der Wert für HC-Dead-Leaves um 200 LP/BH. Visuell liefern RAWs die eindeutig bessere Feinzeichnung. Bei ISO 1600 LR1 bleibt die Detailwiedergabe auf ähnlichem Niveau wie bei den ISO-100-RAWs. Jedoch steigt nun merklich das Rauschen auf 4,2 V/N und wirkt, als wären bereits ein paar Algorithmen drübergegangen. In strukturierten Flächen ist das in Ordnung, in homogenen störend. Die LR2-Einstellung dämpft das Rauschen: 3,2 V/N. Allerdings kostet das auch so manches Detail. Die Dead Leaves liegen nun bei 1413/1449 LP/BH, und die Auflösung bei 2359/2250 LP/BH. Der Vorsprung gegenüber JPEG bleibt dennoch sichtbar. In der LR3-Einstellung wirken sich weitere Verluste negativ auf die Darstellung von feineren Strukturen aus. Die Aufnahmen büßen nochmals grob 100 LP/BH bei den Siemenssternen ein und circa 200 in den Dead-Leaves-Feldern. Vorteile gegenüber den JPEG-Aufnahmen sind nicht mehr in allen Strukturen sichtbar – nur in solchen mit niedrigen Kontrasten.

Fazit

Die Sony A7 IV greift auch bei den RAWs kräftiger in die Signalabstimmung ein. Das ist an den Kantenprofile und an der Struktur des Rauschen zu erkennen. Bei ISO 100 gewinnt man mit RAW ungewöhnlich viel Auflösung dazu. Bei höheren Empfindlichkeiten tendieren wir zu vorsichtigerem Entrauschen wie bei LR2. Damit können die Verbesserungen in der Feinzeichnung eher erhalten werden. Mit der LR3-Einstellung, die das Rauschen effektiver unterdrückt, bleibt fast nur in Strukturen mit niedrigem Kontrast eine Verbesserung der Detailwiedergabe übrig.