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Mehr Rente für viele Frauen


Rente & Co - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 11.12.2019

Wie hoch wird meine Rente sein? Was habe ich an Erspartem? Wenn es um den Ruhestand geht, schauen Männer und Frauen viel zu sehr auf die eigenen Einkünfte – und zu wenig auf die gemeinsamen. Denn wenn Paare ihre Ansprüche optimieren, eventuell Ansprüche bei Rente, Riester oder Betriebsrente übertragen, können vor allem Frauen kräftig profitieren.


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Bildquelle: Rente & Co, Ausgabe 1/2020

Die Fakten sind erdrückend: Frauen erhalten 40_% weniger Rente, 43_% weniger Betriebsrente, 30_% weniger Zusatzversorgung im öff entlichen Dienst, haben viel seltener Riester-Verträge oder Lebensversicherungen, und wenn, sind die Summen 60_% niedriger. Und, ein ...

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... Punkt, den Paare schnell vergessen: Frauen leben sieben Jahre länger. „Das heißt, Frauen haben im Alter viel weniger Geld und müssen davon auch länger leben“, sagt die Finanz-Expertin Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale NRW, „deshalb ist es so wichtig, dass Paare ihre Einkünfte im Alter abstimmen. Denn viele Paare sparen nebeneinanderher, sodass oft nur Männer abgesichert sind.“

Das sieht Peter Knöppel, Rentenberater aus Halle, ähnlich: „Paare sollten immer ihre gemeinsamen Einkünfte betrachten. Und Frauen sollten schauen, was passiert, wenn sie geschieden werden oder verwitwet sind.“ Hier ergebe sich oft ein dramatisches Bild. „Viele wiegen sich in falscher Sicherheit“, sagt Knöppel.

Das hat auch Katharina Staff e beobachtet. „Frauen sollten sich intensiv um ihre fi nanziellen Belange kümmern und alle Dinge wie Entgeltumwandlung oder Zuschüsse des Arbeitgebers nutzen, damit sie genügend eigene Ansprüche haben“, sagt die Senior-Referentin für betriebliche Altersvorsorge beim Verband öff entlicher Versicherer, „aber mit Rentenbeginn sollten sie darauf achten, dass ihre Einkünfte dauerhaft hoch sind, auch als Witwe.“

Der Renten- und Finanzberater Michael Berger aus Kassel rät so jedem Paar, spätestens mit Rentenbeginn die Finanzen zu prüfen – „und zwar auch, falls einer zurückbleibt. In Gesprächen wundern sich Frauen oft, was sie an Geld hätten, und die Männer sitzen bedröppelt daneben“. Berger nennt ein paar Dinge, die jedes Paar beachten sollte:

Gesetzliche Rente

Jeder Ehepartner sammelt zwar auf dem eigenen Renten-Konto Ansprüche. Aber es gibt Möglichkeiten, Zeiten vom einen auf den anderen zu übertragen. Möglich ist, falls die Frau verstorben ist, dass sich Männer die zusätz lichen Jahre der Mütter-Rente anrechnen lassen.
Sinnvoll kann das Renten-Splitting sein – hier werden die Rentenzeiten auf beide Partner verteilt, sodass Frauen zusätzliche Zeiten erhalten. Der große Vorteil: Frauen haben sofort mehr eigene Rente, die auch bleibt, falls sie nach seinem Tod wieder heiraten und die Hinterbliebenen- Rente verlieren würden. Dass Splitting lohnt, zeigen die Beispiele. Überlegen sollten Frauen, eigene Ansprüche zu erhöhen, z._B. durch freiwillige Beiträge. So können Abschläge reduziert oder die Rente insgesamt erhöht werden. Und da Frauen statistisch fast 22 Jahre Rente beziehen (im Osten sogar 24 Jahre), rechnet sich dies – im Schnitt kann eine Frau so 15.000 bis 20.000 Euro mehr Rente erhalten, als sie durch freiwillige Beiträge gezahlt hat. Paare sollten deshalb Erspartes auf das Renten konto der Frau einzahlen.

Hinterbliebenen-Rente

Der rechnerische Anspruch für die meist zurückbleibende Frau: 55_% der Rente des Partners (nur für Paare, die vor 2002 heirateten, sind es 60_%). Bei einer Durchschnitts rente des Mannes erhält die Ehefrau 605 Euro Witwen-Rente. Darauf wird eigenes Einkommen angerechnet. Auch deshalb lohnen freiwillige Beiträge oder Renten-Splitting. Und dies (statt Hinterbliebenen-Rente) ist selbst noch nach dem Tod des Partners möglich. Deshalb rechnen, ob Hinterbliebenen-Rente wirklich besser ist. Beispiele zeigen, Tausende Euro mehr Rente sind über das Splitting für die Frau möglich – pro Jahr!

Betriebsrente

Nur 56_% der Frauen haben diese Vorsorge – und wenn, dann erhalten sie 160 Euro pro Monat weniger. Doch Anspruch darauf hat jede Frau – „und sei es über Entgeltumwandlung“, sagt die Finanz-Expertin Katharina Staff e. „Das gilt auch für Teilzeit- Kräfte. Arbeitgeber erhalten sogar Zuschüsse, wenn sie Frauen mit einem Bruttogehalt von max. 2.200 Euro eine betriebliche Altersvorsorge gewähren. Frauen sollten dies einfordern.“ Das gilt auch für Hinter bliebenen-Betriebsrente: Viele wissen nicht, dass womöglich ein Teil der Betriebsrente des Mannes weitergezahlt wird. Und: Einige Firmen bieten sogar an, dass Frauen eigene Ansprüche durch freiwillige Leistungen erwerben, selbst wenn sie gar nicht im Betrieb des Mannes beschäftigt sind. Teilweise erlauben Firmen sogar das Übertragen von Betriebsrenten. Hier lohnt der Blick in die Verträge zur Betriebsrente.


„Frauen sollten darauf achten, dass sie alle Ansprüche auch tatsächlich nutzen. Denn häufig gibt es Zuschüsse nur, wenn man sie auch beantragt


Katharina Staffe, Betriebsrenten-Expertin


Freiwillig einzahlen

Jeder ab 50 kann freiwillig in die Rente einzahlen. Dies ist für Frauen interessant.

Gut 3 % – diese Rendite erwirtschaftet die Rentenkasse – ein Wert, den andere Spar-Formen nicht erzielen. Der Wert der Einzahlungen wächst jedes Jahr durch Renten-Erhöhungen. Und je länger man lebt, desto größer ist der Vorteil. Deshalb sollten Paare auf das Renten- Konto der Frau einzahlen.

25.000

Euro fehlen einer Frau im Schnitt nur bei der gesetzlichen Rente , wenn sie mit 67 in den Ruhestand geht und 15 Jahre Rente bezieht. Bei einer vorgezogenen Rente bzw. wenn eine Frau älter als 82 wird, erhöht sich der Fehl-Betrag leicht auf 50.000 Euro. rau älter als 82 wird, erhöht sich der Fehl-Betrag leicht auf 50.000 Euro.

Mehr als 12.000 Euro mehr

FALL 1Ein Mann (65, gerade in Rente: 1.500 Euro im Monat) erhält eine Lebensversicherung über 30.000 Euro ausgezahlt. Seine Frau (63) arbeitet noch, würde aber auch gern in Rente gehen, scheut sich aber noch wegen der Abschläge (10,8 %). Ihre Rente: 1.200 – 10,8 % = 1.070 Euro.

DER WEG
• Auszahl-Summe der Lebensversicherung (30.000 Euro) wird aufs Rentenkonto der Ehefrau eingezahlt.
• Ihr Renten-Anspruch wieder 1.200 Euro – 130 Euro mehr pro Monat.
• Dank der jährlichen Renten-Erhöhungen amortisiert sich die Einzahlung nach gut 14 Jahren.
• Da die Frau eine statistische Lebenserwartung von knapp 22 Jahren hat, erhält sie dadurch gut 12.000 Euro mehr, als eingezahlt wurde – auch finanziell ein lukrativer Weg.

Dies sollte spätestens mit Rentenbeginn der Frau erfolgen.

Frauen sollten in eigenem Interesse auf eine möglichst hohe eigene Rente achten.


Riester-Verträge

Auch hier ist die Quote bei Frauen viel niedriger; auch weil viele Paare nicht wissen, dass Frauen eine eigene Vorsorge erhalten können, selbst wenn sie nicht berufstätig sind. Vorausgesetzt: Der Ehepartner hat einen Vertrag und sie zahlt 60 Euro im Jahr ein – im Gegenzug gibt es 175 Euro geschenkt. Hinzu kommt eine Möglichkeit, die viele Frauen nicht nutzen: „Stirbt der Partner während der Anspar-Phase, kann das Kapital auf die Frau übertragen werden“, sagt Finanz-Expertin Annabel Oelmann.

„Solche Beispiele zeigen, wie notwendig es ist, dass Paare gemeinsam ihre Einkünfte im Alter mit Rentenbeginn optimieren“, sagt Alexandra Niessen-Ruenzi von der Uni Mannheim. Die Finanzwissenschaftlerin stellte fest: „Wenn eine Frau demnächst mit 67 in Rente geht, fehlen ihr mindestens 25.000 Euro nur bei der gesetzlichen Rente.“

Und diesen Betrag könnten Frauen locker ausgleichen, resümiert Rentenberater Michael Berger, „wenn sie ihren Mann dazu drängen, die gesamten Einkünfte bis zum Lebensende zu betrachten. Es geht doch bei Rente und anderen Einkünften nicht darum, was man heute hat, sondern, was insgesamt die bessere Lösung ist – gerade für Frauen“.

Fast 25.000 Euro mehr Rente

Dass Renten-Splitting mit Renten-Beginn überlegenswert ist, zeigt diese einfache Rechnung:

FALL 2

Ein Ehepaar (beide 65) hat folgende Renten-Ansprüche:

Er: 1.500 Euro, sie: 1.000 Euro pro Monat. Die offizielle Lebenserwartung des Statistischen Bundesamts unterstellt, hat sie eine Lebenserwartung von 21 Jahren, er von 17,5 Jahren.

Je größer der Renten- und Altersunterschied, desto stärker lohnt sich dieser Effekt.

FAZIT

Wird die statistische Lebenserwartung unterstellt, erhält die Frau mehr als 25.000 Euro mehr Rente. Berücksichtigt man die jährlichen Renten-Steigerungen, erhöht sich dieser Betrag bis zum Lebensende leicht um 50 %. Der positive Effekt vergrößert sich sogar noch, sollte die Frau älter als 86 bzw. der Mann nicht 82 werden. Negativ wird das Ergebnis für die Frau nur, wenn der Mann sehr früh sterben würde, sie selbst sehr alt werden würde, also sehr viele Jahre Hinterbliebenen-Rente erhielte.

In dieser Rechnung sind Kürzungen der Hinterbliebenen-Rente wegen anderer Einkünfte der Frau nicht berücksichtigt. Gäbe es diese, wäre das Renten-Splitting noch positiver für die Frau.

Achtung: Erfolgte die Hochzeit nach 2002, beträgt der Anspruch nur 55 %, also 75 Euro pro Monat weniger.

86,1

Jahre beträgt die statistische Lebenserwartung einer Frau derzeit. Frauen leben damit fünf bis sieben Jahre länger als Männer. Das bedeutet aber auch, dass sie oft viele Jahre mit deutlich weniger Geld auskommen müssen. Deshalb sollten Paare so weitblickend sein, das Einkommen der Frau so zu stärken, dass nicht im Alter drastische Einschnitte drohen.


Fotos: Getty Images / Richard Drury (2), privat