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Mehr Retro geht nicht


fliegermagazin - epaper ⋅ Ausgabe 80/2021 vom 09.07.2021

MENSCH & MASCHINE - Junkers A50 Junior

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Bildquelle: fliegermagazin, Ausgabe 80/2021

Schick gemacht Fürs Fotoshooting mit dem Wellblech-UL hat Junkers zwei Models passend eingekleidet

Blickt man auf die Luftfahrtgeschichte zurück, war es nur eine Episode, eine technische Lösung, die sich nicht durchsetzte: die Verwendung von Wellblech im Flugzeugbau. Und doch haben die Wellblech-Konstruktionen von Hugo Junkers bis heute eine ungebrochene Faszination. Jeder kennt die Ju 52 als »Tante Ju«, jeder einigermaßen Flugbegeisterte außerdem die riesige G38 und die damals revolutionäre F 13.

Letztere wird seit einigen Jahren wieder neu gebaut – von den auferstandenen Junkers Flugzeugwerken, hinter denen der Unternehmer, Pilot und Junkers-Fan Dieter Morszeck steckt (siehe Kasten Seite 81). Er legt nun nach: Künftig soll es auch eine ultraleichte Junkers im typischen Wellblech-Kleid geben. Dafür hat sich Morszeck die A50 Junior vorgenommen, die im Original 1929 erschien. Jetzt ist der erste Prototyp der neu aufgelegten Junior fertig – und fasziniert mit ...

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... überwältigendem Retro-Charme.

Nur ein Jahr haben die Experten von Kaelin Aero Technologies (siehe Seite 82) gebraucht, um den Entwurf von 1929 als UL neu aufzubauen. Was da nun zwischen den Werkshallen im Schwarzwald steht, ist der erste Prototyp – der nie fliegen wird. Er ist für die Belastungsprüfungen der Struktur vorgesehen, an deren Ende die Zerstörung des Flugzeugs steht. Doch der zweite Prototyp ist bereits im Bau, im Herbst soll er erstmals fliegen. »Auf der nächsten AERO wollen wir das erste Exemplar ausliefern«, sagt Dieter Morszeck.

Sein oberster Grundsatz, den er schon bei der F 13 umgesetzt hat, ist auch in der A50 zu erkennen: Er möchte zwar Oldtimer nachbauen, sie sollen aber für ganz normale Piloten alltagstauglich fliegbar sein. Dafür verzichtet er auf absolute Treue zum Original. Bei der F 13 war das vor allem am Triebwerk erkennbar: Sie hatte früher meist einen Reihenmotor. Doch Morszeck entschied sich für einen heute noch gut verfügbaren Pratt & Whitney-Sternmotor. Nur einige Exportversionen der F 13 waren damals so ausgestattet.

Auch bei der Junior weicht das Motorkonzept vom Original ab. 1929 hatte die A50 Sternmotoren – es gab sie mit Armstrong-Siddeley-Genet, Walter oder Siemens & Halske. Morszeck dagegen hat sich für einen Rotax 912iS entschieden. Das ist ein Boxer, aber er erfüllt den Anspruch: Schlüssel drehen, losfliegen. Selbst die modernen Sternmotoren etwa von Rotec oder Verner sind von solch simplem Betrieb weit entfernt.

Die Hamsterbacken stören nicht

So hat die neue Junior kleine Hamsterbacken an der Cowling, hinter denen sich die Zylinder verstecken. Doch sie stehen nur wenig vor und fügen sich überraschend gefällig in das Gesamtbild. Auch der moderne Com-posite-Festpropeller mit seiner weiß-roten Lackierung sticht ein wenig heraus – wenn er nicht dreht. An den Fahrwerksbeinen finden sich ebenfalls leichte Änderungen im Vergleich zum Original.

PIONIERIN

Marga von Etzdorf war 1928 die erste Frau, die als Copilotin bei der Lufthansa flog. Mit ihrer knallgelben Junkers A50 flog sie 1931 allein in zwölf Tagen von Berlin nach Tokio. Auf dem Rückflug verletzte sie sich bei einem Motorausfall in Bangkok schwer.

Doch all das schadet der Ausstrahlung der Junior nicht. Als offener Tandemsitzer entspricht sie voll dem typischen Leichtflugzeugbild vom Ende der zwanziger Jahre. Die Speichenräder des Fahrwerks ergänzen das Retrogefühl sehr gelungen – obwohl darin hochmoderne Scheibenbremstechnik des französischen Herstellers Beringer steckt.

Hugo Junkers hatte mit seiner 1929 präsentierten Junior große Pläne: Nicht weniger als ein Volksflugzeug sollte sie werden; eine Produktion von 5000 Exemplaren wurde angepeilt. Doch mit etwa 16 000 Reichsmark war die Maschine recht teuer – und sie kam genau zur Weltwirtschaftskrise auf den Markt. So entstanden am Ende nur 69 Stück, von denen heute nur drei erhalten sind. Keines davon fliegt noch. Die A50 hält einige Rekorde, der wohl bekannteste ist der Alleinflug der Pilotin Marga von Etzdorf 1931 von Berlin bis nach Tokio.

Keine Streifen oder Sternchen!

Heute wünscht sich Dieter Morszeck einen Erfolg der Junior als UL. Dank der auf 600 Kilo angehobenen Maximalmasse für Ultraleichtflugzeuge passt die Junkers genau in die UL-Klasse: 360 Kilogramm Leergewicht bringt der erste Prototyp auf die Waage; damit liegt er genau im richtigen Bereich.

»Ich möchte neue Menschen zur Fliegerei bringen. Ein Flugzeug wie die Junior kann ganz neue Käufergruppen erschließen«, sagt Morszeck. »Die A50 hat das Zeug zur Design-Ikone.« Er stellt sich vor, wie man an schönen Tagen im offenen Cockpit durch die Alpen bis nach Lido di Venezia fliegt – dorthin würde die Junior tatsächlich perfekt passen.

Die ersten 29 Exemplare (wegen des »Geburtsjahrs« 1929) werden für 179 000 Euro brutto angeboten. Enthalten ist die Lederausstattung in beiden Cockpits, ebenso die Instrumentierung des hinteren Panels mit Garmin G3X Touch. Geflogen wird die A50 primär vom hinteren Sitzplatz, auch wenn eine Doppelsteuerung eingebaut ist. Vorne lassen sich optional bis zu vier Rundinstrumente unterbringen. Der Prototyp ist silber lackiert, doch Morszeck kann sich auch andere Farben vorstellen: schwarz, rot, gelb – aber immer matt, metallic und einfarbig. Streifen oder Sternchen, das kommt für ihn nicht in Frage. Qualität, sagt Morszeck, ist der oberste Leitfaden bei dem Projekt. Ein Einweisungsprogramm für Käufer der Junior ist geplant.

Wo die originale A50 zwischen den beiden Cockpits einen Gepäckraum hatte, wird in der neuen Junior das Rettungssystem untergebracht sein. Platz für Gepäck findet sich stattdessen hinter dem Sitz des Piloten.

Insgesamt 80 Liter Sprit passen in zwei Flächentanks. Sowohl die Kühl- als auch die Ansaugluft erhält der Rotax über einen Einlauf oben in der Cowling. Er wirkt bei erster Betrachtung überraschend klein – ob er ausreicht, wird die Flugerprobung zeigen. Aus dem großen Spinner ragt ein Festpropeller in Compositebauweise.

Die Experten von Kaelin Aero sind auf eine Serienfertigung eingerichtet. Unter der Wellblech-Außenhaut haben sie einige konstruktive Anpassungen vorgenommen. So wurden im Original auch Stahlteile verwendet –zu schwer für die neue Junior. In den Flügeln, die jeweils nur etwa 30 Kilogramm wiegen, wurde die Strebenkonstruktion teils durch Rippen ersetzt. 200 Werkzeuge erlauben es, Spanten, Rippen und andere Bauteile zu formen und zu pressen, sodass sie mit relativ geringem Aufwand aus Aluminium entstehen.

Zeitgleich mit unserem Besuch findet zwischen den Werkshallen ein Fotoshooting der Junkers Flugzeugwerke statt. Dafür sind auch zwei Models am Set, die mit passender Kleidung aus den zwanziger Jahren vor dem Flugzeug posieren. Als die Frau mit Pilotenjacke und Lederhaube die Tragfläche hinaufklettert, wird die Vorstellung ganz real: Motor an, Gas reinschieben und sich im offenen Cockpit den Wind um die Nase wehen lassen. Eigentlich könnte es sofort losgehen in der Junkers A50 Junior! Wir sind schon jetzt gespannt, wie sich die Maschine fliegen wird.

»Ich möchte neue Menschen für die Fliegerei begeistern«

Der Macher

Der Kopf hinter den neu entstandenen Junkers Flugzeugwerken ist der Kölner Unternehmer Dieter Morszeck. Der 68-Jährige hatte in den siebziger Jahren den von seinem Vater geführten Kofferhersteller Rimowa übernommen. Zugleich begeistert er sich schon seit früher Kindheit fürs Fliegen und ist selbst Pilot. 2016 wurde bekannt, dass Morszeck einen flugtauglichen Nachbau der Junkers F 13 (im Bild oben) in Serie nachbauen will. Bislang sind zwei Exemplare in die Luft gekommen, ein drittes steht vor der Fertigstellung. 2018 zog sich Morszeck bei Rimowa zurück, schon vorher hatte er die Mehrheitsanteile des Unternehmens an den französischen Luxusgüterkonzern LVHM verkauft.

Zu Morszecks Unternehmensgruppe Dimor gehören nicht nur die Junkers Flugzeugwerke, sondern seit einigen Jahren auch der US-Hersteller Waco Aircraft Corporation in Battle Creek, Michigan. Dort werden die klassischen Doppeldecker Waco YMF-5 und Great Lakes 2T-1A-2 gebaut. Im Werk sollen auch künftige Exemplare der Junkers F 13 entstehen.