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Mehr: Unabhängigkeit!


myself - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 13.02.2019

Ja, es macht etwas Mühe, Lustigeres gibt es auch. Aber Finanzheldinnen leben nun mal entspannter. Ein 10-Punkte-Guide für Einsteigerinnen


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Bildquelle: myself, Ausgabe 3/2019

FÜR NOTFÄLLE?Ein paar Scheine in der Hosentasche vermitteln ein gutes Gefühl, aber es gibt bessere Alternativen.


1 Klar, das Schönste an Ihrem Girokonto ist der großzügige Dispo und dass es keine Push-Mitteilungen sendet, sobald es im Minus ist. Und da steht ja dieser _ Ordner mit Vorschlägen für sinnvolle Geldanlagen im Schrank. Und von den Eltern ist vielleicht auch noch etwas zu erwarten. Können wir nicht von anderem sprechen als über dieses leidige Thema Geld? ...

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... Diesmal nicht. Denn dies ist Schritt 1 auf dem Weg zur Finanzheldin. Und der lautet: keine Ausreden mehr, anfangen!

2 Die Faktenlage ist ernüchternd. Kürzlich war in derFrankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zu lesen, dass ein Viertel der Frauen in Deutschland sich am liebsten gar nicht mit seiner Rente befassen will – wohlwissend, dass sie nicht ausreichen wird. Studien prognostizieren, dass 75 Prozent der heute 35 bis 50 Jahre alten Frauen später von Altersarmut bedroht sind. Das bedeutet, die Rente reicht bei Weitem nicht im Alter. Das können wir verdrängen. Besser aber ist es, vorzusorgen und sich unabhängig zu machen von solch gespenstischen Vorstellungen – ohne mangelnde Kompetenzen, Unlust oder zu wenig Zeit vorzuschieben. Denn dann wären wir ja wieder bei Schritt 1. Folgen Sie uns lieber beherzt zu Schritt …

INVESTIERENGeld arbeitet – sofern es gut angelegt ist. Aber nicht auf dem Sofa.


3 Wir starten mit der Bestandsaufnahme: Was besitzen Sie alles? Girokonto, Sparschwein, Versicherungen, Bausparvertrag, Wertanlagen, Omas Goldschmuck: Listen Sie alles auf. Dafür können Sie sich ein hübsches Notizbuch kaufen, eine Excel-Tabelle anlegen oder eine von unzähligen Apps runterladen – empfehlenswert sind unter anderemFinanzguru ,MoneyControl, Cost Track oderiXpenseIt, für PaareSplitwise . Notieren Sie in einer zweiten Tabelle nun Ihre monatlichen Einnahmen und Ausgaben: Wie viel kommt rein, wie viel geht wofür raus? Das nimmt nicht viel Zeit in Anspruch – fünf, höchstens zehn Minuten am Tag. Hilfreich kann auch sein, seine Einkäufe mit EC-Karte zu bezahlen, dann fliegen nicht so viele Kassenbons umher, die man sortieren muss. Hören Sie Podcasts zum Thema, zum Beispielfinanzwesir.com oder den unserer Expertin madamemoneypenny.de . Lesen Sie Bücher und Zeitungsartikel. Nutzen Sie alles zum Thema, das Sie kriegen können.

4 Langsam bekommen Sie einen Eindruck, was Sie monatlichwirklich zur Verfügung haben. Nächster Schritt: Sind alle Versicherungen, die Sie besitzen, wirklich sinnvoll? Passt alles zu Ihrem derzeitigen Leben? Sehen Sie unterfinanztip.de nach, ob der eine oder andere Vertrag mit dem Stromanbieter oder fürs Smartphone nicht auch preiswerter zu haben wäre. Und, kleiner Geheimtipp von Expertin Natascha Wegelinaka Madame Moneypenny: Ziehen Sie bei allen variablen Ausgaben, die Sie tätigen, also Einkäufen, Ausgehen, Kosmetik, Geschenken, am Ende des Monats mal spaßeshalber rund 15 Prozent ab. Probieren Sie aus, ob Sie im nächsten Monat die errechnete Vorgabe einhalten können – ein bisschen Herausforderung muss sein. Wir prophezeien: Es klappt.

5 Jetzt kommt ein etwas unangenehmer Schritt: die Rentenlücke berechnen. Sie gibt an, wie viel Ihnen trotz Rente zu einem für Sie zufriedenstellenden Lebensstandard fehlen wird. Beim Berechnen der Lücke helfen Websites wie oder Rentenberater. Es lohnt sich, etwas Zeit mit dieser Zahlenschiebererei zu verbringen, auch wenn das Ergebnis Faktoren wie Preissteigerung oder Einkommensentwicklung nicht berücksichtigt. Spätestens dann, sagt Natascha Wegelin, stellt sich nicht mehr die Frage, ob Sparen cool oder uncool ist. „Geld ausgeben, das man nicht hat oder noch dringend gebrauchen kann, das ist uncool.“ INVESTIERENGeld arbeitet – sofern es gut angelegt ist. Aber nicht auf dem Sofa.

6 Was wir sparen, lassen wir für uns arbeiten. Vorher drängt Natascha Wegelin darauf, einen sogenannten Notgroschen in Höhe von etwa drei Nettogehältern anzusparen, idealerweise geparkt auf einem Tagesgeldkonto. Davon wirdnicht der nächste Urlaub bezahlt oder die zwölfte Handtasche. Das Geld ist da für Situationen wie Jobverlust, längere Krankheit, unerwartete große Reparaturen. Erst wenn man das hat, geht es richtig los mit dem Anlegen. „So unsexy das Wort, Rücklagen‘ klingt, so deutlich übernehme ich damit Verantwortung für mich und mein Leben“, sagt Frauke Hegemann, Generalbevollmächtigte bei der comdirect bank. „Darüber hinaus kreiere ich persönliche Freiheit.“ Und das ist eindeutig sexy.


„Es geht nicht darum, irre reich zu werden, sondern nicht arm zu sterben“


7 Damit sind wir bei einem zentralen Thema in Sachen Finanzen: unseren Glaubenssätzen. Sätze wie „Egal, wie viel du verdienst, es sind immer 1000 Euro zu wenig auf dem Konto“ oder „Über Geld spricht man nicht, man hat es“ prägen uns unbewusst und damit unser Verhältnis zu Geld. Es lohnt sich, sie zu überprüfen – und einige zu vergessen. „Unser finanzieller Status quo ist Spiegelbild unserer Glaubenssätze, deswegen müssen wir auch die Glaubenssätze ersetzen“, sagt Madame Moneypenny. Sie könnten lauten: „Ich verdiene es, Geld zu haben.“ Oder: „Geld mag mich, und ich Geld.“ Unbedingt ausprobieren, es zahlt sich aus.

8 Nun wird investiert. Nein, dafür braucht man nicht Tausende von Euro. Wir fangen klein an und steigern uns. Der einzige Weg, Geld zu vermehren, da sind sich Frauke Hegemann und Natascha Wegelin einig, ist langfristiger Vermögensaufbau. Jenes berühmte Geld-fürsich-arbeiten-Lassen. Es geht nicht darum, irre reich zu werden, sondern darum, nicht arm zu sterben. Angenom-men, wir verzichten einmal pro Woche auf einen Latte to go und auf das Mittagsmenü beim Italiener – das macht rund 40 Euro im Monat. Schon 25 Euro, so die beiden Frauen, reichen, um in einen ETF-Sparplan einzuzahlen. Kostenlose Depots dafür gibt es bei unterschiedlichen Banken. ETF steht fürExchange Traded Funds, also börsengehandelte Fonds, sie bilden die großen Aktienindizes nach. Natascha Wegelin beschreibt sie so: „Kauft man einzelne Aktien, legt man ein paar schöne Eier in einen großen Korb. Bei ETFs packt man viele Eier in viele Körbe, da kann auch mal eins kaputtgehen.“ Wer sich nicht sicher genug fühlt, kann auch erst mal ein Musterdepot anlegen und dabei sich und sein Anlageverhalten abklopfen. „Aber“, sagt Frauke Hegemann, „bitte machen Sie sich nicht zu lange schlau. Lieber kleine Schritte machen als gar keinen. Frauen zögern unnötig, dabei sind sie in Gelddingen oft viel bedachter.“ Nachjustieren kann man notfalls immer.

9 Beide Expertinnen raten, Ihren Partner mit ins Boot zu holen. Vorausgesetzt, Sie haben eine gemeinsame Lebensplanung. Wer steckt wann zurück, wenn Kinder kommen oder bereits da sind? Und sollten Sie Teilzeit arbeiten oder es in Betracht ziehen – fordern Sie finanziellen Ausgleich von Ihrem Partner. Nur Rentenpunkte, die Ihnen angerechnet werden, reichen nicht aus. Am besten sprechen Sie solche Fragen auch vor der Familienplanung an. Dann wird nämlich deutlich, wie viel Klärungsbedarf in dieser Frage besteht, sagt Frauke Hegemann.

10 Und nun? Füße still halten – Anlegen in ETFs ist eine Sache von mehreren Jahren. Parallel können Sie weiter nach Einsparpotenzialen forschen. Es lohnt auch, auf die Einnahmenseite zu schauen: Wann haben Sie das letzte Gehaltsgespräch mit Ihrem Arbeitgeber geführt? Haben Sie eventuell Aussichten auf mehr Verdienst durch einen Jobwechsel oder Zusatzqualifikationen? Haben Sie Gelegenheit, sich nebenher etwas aufzubauen, was Ihnen zusätzliche Einnahmen bringt? „Wir sind stets der Ausgangspunkt – nicht das Geld“, sagt Natascha Wegelin. Also machen Sie nicht den Fehler zu denken: „Wenn ich mal Geld übrig habe, dann …“ Die Heldin handelt, damit sie bald richtig Geld übrig ha

Die Expertinnen

Natascha Wegelin alias Madame Moneypenny, Finanzbloggerin, Podcasterin. Ihr Buch „Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können“ (rororo, 10,99 Euro) kletterte bis auf Platz 7 in der „Spiegel“-Bestsellerliste.

Frauke Hegemann, Generalbevollmächtigte comdirect bank AG, Schirmherrin des Netzwerksfinanz-heldinnen.de


FOTOS: JACQUELINE HÄUSSLER (1)