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Mein GARTEN, meine APOTHEKE!


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Lust auf Natur - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 07.10.2022

MEDIZIN VOM GEMÜSEBEET

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Gegen fast alle Krankheiten ist ein Kraut gewachsen, so sagt man – und es stimmt! Viele Alltagsbeschwerden von Husten und Schnupfen bis hin zu Verdauungsstörungen lassen sich bestens mit Kräutern behandeln. Ihre Wirkstoffe, allen voran die ätherischen Öle, helfen auf sanfte Weise, die Symptome zu lindern und die Ursache der Erkrankung zu bekämpfen. Doch Salbei, Thymian und Co. sind nicht die einzigen hochwirksamen Arzneimittel, die uns die Natur schenkt. Auch im Gemüsebeet gedeiht ein buntes Allerlei für unser Wohlbefinden. Das Wissen um die Heilkraft verschiedenster Gemüsearten stammt aus frühester Zeit, als Kranke noch nicht einfach zum Arzt oder in die nächste Apotheke gehen konnten. Man musste sich selbst behelfen – im Idealfall mit Medizin, die direkt vor der Haustür im eigenen kleinen Küchengärtlein wuchs. So kam die Zwiebel zu ihrer „Zweitkarriere“ als Hustenarznei, ...

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... ebenso der Knoblauch und der Rettich. Andere Gemüse wie Möhren oder Fenchel taten bei Magengrimmen wohl, wieder andere wie Weißkohl oder Wirsing bei schmerzenden Gelenken. Nach und nach sammelte sich so aus all den guten Erfahrungen ein Wissensschatz an, den wir nicht nur bewahren, sondern als sanfte Alternative zur Schulmedizin auch wieder vermehrt nutzen sollten.

Text und Fotos: Stefanie Schäffer

ARTISCHOCKE

Köstliche Blütenknospen plus heilkräftige Blätter – die Artischocke ist wahrlich ein Gemüse mit Mehrwert! Ihre bitteren Inhaltsstoffe stärken vor allem die Leber und helfen so bei Verdauungsproblemen wie etwa Völlegefühl oder Übelkeit. Zudem senken sie bei regelmäßiger Einnahme den Cholesterinwert und beugen damit der gefürchteten Arterienverkalkung oder Arteriosklerose vor. Wem ein Tee aus Artischockenkraut zu herb schmeckt, kann die Blätter auch 10 bis 14 Tage in Wodka ziehen lassen und anschließend esslöffelweise als Tonikum einnehmen.

Artischocken im Garten: Da junge Artischocken Kälte schlecht vertragen, dürfen sie erst ab Mitte Mai aufs Beet. Reservieren Sie den Südländern ein möglichst sonniges, warmes und staunässefreies Plätzchen, an dem die Pflanzen (gut in Laub eingepackt) auch überwintern können. Blätter kann man bereits im ersten Jahr reichlich ernten. Viele Blütenknospen für die Küche liefern Artischocken ab dem zweiten Standjahr.

RETTICHE

Keine bayrische Brotzeit ohne Radi oder Rettich! Am pikantesten schmecken die schwarzen Wintersorten, deutlich milder die weißen oder roten Sommerrettiche. Verantwortlich für die Schärfe sind Senföle – echte Gaumenkitzler, die zudem Schleim lösen und Krankheitskeime bekämpfen. So tröpfelt aus der durchgestochenen Spitze eines ausgehöhlten und mit Honig gefüllten Rettichs ein erstklassiger Hustensaft, hochwirksam und doch sanft genug, dass auch Kinder ohne Weiteres zwei bis drei Esslöffel täglich davon einnehmen können.

Rettiche im Garten: Sommersorten können Sie ab April, Wintersorten ab Juni säen. Der letzte Termin für die Aussaat ist Mitte August. Da Rettiche bei Schädlingen wie Kohlfliegen oder Erdflöhen sehr hoch im Kurs stehen, sollte man sie von Beginn an mit Kulturschutznetzen abdecken. Gegen ein Pelzigwerden hilft das gleichmäßige Feuchthalten des Bodens.

KARTOFFELN

Für Menschen mit sensiblem Magen sind Kartoffeln ein Segen. Gut verträglich und vielseitig verwendbar stehen sie ganz weit oben auf dem Speiseplan. Daneben gilt der aus geriebenen, rohen Kartoffeln gepresste Saft als hervorragend wirksam bei Sodbrennen. Allerdings sollte man bei der Herstellung darauf achten, nur einwandfreie und geschälte Knollen zu verwenden. Sonst enthält der Presssaft später nicht nur reiche Mengen an Magensäure bindenden Peptiden, sondern auch Solanin, ein unerwünschter Giftstoff, der insbesondere in den Keimen, grünen Stellen und in der Schale der Kartoffel vorkommt.

Kartoffeln im Garten: Ziehen Sie Ende April, Anfang Mai etwa 10 Zentimeter tiefe Rillen ins Beet, und legen Sie alle 30 bis 40 Zentimeter eine Saatkartoffel hinein. Anschließend einen Erdwall über der Reihe anhäufeln und dies, sobald die Pflänzchen jeweils 10 Zentimeter hoch sind, zwei-, dreimal wiederholen. Frühe Kartoffelsorten können für den Sofortverzehr bereits ab Juni, späte Lagersorten im Oktober geerntet werden.

GURKEN

Reine Kosmetik? Keineswegs! Gurken sind viel mehr als nur klassische Schönmacher, die man gerne für Pflegemasken oder Gesichtswasser nutzt. Ihr Saft enthält viele Mineralstoffe, Schleimstoffe und Schwefel – ein Mix, der vor allem sonnengeschädigter Haut überaus wohltut und ihre Heilung unterstützt. Um den Saft zu gewinnen, wird eine Gurke samt Schale fein püriert und das Mus anschließend durch Kaffee- oder Teefilterpapier abgeseiht. Ein kleines Handtuch nimmt den Saft auf und bringt ihn als kühlenden Umschlag auf die geschädigten Stellen.

Gurken im Garten: Wärme, Wasser und ein Rankgerüst – viel mehr brauchen Gurken nicht zum Wachsen. Pflanzen Sie die vorgezogenen Setzlinge ab Mitte Mai aufs Beet, und halten Sie sie von nun an immer gut feucht. Regelmäßiges Durchpflücken fördert die stete Neubildung von Blüten und Früchten bis in den Herbst.

MEERRETTICH

Höllisch scharfe Senföle sind das Markenzeichen des Meerrettichs und zugleich das beste Argument für seine medizinische Nutzung. Denn die leicht flüchtigen Öle reizen beim Einatmen oder bei direktem Kontakt nicht nur die Haut und Schleimhäute. Sie desinfizieren sie auch. Nicht umsonst kennt man den Meerrettich deshalb auch als „Penicillin aus der Küche“. Für die Verwendung als Arznei wird die frische Wurzel fein geraspelt und anschließend mit der doppelten Menge Honig vermengt. Hiervon nimmt man bei Erkältungsbeschwerden oder auch bei Harnwegsinfektionen dreibis fünfmal täglich jeweils einen Teelöffel.

Meerrettich im Garten: Suchen Sie sich eine Stelle, an der die Pflanzen über Jahre hinweg stehen können. Hier legen Sie im März in einem Abstand von 30 Zentimetern dünne Wurzelstücke oder „Fechser“ schräg in die gelockerte Erde. Schon im Herbst können die ersten dicken Wurzeln geerntet werden. Dünnere Wurzeln verbleiben in der Erde und liefern dann im nächsten Jahr wertvolle Arznei oder Würze für die Küche.

MÖHREN

Als eines der mildesten Gemüse überhaupt kennen und schätzen wir die Möhre. Ihre gute Bekömmlichkeit verdankt sie Karotinoiden und Pektinen – zwei natürliche Schutzstoffe für die Magenschleimhaut, die sogar Entzündungen hemmen und Schäden reparieren können. Besonders wohltuend bei einer schmerzhaften Gastritis ist ein Mus, für das man klein geschnittene Möhren zunächst in wenig Wasser weich dünstet und anschließend fein püriert. Die Zugabe von einem Teelöffel Speiseöl sorgt dafür, dass das fettlösliche Karotin optimal vom Körper verwertet werden kann.

Möhren im Garten: Ab März bis in den Juli hinein können Sie reihenweise Möhren säen. Aber bitte Abstand halten, denn bei zu engem Stand stockt das Wachstum und die Rüben bleiben klein. Drei bis vier Zentimeter Platz braucht jede Möhre. Wer sich das Vereinzeln sparen möchte, greift auf die mittlerweile überall erhältlichen, praktischen Saatbänder zurück.

ZICHORIENSALATE

Während Sommersalate recht mild schmecken, warten Winter- oder Zichoriensalate wie Zuckerhut, Endivie oder Radicchio mit reichlich Bitterstoffen auf. Gut so, denn genau dies macht den gesundheitlichen Wert der knackigen Blätter aus! Bitterstoffe regen die Produktion von Magen- und Gallensaft an, wirken dadurch verdauungsfördernd, entblähend und helfen bei Verstopfung. Idealerweise isst man den Salat vor einer Hauptmahlzeit. So setzt die Wirkung rechtzeitig ein und macht die nachfolgende Speise gleich viel besser bekömmlich.

Zichoriensalate im Garten: Warten Sie mit dem Pflanzen nicht zu lange. Spätestens Mitte August sollten die Setzlinge auf dem Beet stehen, sonst werden sie bis zum Winter nicht mehr groß. Erste Nachtfröste im Spätherbst übersteht der Salat problemlos unter Gemüsevliesen oder anderen Abdeckungen. Drohen dauerhaft Minusgrade, erntet man die Pflanzen, wickelt sie in Zeitungspapier und lagert sie im kühlen Keller.

ROTE BETE

Rote Bete gehören zu den Gemüsearten, die viel Nitrat speichern – was jahrelang negativ gesehen wurde, da aus dem aufgenommenen Nitrat in unserem Körper das potenziell krebserregende Nitrit entsteht. Neuere Studien allerdings bewerten das Krebsrisiko als eher gering und bescheinigen dem einst verpönten Inhaltsstoff nun sogar eine positive Wirkung. Denn aus dem gebildeten Nitrit wird letztendlich Stickstoffmonoxid, welches wiederum den Blutdruck senkt und so unserem Herzen guttut. Den größtmöglichen Effekt erzielt man mit etwa 250 ml Rote-Bete-Saft pro Tag über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen.

Rote Bete im Garten: Zeit für die Aussaat ist ab Mitte April bis Mitte Juli. Streuen Sie die Samen im Abstand von etwa 8 Zentimetern in 3 bis 4 Zentimeter tiefe Rillen, und decken Sie sie anschließend gut mit Erde zu. Für ein ordentliches Dickenwachstum dürfen Rote Bete nicht zu trocken stehen – deshalb am besten im feuchteren Halbschatten anbauen, und während der warmen Sommermonate immer wieder gießen!

ZWIEBELN

Das wohl bekannteste „Arznei-Gemüse“ ist die Zwiebel. Die in ihrem Saft enthaltenen Schwefelverbindungen wirken entzündungshemmend und desinfizierend – eine ideale Kombination, die bei allerlei Erkältungsleiden von Husten über Schnupfen bis hin zu Hals- und Ohrenschmerzen hilft. Für die innerliche Anwendung wird aus frisch gehackten Zwiebeln und Zucker ein Sirup angesetzt, von dem man über den Tag verteilt bis zu 10 Teelöffel einnimmt. Bei Schnupfen und Ohrenschmerzen haben sich über Wasserdampf erwärmte Zwiebelsäckchen bewährt, die in Nasen- oder Ohrnähe platziert, langsam ihre heilsamen Dämpfe abgeben.

Zwiebeln im Garten: Starten Sie im April mit Steckzwiebelchen, die im Abstand von 6 bis 8 Zentimetern gerade so tief in die gelockerte Erde gedrückt werden, dass ihr Hals noch herausschaut. Sobald die Schloten im Sommer umknicken, ist Erntezeit. Danach die Zwiebeln im luftigen Schatten noch ein paar Tage trocknen lassen und anschließend in flachen Kisten einlagern.

WEISSKOHL & WIRSING 

Ob Weißkohl, Grünkohl, Wirsing oder Kohlrabi – sämtliches Kohlgemüse „strotzt“ nur so vor gesunden Inhaltsstoffen, die die Abwehrkräfte stärken, Krebserkrankungen vorbeugen und unser Herz schützen. Als Heilmittel verwendet man Kohl äußerlich: Die großen Blätter werden mit dem Nudelholz oder einer Glasflasche so lange gewalzt, bis Saft austritt und anschließend über Wasserdampf sachte erwärmt. So erhält man eine Auflage, die stark entzündungshemmend wirkt und bei schmerzhaften Gelenkbeschwerden wie Arthrose oder Rheuma ausnehmend guttut.

Kohlgemüse im Garten: Am besten eignen sich Weißkohl und Wirsing für Auflagen. Beide Kohlgemüsearten können von Mitte März bis Anfang Juni aus Samen gezogen und später im Abstand von 50 Zentimetern ins Beet gesetzt werden. „Füttern“ Sie die Pflanzen während ihres Wachstums großzügig mit Brennnesseljauche oder anderen organischen Flüssigdüngern. Nur so bilden sie schöne, dicke Köpfe.