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„Mein Gerd wäre 1975 fast an einer Blutvergiftung gestorben"


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 28/2022 vom 13.07.2022
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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 28/2022

Uschi Müller besuchte ihren demenzkranken Gerd über sechs Jahre täglich im Pflegeheim

Sechseinhalb Jahre lang hat Uschi Müller ihren Mann täglich im Pflegeheim für Demenzkranke besucht, gestreichelt, versucht ihn zu unterhalten, seine Hände massiert. Am Ende waren seine wuchtigen Oberschenkel abgemagert zu dürren Beinen. „Auch wenn mich der Gerd nur noch schwach wahrgenommen hat, ich vermisse die Stunden mit ihm. Am Nachmittag ist jetzt eine Leere da“, sagt Uschi Müller. Zweimal wöchentlich bringt sie frische Rosen an sein Urnengrab, zündet eine Kerze an. Heute würde sie ihn nicht mehr verbrennen lassen. „Weil da etwas fehlt“, sagt sie erstaunlich offen. „Heute würde ich mich für eine Erdbestattung entscheiden.“

★★★

Gerd Müller! Er hat die Bundesliga geprägt mit seinen unnachahmlichen Toren. Faszinierend, wie er sich auf engstem Raum drehte, den Ball irgendwie noch unter Kontrolle brachte und ins Tor schoss. Von 1965 bis 1979 spielte der „Bomber der Nation“ für den FC Bayern. Mit ...

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... Franz Beckenbauer und Sepp Maier bildete der bullige Mittelstürmer die Achse der Münchner, war mitverantwortlich für den großen Aufstieg des Rekordmeisters in den 70er-Jahren. Er war der Mann, den niemand stoppen konnte. 365 Tore schoss der Stürmer in Deutschlands Eliteklasse, siebenmal gewann er die Torjäger-Kanone.

Auch ein Dreivierteljahr nach seinem Tode ist für Uschi Müller ihr Gerd immer noch mittendrin. So wie früher in den Strafräumen, so jetzt in Zeitungen, Magazinen, im Fernsehen. „Es vergeht keine Woche, wo der Gerd kein Thema ist, wo nicht irgendwelche Vergleiche gezogen werden“, sagt sie. Natürlich zuletzt meist mit Robert Lewandowski.

„DER GERD WAR WIE EIN GUMMIBALL“

Uschi Müller

Jenem Bayern-Torjäger, dem sie im Vorjahr noch so empathisch gratuliert hat, als er völlig unerwartet Müllers 50 Jahre alte 40-Tore-Marke aus der Saison 1971/72 geknackt hat und dem sie dafür den SPORT BILD-Award überreicht hatte. „Weil ihm der Gerd das aus vollem Herzen gegönnt hätte. Rekorde sind dafür geschaffen, dass sie gebrochen werden – und wenn sie noch so einzigartig sind. Das wird auch Usain Bolt mit seinem 100-Meter-Weltrekord (9,58 Sek; d. Red.) noch erleben“, sagt Uschi Müller, die nicht glaubt, dass Lewandowski – sollte er bis 2023 bei Bayern bleiben – den 365-Tore-Rekord ihres verstorbenen Mannes brechen kann.

„Nein, 53 Tore in einer Saison, das ist auch für einen Lewandowski nicht realistisch“, sagt Uschi Müller. Das hieße: Gerd Müllers Rekord hält nun doch für die Ewigkeit.

★★★

Müller war nie ein Romantiker. Dennoch bedauerte er oft, dass er gern auch in heutigen Zeiten auf dem Platz gestanden hätte. „Der Gerd hat immer gesagt, dass die Stürmer heute mit der Raumdeckung viel bessere Zeiten erleben. ‚Es gibt so viel Platz, so viele Chancen – und es fallen keine Tore. Ich warte schon seit zwanzig Jahren, dass jemand alle meine Rekorde bricht‘“, zitiert Uschi Müller ihren Mann. „Der Gerd war ja wie ein Gummiball. Lag am Boden und war eineinhalb Sekunden später wieder oben in der Luft. Das war ein unglaubliches Talent“, sagt sie und lacht: „Wenn der Gerd das jetzt hören könnte, würde er sagen: ‚Wenn du schon über Fußball redest.‘ Und wehe, ich habe zu Hause gesagt: ‚Vater, die Chance hättest reinmachen müssen …‘“

1965 hatten sie sich ganz langsam kennengelernt. „Er sagte immer, ich wäre ihm nachgelaufen. Dabei war das die unromantischste Geschichte der Welt“, erzählt sie. „Wir haben in Haidhausen (Münchner Osten; d. Red.) nur einen Block auseinander gewohnt, sind uns zwangsläufig begegnet. Mein Vater hat mir erzählt, dass er ein Spieler von Bayern ist. Er hat mir gefallen. ‚Grüß Gott, Herr Müller‘, sagte ich. Er sagte ‚Servus‘. Er war pfiffig und frech, überhaupt nicht, dass er nicht reden konnte. Er hat bei einer Lehrerin in Untermiete gewohnt, in einem möblierten Zimmer. Es hat gedauert. ‚Darf ich dich einladen, ins Kino, zum Essen?‘, fragte er. Irgendwann im Herbst 1966 haben wir gesagt, wir verloben uns. Es gab da keine romantischen Heiratsanträge. Man hat sich verlobt und ein Jahr später geheiratet.“

Bis heute kursiert die Geschichte, dass Müller dem Duisburger Detlef Pirsig einen Brief geschrieben und angefleht hätte, er solle nicht so brutal gegen ihn spielen. Uschi Müller muss lachen, als sie das hört: „Der Gerd hat zeitlebens keinen Brief geschrieben. Mit Pirsig und mit dem Lauterer Ernst Diehl hatte er allerdings zwei Gegner, bei denen er von Mördern sprach. ‚Ich lasse mich von denen nicht kaputt treten‘, hat er gesagt. Auch vor Luggi Müller (Nürnberg, Gladbach, Hertha; d. Red.) hatte er Angst, nachdem der ihm das Wadenbein gebrochen hatte.“ Spieler wie Luggi Müller und Horst-Dieter Höttges (Werder Bremen) rangierten bei Gerd als „Wichser“, die feinere Art von „Mördern“.

Doch was im September 1975 passierte, dafür konnten die härtesten Gegner nichts.

Uschi Müller erzählt, was nie so richtig bekannt wurde. „Der damalige Mannschaftsarzt (Erich Spannbauer; d.

Red.) hatte einen Muskelfaserriss diagnostiziert und ihn gespritzt.

Gerd Müller Das führte zu einer Blutvergiftung, an der er beinahe gestorben ist. Gerd bekam zwei, drei Tage hohes Fieber bis zu 41 Grad, das Bein ist aus dem Glasfiberverband gequollen. Ich fuhr ihn zu Professor Maurer ins Klinikum rechts der Isar. ‚Sofort fertig machen zur OP‘, sagte der. Gerd hätte sein Bein verlieren können oder auch sein Leben. Das war sehr gefährlich. Gerettet hat ihn seine starke Konstitution.“

Uschi Müller verrät noch ein Geheimnis aus dem prallen Leben des größten Torjägers aller Zeiten: „Heute würde es ihm noch viel mehr gefallen in der Bundesliga, weil fast jeder Spieler seinen eigenen Masseur hat.

Der Gerd hat es geliebt und genossen, durchgeknetet zu werden. Am liebsten stundenlang. Doch damals musste der arme Josip Saric täglich fast 20 Mann massieren, zusätzlich geschwollene Knöchel und gerissene Bänder mit seiner jugoslawischen Heilerde behandeln. Da blieb nicht genügend Zeit für den Gerd. Wenn wir dann den Urlaub im Robinson Club verbrachten, sagte ich: ‚Papa, lass dich doch jetzt täglich zwei, drei Stunden lang durchkneten. Doch dann waren ihm 60 D-Mark dafür doch zu viel des Guten.“

Wenn’s denkst, ist’s eh zu spät“

Die besten Sprüche von und über Gerd Müller.

„KLEINES, DICKES MÜLLER!

SCHIESSEN SCHNELLER, ALS TSCHIK DENKEN KANN.“

Der frühere Bayern-Trainer Tschik Cajkovski

„WENN’S DENKST, IST’S EH ZU SPÄT“

Gerd Müller über den Tor-Abschluss

„ER STRECKTE SEIN HINTERTEIL RAUS.

WÄHREND ICH ZU BODEN STÜRZTE UND ,FOUL‘

SCHRIE, MACHTE ER BUMM UND TOR.“

Karlheinz Förster

„MEIN GRÖSSTER TRIUMPH WAR DER SIEG ÜBER DEN ALKOHOL.“

„GERD UND ICH –

WIR WAREN WIE BRÜDER.“

Franz Beckenbauer

„AM SCHÖNSTEN IST EIN SCHUSS INS LEERE TOR.“ Gerd Müller

„WAS SOLL ICH MIT DIESEM KUGELSTOSSER?“

Ex-Bayern-Trainer Cajkovski

„DER STRAFRAUM WAR MEIN REICH. VON AUSSERHALB DES SECHZEHNERS HABE ICH IN MEINER KARRIERE NICHT VIELE TORE GESCHOSSEN.“

Gerd Müller

„GERD MÜLLER IST DER URSPRUNG. IN MEINEN AUGEN IST ER DER WICHTIGSTE SPIELER IN DER GESCHICHTE DES FC BAYERN.“

Franz Beckenbauer

Müller, der bayerische Schwabe eben, der sich auch nichts aus Autos machte, einen klapprigen Mercedes fuhr. Der allerdings gerne Freunde einlud und dann auch nicht knauserig war. Uschi Müller: „Ein Amerikaner hat den Gerd mal gefragt: ‚Sag mal, du kriegst die Schuhe von Adidas, die Tennisschläger von Wilson, du sammelst nichts, nicht mal Uhren, dir liegt nichts an Autos – für was gibst du dein Geld aus? ‚Zum Tanken‘, sagte er. Da war er einfach goldig, der Gerd.“

Und immer flüssig. Die Mitspieler wussten: Wenn sie beim Kartenspielen Geld verloren hatten oder wenn noch was anstand, dann war Gerd Müller eine bessere Bargeld-Adresse als eine Bank. Vor allem, weil er es sich immer wieder schnell reinholte. „Er war beim Kartenspielen den anderen gedanklich meist voraus, wusste immer, was die anderen schon gespielt hatten“, erzählt Uschi. „Ein Hasardeur.“

Es gab keinen Tag in der Laufbahn des „Bombers“ (so wollte er übrigens nie genannt werden), in dem er nicht über zu hartes Training schimpfte. „Gern trainiert hat er nicht. Genauso wenig wie Franz Beckenbauer. Dafür hätte er am liebsten jeden Tag gespielt“, erzählt Uschi Müller. „Und zwar Tag und Nacht. Da waren für ihn die Zeiten von Udo Lattek paradiesisch, weil das kein Schleifer war. Und dennoch musste der Gerd angetrieben werden. Deshalb hat er sich schwer in Branko Zebec verliebt. Innerhalb eines halben Jahres ließ der bei ihm zehn Kilogramm runterpurzeln.“

So wurde aus „kleines dickes Müller“, wie ihn Tschik Cajkovski, sein erster Profitrainer (von 1964 bis 1968) nannte, ein drahtiger, flinker Bursche. „Er war nach Trainingseinheiten unter Zebec so erschöpft, dass er nach dem Abendessen sofort gekotzt hat“, sagt Uschi Müller. „‚Ihm habe ich meinen großen Erfolg zu verdanken. Er kam zur richtigen Zeit, er war meine Lebensversicherung‘, hat ihn der Gerd gelobt, obwohl er ihn manchmal auch hätte umbringen können.“

Bayern kam 1969 im ersten Bundesliga-Meisterjahr mit 13 Spielern aus, so fit hatte Zebec die Mannschaft getrimmt.

Müllers Verfassung weckte Begehrlichkeiten außerhalb der Bundesliga. Uschi Müller erinnert sich an Feyenoord Rotterdam. Der große Trainer Ernst Happel (später HSV) hatte die Holländer 1970 zum Europacupsieg der Landesmeister geführt, wollte die Mannschaft mit Müller toppen, doch dem war das Risiko zu groß. 1973 war sich Müller mit dem FC Barcelona einig – welch Parallele zu Lewandowski heute –, bis er seiner Uschi gestand: „Ich halte es wie Uwe Seeler, ich bleib lieber in Deutschland. Bei meiner Frau, bei meiner Tochter Nikki.“

Also ging anstatt Müller Johan Cruyff (gestorben 2016 mit 68) von Ajax Amsterdam zum FC Barcelona – und wurde dort zur Legende. Anfragen aus Brasilien hörte sich Müller gar nicht erst an. „Denn wennst dort schlecht spielst, erschießen sie dich.“

★★★

Das Kapitel FC Bayern und das Kapitel Bundesliga endete am 3. Februar 1979 mit einem Knall. Trainer Pal Csernai wechselte Müller in Frankfurt aus, ein Novum, das einer Denkmalschändung gleichkam. Bereits Ende Januar hatten die Müllers Präsident Wilhelm Neudecker informiert, dass er ein Angebot der Fort Lauderda-le Strikers aus Florida annimmt. Bayern hatte ihm kein Angebot mehr gemacht. Dennoch wurde es eine schmutzige Trennung, weil Neudecker eine indirekte Ablöse forderte, 50 Prozent der Einnahmen aus einem Abschiedsspiel.

Gerd Müller in Zahlen

1,097Mq uote in der Rekord! SPORT BILD üllers Tor- Nationalelf. 62 Länderspiele, 68 Treffer.

3-mal Europokalsieger der Landesmeister mit Bayern (1974, 1975, 1976).

1970 mit zehn Treffern WM-Torschützenkönig in Mexiko. Insgesamt erzielte er bei Weltmeisterschaften 14 Tore in 13 Spielen. Nur Miro Klose (16 Tore in 24 Spielen) und der Brasilianer Ronaldo (15/19) sind besser.

427Bundesliga-Spiele,365 Tore – Rekord!

16

Bundesliga-Spiele in Serie traf Müller 1969/79 –

5Tore in einer Partie gelangen ihm gleich viermal.

1-mal Weltmeister (1974), einmal Europameister (1970).

36 Jahre war Müller alt, als er am 11. August 1981 seine Karriere beendete.

20 000 Einwohnerhat Müllers Geburtsstadt Nördlingen (Schwaben). 2008 wurde das rund 10 000 Zuschauer fassende „Stadion im Rieser Sportpark“ in „Gerd-Müller-Stadion“ umbenannt.

9Müllers Rückennummer bei Bayern. Im DFB-Team trug er die 13.

„Sicher hatte der Gerd seine Bestzeit überschritten gehabt“, sagt Uschi Müller. „Doch es war ungezogen, wie man den Gerd abserviert hat. Sein Vertrag lief schließlich aus. ‚Ich brauche einen Torjäger, keine Legende‘, sagte Neudecker. Er war ein zorniger, sturer alter Mann. Bei Uli Hoeneß hätte es so was nie gegeben.“

Auch Franz Beckenbauer, seit 1977 bereits bei Cosmos New York, hätte das wohl verhindert. Müller musste nach dem Abschied des Kaisers das Kapitänsamt übernehmen, widerwillig, wie er zugab. Immer wieder gab es Storys, Müller würde Beckenbauer den Status der Nummer eins neiden. „Der Gerd war nie unzufrieden, hat nie um eine Gehaltserhöhung angehalten“, stellt Uschi Müller klar. „Er war zwar keiner, der sich vorne hinstellte, was ein Kapitän manchmal muss. Doch oft genug hat er sich dafür eingesetzt, dass Spieler die volle Prämie bekommen, wenn sie nicht zum Einsatz kamen.“

Auch die sensationelle Torquote in der Nationalmannschaft (68 Treffer in 62 Länderspielen) hätte noch grandioser ausfallen können, hätte Müller nicht nach dem WM-Gewinn 1974 Schluss gemacht. Nicht übrigens, weil die Frauen vom WM-Bankett der Fifa ausgeschlossen blieben, eine von vielen „Enten“ rund um Gerd Müller. Er hatte Bundestrainer Helmut Schön schon lange vor Turnierende gesagt, dass er aufhört, weil ihm das alles zu viel wird. Vor der EM 1976 kam Müller in der Bundesliga nach seiner Muskel-OP wieder so in Fahrt (23 Tore in 22 Spielen). Uschi Müller: „Er wäre zurückgekehrt, wenn ein Anruf von Schön gekommen wäre. Weil er diesen Mann geliebt hat. Mit seinem Humor. Und seiner Nervosität. Gerd erzählte, das wäre manchmal so schlimm gewesen, dass er sich beim Essen mit der Gabel in die Backe gestochen hat.“

„GERD KONNTE SCHNELL IN DIE LUFT GEHEN WIE EIN HB-MÄNNCHEN“

Uschi Müller

Auch Müller konnte nervös werden, erzählt Uschi Müller: „Wenn er Torchancen vergeben hatte, dann hat er nie die anderen mit runtergerissen, sondern über sich selbst geschimpft: ‚Den hätte ja meine Großmutter gemacht.‘ Der Gerd war ein toller Bursche. Auch wenn ich ihm während seiner Alkoholzeit, über die ich hier nicht reden möchte, am liebsten mal die Bratpfanne über den Kopf gezogen hätte.“

Sie lacht herzerfrischend und sagt: „Es war unklar, ob wir zusammenbleiben. Es gibt keine Ehe über 50 Jahre ohne Krise. Der Gerd konnte schnell in die Luft gehen wie ein HB-Männchen.

Doch er hat seine Probleme ohne groß zu reden gelöst. Er hat nicht einmal die Hilfe eines Psychologen in Anspruch genommen. Wir haben es überstanden, Gott sei Dank. Er war ein sehr glücklicher, zufriedener, fröhlicher Mensch.“

Nächste Woche Der Mann, der zwölf Tore in einem Spiel kassierte