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Mein guter Rat: Alarmierende Studien zu Hygiene, Personalnot und Sparzwang: Müssen wir jetzt Angst vor dem Krankenhaus haben?


Bildwoche - epaper ⋅ Ausgabe 48/2019 vom 21.11.2019

Unser Gesundheitssystem hat Lücken, viele Kliniken steckenIN DER KRISE – oft lauern Gefahren. Doch Patienten können sich schützen. Das sollten Sie wissen


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Bildquelle: Bildwoche, Ausgabe 48/2019

57 % der Kliniken sollten laut Experten geschlossen werden, um beim Rest die Qualität zu erhöhen

UNSER EXPERTE
Dr. Johannes Schenkel, Ärztlicher Leiter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland

Fürchten auch Sie sich vor dem Krankenhaus? Laut Forsa hat jede drit te Frau und jeder vierte Mann Angst vor einem stationären Klinikaufenthalt, etwa wegen der gefährlichen Krankenhauskeime. Diese Sorge kann begründet sein, bestätigt Dr. Johannes Schenkel ...

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... von der Unabhängigen Patientenberatung: „Aus Sparzwang werden teilweise Personalstellen nicht besetzt – das kann beim Thema Hygiene die Gesundheit der Patienten gefährden.“

Teils erhebliche Qualitätsmängel

Zum Thema lassen gleich mehrere aktuelle Studien aufhorchen: So steht laut „Krankenhaus Rating Report“ jede zwölfte der rund 1400 deutschen Kliniken vor der Zahlungsunfähigkeit, fast jede dritte ist zumindest überschuldet. „Bis 800 sollten sowieso geschlossen werden“, fordert außerdem die Bertelsmannstiftung: „Allein das würde die Qualität der Versorgung verbessern und Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern.“

Medizinische Regeln werden nicht eingehalten

Denn der Mangel an Fachkräften senke die Behandlungsqualität. Um diese steht es laut Expertise des Berliner Instituts IQTIG ohnehin schlecht! Dessen Prüfung schlug bei 73 Kliniken Alarm, deckte teils erhebliche Qualitätsmängel auf: Das bedrohe die Gesundheit der Patienten. „Auch wir von der Unabhängigen Patientenberatung hören solche Beschwerden oft“, bestätigt Dr. Schenkel. „Dabei verursacht das Deutsche Gesundheitssystem weltweit mit die höchsten Ausgaben – doch ist das Geld auch gut investiert? Tatsächlich können fehlende Regeln die Patienten gefährden.“ Dr. Schenkel erklärt: „Blutvergiftungen etwa werden bei uns oft zu spät erkannt und therapiert.“ Warum? Die Umsetzung medizinischer Standards bleibt jeder Klinik überlassen, und manche sind hier nachlässiger, als es ärztliche Leitlinien fordern. Ähnliches gilt für die Einhaltung nötiger Hygienemaßnahmen, um Infektionen zu vermeiden. Und auch menschliches Versagen bleibt ein gefährlicher Faktor, wie die aktuellen Klinikskandale in der rechten Spalte zeigen.

Behandlungsfehler: Was zu tun ist

Nach Hochrechnungen sterben pro Jahr bis zu 15000 Patienten an Multiresistenten Keimen, EU-weit inf izieren sich damit sogar 670000 Patienten: „Im Streit um Schadensersatz und Schmerzensgeld stehen Betroffene oft vor dem Problem, die Infektionsursache vor Gericht beweisen zu müssen“, weiß unser Experte. „Patienten haben aber selten Einblick in klinikinterne Abläufe und Hygienestandards.“ Wer hier Mängel beobachte und Behandlungsfehler vermute, könne sich an die Patientenberatung wenden, rät Dr. Schenkel. Zuerst solle aber ein klärendes Gespräch mit Ärzten und Klinikpersonal gesucht werden. „Den Verdacht auf Behandlungsfehler kann man direkt ansprechen – vieles lässt sich im Gespräch klären.“

Spezialkliniken behandeln oft erfolgreicher

Bleibt noch die Frage, ob sich mit der sorgfältigen Auswahl der Klinik, etwa bei planbaren Operationen, solche Ärgernisse im Voraus vermeiden lassen. Dr. Johannes Schenkel: „Bei vielen planbaren Behandlungen lohnt sich ein Blick in die Klinik- Empfehlungen auf der Infoseite weisse- liste.de.“ Wobei Erfahrung und Größe der Hospitäler bei der endgültigen Klinikwahl eine wichtige Rolle spielen sollten. Warum diese beiden Punkte wichtig sind, erklärt die Bertelsmann-Studie: „Viele kleine Kliniken mit weniger als 200 Betten sind medizintechnisch nicht adäquat ausgestattet. Jede dritte hat zum Beispiel keinen Computertomografen.“

28 % der Kliniken schreiben rote Zahlen, 12 Prozent sind von Insolvenz bedroht

Ist ein Haus auf bestimmte Eingriffe spezialisiert, kommt es laut Statistik seltener zu Komplikationen, selbst bei schweren Eingriffen. „Das spricht dafür, sich mithilfe des behandelnden Arztes und der Weißen Liste intensiv um die Wahl des besten Krankenhauses zu kümmern“, betont Dr. Schenkel: „Auch eine weitere Anfahrt zur Klinik sollte man für die bessere Qualität in Kauf nehmen.“

Die drei wichtigsten Tipps

Information www.weisse-liste.de bietet Orientierung bei Arzt- und Krankenhaussuche, u. a. mit der Zahl der Behandlungsfälle und der Patientenzufriedenheit in Prozent.

Zweitmeinung Manchmal kommt es auch zur „Überversorgung“ – Ärzte raten sofort zur OP. Unbedingt die Zweitmeinung bei einem weiteren, unabhängigen Arzt einholen!

Beratung Die Unabhängige Patientenberatung (UPD) gibt Auskunft. Gebührenfreie Hotline: 0800/0 11 77 22 (Montag bis Freitag von 8 bis 22 Uhr, Samstags von 8 bis 18 Uhr). Weitere Infos: www.patientenberatung.de