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Mein guter Rat: Wenn ein Engel gleich nebenan wohnt


Bildwoche - epaper ⋅ Ausgabe 20/2019 vom 09.05.2019
Artikelbild für den Artikel "Mein guter Rat: Wenn ein Engel gleich nebenan wohnt" aus der Ausgabe 20/2019 von Bildwoche. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bildwoche, Ausgabe 20/2019

WARMES ESSEN
„Ich habe für Sie etwas mitgekocht!“ So eine Gabe freut viele Senioren


EINKAUF
Ist der Korb nicht zu schwer? Die Nachbarin packt auch hier mit an


FAHRDIENST
„Ich fahre Sie zur Praxis!“ Wer würde sich nicht gern direkt und sicher zu seinem Arzt bringen lassen?


Freiwillige Helfer sind für viele Pflegebedürftige eine enorme Stütze – und das wird immer öf ter auch finanziell honoriert

UNSERE EXPERTIN
Cornelia Jurrmann Sozialverband VdK (www.vdk.de)

Alleine den Alltag bewältigen zu können, schenkt älteren Menschen ein großes Stück Lebensqualität. Doch einkaufen, kochen, putzen fällt vielen von ...

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... Jahr zu Jahr schwerer. So auch Marta Engel. Die 82-Jährige hat gesundheitliche Probleme, möchte aber in ihrem Häuschen in Herford (NRW) bleiben, solange es geht. Obwohl keine Verwandten in der Nähe wohnen und ihr Sohn weit entfernt lebt. Alleine ist die alte Dame dennoch nicht: „Meine liebe Nachbarin umsorgt mich. Und sie hat immer ein offenes Ohr.“ Ohne ihre Hilfe, glaubt Marta Engel, müsste sie wohl in ein Pflegeheim ziehen …

Wie nette Helfer für ihren Aufwand entschädigt werden

Die Ostwestfälin ist glücklich über die Hilfe von nebenan. Und auch ihre „gute Fee“ sieht die ehrenamtliche Aufgabe positiv: Anderen Gutes zu tun, macht zufrieden. Pflegebedürftigen zu helfen, ist etwas Sinnvolles. Nicht ohne Grund engagieren sich immer mehr Menschen in der Nachbarschaftshilfe und machen unser Land damit lebenswerter. Mit viel Herz und ohne finanzielle Interessen werden sie tätig, wo ein professioneller Pflegedienst viel zu teuer wäre. Marta Engel jedenfalls könnte sich den nicht leisten: „Nicht von meiner kleinen Rente.“ Für ihren Aufwand werden die Helfer meist nur aus der Tasche der Hilfsbedürftigen unterstützt: hier einmal fünf Euro fürs Tanken, dort einen Kuchen zum Dank.


70% der anspruchsberechtigten Familien nutzen den Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat noch nicht.


Doch was viele nicht wissen: Die Pflegekasse könnte jeden Bedürftigen ab Pflegegrad 1, der zu Hause oder in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft wohnt, mit einem „Entlastungsbetrag“ von bis zu 125 Euro im Monat unterstützen – für sogenannte „niederschwellige“ Hilfsmaßnahmen wie das Einkaufen und Putzen. „Doch der Betrag wird zu selten beantragt“, weiß Cornelia Jurrmann vom Sozialverband VdK. Was ist der Grund? „Die bürokratischen Hürden sind zu hoch. Geld gibt’s in der Regel nur für gewerbliche Anbieter, die eine Qualifikation nachweisen. Und das lassen die sich mit Stundenhonoraren von bis zu 60 Euro teuer bezahlen!“
Privatpersonen wären da viel günstiger, doch in einigen Bundesländern wird deren Arbeit gar nicht honoriert, in anderen müssen Helfer Schulungen absolvieren, bevor endlich Geld fließt – zur Qualitätssicherung. „Wir fordern schon lange, dass auch Nachbarschaftshilfe unterstützt wird. Damit soll ja nicht die professionelle Pflege ersetzt werden“, betont Cornelia Jurrmann. „Wer braucht schon Schulungen etwa fürs Einkaufen?!“ Die gute Nachricht: Einige Bundesländer gehen das Problem an. So verlangt Sachsen zwar noch Schulungen der Betreuer, doch gibt es keine Vorgaben über deren Länge. Hier haben auch private Helfer die reelle Chance auf einen finanziellen Ausgleich.

Bürokratische Hürden müssen abgebaut werden

Baden-Württemberg verlangt dagegen den Nachweis einer Schulung mit bis zu 160 Stunden! „Damit wird die gute Idee zum bürokratischen Monster“, ärgert sich unsere Expertin. Denn man muss auch noch Belege über die konkreten Tätigkeiten bei der Pflegekasse einreichen. 125 Euro gibt es also nicht pauschal, sondern nur nach Leistung. Das bedeutet zusätzlichen Papierkram – ist aber machbar. Und weil in NRW die verlangten Schulungszeiten kürzlich ebenfalls reduziert wurden, freut sich auch Marta Engel. Ihre Nachbarin wird die Kurse absolvieren und dann endlich auch ein finanzielles Dankeschön bekommen. Und Marta Engel kann noch lange in ihrem Häuschen bleiben …

ASSISTENZ
Auch beim Papierkram ist Unterstützung willkommen


Sie wollen helfen?

Diese drei Fakten sollten Sie kennen

1 Was versteht man unter „Nachbarschaftshilfe“?

Unterstützung im Alltag
Aktiv: Vor allem Alleinstehende profitieren von ihnen: Engagierte Nachbarn tun, was ein professioneller Pflegedienst nicht leistet. Sie erledigen Einkäufe, bringen Bedürftige zum Arzt, helfen, wo Profis zu teuer wären. Eine professionelle Pflege sollen Nachbarschaftshelfer nicht ersetzen! Vielmehr Unterstützung im Alltag schenken, in dem man gemeinsam kocht, bastelt, liest, Ausflüge unternimmt oder den Garten versorgt

An Versicherung denken
Schutz: Ein Helfer muss nicht haften, wenn er bei einer unentgeltlichen Gefälligkeit Schäden verursacht. Besser ist es, wenn die Haftpflicht-Versicherung auch „Gefälligkeits-Schäden“ abdeckt. Lesen Sie nach: Fehlt in Ihrer Police solch ein Passus? Dann wechseln Sie zu einer neuen Versicherung. Viele versichern auch „Gefälligkeits-Leistungen“, etwa der Tarif „Exklusiv Fair Play Direkt“ der Schwarzwälder (jährlich ca. 50 Euro laut test.de). Und wer über einen Sozialverband aktiv wird, ist meist über diese Organisation versichert.

2 Wie man Nachbarschafts-Helfer wird

Zupackend handeln
 Angebot. Ob auf dem Dorf oder in der Stadt: Trauen Sie sich, bedürftige Menschen anzusprechen. Die meisten freuen sich über Zuwendung! Oft genügt den Senioren schon ein nettes Wort im Hausflur oder das Angebot, mal für sie einzukaufen.

Organisiert vorgehen
 Gemeinsam: Wer helfen will, ohne jemanden zu kennen, schließt sich am besten einer „Nachbarschafts-Hilfe“ an, z. B. von Dorf-/Kirchengemeinden, Diakonie oder Caritas. Oder inserieren Sie in der Zeitung bzw. am Schwarzen Brett eines nah gelegenen Supermarkts. Unter „Nachbarschaftshelfer werden“ nennt google.de Adressen. Und wer sich die Organisation zutraut, der kann auch ein eigenes Netzwerk von Nachbarschafts-Helfern gründen.

Qualifikation erwerben
 Schulung: Durch Kurse kann man für seine Hilfe eine entsprechende Aufwandsentschädigung erhalten. Infos geben die Pflegestützpunkte, Pflegekassen, www.zqp.de.

Anerkannt werden  Ausgleich: Mit entsprechenden Schulungs-Zertifikaten gelten (in einigen Bundesländern) auch Nachbarn als „qualifizierte Anbieter“. Nur muss man sich bei der Pflegekasse des betreuten Nachbarn registrieren lassen und seinen „Aufwand“ protokollieren.

Warum ist eine Schulung wichtig?

Ausbildungs-Anspruch
streit: Über diese Frage streiten sich die Experten. Für Cornelia Jurrmann vom Sozialverband VdK sind die Ansprüche an Nachbarschaftshelfer viel zu hoch: „Wer braucht für haushaltsnahe Dienstleistungen schon eine intensive Schulung?“ Doch in vielen Bundesländern müssen auch ehrenamtliche Nachbarschaftshelfer eine „Ausbildung in der Pflege“ nachweisen, wenn sie vom Entlastungsbetrag profitieren wollen. Eine Schulung kann bis zu 160 Stunden umfassen, wie etwa in Baden-Württemberg. Gerade das führt dazu, dass der Entlastungsbetrag kaum in Anspruch genommen wird.

Länder-Vergleich
Infos: Dabei können auch Einzelpersonen in zumindest acht der 16 Bundesländer den Entlastungsbetrag bekommen. Infos geben die zuständige Pflegekasse des zu Betreuenden und www.pflegedschungel.de.

Spezialisierungen
Angebote: Kurse gibt es für verschiedene Anforderungen, etwa für Pflege zuhause oder für die Betreuung Demenzkranker. Auch hierüber informieren die Krankenkassen. Wer solch eine Schulung nachweist, der kann sogar einen lukrativen Nebenverdienst finden, etwa über professionelle Betreuungsdienste wie z. B. www.careship.de (Berlin). Sie berechnen für ihre Betreuung 20 Euro pro Stunde, einen Teil davon erhalten die Helfer.


Fotos: Shutterstock (5), Heidi Scherm

Fotos: Shutterstock (5), Heidi Scherm