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Mein guter Rat: Wie wir Patienten zu unserem guten Recht kommen


Bildwoche - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 10.01.2019

Wer krank ist, möchte gut versorgt sein. Doch manchmal läuft nicht alles nach Plan. Dann sollten Sie wissen, was Ihnen zusteht. Denn Sie müssen sich nicht alles gefallen lassen!


Schnellere Termine beim Arzt

Bessere Versorgung in der Klinik

Artikelbild für den Artikel "Mein guter Rat: Wie wir Patienten zu unserem guten Recht kommen" aus der Ausgabe 3/2019 von Bildwoche. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bildwoche, Ausgabe 3/2019

UNSERE EXPERTIN
Katja Holletschek
Beraterin bei der Patientenberatung UPD,

GUT ZU WISSEN
Vor der Behandlung sollten Patienten einen Fragebogen über frühere Erkrankungen ausfüllen – das erleichtert dem Arzt später die Diagnose


Klara Krüger wurde mit Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall in die Klinik eingeliefert. Die Untersuchung bestätigte dies, der behandelnde ...

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... Arzt riet zu einer baldigen Operation. Doch die 56-Jährige war damit nicht einverstanden und holte sich eine Zweitmeinung von einem Arzt ihres Vertrauens ein. Der riet von dem Eingriff ab. Zum Glück! Denn Klara wurde mit Krankengymnastik wieder beschwerdefrei. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig eine unabhängige Meinung sein kann – vor allem auch, um unnötige OPs zu vermeiden. Außerdem haben Sie ein Recht auf eine Zweitmeinung. Was Sie sonst noch wissen sollten, damit Sie als Patient so behandelt werden, wie Sie es möchten, erklärt unsere Expertin Katja Holletschek von der Unabhängigen Patientenberatung (UPD).

Richtig vorgehen, wenn eine Zweitmeinung gebraucht wird

„Meistens ist es gut, erst einmal den Arzt selbst auf Zweifel bezüglich seiner Diagnose anzusprechen. Unsicherheiten lassen sich so oft direkt klären“, rät unsere Expertin. Zudem bieten viele Krankenkassen selbst Zweitmeinungsverfahren an, etwa für Wirbelsäulen-, Bandscheiben- oder Hüftoperationen und vermitteln ihre Mitglieder dafür auch an qualifizierte Ärzte. In diesem Fall sollten Patienten vorhandene Unterlagen wie Röntgenbilder mitnehmen, damit diese nicht erneut angefertigt werden müssen. Um den richtigen Arzt zu finden, hilft außerdem die neutrale Info-Datenbank weiter.

MÖGLICHE BEHANDLUNGSFEHLER werden auch vom MDK begutachtet. Bei den meisten Fällen wurde 2017 der Verdacht nicht bestätigt


Freie Arztwahl haben Sie auf jeden Fall

Grundsätzlich können Sie sich von jedem zugelassenen Vertragsarzt behandeln lassen. Auch beim Krankenhaus haben Sie ein Wahlrecht. Einzige Bedingung: Es muss sich um eine zugelassene und öffentliche Klinik handeln. Entscheiden Sie sich für ein weit entferntes Krankenhaus, werden jedoch unter Umständen Mehrkosten (z. B. Fahrtkosten) nicht durch die gesetzliche Krankenkasse erstattet. Einen Anspruch auf Behandlung durch den Chefarzt haben Sie im Krankenhaus nicht, sondern nur auf eine Behandlung durch den diensthabenden Arzt.

Nervige Wartezeiten verkürzen

Volle Arztpraxen, lange Wartezeiten – so sieht der Alltag aus. 20 bis 30 Minuten Wartezeit sind noch angemessen, bei unvorhergesehenen Situationen, z. B. Not-fällen, müssen Sie aber leider Geduld aufbringen. Kommt es immer wieder zu längeren Wartezeiten, empfiehlt unsere Expertin, zunächst mit dem Arzt zu sprechen. Zudem besteht die Möglichkeit, sich über ihn bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung zu beschweren. „Hier sollten Sie jedoch bedenken, dass eine Beschwerde das Arzt-Patientenverhältnis belasten kann“, warnt Holletschek. Bessere Lösung: Weisen Sie die Arzthelferin freundlich darauf hin, wie lange Sie schon warten. Tipp: Lassen sie sich den erstmöglichen Termin am Morgen oder nach der Mittagspause geben. Mit dem neuen Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) sollen Kassenpatienten schneller einen Arzttermin kommen: Praxisärzte werden dann verpflichtet, mindestens 25 statt bisher 20 Stunden pro Woche für die Behandlung von gesetzlich Versicherten aufzuwenden. Fachärzte müssen zudem mindestens fünf Stunden pro Woche eine offene Sprechstunde anbieten. Das Gesetz soll im Frühjahr in Kraft treten. Bis es soweit ist, sollten Sie sich an Servicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen wenden oder aber Ihren Arzt bitten, einen Termin für Sie auszumachen.

Einsicht in Ihre Krankenakte nehmen

Generell besteht kein Rechtsanspruch auf Übergabe Ihrer Originalpatientenakte, wohl aber auf Einsichtnahme. Sie können sich Kopien der Akte anfertigen lassen – entstehende Kosten müssen Sie selbst bezahlen. Wenn der Arzt sich auch nach schriftlicher Aufforderung und Setzen einer Frist weigert, Ihnen Kopien zu erstellen, kann anwaltliche Hilfe sinnvoll sein. „Eine Erstattung der Kosten ist möglich, wenn die anwaltliche Hilfe für Ihre eigenen Rechte nachweisbar notwendig ist.“

Sich das Ärztelatein übersetzen lassen

Sie stehen kurz vor einem operativen Eingriff, sind aufgeregt und verstehen absolut nicht, was der Arzt Ihnen erklärt? Dann haken Sie noch einmal nach. „Es ist Aufgabe des Arztes, sich Zeit zu nehmen, eine Operation und wesentliche Risiken verständlich zu erklären“, so die Expertin. Das Gespräch muss früh genug stattfinden, damit Sie ausreichend Bedenkzeit sowie Zeit für das Einholen einer Zweitmeinung haben. „Gerade bei älteren Menschen macht es Sinn, dass eine Vertrauensperson beim Gespräch dabei ist. Eine Entscheidung darf sie allerdings nicht fällen – im Gegensatz zum bestellten Betreuer oder Vorsorge-Bevollmächtigten, der in die Behandlung einwilligt. Aber auch in diesem Fall muss der Wille des Betroffenen beachtet werden.“

FREIE KRANKENHAUSWAHL
In der Regel schlägt der Arzt zwei nächstgelegene Kliniken vor. Die können Sie aber ablehnen


Bei Behandlungsfehlern Nachweise sammeln

Wer glaubt, dass bei der Behandlung etwas schiefgelaufen ist, sollte zunächst das Gespräch mit dem zuständigen Arzt suchen. Er muss sich auf Nachfrage äußern. Falls er an einer gütlichen Einigung interessiert ist, wird er seine Arzthaftpflichtversicherung einschalten, die Ihre Ansprüche mit Ihnen aushandelt. Noch in der Klinik ein Gedächtnisprotokoll anfertigen und das Recht auf Kopien der Patientenakte geltend machen. Übrigens sind Krankenkassen verpflichtet, Versicherte zu unterstützen. Weiter ist es hilfreich, die Gutachterkommission oder Schlichtungsstelle der jeweiligen Landesärztekammer zu informieren. Die wird aber nur tätig, wenn alle Beteiligten zustimmen. Auch bei der UPD können Sie sich kostenfrei beraten lassen: telefonisch 0800/ 0 11 77 22 oder online: .

Praxis geschlossen? Jetzt gibt es Soforthilfe am Telefon

DIE KINDER HABEN FIEBER? Bevor man jetzt in die überfüllte Notaufnahme fährt, macht es Sinn, erst den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 anzurufen


Seit Jahren gibt es einen immer größeren Andrang in den Notaufnahmen der Krankenhäuser: Patienten stellen sich mit Bagatellerkrankungen vor, weil sie keinen zeitnahen Termin beim Hausarzt oder Facharzt bekommen haben. Echte Notfälle leiden darunter. Doch es gibt Alternativen:BUNDES WEITE TELEF ONN UMMER 116 117 : Der Anrufer erhält zunächst eine Ersteinschätzung seiner Beschwerden. Dann wird über den nächsten Schritt beraten: die Fahrt ins Krankenhaus, ein Arztbesuch am nächsten Tag, ein Hausbesuch vom Bereitschaftsdienst oder der Rettungswagen.PORTA LPRAXEN : Hier haben sich Bereitschaftsdienstpraxis und Notfallambulanz an einem Standort angesiedelt – meist direkt bei Kliniken. Gleich zu Beginn wird geprüft, ob es sich um einen stationär zu behandelnden Notfall handelt oder ob eine ambulante Behandlung ausreicht.

Die 3 wichtigsten Urteile für Patienten in 2018

DER FALL: Eine Wachkoma-Patientin hatte in ihrer Patientenverfügung lebensverlängernde Maßnahmen abgelehnt, „wenn keine Aussicht auf Wiedererlangung des Bewusstseins besteht“. Der Ehemann wollte das nicht als Sterbewunsch akzeptieren, wohl aber die Kinder.
DAS URTEIL: Durch ein Gutachten wurde eine schwerste Gehirnschädigung bestätigt. Dies untermauert die Wirksamkeit der Patientenverfügung, die damit laut BGH „bindend“ sei (Az. XII ZB 107/18).

DER FALL: Ein Jugendlicher litt an einer seltenen Erkrankung mit lebensbedrohlichen Erstickungsanfällen. Deutsche Ärzte konnten ihm nicht helfen, wohl aber eine Klinik in Amerika. Die Krankenkasse weigerte sich, die Kosten zu übernehmen.
DAS URTEIL: Gesetzliche Krankenkassen müssen eine neue Behandlungsmethode gegebenenfalls auch dann bezahlen, wenn diese nur im Ausland möglich ist und die Kosten sehr hoch sind (SG Bremen, Az.: S 8 KR 263/17). Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

DER FALL: Weil ihre Hüftprothese zu Metallabrieb führte, klagten zwei Patienten gegen den Hersteller.
DAS URTEIL: Neben Schadensersatz wurde ihnen ein Schmerzensgeld zugesprochen, da Konstruktionsfehler zu Knochenverlust und Entzündungen geführt hatten. LG Freiburg, Az. 1 O 240/10 und 1 O 26/17.


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