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Mein gutter Rat: EINKAUFEN, BANK-GESCHÄFTE , LIEBESLEBEN: Hilfe, wir werden AUSGESPÄHT!


Bildwoche - epaper ⋅ Ausgabe 12/2020 vom 12.03.2020

Das Netz kennt unsere intimsten persönlichen Daten - und die sind für Firmen bares Geld wert! Auch Behörden wissen von uns immer mehr Privates. Was steckt hinter der Überwachung?


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Bildquelle: Bildwoche, Ausgabe 12/2020

BEOBACHTUNG Egal wo und wie wir uns online bewegen: Unsere Daten werden meist gespeichert


Es war an einem Oktobermorgen vor fünf Jahren, als Sarah M. (42) aus Berlin plötzlich schreckliche Nachrichten in ihrem Posteingang hatte. „Wissen deine Eltern, dass du eine Schlampe bist?“, „Schick mir Geld oder ich schicke die Fotos an deinen Boss“ oder „Das ist bloß der Anfang, ich habe noch viel versautere Bilder von dir“. Nach dem ...

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... ersten Schock begann Sarah zu recherchieren und merkte schnell: Sie war Opfer eines Hacker-Angriffs geworden! Jemand hatte sich Zugang zu ihrem Facebook- und E-Mail-Konto beschafft, freizügige Fotos geklaut, die sie an ihren damaligen Freund geschickt hatte - und diese auf unzähligen Internet-Portalen hochgeladen. Und zwar mit ihrem vollen Namen. „Jeder konnte sie sehen, ich war vollkommen am Boden zerstört“, erzählt Sarah. Doch das war erst der Anfang: Der Erpresser schickte ständig neue E-Mails, in denen er immer höhere Summen forderte: „Sonst werde ich die Fotos niemals löschen!“ Sarah sah nur einen Ausweg - und ging zur Polizei! Dort erstattete die Friseurin Anzeige, doch der Täter konnte nie ausfindig gemacht werden. Und die Bilder geistern immer noch im Netz herum …

REISKORNGROSSE RFID-CHIPS In Schweden tragen sie die Menschen unter der Haut, bei uns sind sie „nur“ in Kleidung


Fotos: AdobeStock (2), iStock, picture alliance, privat

Lukrative Geschäfte mit den Daten der Internetnutzer

Leider ist Sarah kein Einzelfall: Jeder zweite Deutsche wurde bereits einmal Opfer von Cyberkriminalität. Datenschützer wundert das nicht. Denn Fakt ist, dass wir häufig recht unbedarft private Daten weitergeben. Sei es beim Online-Shopping, Internet-Banking, beim Buchen von Hotels etc. Dabei übermitteln wir bereitwillig Kontodaten, Konfektionsgröße, Vorlieben und Interessen. Darauf haben es nicht nur Kriminelle abgesehen - auch Google & Co. machen sich diese Daten zunutze. „Die Internetgiganten erstel- len anhand der Daten detaillierte Nutzerprofile, um passende Werbung zu platzieren“, weiß Christine Steffen von der Verbraucherzentrale NRW. „Das Wissen um die Interessen der Nutzer ist bares Geld wert, denn: Unternehmen zahlen pro Klick auf ihre Werbung!“ Um dem entgegenzuwirken, rät die Expertin, regelmäßig über die Einstellung des Browsers (des „Fensters“ auf dem Bildschirm zum Surfen) die gespeicherten „Cookies“ zu entfernen. Diese merken sich Daten und Surfverhalten der User. „Oder man stellt den Browser so ein, dass die Cookies nach jeder Sitzung automatisch gelöscht werden.“ Zudem empfiehlt sie, die Informationen zu Privatleben, Interessen und Finanzen auf das Nötigste zu beschränken. „Natürlich entstehen durch die Digitalisierung viele neue und nützliche Dienste. Egal ob es Apps sind, die das Leben organisieren, Sprachassistenten, die das „Smart Home“ regeln, oder Fitness-Armbänder, die den Blutdruck messen und die Schritte zählen. Trotzdem fallen überall unweigerlich personenbezogene Daten an, das darf man nicht vergessen“, so die Expertin.

TRICKREICH Auch die beliebte App „FaceApp“, die uns zeigt, wie wir wohl im Alter aussehen, steht im Verdacht, Daten weiterzugeben


Datenchip in Kleidung wird im Vorbeigehen ausspioniert

Einen großen Schritt weiter in Sachen Datensammlung ist übrigens Schweden. Fast jeder tausendste Bürger hat hier bereits ein reiskorngroßes, elektronisches Implantat unter der Haut. Dieses ist voller scanbarer Daten - man kann sich damit ausweisen, die Wohnungstür öffnen, bezahlen oder Bahn fahren. Auch bei uns sind diese RFID-Chips („Radio-Frequenz-Identifikation“) auf dem Vormarsch. Allerdings werden sie (noch) nicht unter der Haut getragen, sondern befinden sich zum Beispiel in einigen Kleidungsstücken. Die Mini-Chips enthalten nicht nur den Identifikationscode des Produkts, sie senden ihn auch: Die Daten können im Vorbeigehen ausgelesen werden. So kann theoretisch das Konsumverhalten eines Kunden dokumentiert werden. Wenn es also beim nächsten Mal an einer Ladentür piepst, obwohl Sie - natürlich - nichts geklaut haben, könnte das am Chip in Ihrer jüngst gekauften Jacke liegen. Deswegen der Tipp der Verbraucherschützerin: Beim Kauf von Kleidung nachfragen, ob diese mit einem RFIDChip versehen ist, und ihn gegebenenfalls entfernen lassen.

Ungewöhnliches Verhalten löst sofort einen Alarm aus

Auch Behörden setzen immer häufiger auf digitale Überwachung. Jüngstes Beispiel ist eine Software, die am Bahnhof Südkreuz in Berlin zum Einsatz kam. Die Bundespolizei testete dort, wie gut ein Programm Gesichter in einer Menschenmenge erkennen und mit Datenbanken abgleichen kann. Das Ziel: Straftäter aufspüren. Die Polizei ist mit dem Testlauf mehr als zufrieden: Nur 0,1 Prozent der Gesichter wurden falsch erkannt. Doch allein am Berliner Südkreuz sind täglich 160.000 Menschen unterwegs. 160 würden also zu Unrecht ins Visier geraten - und das jeden Tag!

In China herrscht eine neue Überwachungs-Dimension

Zudem schlagen Datenschützer Alarm: Grundsätzlich stelle die biometrische Gesichtserkennung „einen potenziell sehr weitgehenden Grundrechtseingriff dar“, erklärte der Bundesbeauftragte für Datenschutz Ulrich Kelber. Wer jetzt aber denkt, dass wir in Deutschland unter Beobachtung stehen, hat noch nicht nach China geschaut: Die Volksrepublik entwickelt sich nämlich zum digitalen Überwachungsstaat und baut derzeit in einigen Großstädten, wie etwa in Shenzhen, ein sogenanntes„ Sozialkreditsystem“ auf, das das komplette Leben digital überwacht: Wer schaut heimlich Pornos? Wer lästert in den sozialen Netzwerken über die Partei? Wer fährt bei Rot über die Ampel? Wer pflegt seine Eltern nur halbherzig? Jedes Vergehen wird mit Minuspunkten bestraft. Personen mit schlechten Bewertungen bekommen mahnende Nachrichten aufs Handy, werden öffentlich angeprangert, können keine Flüge mehr buchen oder die Kinder nicht auf gute Schulen schicken. Wer wohltätige Arbeit leistet, Geld spendet oder seine Schulden pünktlich zurückzahlt, bekommt hingegen Pluspunkte. Ende 2020 möchte China das System im ganzen Land aufbauen. Erschreckend: Ein Großteil der Chinesen befürwortet das Ganze!

UNSERE EXPERTIN Christine Steffen Juristin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e. V., Infos: www. verbraucher zentrale.nrw


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