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Mein gutter Rat: Erbrecht für Ehepaare: Welches Testament ist das beste für uns?


Bildwoche - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 03.01.2019

Optimal ver sorgt seinStreit in der Familie vermeidenviel Geld sparen


Artikelbild für den Artikel "Mein gutter Rat: Erbrecht für Ehepaare: Welches Testament ist das beste für uns?" aus der Ausgabe 2/2019 von Bildwoche. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bildwoche, Ausgabe 2/2019

NACHLASS REGELN
Ein Berliner Testament ist die beste Wahl für viele Paare – sie sollten das rechtzeitig beim Notar regeln


Unser Experte
Dr. Anton Steiner Deutsches Forum für Erbrecht,


Nur jeder vierte Deutsche hat seinen letzten Willen aufgesetzt. Dabei empfehlen Experten jedem, das zu tun. Feinheiten, die beim Nachlass für Ehepaare wichtig sind, erklärt Dr. Anton Steiner vom Deutschen Forum für Erbrecht. Und macht Stolperfallen gleich an einem konkreten Fall deutlich: Ein Mann verfügte, die Erbschaft solle „gemäß ...

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... Berliner Testament“ erfolgen. Nach seinem Tod rätselten die Hinterbliebenen: Was meinte er damit? Zuletzt trafen sich seine zweite Ehefrau und die Kinder aus erster Ehe vor Gericht. Das Urteil: Das Testament ist ungültig – es bleibt unklar, welche Vorstellungen der Erblasser mit dem „Berliner Testament“ verband. Deshalb muss sich die Ehefrau das Erbe mit ihren Stiefkindern teilen. (OLG Hamm, Az. 15 W 98/14)

Wie Paare vorsorgen

Die Kinder müssen warten
„Ein Berliner Testament ist tatsächlich für viele Paare die beste Wahl, doch es kann nicht als Einzeltestament verfasst werden“, so Dr. Steiner. „Es muss gemeinschaftlich von beiden Partnern oder Ehegatten errichtet werden.“ Sie bestimmen sich dabei gegenseitig zum Alleinerben. Und setzen fest, wer nach dem Tod des zuletzt Verstorbenen den Nachlass erhält. Die Kinder sind also die Schlusserben und erhalten – wie es laut Gesetz eigentlich wäre – ihren Anteil nicht schon nach dem Tod des ersten Elternteils: „Das Berliner Testament sichert also den überlebenden Partner ab – er muss die Kinder nicht sofort auszahlen und im Extremfall dafür zum Beispiel sein Wohnhaus verkaufen.“

Erbfolge beim Berliner Testament

Dem überlebenden Ehepartner soll der Nachlass des zuerst verstorbenen Partnerszunächst alleine zufallen – wie in unserem Beispiel: Nach dem Tod vonFranz bekommt Resi gesamte Vermögen des Paares. Ihre beiden Kinder Karin und Klaus müssen warten, bis auch Resi gestorben ist. Erst dann bekommen sie ihr Erbe. Nachträglich enterben kann Resi ihre Kinder aber nur, wenn das schon vorab im Testament festgelegt wurde.

Den Partner absichern

Straf-Klausel einsetzen
Allerdings haben direkte Erben in so einem Fall das Recht, sofort ihren „Pflichtteil“ zu verlangen: Die Hälfte des ihnen per Gesetz zustehenden Erbteils. „Um das zu unterbinden, sollte man eine Pflichtteils-Strafklausel ins Berliner Testament aufnehmen.“ Sie bewirkt: Verlangt ein Kind nach dem Tod des ersten Elternteils seinen Pflichtteil, bekommt es beim Tod des zweiten nichts mehr. „Damit das gilt, muss das Kind aber wissen, dass das Testament eine solche Strafklausel enthält“, erklärt der Experte. (OLG Rostock, Az. 3 W 138/13).

Die Erbfolge festlegen

Flexibel bleiben – oder nicht
Beim Berliner Testament kann außerdem der überlebende Partner noch einmal entscheiden – will man das nicht, bietet sich ein „Gemeinschaftliches Testament mit Anordnung von Vor- und Nacherbschaft“ an: Beide Erblasser legen damit die Vermögensnachfolge für die Zukunft fest – und können bestimmte Personen ausschließen. Ungeliebte Schwiegerkinder oder ein neuer Partner des länger lebenden Gatten gehen dann leer aus. Der Nachteil: Ist die Verfügung einmal unterschrieben, lässt sie sich nicht mehr ändern. „Das gilt selbst dann, wenn sich der Partner mit den künftigen Schlusserben überwirft.“ Dr. Steiners Tipp für diesen Fall: „Verfügen Sie per Testament, dass eine enge Bindung gewünscht ist, oder dass der Längerlebende das Testament noch ändern darf.“

WERTVOLLER NACHLASS
Für Ehepartner bzw. eingetragene Lebenspartner gilt ein Freibetrag von 500.000 Euro. Erst darüber hinaus wird Erbschaftssteuer fällig. Wer mehr zu vererben hat, sollte sich gut beraten lassen


Steuern sparen

Guter Rat ist wichtig
Ein weiterer Haken am Berliner Testament: Dasselbe Erbe wird zweimal mit Erbschaftssteuer belastet. „Wer Vermögen hat, sollte sich daher steuerlich und notariell beraten lassen, um viel Geld zu sparen“, rät Dr. Steiner. Der Gang zum Notar lohnt sich auch für Kinderlose: „Viele glauben, der Längerlebende sei automatisch Alleinerbe und ein Testament unnötig“, weiß unser Experte. Ein Irrtum! „Hat das Ehepaar den Güterstand der Zugewinngemeinschaft vereinbart, erben neben dem Ehepartner auch Eltern, Geschwister und Großeltern des Verstorbenen insgesamt ein Viertel des Vermögens – bei Gütertrennung ist es sogar die Hälfte!“ Auch das lässt sich mit dem Berliner Testament vermeiden: „Darin bestimmen Sie die Schlusserben ganz nach ihrem Wunsch.“ Das gilt aber nur bis zur Scheidung: Haben sich Ehepartner rechtswirksam getrennt, wird auch ihr Berliner Testament unwirksam! (OLG Oldenburg, Az. 3 W 71/18)