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Mein gutter Rat: Wer Opa nicht besucht, erbt trotzdem!


Bildwoche - epaper ⋅ Ausgabe 37/2019 vom 05.09.2019

Das Haus der Eltern, das Sparbuch von Oma: Beim Erben geht es meist um ein kleines Vermögen. Doch wie immer, wenn viel Geld im Spiel ist, ist Ärger leider oft vorprogrammiert


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Artikelbild für den Artikel "Mein gutter Rat: Wer Opa nicht besucht, erbt trotzdem!" aus der Ausgabe 37/2019 von Bildwoche. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bildwoche, Ausgabe 37/2019

Besuche per Testament zu erzwingen, stößt bei Richtern auf kein Verständnis


PLUS weite re spannende Urteile

Viele Großeltern wünschen sich regelmäßigen Kontakt zu ihren Enkeln. Doch setzen sie ihre Verwandten unter Druck – noch dazu in einem Testament – kann das am Ende unerwünschte Folgen haben. So wie im Fall von Erwin R. Er hatte in seinem letzten Willen seine Ehefrau sowie seinen Sohn aus erster Ehe zu jeweils 25 Prozent ...

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Viele Großeltern wünschen sich regelmäßigen Kontakt zu ihren Enkeln. Doch setzen sie ihre Verwandten unter Druck – noch dazu in einem Testament – kann das am Ende unerwünschte Folgen haben. So wie im Fall von Erwin R. Er hatte in seinem letzten Willen seine Ehefrau sowie seinen Sohn aus erster Ehe zu jeweils 25 Prozent als Erben eingesetzt. Die restlichen 50 Prozent sollten die beiden Enkel, die Kinder des zweiten Sohnes, zu gleichen Teilen bekommen. Allerdings hieß es im Testament, dies gelte „nur, wenn sie mich regelmäßig, d. h. mindestens sechsmal im Jahr besuchen.“ Andernfalls sollten die restlichen 50 Prozent des Geldes zwischen der Ehefrau und dem Sohn aus erster Ehe aufgeteilt werden. Trotz der Auflagen besuchten die Enkel den Großvater nicht – und als dieser schließlich starb, forderten Ehefrau und Sohn das komplette Erbe für sich. Jedoch ohne Erfolg! Die zuständigen Richter sahen die auferlegte Besuchspflicht für die Enkel als sittenwidrig und damit ungültig an. Die Enkel bekamen ihren Anteil zugesprochen. (OLG Frankfurt, Az. 20 W 98/18 ) Laut Schätzungen kracht es bei rund einem Drittel aller Erbfälle ähnlich wie bei diesem – und das teils so gewaltig, dass zahlreiche Konflikte vor Gericht landen. Wir nennen die wichtigsten neuen Urteile:

DAS IST MIR! Nach dem Tod der Eltern zanken sich die Kinder häufig ums Erbe


§Auch Urlaub kann vermacht werden
Was passiert eigentlich mit Resturlaub, wenn ein Angestellter stirbt? Damit mussten sich jetzt Berliner Richter beschäftigen. Urteil: Der Urlaub geht auf die Erben über, die Tage müssen ausgezahlt werden.(AG Berlin, Az. 56 Ca 10968/15)

§Pflichtteil am besten schriftlich entziehen
Wer einem Verwandten den Pflichtteil des Erbes verwehren will, muss das auch im Testament festhalten. Im verhandelten Fall hatte ein Vater auf seinen Pflichtteil geklagt, nachdem sein Sohn gestorben war. Dieser hatte einzig seine Frau als Alleinerbin eingesetzt – mehr nicht. Doch der Vater bekam sein Geld.(OLG Nürnberg, Az. 12 U 1668/17)

§Sohn muss nicht für den Verein weiterbezahlen
Mitgliedsbeiträge seiner Mutter wurden noch jahrelang vom Konto der Verstorbenen abgebucht. Erst dann bemerkte es ihr Sohn. Sofort stellte er den Dauerauftrag ein – sehr zum Ärger des Vereins. Dieser ging aufgrund der konsequenten Zahlungen davon aus, dass der Sohn die Vereinsmitgliedschaft übernehmen wollte! Die Richter sahen das anders: Die Zahlung von Beiträgen allein bedeutet nicht automatisch, dass man weiter Mitglied sein will.(AG München, Az. 242 C 1438/16)

§Apple muss Erben iCloud-Zugang gewähren
Ein wegweisendes Urteil zu Cloud-Daten: Apple muss den Erben eines verstorbene iCloud-Anwenders dessen Zugangsdaten mitteilen. Es gebe keinen Grund, digitale Inhalte anders zu behandeln als Tagebücher, die ja auch an die Erben fallen, erklärten die Richter.(LG Münster, Az. 0140 565/18)

§Gemeinsames Testament kann ersetzt werden
Ein Ehepaar hatte ein gemeinsames Testament verfasst, in dem sie sich jeweils als Alleinerben einsetzten. Die Schlusserbfolge sollte dann der länger Lebende bestimmen. Nach dem Tod ihres Mannes schrieb die Frau ein eigenes Testament, gegen das ihre gesetzlichen Erben klagten. Vergeblich – das neue Testament ist gültig!(OLG Celle, Az. 6 W 4/18)

§Tiere können kein Vermögen erben
Hund Lucky sollte nach dem Tod von Herrchen alles erben: Haus, Land und Vermögen. Ein Freund des Verstorbenen sollte sich um das Tier kümmern. Der Halbbruder des Toten klagte und gewann: Tiere können nicht erben, so die Richter. Das Testament ist unwirksam.(LG Bonn, Az. 4 T 363/09)

ARMER HUND Vierbeiner als Alleinerbe? Nicht bei uns!


WICHTIG Nur ein handschriftliches Testament ist gültig


§Änderungen gelten nur auf dem Original
Erblasser können ihren letzten Willen jederzeit widerrufen. Allerdings muss das eindeutig geschehen! Eine Frau wollte eine ihrer Töchter zur Alleinerbin machen. Im Streit änderte sie ihre Meinung und strich auf einer Testament-Kopie die betreffende Passage durch. Pech: Laut Gesetz gilt das Original- Testament.(OLG Stuttgart, Az. 8 W 71/16)

§Wer ausschlägt, kann es nicht rückgängig machen
Verwahrlost wurde eine Verstorbene von der Polizei in ihrer Wohnung gefunden. Ihre Schwester schlug aus Angst, dass die Tote nur Schulden hinterlassen hatte, das Erbe aus. Als herauskam, dass die Schwester 6.500 Euro bekommen hätte, wollte sie das Erbe doch. Zu spät, erklärte das Gericht. Die Frau hätte nicht aufgrund irgendwelcher Spekulationen vorschnell handeln sollen!(OLG Düsseldorf, Az.: 1-3 Wx140/18)

§Manchmal klappt es allerdings doch
Kompromissbereit zeigten sich Frankfurter Richter: In dem vorliegenden Fall verzichtete ein Sohn auf sein Erbe, weil er dachte, dass seine Mutter dadurch alles bekäme. Doch dann forderte der Bruder des Toten einen Teil ein. Der Sohn zog vor Gericht – mit Erfolg: Er habe die Folgen seiner Entscheidung falsch eingeschätzt. Sein Erbteil stehe ihm zu, so die Richter. Die Ausschlagung wurde daher rückgängig gemacht.(OLG Frankfurt, Az. 20 W 197/16)

§Alleinerben gehört nicht automatisch alles
Ein Mann hatte seinen Sohn als Alleinerben eingesetzt. Mit seiner Ehefrau allerdings hatte er ein gemeinsames Konto, auf das beide zugreifen konnten. Die Kontoverträge sahen vor, dass der überlebende Gatte das Konto im Todesfall auflösen oder auf seinen Namen umschreiben durfte. Das gefiel dem Sohn überhaupt nicht und er beanspruchte die Hälfte des Kontovermögens. Zu Unrecht, so die zuständigen Richter. Zwar stehe dem Sohn der gesamte Nachlass zu – das Sparbuch allerdings nicht.(OLG Frankfurt/M. Az. 20 W 98/18)

§Schweigepflicht gilt nicht uneingeschränkt
Ausnahmen bei der ärztlichen Schweigepflicht von Medizinern sind möglich! Kommt es etwa nach dem Tod eines Patienten und Erblassers zum Streit zwischen den Hinterbliebenen, darf man dessen Arzt befragen. Die Begründung: Wird die Aussage des Doktors benötigt, um die Wogen innerhalb der Familie zu glätten, so ist das Lösen von der Schweigepflicht auch im Sinne des Verstorbenen.(OLG Koblenz, Az. 12 W 538/15)

Wie muss ein Testament aussehen?

Mit einem Testament können Sie selbst Ihren Nachlass regeln und bestimmen, wer was erbt. Allerdings gibt es einige Dinge zu beachten:
1 Das Testament muss vollständig von Ihnen mit der Hand geschrieben sein. Es sollte als Überschrift „Testament“ oder „Letzter Wille“ tragen.
2 Die eingesetzten Erben sollten eindeutig auszumachen sein. Sie müssen mit Vorund Nachnamen sowie Geburtsdatum genannt werden.
3 Es sollten unbedingt Ort und Datum der Niederschrift angegeben sein. Bedenken Sie: Sind mehrere Testamente vorhanden, ist das jüngste Dokument gültig.
4 Wichtig: Das Testament muss am Schluss mit vollem Vor- und Nachnamen unterschrieben sein. Nennen Sie dabei gegebenenfalls auch Ihren Geburtsnamen.

Mein Testament 1
Zu meinen Erben setze ich meinen am 19.7.1979 geborenen Sohn Michael Mustermann und meine am 7.2.1981 geborene Tochter Clara Mustermann zu gleichen Teilen ein. 2
Berlin, den 17. Dezember 2 015 3
Erika Mustermann geb. Musterfrau 4

So gibt es keinen Ärger

D urch ein fachmännisch formuliertes Testament kann Streit in der Familie im Vorfeld vermieden werden. „Zudem macht es häufig Sinn, bestehende Erbmasse noch zu Lebzeiten zu übergeben. Etwa indem das eine Kind eine Immobilie erhält und das andere Ausgleichszahlungen“, so Anwalt Anton Steiner. Generell gibt es zwei gleichwertige Testamentsformen: Das von A bis Z mit eigener Hand geschriebene und unterschriebene Testament und das Testament, welches zur Urkunde eines Notars erklärt wurde. „Vor allem bei unverheirateten Paaren ist ein Testament wichtig“, weiß der Experte. „Denn ohne Trauschein hat der Überlebende keinerlei Ansprüche im Erbfall.“ Und so, wie man die Lieben namentlich per Testament begünstigen kann, kann man ungeliebte Personen enterben: „Das muss dann im Testament genau festgehalten sein. Zum Ausgleich kann der Enterbte allerdings den Pflichtteil verlangen. Dies ist ein Geldanspruch in Höhe der Hälfte des Wertes seines gesetzlichen Erbteils. Eine Entziehung dieses Pflichtteils ist nur in seltenen Fällen, etwa bei schweren Straftaten möglich“, erklärt der Jurist. Und wie sieht es aus, wenn ich etwa die Pflegerin im Heim als Erbin einsetzen will? „Das ist etwas komplizierter“, so Steiner. „Und meist nur möglich mit einer Ausnahmeregelung von einem Notar oder Anwalt.“

UNSER EXPERTE Dr. Anton Steiner,Rechtsanwalt, Fachanwalt für Erbrecht aus München. Infos: www.groll-grosssteiner.De


Fotos: AdobeStock (3), Christian Müller, Istock (2), picture alliance