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Mein Haus, das hat fünf Ecken


ÖKO-TEST Spezial Geld & Versicherungen - epaper ⋅ Ausgabe 10/2014 vom 17.10.2014

Ökologisch und trotzdem kostenbewusst zu bauen ist anspruchsvoll, aber keine Zauberei. Mit einigen grundlegenden Prinzipien klappt beides – so wie bei diesem Einfamilienhaus im Ruhrgebiet.


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Artikelbild für den Artikel "Mein Haus, das hat fünf Ecken" aus der Ausgabe 10/2014 von ÖKO-TEST Spezial Geld & Versicherungen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Nikolaus Herrmann

Manchmal braucht man einfach Glück. Lange hatten Sabine Welter und Nils Berger nach einem passenden Grundstück oder einem Haus in ihrem Viertel gesucht. Dann, nach etlichen Altbaubesichtigungen, langem Warten und intensivem Projekteschmieden, kam doch noch der Durchbruch. Auf dem Gelände eines ehemaligen Holzbaubetriebs sollten Grundstücke für Einfamilienhäuser erschlossen werden. „Wir ...

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... wollten im Umkreis unserer bisherigen Wohnung bleiben, weil unsere Kinder hier in die Schule gehen und die Lage ideal zur Arbeit und zur Innenstadt ist“, erzählt Sabine Welter. Da machte es auch nichts mehr, dass der künftige Baugrund erst von den Hinterlassenschaften des Gewerbebetriebs gereinigt und Erde ausgetauscht werden musste.

Das Flächenrecycling passte zum gesamten Projekt der Familie, die genaue Vorstellungen von ihrem neuen Zuhause hatte: Ein Holzhaus aus ökologischen und gesunden Materialien sollte es sein, komfortabel aber nicht überdimensioniert und vor allem nicht zu teuer. „Wir hatten ein Budget, das wir einhalten wollten und mussten“, erinnert sich Nils Berger. Und so war von Anfang an Kostentransparenz gefragt. „Mit einer ersten Architektin hat das nicht gut geklappt, das war uns zu vage. Außerdem war deren Hausentwurf irgendwie nicht richtig rund“, sagt Frau Welter. Über ein Holzbauunternehmen lernte das Paar dann die Solinger Architektin Christine Overath kennen. Die im ökologischen und gesunden Bauen erfahrene Fachfrau erstellte eine neue Planung, kalkulierte die Kosten und begleitete den Bau bis zur Fertigstellung.

Dem konsequenten Kostenbewusstsein fiel als erstes der Keller zum Opfer. „Wir hatten in unserer bisherigen Eigentumswohnung auch keinen Keller und sind das Haushalten mit Stauraum gewohnt“, erklärt Sabine Welter, „und im Keller lagern sowieso meist Dinge, die man nur selten oder gar nicht mehr braucht.“ Stattdessen plante Architektin Overath oberirdisch so viel Lagervolumen wie möglich ein. Unter der einläufigen Treppe ins Obergeschoss, im Anschlussraum neben der Küche und im Hauswirtschaftsraum neben dem Eingang ist reichlich Platz. Im Spitzboden unter dem Pultdach lagern selten genutzte Dinge wie Koffer. Und über eine Außentür mit dem Hauswirtschaftsraum verbunden öffnet sich ein Schuppen, der den Carport erweitert und in dem Fahrräder und andere Freiluftutensilien untergebracht sind.


Viel Stauraum eingeplant – dann geht es auch ohne Keller


Mit 364 Quadratmetern ist das Grundstück gerade groß genug für ein frei stehendes Haus. Trotzdem wirkt das Zuhause der Familie nicht beengt. Das liegt auch an der grünen Umgebung, die mit ihrem alten Baumbestand viel zum hohen Wohnwert beiträgt, und das gerade mal zehn Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Das von der Form des Grundstücks vorgegebene Fünfeck hat Christine Overath für eine ungewöhnliche Hausform genutzt. „Die schräge Seite weist nach Südwesten; da lag es nahe, hier viel Licht ins Haus zu bringen.“ Und so hat das Haus eben fünf Ecken und nicht nur vier. Eine faltbare, vierteilige Fensteranlage lässt sich komplett zur Seite schieben und öffnet den Essplatz ins Freie zur Straßenseite hin. Ein Hauch von Luxus, den sich die Familie ganz bewusst gegönnt hat. Die kleine Terrasse davor ist der perfekte Platz für einen Plausch mit den Nachbarn. Soll es ruhiger sein, steht auf der Rückseite eine weitere Terrasse zur Verfügung, der ein großer Baum auf dem Nachbargrundstück viel Schatten bietet. So war hier auch kein Sonnenschutz notwendig – wieder Geld gespart. Nach Süden und Westen halten preiswerte Außenraffstores die Hitze ab. Mehr war für einen guten sommerlichen Wärmeschutz nicht nötig, hat eine Simulation am Computer ergeben.

Das Raumprogramm haben sich Sabine Welter und Nils Berger genau überlegt und gemeinsam mit Christine Overath optimiert. Eine offene Küche und ein großzügiger Essplatz begrüßen den Besucher, der unter dem Carport an der Längsseite das Haus betritt. Getrennt durch die quer zur Längsachse installierte, einläufige und damit kostengünstige Treppe liegt der Wohnraum. „Wenn die Kinder oder einer von uns fernsehen oder lesen will, geschieht das abseits des trubeligen Essplatzes“, freut sich Sabine Welter. Ein kleines Gäste-WC samt Dusche sowie eine Garderobe rahmen den immerhin fast zwölf Quadratmeter großen Hauswirtschaftsraum ein. Den kleinen Raum für die Hausanschlüsse mit Strom, Wasser und Erdgas platzierte die Architektin so neben der Küche, dass er, ausgestattet mit Regalen, gleichzeitig als Vorratsraum dient. Dank der großen Deckenhöhe sind im Technikraum die einzelnen Geräte zum Teil übereinander platziert. Überhaupt wirkt das Haus durch seine überdurchschnittliche Höhe größer, als es tatsächlich ist. Dazu trägt auch der Luftraum bei, der in Verlängerung der Treppe Erdund Obergeschoss miteinander verbindet. Auf fünf Quadratmetern öffnet er die Sichtbalkendecke und bringt über ein hoch liegendes Fensterband Licht in die Hausmitte.

Der Riegel des Stauraums unter der Treppe links teilt den Wohnbereich ab, die Öffnung der Decke liefert Licht und Luft.


Küche und Essplatz sind der Mittelpunkt des Familienlebens. Die Glasfront lässt sich komplett zur Seite schieben.


Alle Fotos: Nikolaus Herrmann

So geht kostengünstiges Bauen

Ein Patentrezept gibt es nicht, dafür ist jedes Projekt zu unterschiedlich. Aber einige Tipps verhelfen zum preiswerten Weg in die eigenen vier Wände. Kompromisse an den richtigen Stellen sind zwar unabdingbar, machen aber das Leben und Finanzieren leichter:

■ Ein ehrliches Finanzierungsmodell aufstellen und dieses dem Architekten mitteilen. Dabei einen kleinen Puffer für Unvorhergesehenes einplanen. Sich selbst daran halten.

■ Langfristig nach günstigen Grundstücken Ausschau halten. Oft sind Restflächen, Brachen oder große Gärten in bestehenden Wohngebieten bebaubar. Auf Erschließungsstandard achten.

■ Preiswerte Hanggrundstücke ermöglichen statt Keller vollwertigen Wohnraum. In Südlage nutzen sie Licht und Wärme optimal. Abstützung ist aber teurer.

■ Kleine Grundstücke lassen sich jenseits der Reihenhausbebauung geschickt nutzen – mit Wohnhöfen, Atriumhäusern oder Einzelgebäuden, die geschützte Winkel bilden.

■ Frühzeitig einen im kostengünstigen Bauen erfahrenen Architekten auswählen (Referenzen einholen) und Optimierungsmöglichkeiten suchen. Dieser sollte auch die Bauleitung übernehmen und auf der Baustelle präsent sein.

■ Raumprogramm aufstellen und in der Familie diskutieren. Überflüssiges weglassen, Doppelnutzungen einplanen (Anschlussraum als Speisekammer, Arbeitszimmer als Gästezimmer etc.)

■ Kompakte Hausform ohne komplizierte Details wählen. Als Gebäudeform empfehlen sich deshalb einfache kubische Formen ohne Erker und Vorsprünge. Das minimiert auch die Wärmeverluste.

■ Ein Pultdach gewinnt nutzbare Wohnfläche.

■ Wohn- und Aufenthaltsräume richten sich nach Süden mit großen Fensterflächen. Das nutzt den günstigsten Stand der Sonne, verhilft zu natürlichem Licht und sammelt kostenlose Energie. Nutzund Lagerräume gehören nach Norden.

■ Auf unnötige Innenwände und -türen verzichten, Verkehrsflächen wie Flure minimieren.

■ Einfache Lösungen suchen und einplanen: einläufige statt gewendelte Treppe, Festverglasung statt teurer Fensterflügel, Duschvorhang statt Ganzglasabtrennung.

■ Zweischeibenverglasung ist kaum preiswerter als energie- und kostensparende Dreischeibenfenster.

■ Baumaterialien nach ökologischer Qualität und Preis auswählen. Oftmals sind gute Alternativen kaum teurer.

■ Eigenleistungen hinsichtlich Fähigkeiten und Zeitbudget realistisch einschätzen, diese vom Architekten einplanen lassen und vor Beauftragung mit den Handwerkern diskutieren. Komplizierte oder zeitkritische Gewerke lieber den Profis überlassen. Pfusch nachbessern ist teuer.

■ Exakten Bauzeitenplan ausarbeiten und im Gespräch mit allen Beteiligten die Schnittstellen zwischen den Gewerken koordinieren.

■ Standards einplanen, die später nicht oder nur aufwendig zu ändern sind: Dämmstandard, Erschließungsleitungen, Leerrohre.

■ Vorgefertigte Bauteile oder eine weitgehend fertige Gebäudehülle erleichtern Eigenleistungen.

■ Vorerst unnötige Komfort- und Luxusausstattungen weglassen. Eine funkgesteuerte Hausautomation kann zum Beispiel später nachgerüstet werden.

■ Mengenrabatte bei Handwerkerleistungen und Material nutzen. Nach Restposten hochwertiger Produkte Ausschau halten.

■ Nicht am falschen Ende sparen: Gute Handwerker aus der Region sind am Ende oft billiger als Pfuscher übers Internet.

■ Schwarzarbeit lohnt sich nicht. Es gibt weder Gewährleistungsansprüche noch Handhabe bei halbfertiger Arbeit.

Der Grundriss des Obergeschosses offenbart beim zweiten Hinsehen einige schöne, individuelle Lösungen. Zwischen Elternschlafzimmer und Bad plante die Architektin einen 1,60 Meter tiefen Riegel, der zum Schlafraum einen Ankleideraum und zum Familienbad hin eine kompakte Sauna beherbergt. Die Sauna kam etwas später dazu, nachdem sich das Baubudget entspannt hatte. Auch ein platzsparendes Bücherregal vor einer eingerückten Wand im Uförmigen Flur verrät die Handschrift der Architektin. Zur guten Platzausnutzung trägt auch die Holzständerbauweise bei. 32 Zentimeter sind die Außenwände stark – das spart einige Kubikmeter umbauten Raum, von denen jeder einzelne Geld gekostet hätte. Dass deswegen der Wärmeschutz nicht zurücksteht, war den Bauherren besonders wichtig. Die mit preiswerter Zellulose aus recyceltem Zeitungspapier ausgeblasenen Gefache und die sechs Zentimeter starke, ebenfalls gedämmte Installationsebene machen aus den Wänden ein beinahe durchgehendes Dämmstoffpaket. Kostengünstig ist auch die hochformatige Schalung der Fassade mit Brettern aus unbehandelter Lärche. „Die sind 22 Zentimeter hoch, ihre Montage spart Arbeitszeit und damit Kosten. Solche Maße bergen normalerweise die Gefahr des Schüsselns, also einer Verformung, in sich. Aber mit der richtigen Holzauswahl und einer sorgfältigen Montage bekommt man das in den Griff“, erklärt Dieter Zultner, dessen Unternehmen Echthaus-Zimmerei den „veredelten“ Rohbau in nur zwei Wochen über die Bühne brachte. Die komplette Gebäudehülle samt der Fenster war da schon fertig. „Wir haben unser Richtfest im dichten und schon recht warmen Haus gefeiert“, erinnert sich Sabine Welter.


Eigenleistung spart Baukosten – Zeit und Geschick müssen aber sein


Doch dann ging es für die Marketingfachfrau und den Gymnasiallehrer erst richtig los. „Um unser Budget einzuhalten und uns trotzdem schöne Dinge leisten zu können, haben wir ein halbes Jahr lang kräftig mit angepackt“, erinnert sich Nils Berger. Los ging es mit der Montage der Wandheizungselemente im Erdgeschoss. Die bestehen aus auf Gipsfaserplatten aufgeklebten Schamotte elementen, in denen die Leitungen aus Kunststoffverbundrohr später vom Heizungsbauer eingelegt wurden. Das Einputzen der Rohre und den Lehmgrundputz haben die Bauherren in Eigenleistung erledigt. „Den abschließenden Lehmputz haben wir aus Zeitgründen, und weil es besser aussieht, von einer professionellen Lehmbauerin machen lassen“, räumt Nils Berger ein. Die auf Innenund Außenwänden montierten Heizfl ächen verleihen dem Haus mit ihrer Strahlungswärme ein angenehmes Raumklima ohne Staubver wirbelung. Im Obergeschoss wärmen Heizkörper sowie im Bad eine Fußbodentemperierung und ein Röhrenheizkörper als Handtuchwärmer und Raumteiler.

Ein Hauch von Luxus: Die kleine Sauna im Bad kam später dazu, als sich das Budget wieder entspannt hatte.


Die Chemie stimmt: Architektin Christine Overath (links) bespricht mit Bauherrin Sabine Welter eines der vielen Details.


Alle Fotos: Nikolaus Herrmann

Das Geländer im Flur hat der Vater der Bauherrin gebaut. Das Lichtband über dem Luftraum erhellt die Hausmitte. Das Regal links passt perfekt geplant in die Nische.


Foto: Nikolaus Herrmann

Die sauber gearbeitete Unterseite der sichtbaren Holzbalkendecke mit gutem Trittschallschutz – auch dank des kostengünstigen Zementestrichs – hat das Ehepaar gestrichen, bis die Arme wehtaten. Dazu die Bretter des Carports und alle Wände im Haus. „Man lernt jede Ecke kennen, ob man will oder nicht“, lacht Sabine Welter. Immerhin deckte die diffussionsoffene, mineralische Silikatfarbe für die Wände so gut, dass zwei Anstriche reichten. Beim Kauf der massiven Eichendielen für den Fußboden nutzten die Bauherren einen günstigen Zufall. Freunde hatten einen großen Posten mit 300 Quadratmetern geordert. „Da haben wir uns drangehängt und so einen guten Mengenrabatt bekommen“, sagt Frau Welter. Die rustikal aus gebrauchten Fachwerkbalken mit Wurmlöchern geschnittenen Massivdielen haben die beiden dann ebenfalls eigenhändig verlegt. Das gilt auch für die Flusskiesel im Eingangsbereich und im Bad. Die sind auf Matten geklebt, machten aber trotzdem viel Arbeit. Nicht alles funktionierte auf Anhieb, aber mit Rat und Tat einiger Freunde und Verwandter klappte es. Neun Monate nach Baubeginn war das neue Zuhause fertig – die Baufamilie aber auch.


Unterstützt von einer Gas-Brennwerttherme heizt der Kaminofen das Haus


Handarbeit haben sich die Welters auch beim Heizen auferlegt, zumindest teilweise. Wer im Winter morgens als Erster aufsteht, macht Feuer, und auch abends wird eingeheizt. „Das kann schon unser neunjähriger Sohn“, sagt Vater Nils. Der Kaminofen zwischen Wohnzimmer und Essplatz besitzt eine Wassertasche. Das ist ein Wärmetauscher, der den überwiegenden Teil der Wärme an einen 750-Liter-Pufferspeicher im Technikraum liefert. Im Sommer sorgen zwei, insgesamt fünf Quadratmeter große Solarkollektoren für warmes Wasser. Sie sind ebenfalls an den Pufferspeicher angeschlossen.

Ganz ohne fossile Energie geht es aber nicht. Ein Gas-Brennwertgerät übernimmt die Grundversorgung und die Spitzenlast bei hohem Warmwasserbedarf, es kann das Haus aber auch allein heizen. Etwa wenn die Familie aus dem Urlaub kommt und das Haus schnell warm werden muss. Oder wenn keiner Zeit hatte, Feuer zu machen. Normalerweise reicht die Wärme aus dem Kaminofen, um Zimmer- und Wassertemperaturen auf ein angenehmes Maß zu bringen. Wärmeverluste durch den notwendigen Luftaustausch reduziert eine Abluftanlage. Die hat zwar keinen Wärmetauscher zur Wärmerückgewinnung, ist aber in der Anschaffung sowie bei Betrieb und Wartung deutlich günstiger. Über feuchte gesteuerte Abluftelemente in Küche, Hauswirt schaftsraum und den Bädern wird feuchte und mit Gerüchen belastete Luft von einem im Technikraum unter gebrachten Ventilator abgesaugt und ins Freie befördert. Ebenfalls feuchtegeregelte Zuluftelemente in den Außenwänden öffnen und schließen ihre Klappen ohne Strom. Sind viele Personen anwesend oder wird gekocht, ist die Klappe weiter offen und mehr Luft kommt ins Haus. Ist das Haus unbenutzt, wird der Luftstrom auf eine Grundlüftung beschränkt. So bleiben auch die Heizkosten im Rahmen: 50 Euro pro Monat fürs Erdgas reichen fürs Heizen und Kochen. Dazu kommen pro Jahr rund drei Raummeter Kaminholz.

Die Familie fühlt sich sichtlich wohl in ihrem Zuhause. Dazu tragen die netten Nachbarn bei und die verkehrsberuhigte Lage am Ende einer Stichstraße. Aber auch die überschaubaren Kosten: Rund 255.000 Euro reine Baukosten exklusive Grundstück standen auf der Endabrechnung. Gibt es drei Jahre nach dem Einzug trotzdem etwas, worauf man nur ungern verzichtet? „Na ja, ein Gästezimmer wäre wirklich praktisch. Und eine Photovoltaikanlage stand zwar auf der Wunschliste, war aber finanziell nicht mehr drin“, sagt Bauherr Berger. Aber weil das Nachbargrundstück nun doch nicht bebaut wird, leistet sich die Familie demnächst ein zusätzliches Fenster, das mehr Licht ins Wohnzimmer bringt. Durch die Holzständerbauweise geht das ohne größere Probleme. Merke: Nachrüsten und schöner machen geht immer, wenn man die richtigen Grundlagen gelegt hat.

Bautafel

Einfamilienhaus in Holzbauweise

Baujahr: 2011.

Wohn-/Nutzfläche: 175 m².

Dach: versetztes Pultdach, Betondachsteine, Trag- und Konterlattung, diffusionsoffene Unter spannbahn, Sparren aus Konstruktionsvollholz, 26 cm mit Zelluloseeinblasdämmung, OSB-Platte, Lattung mit 6 cm Dämmung, Gipskartonplatte. U-Wert 0,13 W/(m²K).

Außenwände: Rautenschalung aus unbehandeltem Lärchenholz, Hinterlüftung 3 cm, Luftdichtigkeitsbahn, Holzständer Konstruktionsvollholz 18 cm mit Zelluloseeinblasdämmung, OSB-Platte, 6 cm Installationsebene gedämmt, Gipskartonplatte. U-Wert: 0,16 W/(m²K).

Fenster: dreifach verglaste Fenster mit Kunststoffrahmen, U-Wert: 1,07 W/(m²K), vierteilige Holzfensteranlage (zweifach verglast), U-Wert: 1,38 W/(m²K), alle Verglasungen mit warmem Randverbund.

Haustechnik: Wärmeerzeugung über zwei solarthermische Kollektoren (circa 5 m²) und Holzkaminofen mit Wassertasche, 750-Liter-Pufferspeicher für Warmwasserbereitung und zur Heizungsunterstützung, Restwärmebedarf deckt Gas-Brennwertheizung; Wärmeverteilung über Fußbodentemperierung (Bäder), Wandheizung (EG) mit Lehmputz und Heizkörper (OG); Lüftungsanlage ohne Wärmerückgewinnung, feuchtegeregelte Abluftelemente in Küche, Hauswirtschaftsraum und Bädern, feuchtegeregelte Zuluftelemente über Außenwände in Schlaf- und Wohnräumen.

Heizenergiebedarf: 39,39 kWh/(m²a) EnEV 2009.

Primärenergiebedarf: 52,2 kWh/(m²a) EnEV 2009.

Architektin: co-architekten Christine Overath, BDA, Burgstr. 98, 42655 Solingen, Tel. 02 12 / 3 82 44 67, www.co-architekten.de