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Mein Leben im Jetzt


Donna - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 05.06.2019

Als Tanja Kinateder die Diagnose Multiple Sklerose bekam, war Aufgeben keine Option


Später am Tag wird sie den Dom St. Stephan zeigen, auf die Orgel deuten, die größte der Welt. Ist ihre Heimatstadt nicht schön? Sie steht da, das Haar lose zurückgebunden. Eine fröhliche Frau mitten im Leben, so wirkt Tanja Kinateder, wenn sie lacht und grüßt – in Passau kennt man sich. Es ist kalt an diesem Frühlingstag. Sie zieht ihre Strickjacke enger, fasst die Hand ihres Mannes, gemeinsam gehen sie weiter, so wie sie das die vergangenen 26 Jahre gemacht haben. Aber es gab Zeiten, in denen konnte Tanja Kinateder nicht ...

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Bildquelle: Donna, Ausgabe 7/2019

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... mehr laufen, sie lag, hatte sich auf einen langen Abschied eingestellt.

Yoga erleichtert der 42-Jährigen den Umgang mit den Krankheitsschüben. Hier sitzt sie in ihrem Zuhause in Passau


Jeden Sonntagabend spritzte sie sich Interferon, bekam Fieber und übergab sich, kämpfte zwei Tage, rappelte sich hoch. Schübe lähmten vorübergehend ihre Gliedmaßen. Raubten ihr die Geschmacksnerven. Verengten ihr Gesichtsfeld. Einmal, in der Reha-Klinik vor ihrer Abreise, da hat sie eine Selbsthilfegruppe besucht. Doch nichts ließ sich aus den Schicksalen der anderen ableiten. Eine MS-Diagnose, begriff Tanja Kinateder, bedeutet so viel wie: Mach selbst. Sie vertrug die Medikamente nicht, weder Interferon-Spritzen noch Tabletten mit Wirkstoffen, die das eigene Immunsystem bekämpfen. Für Tanja Kinateder fühlte sich das falsch an, sie wollte ihren Körper zum Freund, nicht zum Feind erklären. Als 2014 auch noch ein für Immungeschwächte gefährlicher Virus diagnostiziert wurde, setzte sie alle Medikamente ab. Tanja Kinateder war jetzt gezwungen, sich abseits der Schulmedizin Hilfe zu suchen, und zum Glück war da dieser Mann an ihrer Seite, der sie stütze und schütze, wie er ihr immer wieder versicherte.


Sie will ihr Leben gestalten, andere motivieren – und kein Opfer sein


Seit der Diagnose fokussiert sich Tanja Kinateder auf das Jetzt


Sie stellte ihre Ernährung um, aß nur frisch Zubereitetes, verzichtete auf Milchprodukte und Alkohol. Und sie läuft, wenn sie es kann. 2015 nahm sie am Halbmarathon in München teil, ein Lauf wie ein Rausch, so glücklich war sie, sich selbst zu spüren. Gerettet aber hat sie Yoga. Es hilft ihr, sich auf das Jetzt zu fokussieren, sich abzulenken von den Schüben. Seit letztem Jahr ist sie ausgebildete Yoga-Lehrerin und hat beobachtet, dass sie anderen helfen kann. Sie ist eine Gebende. Bisher hat die Krankheit keine Spuren hinterlassen, sogar das Gefühl in Hand und Fuß ist zurückgekehrt. Und doch weiß Tanja Kinateder, wie flüchtig der Moment ist. Und deshalb wird sie in wenigen Wochen auf der Abiturfeier ihrer Tochter Sophie weinen, ahnt sie, so verdammt groß ist das Glück, Zeugin zu sein.

Wie entsteht Multiple Sklerose?

MS ist eine chronische Krankheit von Gehirn und Rückenmark, sie tritt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Die Ursachen können u. a. eine genetische Veranlagung, Vitamin-D-Mangel, Rauchen, Infektionen sein, sind aber nicht endgültig geklärt. Man spricht von Schüben, wenn ein oder mehrere Entzündungsherde mit Störungen auftreten. Da die Symptome vielfältig sind, dauert es manchmal Jahre, bis die Diagnose feststeht. In Deutschland leiden etwa 130 000 Menschen an MS, davon doppelt so viele Frauen wie Männer.

Behandlungsmöglichkeiten

Akute Schübe lassen sich mit Kortison-Präparaten bekämpfen. Sogenannte Basistherapeutika (z. B. Beispiel Betainteferon) helfen, Schübe zu verhindern, wirken aber nicht bei allen Patienten und haben starke Nebenwirkungen. Eine Alternative: die Mikronährstoff-Therapie mit Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen etc. Entscheidend für einen positiven Krankheitsverlauf sind Bewegung und Sport.


Fotos: Lara Freiburger